Förde-Steig – von Solitüde nach Glücksburg bei Sonnenschein

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Nach zwei Tagen Regen in Flensburg weckte die Sonne den Sonntagmorgen. Das perfekte Wetter für den geplanten zweiten Abschnitt des Förde-Steigs von Glücksburg nach Solitüde. Und wieder kam es anders als gedacht.

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Nach dem Einpacken und Auschecken und einem üppigen Frühstücks-Büffet im „Café Extrablatt“, so ganz in Ruhe, sahen wir am Busbahnhof nur die Rücklichter des Linienbusses nach Glücksburg.  Man hätte wohl doch vorher auf den Plan schauen sollen…

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Sonntags fährt der Bus nur alle 2 Stunden und war daher auch für eine Rückfahrt eher ungünstig. Also nahmen wir das Auto nach Solitüde und würden uns dann in Glücksburg ein Taxi zurück genehmigen. Soviel zur Planung.

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In Solitüde erwartete uns eine im Sonnenlicht glitzernde Förde. Die immer grösser werdenden Wolkenlücken spiegelten sich hellblau auf der leicht gekräuselten Wasseroberfläche. Welch heiterer Anblick nach all dem Grau der letzten Tage.

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Der Förde-Steig läuft auf diesem Abschnitt meist bewaldet oben auf dem Fördehang. Nach jeder Biegung wird ein neuer Blick auf’s Wasser und das gegenüberliegende dänische Ufer der Förde frei.

Die Sonne und der leichte Wind lockten viele Segler aus den Häfen. Die weißen Segel leuchteten im satten Blau. Dieser Sonntag im September wird wohl einer der letzten Tage des Jahres gewesen sein, der Seglerherzen glücklich macht.

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Im Forst Wille, etwas nach zwei Dritteln des Weges, verlässt der Steig die direkte Nähe zum Ufer und führt hinauf in den Wald um sich dann wieder hinunter in die Quellentaler Bucht zu schlängeln.

Ganz plötzlich gibt der Wald den Blick auf das Masten-Meer des dortigen Yachthafen Quellentals frei. Idyllisch eingebettet schiegt sich der Hafen an den Fördehang. Nicht umsonst ist dieser mehrfach als der „schönste Naturhafen Deutschlands“  ausgezeichnet worden.

Vom Yachthafen aus führt der Weg auf Wasserhöhe um die Bucht bis zur Strandpromenade Sandwig, dem Glücksburger Strand.

Schon von weitem leuchtet das weiße Strandhotel, auch „Weißes Schloss am Meer“ genannt, uns entgegen. In dem einst sehr mondänen Haus hatte schon Kaiser Wilhelm II logiert und gespeist.

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Ich hatte dort vor sehr vielen Jahren eine blaue Cordhose (Cord ! So lange ist das her) bei der Abreise im Schrank vergessen. Dieses Missgeschick werde ich wohl für immer mit dem Strandhotel in Verbindung bringen…

Wer mal einen Blick ins Strandhotel werfen möchte, kann bei Stefanie von In der Naehe bleiben schauen, Sie hat gerade dort logiert.

Wir kehrten diesmal nicht ganz so kaiserlich ein, genossen einen leckeren Eisbecher  im Strandbistro Sandwig, ganz ohne WLAN, dafür mit Meerblick, bis es mit dem Taxi zurück nach Solitüde ging.

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Förde-Steig – von Flensburg nach Solitüde im Regen

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Unser verpatzter Helgoland-Trip führte uns, wie schon berichtet, nach Flensburg und da wir ja nun den Rundweg übers Oberland nicht laufen konnten, war eine Alternative nötig. Ein schöner, ausgiebiger Spaziergang an der Förde entlang.

Wir entschieden uns für ein Stückchen des Fördesteig, ein ca. 90 km langer, ausgeschildeter Wanderweg von der dänischen Grenze bis nach Kappeln.

Aber wie es meist mit Wegen am Wasser ist, sie sind selten Rundwege und man muss den gleichen Weg zurück. Den gleichen Weg zurück, das verkürzt die Strecke ja mindestens um die Hälfte.

