Watt & Meer Blog-Kalender – Februar 2019

Es gibt diese Wintertage, an denen Sonne vorhergesagt wurde, sie es aber direkt an der Nordsee nicht durch den Seenebel schafft. Es gab schon Tage, an denen nur ein paar Kilometer weiter landeinwärts der herrlichste Sonnenschein am blauen Himmel strahlte, wir im Koog jedoch einfach im Nebel stecken blieben. Den ganzen Tag grau in grau.

Umso schöner war dieser Februarmorgen, an dem noch leichter Raureif das Land überzog, die Nebelschwaden sich ganz langsam lichteten und die aufgehende Sonne hindurchließen.

Februar

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Sonnenaufgang im Nebel,  Wesselburenerkoog, Nordsee

Nur für einige kurze Augenblicke verzauberten Sonne und Nebel ein paar kahle Bäume und eine alte Gartenpforte in einen mystischen Märchenwald.

In mein Februar-Kalenderbild.

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Watt & Meer Blog-Kalender – Januar 2019

Habt Ihr schon mal einen Jahres-Kalender selbst gestaltet? Früher (und heute sicher auch noch) gab es leere Fotokalender aus schwarzem Karton, in die man seine schönsten Fotos klebte. Heute gestaltet man so etwas über diverse Online-Dienste. Es gibt sogar welche, die auf Bestellung, also „on demand“ drucken.

Zum Beispiel hat „Meermalerin“ Julia vom Blog Meermalen ihre stimmungsvollen Helgoland-Aquarelle zu einem 2019er Kalender zusammengestellt, den man (ich glaube noch) käuflich erwerben kann.

Aber welche Variante man auch wählt, es ist spätestens im Dezember eine fast unüberschaubare Aufgabe, sich aus all den Fotos (oder Bildern), die man so über‘s Jahr gesammelt hat, die schönsten auszuwählen.

Klar im Vorteil ist, wer gut vorbereitet! Also habe ich mir überlegt, mich in diesem Jahr bereits an jedem letzten Donnerstag des Monats für mein Kalenderbild zu entscheiden.

Januar

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Sonnenuntergang, Wesselburenerkoog, Nordsee

Und wer weiß, vielleicht wird mein Watt & Meer Blog-Kalender ja so schön, dass ich ihn in 2020 an der Wand hängen haben werde?

SnapShots – Glutrot in die Nacht

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Schon der dritte Tag im neuen Jahr spielte mit dem Feuer. Bereits am Nachmittag des 3. Januar, ein fast wolkenloser Tag mit klarer Luft, war abzusehen, dass der Sonnenuntergang spektakulär werden würde.

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Punkt vier habe ich den Stift fallen gelassen und bin (aber auch sowas von) schnell an den Deich – gerade noch rechtzeitig, um den Feuerball im Meer versinken zu sehen.

 

Beim Eintauchen ins Meeer „dippt“ die Sonne sogar (man sagt „dippen“, wenn die Kugel an den Seiten immer breiter wird – hat mir mal jemand erzählt…?) bis nur noch ein schmaler, gleissender Streifen am Horizont leuchtet.

 

Die Sonne geht, das Abendrot kommt, wird immer intensiver und spiegelt sich in den fast leergelaufenen Wattflächen.

Letzte Vogelschwärme ziehen in ihre Schlafquartiere, ein einsamer Radler hält auf dem Deich und schaut, wie ich, der Sonne nach.

Glutrot verabschiedet sich dieser Tag in die Nacht.

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Durchgefrohren aber tief bewegt und glücklich verabschiedete auch ich mich vom Meer, vom Deich und von dem Tag.

Landladen

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Tante Emma-Läden gibt es schon lange nicht mehr. Meine Erinnerung an so einen richtig urigen Kramladen ist noch aus der Schulzeit. Auf dem Schulweg habe ich dort kleine dreieckige Papiertütchen voller saurer Lollies oder Lakritz-Schnecken gekauft.

Für ein paar Groschen. Lang, lang ist’s her…

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Nach den Krämern verschwanden später auch die kleinen Einkaufsmärkte, vor allem die auf dem Lande. Aber wenn etwas vergeht, entsteht auch oft etwas Neues. Hofläden entstanden, in denen Landwirte begannen, ihre Erzeugnisse direkt zu vermarkten.

Viele dieser Hofläden gehen mittlerweile in die zweite Generation und einige mauserten sich vom schlichten Kartoffel- oder Eierverkauf in richtig schmucke Landläden.

So auch unser Landladen Kraut und Rüben im Wesselburenerkoog (Dammstrasse 19a). Was mal als Kohl-, Gemüse- und Kartoffel-Hofladen begann, ist heute ein gut sortierter Bio-Laden mit frischen Erzeugnissen aus der Region.

