Blogparade – kleine Rituale auf vier Pfoten

July 136

Blogparade – es ist schon lange her, dass ich an einer teilgenommen habe. Es ist mir auch lange keine interessante durch den Reader gelaufen. Nun aber lese ich bei „Zwetschgenmann“ von „Kleinen Ritualen„, die er zur Blogparade ausgerufen hat.

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Stups

Rituale? Habe ich überhaupt welche? Welche, die es zu erzählen lohnt? Ein Glas Wein am Abend oder die Zigarette nach dem Essen (ja, ich weiß…)? Beides ist nicht besonders spannend oder schreibenswert.

Ich mache aber trotzdem mit, denn ich kenne die Meister der Rituale. Die Katzen.

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Sonnenbad im Frühling

Ich halte es für nicht übertrieben zu behaupten, dass ein Katzenleben an sich schon ein kleines Ritual ist. Sie fressen zur gleichen Zeit, schlafen auf den gleichen Plätzen, laufen die gleichen Wege im Garten…

Da ich aber nun schon so einige Fellnasen im Haus hatte, konnte ich beobachten, dass jede Katze darüber hinaus auch ihre ganz eigenen Rituale entwickelt.

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Sommerglück

An einigen dieser Rituale ist man als Dosenöffner nicht ganz schuldlos. So wollte mein Kater Stups nicht anfangen zu Fressen, bevor ich ihm nicht zwei, dreimal über den Rücken strich.

Ich begann damit, als er eine mäkelige Phase hatte. Es gefiel ihm und er machte es sich zur Gewohnheit, das „Anpuscheln“ vorm Futternapf.

Noch heute achte ich peinlichst darauf, es keiner Katze nochmal anzugewöhnen.

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Schattenplatz

Stups war es auch, der beim Fressen die ersten Stückchen immer über die Kante warf. Sie blieben liegen. Paulchen, mein jetziger Kater, hat dieses Ritual ins Gegenteil gekehrt.

Wenn er nicht fressen mag (also nicht komplett ausgehungert ist), muss ich ihm die Stückchen über die Kante werfen. Bis das Schälchen leer ist. Hätte ich das geahnt, hätte ich ihn, als er noch klein und so scheu war, nicht mit „Körnchen werfen“ gelockt .

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Das kleine Paulchen

Katzen hassen Wasser, jedenfalls die meisten, und somit auch den Regen. Stups, draußen nass geworden, stand dann jämmerlich miauend vor mir: „Tu was!“.

Ich holte ein Tuch und rubbelte ihn trocken. Auch das gefiel ihm nach kurzer Zeit gut. Er begann damit, gleich wieder raus zu laufen, um sich erneut ein nasses Fell zu holen.

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Paulchen spielt

Paulchen mag das Trockenrubbeln auch, und klar, ich hätte es wissen sollen, auch er läuft mittlerweile gleich wieder raus. Wir lieben Regentage…

Eines der schönsten Rituale hatte meine Mama Motte entwickelt.

War ich mal auf Dienstreise, akzeptierte sie den Ersatz-Dosenöffner genau zwei Tage. Am dritten Tag fraß sie nicht und brachte eine Maus: „Tu was!“.

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Mama Motte

Und wirklich jedes Mal, wenn ich nach der Reise wieder auf den Hof fuhr, saß sie schon neben dem Parkplatz, wartete, nahm mich zur Kenntnis und ging weg!

„Beleidigte Erleichterung“ könnte man das nennen, aber das Faszinierende war, dass sie genau wusste, wann ich komme.

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Die weise Katze

Zum Schluss noch ein niedliches Morgenritual von Paulchen, der jeden Morgen mit mir ins Bad kommt.

Dort streicht er ein paarmal um meine Beine, schubbert sein Mäulchen am Schnabel eines Papp-Pinguins, rollt dabei sein Schwanzende um den Ersatz-Klorollenhalter und wirft ihn auch schon mal um.

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Paulchen – noch mit seinem Bruder Fin

Jeden Morgen bin ich gespannt; fällt er oder fällt er nicht? Jeden Morgen habe ich meinen Spass mit diesem Ritual.

Wer jetzt Lust bekommen hat, von seinen kleinen Ritualen zu erzählen: Lutz Pauser hat seine Blogparade bis zum 30.11. verlängert. Die bereits eingegangenen Beiträge findet ihr hier.

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Ich war fremd

„Ich war fremd“ ist das Thema einer Blogparade, zu der Friederike vom Landlebenblog aus aktuellem Anlass aufgerufen hat. Zitat aus Ihrem Beitrag:

„Wenn ich in diesen Wochen wie erstarrt vor dem Computer sitze und das Gerät mir im Minutentakt die FlüchtlingsNeuigkeiten dieser Welt auf den Bildschirm vor die Augen spuckt und irgendeine Reaktion von mir erwartet, dann denke ich viel nach über das Fremdsein und das Sich-fremd-fühlen. Darüber, was es braucht, von außen und von innen, daß ein Fremder sich nicht fremd fühlt. Darüber, ob jemand, der sich niemals fremd gefühlt hat, nachempfinden kann, was Fremdsein heißt.“

Den ganzen Beitrag und den Aufruf zur dieser Blogparade findet Ihr hier: Blogparade: Ich war fremd

Fremd habe ich mich weniger gefühlt, aber oft allein. Wobei man ja auch in seiner gewohnten Umgebung allein sein kann. Mein Gefühl des Alleinseins hatte jedoch auch immer etwas mit „fremd sein“ zu tun. Ich glaube, wer sich fremd fühlt, fühlt sich auch allein.