Ein Blick in den Busfahrplan Flensburgs versprach uns jedoch eine Bus-Rückfahrt von Solitüde zum ZOB. Das war ein guter Plan.

Der Wettergott meinte es immer noch nicht gut mit uns, bei dunklen Wolken und Dauerregen starteten wir von der Hafenspitze Flensburgs die Tour an der Förde entlang. Tristes, dunkles Grau hüllte das Hafenufer und ein paar einsame Boote auf dem Wasser in eine trostlose Kulisse.

Direkt in Flensburg war der Fördesteig nicht besonders attraktiv. Lag das nun am Dauerregen oder an dem Umstand, dass wir einmal falsch abbogen und durch den Industriehafen stiefeln mussten?

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Nach einer gefühlten, feuchten Ewigkeit erreichten wir die Marina „Sonwik“. Auch hier das gleiche Bild, grau und nass.

Während wir im Marina-Restaurant „Odore del Mare“ bei einem profanen Flens (das passte ganz wunderbar zu unserem durchweichten Outfit) abtrockneten, speiste am Nachbartisch ein Seglerpaar zu Mittag.

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Bei herüberduftenden italienischen Nudeln, knackigem Salat und einer gepflegten Flasche Weißwein philosophierte man über das Wetter. Irgendwie kam in mir das Gefühl auf, etwas falsch gemacht zu haben…

Im Hafenbecken begann ein noch nasseres Schauspiel, die Vorführung einer Rettungsinsel. Gut zu wissen wie das geht, aber sicher kein Spass und hoffentlich nie notwendig! Halbtrocken und froh machten wir uns wieder auf unseren Weg.

Am Ende des Hafens, gleich neben der Mole Sonwik, kamen wir an den sogenannten „Wasserhäusern“ vorbei.

Hier also gab es die perfekte Erfüllung all meiner Sehnsüchte. Ein Haus am Wasser, was sag‘ ich, auf dem Wasser, mit einem Bootssteg vor der Tür, mit Balkon und Dachterrasse.

Sollte es jemals wieder aufhören zu regnen, stellte ich mir den Ausblick von da oben, gemütlich im Liegestuhl sitzend, traumhaft vor.

Leises, eintöniges Wanten-Klappern im Ohr, ein Glas Wein in der Hand und die tief stehende Sonne spiegelt sich auf der glitzernden Förde. Weiße Segel leuchten im blauen Wasser… Dicke Regentropfen rissen mich aus meiner Träumerei.

Der weitere Fördesteig führte uns nun immer direkt am Wasser entlang und bot schöne Ausblicke auf die Förde. Bunte Fischerhütten säumten den Uferweg und in der Ferne tauchte irgendwann der kleine Strand von Solitiüde auf.

In Solitüde angekommen war es bestimmt schon eine halbe Stunde trocken und als wir in den Bus zurück nach Flensburg stiegen, lugten die ersten Sonnenstrahlen durch die langsam aufreißende Wolkendecke.

Zurück am Ausgangspunkt, der Flensburger Hafenspitze, genossen wir die ersten und auch letzten Sonnenstrahlen des Tages.

„Und morgen fahren wir mit dem Bus nach Glücksburg (!), laufen von dort eine weitere Etappe des Fördesteig zurück bis Solitüde.“

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Das war auch ein guter Plan, denn am folgenden Tag sollte es warm und sonnig werden. Das wir das noch erleben durften…

Spontan nach Flensburg

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In meinem letzten Blog-Beitrag schrieb ich: „In diesem Sommer waren der Wetterbericht und Spontanität zwei unverzichtbare Eckpfeiler eines gelungenen Sommer-Ausfluges“, und fand meine Aussage auch noch originell.

Nun wurde ich von meiner eigenen Witzigkeit eingeholt. Am Freitagmorgen, mit gepackten Koffern für ein Wochenende auf Helgoland, am Fähranleger der „Funny Girl“ in Büsum. Denn dort stand ein Schild: „Heute keine Abfahrt“.

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„Natürlich können Sie Ihr Geld wieder bekommen. Oder auf Samstag umbuchen. Samstag wird es ruhig (*), Sonntag soll es aber wieder 6 bis 7 Windstärken geben. Das könnte unangenehm werden.“, erklärte der freundliche Herr im Schalterhäuschen.