Nichts hat hier seinen Weg zufällig ins Regal gemacht. Jeder Käse, jeder Salatkopf, Apfel oder jedes frische Brot wurden von Henriette und Ralf, den heutigen Betreibern des Landladens, sorgfältig ausgewählt; in bester Bio-Qualität.

Ob Tulpen oder Ranunkel-Sträuße, Topf und Beetpflanzen mit zart-weißen Blüten, rustikal-edle Übertöpfe, Kerzenständer, Stein-Elfen und Gnome für den Garten, alles ist liebevoll auf alten Tischen oder in antiken Regalen arrangiert und dekoriert.

Hier kann man nicht nur Einkaufen, hier kann man Entdecken und sich inspirieren lassen.

Einkaufswagen und Supermarktkassen gibt es im Landladen nicht. Wer seinen Kartoffelvorrat auffrischen möchte, Kohl oder Futtermöhren braucht, nimmt die Schubkarre.

Bezahlt wird sehr persönlich, oft kennt man sich und schnackt noch ein wenig. Pflanz- und Pflegetipss oder Zubereitungsideen gibt’s gratis dazu. Man kennt sich aus und nimmt sich Zeit; von Hektik keine Spur.

Ein Hygge-Schild hängt nirgends, braucht es auch nicht, der gemütlich dänische Scharm und Henriettes Verbundenheit mit diesem Land sind spürbar gegenwärtig.

Schnell noch etwas einholen geht im Landladen nicht. Ich jedenfalls habe es noch nie geschafft, nur eine Tüte Zwiebeln oder das Kilo frischen Spargel zu kaufen ohne durch den ganzen Laden zu schauen. Ohne mich treiben zu lassen von all den schönen Dingen.

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Längst vergangene Tante Emma Nostalgie, nachhaltige Qualität und viel Liebe zum Detail – was gut war und was gut ist, kommt eben doch wieder.

Proudly presented – Klappe: die Zweite

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Eine Woche vor Ostern waren wir fertig, waren die letzten Farbtöpfe und Silikontuben weggeräumt, die letzte Leiste genagelt, war gefegt und geputzt und alles blitzblank für die ersten Ostergäste.

Sie hätten auch nicht einen Tag eher kommen dürfen. Die Renovierungsarbeiten in unserer großen Ferienwohnung  dauerten mal wieder länger als gehofft.

Aber sie dauerten bei weitem nicht so lange wie die Planung. Schon Jahre überlegte ich, wie man diese Wohnung neu gestalten könnte, wie man dort statt vier Einzelbetten auch ein Doppelbett unterbringen könnte, etwas mehr Schrankraum schaffen könnte.

Verschiedenste Ideen hatte ich sogar Gästen präsentiert und wertvolle Tipps bekommen: „Mach‘ keine Zweier-Wohnung daraus!“ , „Leg sie nicht mit der zweiten FeWo zusammen!“…. Ja gut, aber was dann?

Zuerst war es nur eine Spinnerei: „Wir bauen einen Alkoven!“  Als alte Seglerin liebe ich ja diese Art von Betten, sie sind so herrlich gemütlich und man fühlt sich so geborgen. Von einem Alkoven-Bett hatte ich schon immer mal geträumt.

Je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr war ich überzeugt die Lösung gefunden zu haben.

Viele Schreibblockseiten habe ich vollgekritzelt, mit Skizzen, Entwürfen,  Maßen und Abständen.  Eine Wand müsste fallen, rechts und links würden Ablagen gebaut und es wäre sogar noch Platz für etwas Schrankraum.

Neues Dachfenster, der Heizkörper raus, ein dunkler Vorhang,  das Holz in Weiß, Steckdosen für Lampen und Handys, eine Deckenleuchte mit Schalter. Der Plan stand.

Etwas mulmig war mir schon, als wir anfingen, die Wand rauszureißen. Das ist immer so der Punkt „of no return“, an dem sich letzte Zweifel einschleichen. Aber dann liegt der Schutt am Boden und man schaut nach vorn.

Es war ne Menge Arbeit bis wir endlich das erste Brett sägen konnten und der Alkoven Formen annahm. Das ist für mich der Punkt, an dem Renovierung so richtig anfängt Spaß zu machen. Wenn man langsam sehen kann, was man vorher nur im Kopf hatte.

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Jetzt ist sie fertig, die Ferienwohnung  1, unsere „Große“. Sie kommt hell und freundlich daher, ein wenig skandinavisch angehaucht  – mit Alkoven-Bett.

Kein Zweifel, die Arbeit hat sich gelohnt und die ersten Gäste waren begeistert. Ach, wie schön!

Ganz nebenbei habe ich mir einen alten Traum erfüllt und werde demnächst auch mal probeschlafen – im Alkoven.