Während meines Studiums in Hamburg war ich für einige Wochen auf der Meteor (Praktikum auf einer Forschungsschiffreise) vor Westafrika. Das war damals mein erster Flug überhaupt (nach Dakar), allein, und mein erstes Weihnachten ohne die Familie. Der Heiligabend an Bord ist mir immer noch sehr deutlich in Erinnerung:

Die Mannschaft, frisch geduscht und in Schapptüch, saß mit fast kindlicher Ehrfurcht am Weihnachtstisch. Am Nachmittag hatte jeder über Norddeich Radio mit der Familie telefoniert, Sehnsucht und ein bisschen Traurigkeit lag den ganzen Abend im Raum. Wir waren gemeinsam allein.

Auch noch zur Studienzeit hatte ich das Segeln für mich entdeckt. Charterfahrten von einem Amsterdamer Yachtclub aus. Das waren Urlaube mit fremden Menschen auf 20 Meter Boot. Wenn auch die gemeinsame Liebe zum Segeln schon mal ein Band knüpfen konnte, so gab es Törns, auf denen man gleich zu einer großen Familie wurde und andere, auf denen man sich doch fremd blieb.

Woran das lag, habe ich nie wirklich herausgefunden.

Einer dieser Segeltörns führte mich auch nach Ägypten, eine Überführungsfahrt von Hurghada nach Kreta, gemeinsame Anreise von Amsterdam aus. Pilotenstreiks in Griechenland trennten mich von der Truppe und ich strandete Tage zu spät allein in Kairo. Damals noch ohne Handy oder Kreditkarte, mit wenig Bargeld und vor allem ohne Rückflugticket.

So fremd und allein habe ich mich nie wieder gefühlt! Mit einem Brief auf Arabisch (von einem freundlichen Ägypter, der Deutsch verstand) habe ich mich dann durchs Land geschlagen, bis ich in Suez mein Schiff erreichte.

Dieses Glücksgefühl, an Bord zu gehen, werde ich nicht vergessen und auch den hilfsbereiten Ägypter und seinen Brief nicht.

Nach dem Studium führte mich mein erster Job auch gleich wieder ins Fremde. 2 Jahre Entwicklungshilfe auf Sri Lanka (GTZ Projekt). Klar, andere machen dort Ihren Traumurlaub, aber es ist doch etwas anderes, mit 2 Zarges-Boxen auszureisen, um dort zu leben.

Schon der Hinflug ließ mich wieder (ver-)zweifeln. Wir mussten nachts einen Zwischenstopp in Karatschi einlegen, da wir in Colombo auf Grund einer Ausgangssperre (1989 – zur Zeit der Unruhen) keine Landeerlaubnis bekamen.

Auf dem Flughafen in Karatschi wurden wir von schwerbewaffneten Sicherheitskräften in Empfang genommen, unsere Pässe eingesammelt und wir in einen Bus gesteckt. Erklärungen gab es nicht. Fremd und allein – und da konnte auch nichts und niemand helfen.

Viel später habe ich sogar erfahren, dass ein Ehepaar der deutschen Botschaft auf dem gleichen Flug war und sich, auch als Botschaftsangehörige, nicht gegen diese Willkür wehren konnte.

Sri Lanka, Ghana, Guinea, Indonesien, das waren meine beruflichen Auslandstationen und es begann jedes Mal als Fremder. Das war nicht immer einfach, aber ich habe auch unendlich viel gelernt in dieser Zeit.

Ich habe gelernt, in mir selbst zu sein, mich auf wenig reduzieren zu können, aber auch offen und tolerant, neugierig und auch ein bisschen demütig und vor allem dankbar zu sein. Dankbar für ein nettes Wort, für eine Einladung oder einen Ausflug. Oft sind es die ganz kleinen Gesten einzelner Menschen, die einem das Fremdsein erleichtern können.

Die sogenannte „Willkommenskultur“ in unserem Land, im Ausland sehr positiv wahrgenommen, von unseren Medien mit ihrem oft so vorschnellen  „…,aber…“ gleich wieder in Frage gestellt, ist auch so eine Geste.

Dass es auch ganz anders laufen kann, haben wir in den Bildern aus Ungarn gesehen. Wie grausam muss es sein, so kurz vor dem Ziel, nach all den schrecklichen Strapazen, Ängsten und Gefahren, so betrogen zu werden (die Busse ins Lager…).

Abends denke ich jetzt oft, wie glücklich ich mich schätzen kann, in meinem eigenen Bett schlafen zu können. Allen Flüchtlingen wünsche ich von Herzen, dieses Glück auch bald wieder erleben zu dürfen!