Um es kurz zu machen, ich entschied mich für „Geld zurück“ und wir fuhren spontan nach Flensburg.

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Blick aus dem Hotel auf die Hafenspitze und die östliche Förde

Beginnen wir also diesen stürmischen, verregneten Freitag mit einem Spaziergang durch die Fördestadt. Gleich neben unserem Hotel befindet sich das Kopagnietor, das ehemalige Gebäude des Flensburger „Schiffergelags“. Hier tagte der Seegerichtshof und waren die städtische Waage und die Handelsbörse untergebracht.

Die Hansen-Brauerei lassen wir links liegen, noch ist es viel zu ungemütlich für ein Bier.

Etwas weiter die Förde hinauf erreichen wir den Museumshafen mit seiner kleinen Museumswerft. Hier liegen historische Frachtsegler und Kutter der Ostsee sicher am Bohlwerk des Hafens vertäut.

Historische Schiffe geben jedem Hafen ein ganz besonderes Flair und ich stehe dann immer sehnsüchtig am Kai und verfalle in Seefahrer-Romantik. Sogar bei Dauer-Nieselregen.

Die Möwen an der Fischbrötchenbude gleich neben dem Werftgelände sind so an Menschen und ihre Brötchenkrümel gewöhnt, sie posieren ganz unerschrocken in die Kamera.

In der kleinen Museumswerft werden noch heute historische Frachtensegler und Arbeitsboote des 18. und 19. Jahrhunderts gebaut. Aber auch restauriert.

Bei einem Bummel über das Werksgelände spürt man die fast vergessene Idylle des traditionellen Bootsbaus. Eine Idylle, die wahrscheinlich trügt.

Noch ein paar Schritte das Westufer der Förde entlang taucht das Volksbad auf. Der, für seine Zeit um 1900, typische Bäderbau wird heute als Kulturzentrum genutzt. Einst ging dort das einfache Volk zum wöchentlichen Bad. Ihre bescheidenen Wohnungen hatten keine sanitären Einrichtungen.

Es soll sogar Badegäste gegeben haben, die nur zweimal im Jahr das Volksbad besuchten. An diesen Tagen wurden daheim die Betten neu bezogen.

Am Volksbad lassen wir die Förde zunächst hinter uns und laufen zum Nordertor, dem einzig erhaltenen Stadttor des Landesteiles Schleswig und Wahrzeichen Flensburgs, hinauf.  Hier beginnt die Einkaufsmeile der Stadt. In der Norderstraße noch mit kleinen Läden aber auch viel Leerstand.

Die Norderstrasse mündet in den Nordermarkt, dem mittelalterlichen Zentrum Flensburgs. Ab hier heißt die Gehstraße erst Große Straße, dann Holm, mit den großen bekannten Einkaufsketten hinter historischen Fassaden, und führt über den Südermarkt bis in die Rote Straße.

In der Roten Straße haben sich wiederum entzückende kleine Boutique-Läden im dänischen Stil angesiedelt. Hier wird es richtig hygge.

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Hinterhof auf der Groschenseite mit Zugang zur Förde

Im Volksmund werden die beiden Seiten der Einkaufsstraße Flensburgs Pfennig- und Groschenseite genannt.

Auf der Groschenseite residierten die reichen Kaufleute, Ihre Häuser und Handelshöfe hatten einen direkten Zugang zur Förde. Viele davon sind noch erhalten, liebevoll bepflanzt und dekoriert und können erkundet werden.

Auf der Pfennigseite lebten die Handwerksfamilien. Ihre Häuser waren deutlich schlichter gebaut, in den Hinterhöfen gingen sie Ihrem Handwerk nach.

Am Nordermarkt angekommen hatten sich der Himmel aufgeklart, der Regen nachgelassen und wir uns ein ganz anderes Wahrzeichen Flensburgs gegönnt. Bei einem frisch gezapften „Flens” ließ sich der weitere Spontan-Kurztrip nach Flensburg ganz prima planen.

In diesem Sinne erst mal: „Plopp…“

(*) Meines Wissens fuhr die Helgolandfähre nur am Samstag. Wir würden noch immer auf Helgoland festsitzen…

 

Advent an der Ostsee – Eckernförde

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Was macht man, wenn man nicht so recht in Weihnachtsstimmung kommen will? Mir ging es so in der Adventszeit und ich dachte mir, dass vielleicht ein Besuch auf einem schönen Weihnachtsmarkt helfen könnte.

Und da ich ja nun mal ein Küstenkind bin, das Wasser liebe, Hafen und Strand, hatte ich Eckernförde für ein vorweihnachtliches Einstimmungs-Wochenende auserwählt.

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Um es gleich vorweg zu nehmen: Eckernförde hat einen (ganz winzig kleinen) Weihnachtsmarkt, der allein wohl eher keine Reise wert ist, Eckernförde ist es aber schon und in Kombination allemal.

Ostseestrand und Hafen prägen das Stadtbild, sowie niedliche Fischer-Häuschen und kleine Gassen in der Altstadt. Wunderschön zum Bummel und Schauen.

Lichterketten, Kerzenschein und bunt illuminierte Bäume zauberten romantisches Weihnachtsflair, Glühwein und gebrannte Mandeln den passenden Duft dazu. Und wer noch etwas ganz Besonderes sucht, ist in der Schokoladen- und Bonbonmanufaktur richtig.

(Ich bin froh, nicht in Eckernförde zu wohnen, ich würde dort täglich einkaufen…)

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Nur ein paar Schritte vom Schokoladenparadies entfernt liegt der Ostseestrand. Hier kann man Laufen, Durchatmen, den Blick über’s Wasser schweifen lassen, vom Sommer träumen.

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Ganz ruhig lag sie da, die Förde, am 4. Advent, und die anfänglich tief hängende Wolkendecke riss sogar auf. Das motivierte den Ein oder Anderen zu ganz advent-untypischen Aktivitäten.

So auch zwei Fischer, die vom Fischfang zurückkehrten. Eine hungrige Möwe freute es, sie forderte lautstark ihren Anteil an der Beute. Und wir? Wir setzten uns in einen Strandkorb am Ostseezentrum, blinzelten in die Sonne und genossen eine schöne Tasse Kaffee.

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Ach ja, in einer Woche sollte dann Weihnachten sein… fast hätte ich es vergessen.

SnapShots – Adventskalender

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Mit ein paar Aufnahmen des Tönninger Packhauses, das sich zur Adventszeit nun schon seit 19 Jahren in den längsten Adventskalender der Welt verwandelt, möchte ich mich in die Weihnachtspause verabschieden.

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Das historische Packhaus verwandelt aber nicht nur seine Fassade in ein funkelndes Weihnachtsmärchen, im Packhaus findet an den vier Adventswochenenden ein Weihnachtsmarkt statt, der mit viel Liebe zum Detail gestaltet ist.

Wer also noch immer mit der Weihnachsstimmung hadert, kann ja mal einen Ausflug nach Tönning planen. Das Packhaus und der Hafen im Weihnachtsglanz stimmen ganz wunderbar ein. Bei mir hat es funktioniert!

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Euch allen noch eine schöne Adventszeit und ein entspanntes Weihnachtsfest!

Helgoland Trilogie – Oberland und Unterland

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Die Hochseeinsel Helgoland besteht aus zwei Etagen, dem Oberland und dem Unterland. Treppen und Wege führen von unten nach oben und umgekehrt, aber es gibt auch einen Fahrstuhl. Kostenpflichtig und mit Fahrstuhlführerin (ein Job, den man sicher mögen muss…).

Generell kann man wohl sagen, das Oberland ist die Naturkulisse, das Unterland der urbane Teil der Insel.

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Einen entspannten Inseltag beginnt der Mehrtagesgast im Cafe „Düne Süd“. Von hier hat man einen erstklassigen Überblick über das „zollfrei-Angebot“ und die anrückenden Tagesgäste, die so gegen Mittag vorbeiströmen.

Wer es etwas ruhiger mag, mit Hafenblick, der setzt sich in die „Bunte Kuh“.

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Abends verkehrt dort das Seglervolk aus dem nahe gelegenen Südhafen. Dann gibt’s Bier und frischen Fisch und es wird auch mal der ein oder andere Seemannsfaden gesponnen. Bis spät in die Nacht.

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Kultur und Historie bietet das Helgoländer Museum . Schon auf dem Museumshof leuchten die Nachbauten der inseltypischen Hummerbuden in fröhlichen Farben. In den Ausstellungsräumen ist die wechselvolle Geschichte der Insel mit viel Liebe zum Detail dargestellt.

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„Ente gut – alles gut…“, eine Sonderausstellung über Walt Disney´s große Zeichner, bildet zurzeit den heiteren Kontrast zu der doch eher „düsteren“ Inselvergangenheit.

Kleiner Tipp: wer die Bunkeranlagen der ehemaligen Festung Helgoland anschauen möchte, sollte rechtzeitig reservieren; die Führungen sind sehr gefragt und meistens ausgebucht.

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Gut zwei Stunden braucht man für einen ersten Überblick über’s Oberland, sprich für den Rundgang. Und den sollte man auf keinen Fall auslassen. Dort oben wird einem erst richtig bewusst, dass man sich auf einer Hochseeinsel befindet.

Dort oben weht der frische Westwind und man hat eine grandiose Aussicht auf die Weite des Meeres. Und natürlich auf die „Lange Anna“ und die Lummen- und Basstölpel-Kolonien.

Aber auch Kurioses lässt sich dort oben entdecken. Zum Beispiel die Heidschnucken, die sich dort, an täglich wechselnde Besucher gewöhnt, die besten Plätze sichern und sogar verteidigen.

Mein persönlicher Favorit ist die Kleingartenanlage direkt an der Felsenkante. Radieschen- und Salatgurkenanbau mit Blick auf’s Meer. So kann sogar Kleingarten Spaß machen.

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Und wenn der letzte Tagesgast wieder eingebootet ist, die Börte-Boote wieder fest vertaut im Hafen liegen, die Sonne langsam hinter der Insel ins Meer sinkt und sich der Himmel  lachsrosa färbt, dann schlendert man noch einmal die Hafenpromenade entlang und genießt die eingekehrte Ruhe.

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Ach, kann das Leben schön sein! Auf Helgoland.

Helgoland Trilogie – Boote, Boote, Boote

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Wer keine 200 Euro für einen Flug investieren will, kommt mit dem Boot nach Helgoland. Ob das die günstigere Reisevariante ist, hängt ganz vom Boot ab, die schönere Variante ist es auf jeden Fall. Und ob nun Fähre bzw. Seebäderschiff oder das eigene Schiff, entspanntes Urlaubsfeeling beginnt bereits im Heimathafen.

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Die „Lady von Büsum“ und die „Funny Girl“ fahren von Büsum im Sommer täglich. Und da die „Lady“ schon eine alte Dame ist, wird sie auf den gut 35 Seemeilen von der „Funny Girl“ regelmäßig überholt. Zweimal täglich. Aber wer ein Schiff besteigt, der hat ja in der Regel Zeit.

Insbesondere den Tagesausflüglern sollte jedoch klar sein: die Fährfahrt ist Teil des Vergnügens; man verbringt mehr Zeit an Bord als an Land.

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Auf Helgoland angekommen, legt man nicht einfach im Hafen an. Es wird auf Reede ausgebootet. Das Ausbooten, also umsteigen von der Fähre auf ein schaukeliges, offenes Börte-Boot, ist Tradition auf Helgoland.

Zitat travellbook.de : Als sie [die Börte-Boote] zum Einsatz kamen, erleichterten sie vielen Helgoländern die Arbeit – und deren Gästen die Anreise. Denn als Helgoland 1826 Seebad wurde, habe es keinen Hafen gehabt, sagt Krüss [Helgoländer Heimatforscher]. Die Passagiere wurden „huckepack“ die letzten Meter durchs Wasser getragen.

Man stelle sich das nur mal vor!

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Andere kommen mit dem eigenen Segel- oder Motorboot und finden im Südhafen ihren Liegeplatz. Was am Freitag noch recht leer und übersichtlich aussah, hatte sich über den Samstag hinweg mächtig gefüllt.

Boot an Boot im Päckchen. Da heißt es klettern, wenn man an Land möchte und gut organisieren, wenn man plant wieder auszulaufen.

Etwas gemächlicher geht es im Nordosthafen zu. Dort liegt jedes Boot am Steg, dort kennt man sich, dort bleibt man größtenteils unter sich. Es gibt nur wenige Gastplätze.

Wirklich toll ist es, dort auf der Mole zu sitzen und mit Einbruch der Dämmerung auf Freunde zu warten, die vor guten zwei Stunden in Büsum ausgelaufen sind.

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Den Horizont nach einem winzigen Licht abzusuchen, es zu fixieren bis die Silhouette eines Bootes zu erahnen ist, bis das winzige Boot erkennbar Kurs auf den Hafen nimmt, immer schneller immer größer wird und dann, an einem vorbei, in den Hafen einläuft. Das ist wirklich spannend.

Überhaupt hätte ich nicht erwartet an einem, zugegeben sehr sonnigen, Wochenende im September so viele Bootseigner auf Helgoland anzutreffen. Aber was liegt für einen Küstenbewohner eigentlich näher als das eigenes Boot? Zumal man sein eigenes Bett dabei hat und nicht langfristig planen und buchen muss.

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Nur wenn die Freunde mit Boot nach ihrer abendlichen Inselrundfahrt erzählen, man hätte etwas verpasst, dann ist das eine echte Planungspanne… in Zeitalter des Handy… oh Mannomann!

Aber wir hatten ja noch unsere Schiffstour mit der Lady zurück nach Büsum vor uns. Bei fast spiegelglatter See, komplett eingeschlafenem Wind…

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…und in die Abenddämmerung hinein. Das war dann auch noch mal richtig schön!

Glückstadt – perfekt für einen Wochenend-Trip

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Gesucht wird ein Ort, der so ungefähr den gleich langen Anfahrtsweg von der Westküste wie aus dem Osten Hamburgs hat, schön zum Laufen ist und genug Abwechslung für ein nettes Mädelswochenende bietet. Unsere Wahl fiel auf Glückstadt an der Elbe.

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Laut Wettervorhersage erwartete uns ein trübes Februarwochenende, das sich aber noch aufhellen sollte. Als Quartier suchten wir uns eine schnuckelige Ferienwohnung inmitten der Stadt, am Jungfernstieg, kein 5 Minuten vom Hafen entfernt. Schon der Kontakt zur Vermieterin war so nett, dass wir mit viel Vorfreude anreisten.

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Fährt man nach Glückstadt und kommt nicht mit der Fähre aus Wischhafen, muss man erst mal durch die Wildnis. Aus Richtung Norden durch die Blomsche, aus Richtung Osten durch die Engelbrechtsche.

Das Vorland an der Elbe, vor Jahrhunderten noch nicht eingedeicht und immer wieder Überflutungen ausgesetzt, wurde Wildnis genannt. Wildnis oder Wüstenei, was sich heute noch in den ungewöhnlichen Ortsnamen der Glückstädter „Vororte“ widerspiegelt.

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Zur Entstehung Glückstadts und seines Namens weiß Wikipedia folgendes:

Glückstadt wurde 1617 von Christian IV. (König von Dänemark und Norwegen und Herzog von Schleswig und Holstein) gegründet, um dem wachsenden Hamburg einen Gegenpol zu bieten. Der Ort sollte eine uneinnehmbare Festungs- und Hafenstadt an der Unterelbe werden. Der Name Glückstadt und die Fortuna im Wappen standen sinnbildlich für diesen Plan: „Dat schall glücken und dat mutt glücken, und denn schall se ok Glückstadt heten!“

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Beherrscht wird das Stadtbild von dem Binnenhafen und seinen zahlreichen, historischen Gebäuden. Ein wenig holländischen Ursprunges mutet die Silhouette der nördlichen Hafen-Bebauung an.

Und da die Welt ja bekanntlich klein ist, habe ich sogar eine alte Bekannte getroffen. De Albertha, der holländische Traditionssegler, mit dem ich auf der Kieler Förde in der Flaute steckte. Die Albertha vor den hübschen Giebeln Glückstadts, die niederländische Illusion nahezu vollendet.

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Der Fährhafen Glückstadts liegt stromabwärts etwas nördlich vom Binnenhafen und dem Stadtkern, einen guten Nachmittags-Spaziergang entfernt. Schon von der Binnenhafenmole aus sieht man die Anlegerbrücke in der Ferne. Der Weg führt vor dem Elbdeich mit schönem Blick auf die Elbe entlang.

Läuft man um den Binnenhafen herum und dann elbaufwärts, entfernen sich Weg und Deich immer weiter vom eigentlichen Elbufer. Man braucht etwas Entdeckergeist um den kleinen Trampelpfad zum Wasser zu finden.

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Die mit Granitsteinen befestigte Uferstelle ist winzig und gut versteckt, die Aussicht grandios. Elbaufwärts schaut man in die Weite, elbabwärts der Blick auf die Binnenhafeneinfahrt.

Gegenüber liegt die unbewohnte, grüne Insel Rhinplatte im Elbstrom und dahinter schemenhaft die dicken Pötte in der Fahrrinne. Und die untergehende Sonne, es sollte ja aufklaren!

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Die Elbe plätscherte sanft an die Steinkante, das Sonnenlicht glitzerte auf der leicht gekräuselten Wasseroberfläche, sonst war kein Laut zu hören, kein Mensch zu sehen. Kennt Ihr das auch, am perfekten Ort zu sein und mal wieder keinen Prosecco, Käse oder Baguette dabei zu haben?

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Aber auch ohne die italienisch-französische Krönung idyllischer Orte, und trotz nur ein paar bummeliger Grad über Null, war die halbe Stunde Sonnenuntergang am Elbstrand ein sommerlich gefühlter Kurzurlaub; für Seele und Sinne.

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Und somit wäre der Beweis erbracht: Glückstadt macht auch im Februar glücklich.

 

Stipvisite Nordstrand

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Nordstrand, eine Insel mit Landanschluss. Seit 1935 verbindet der hochwasserfreie Nordstrander Damm die Insel etwas nördlich von Husum mit dem Festland. Insulaner wie Urlauber sind nicht von Fähren und Tide abhängig.

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Blick ins winterliche Watt von Westen – im Hintergrund die Hallig Südfall

Die Entstehungsgeschichte der Insel ist ganz spannend und eng mit der Nordsee, besser gesagt, mit verheerenden Nordseefluten, verbunden. So um 1200 gehörte das heutige Nordstrand zu einer großen eingedeichten Halbinsel, deren Hauptort das legendäre (im Meer versunkene) Rungholt war.

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Blick Richtung Pellworm mit Leuchturm und ankommender Fähre

Die Flut vom Januar 1362, die sogenannte 1. Groote Mandränke, trennte die Halbinsel vom Festland. Übrig blieb eine U-förmige Insel, deren Enden die jetzigen Inseln Nordstrand und Pellworm bildeten.

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Blick Richtung Nordstrandischmoor mit einer Warft

1634 wurde dann auch Pellworm von Nordstrand getrennt, von der Burchardiflut, in einer einzigen Abendstunde. Auch die Halligen Nordstrandischmoor, Hamburger Hallig und Südfall entstanden so.

Erst 20 Jahre später gelang es eingewanderten Deichbauern aus Flandern und Brabant den ersten neuen Koog auf Nordstrand wieder dauerhaft einzudeichen und die Insel somit wieder bewohnbar zu machen.

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Am Fährhafen Stucklahnungshörn

Noch heute erzählen die Nordstrander Straßennamen von Kögen und Deichen:
Osterkoog-, Morsumkoog-, Pohnshalligkoog- oder Neukoogstrasse,
die Alterkoogchaussee;
Mittel-, Oster, Herren-, Hamburger- und Engländerdeich.

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Traumhaft schöne Töpferarbeiten

Typisch für Nordstand sind die kleinen Wohnhäuser, die man nicht hinter, sondern auf den Deichen gebaut hat, wie Perlen auf der Schnur. Man traute der Nordsee nicht.

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Wohnhäuser, wie Perlen auf der Schnur

Auch die Ortsnamen sind erwähnenswert: Auf Nordstrand wohnt man in Norderhafen oder Süderhafen, in Süden, in Westen oder sogar in England.


In Norderhafen ist ein kleines Kurzentrum entstanden, mit Schwimmbad, vielen Ferienwohnungen in zwei, aus den 70gern stammenden Wohnblocks, kleinen Reihenhäuschen und luxuriösen Reetdachhäusern.

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Etwas westlich vom Kurzentrum erreicht man Stucklahnungshörn, den Fährhafen nach Pellworm.

Von Westen aus lässt sich es gut ins Watt laufen und Süden beherbergt die Inseltöpferei mit Galerie und Teestube.

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Mich führte am letzten Wochenende meine Ferienwohnung auf die Insel. Genauer gesagt, die Renovierung der Wohnung. Und trotz Arbeitseinsatz nutzte ich die Gelegenheit, um bei strahlendem Winterwetter auch mal über den Deich zu schauen.

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Hallig Nordstrandischmoor im Abendlicht

Denn – so viel Zeit muss sein! Ach ja, habt Ihr die Katze gefunden, die sich in einem Bild versteckt?

Lichter für den Blog

Schon im August hatte ich davon gelesen, von der Lichterwoche in Büsum. Die sollte irgendwann im Spätherbst stattfinden. Klar, wenn’s abends früh dunkel ist. Da würde ich hinfahren und ein paar schöne Bilder für einen Blogbeitrag machen.

Jetzt ist es abends früh dunkel und es fiel mir wieder ein. Büsum, die Lichterwoche. Wann genau war denn das? Schnell mal gegoogelt und was soll ich sagen, Sonntag war der letzte Tag. Also bin ich los, Sonntag um viertel nach Fünf, bei dichtem Nebel, nach Büsum gefahren.

Es hätte viele „gute“ Gründe gegeben, warum es überhaupt nicht schlimm ist, die Lichterwoche zu verpassen. Ohne diesen Blog hätte mich jeder einzelne überzeugt. Am Sonntagabend – nur um ne Stunde durch Büsum zu laufen? Im Dunkeln, bei Nebel…?

Aber ich bin los! Vor dem Büsumer Rathaus leuchteten Lichtskulpturen in wechselnden Farben. Von Weiß bis fast Blau. Die Bäume rechts und links wurden in einem warmen Gelb angestrahlt, in der Mitte des Platzes nahm der Springbrunnen das Farbenspiel der Figuren wieder auf. Dazwischen tummelten sich ne Menge Leute und knipsten um die Wette.

Wirklich schön fand ich die Stimmung am Hafen. Die Lichtinstallationen dort waren etwas dezenter, die Besucher dort auch deutlich weniger. Ich war noch nie im Dunkeln in Büsum am Hafen, musste ich feststellen. Wobei Hafen im Dunkeln doch immer besonders stimmungsvoll ist – wenn sich die vielen Lichter im Wasser spiegeln.

Mit Nebel dazu, der die Lichtstrahlen bis an die Wasseroberfläche trägt, entstand eine ganz besondere Atmosphäre. Wie aus einem alten Piratenfilm, verrucht und geheimnisvoll.

Auf dem Weg nach Hause, zurück durch den Nebel, war ich voller Eindrücke und glücklich darüber, es mir angeschaut zu haben, das Lichterspiel in Büsum. Mein Blog hatte mich dazu motiviert, ohne den Block hätte ich mir diese Veranstaltung sicher geschenkt.

Fast ein Jahr bin ich nun schon dabei, 50 Beiträge habe ich geschrieben und jeder einzelne hat richtig viel Spaß gemacht! Ne Menge Fotos sind entstanden, viele Gedanken in Worte gefasst, viele Ideen umgesetzt und noch so viele im Kopf!

So ein Blog ist wie ein kleiner Motor, er motiviert und inspiriert. Ich freu‘ mich schon aufs zweite Jahr!