 

Links:
Ferienwohnung 1 bei Traumferienwohnungen mit Belegungsplan und Preisen
Proundly Presented – „die Erste“ war die Renovierung auf Nordstrand

Mit Graffiti gegen Graffiti

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Mit Graffiti gegen Graffiti – so oder so ähnlich lautet wohl das Motto der professionellen Graffiti-Kunst. Was einst als ungewollte Schmiererei auf trist-grauen Fassaden und Wänden ein öffentliches Ärgernis war, illegal und als Sachbeschädigung rechtlich verfolgt, hat sich in Kunst gewandelt.

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Gesprüht wird hier im Auftrag und nicht illegal, statt stumpfer Graffiti-Schriftzüge entstehen realistische Bilder, farbenfroh und kreativ gestaltet – und das nicht nur auf grauer Fassade.

So kann man bereits seit einiger Zeit und vielerorts die oft regionsbezogenen Motive auf Travo-Kästen bewundern. Was liegt da näher, als auf dem Trafo-Haus im Wesselburenerkoog unsere so typischen  Küsten- und Wattenmeerbewohner einziehen zu lassen?

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Kaum waren Sand, Meer und Himmel trocken, siedelten sie sich an: die Brandgans und der Einsiedlerkrebs, die Herzmuschel, die Silbermöwe und der Austernfischer, der, ganz wie im richtigen Leben, dem Wattwurm nachstellt.

Jungs von artmos4, das ist echt cool geworden!

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Und so ganz nebenbei ist es nun auch amtlich: Der Seeadler gehört in unsere Küstenregion wie die Garnele in die Nordsee.

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Wer daran irgendwelche Zweifel hat, sollte es sich anschauen – das Trafo-Häuschen neben der Bushaltestelle im Wesselburenerkoog!

Kurz an Deich

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Der Wesselburenerkoog wird im Norden von der Eider und im Westen von der Nordsee begrenzt. Im Koog gibt es eigentlich keinen Ort, vom dem aus man nicht in 5 Auto-Minuten am Wasser ist. Wenn es nicht zu arg windet, nehme ich auch gern das Rad und radele kurz an Deich.

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„an Deich“ im Wesselburenerkoog ist ein begrünter Deichabschnitt mit Salzwiesen-Vorland und Badestelle. Für einen Strand-Tag gibt es sicher schönere Orte an der Nordsee, aber um einfach noch mal Seeluft zu tanken und die Augen über die Weite des Meeres wandern zu lassen, ist es perfekt.

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Gleich am Deichaufgang spielte mir letzte Woche der Zufall einen Ball zu. Ich kam mit einer Dame ins Gespräch, die kurz vor mir den Deichaufgang nahm und sich oben auf eine Bank setzte. Als hätte Sie geahnt, dass ich später Worte suchen werde, um Euch die Schönheit unseres Stückchen Nordsee zu beschreiben, erkläre Sie es mir so:

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„Das Meer, das Watt, die Ruhe, die von den Schafen ausgeht, all die Vögel, diese gewaltige Natur. Fantastisch! So schön! Manchmal komme ich nur, um ein paar Minuten hier oben zu sitzen, nach der Arbeit, zum Abschalten, zum Runterkommen.“

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„Für mich ist das…“, sie ließ eine kleine Denkpause entstehen, so als suchte Sie nach dem passenden, dem einen Wort, das ihre Empfindungen beschreibt, und schloss den Satz mit „…Frieden!“.

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Vom Meer geht eine Faszination aus, die wohl jeder spüren kann, die aber schwer zu erklären ist. Ist es die unendliche Weite, die einen beim Blick aufs Meer berührt, Sehnsucht weckt, eins werden lässt mit der Natur?

Das Rauschen der Wellen, der Wind auf der Haut, der Duft des Meeres, das Spüren mit allen Sinnen? Oder die Ruhe, die diese Weite ausstrahlt, die Harmonie der Farben, die uns  entspannt, schwerelos macht, vom Alltag befreit? Frieden schenkt?

Unsere Deichschafe sind jedenfalls tiefenentspannt. Sie lassen sich beim Grasen oder Dösen von nichts aus der Ruhe bringen, nicht mal, wenn man dicht an ihnen vorbeispaziert. Und manchmal könnte man denken, sie lächeln einen an. Ich lächle zurück.

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Unten an der Steinkante angekommen wandern meine Augen übers trockengefallene Watt. Zwei Wattläufer in der Ferne, Spuren im Sand.

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Die Schnepfen machen einen Riesenspektakel, sie wollen Ihre Nester beschützen, ablenken, mich weglocken. Amüsiert schaue ich ihnen nach.

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Den Rückweg laufe ich auf dem Deich und hier spielte der Zufall den zweiten Ball. Ich schließe meine Beiträge gerne mit einem „Schmunzler“ und dieses kleine Schaf im Kuh-Kostüm ist doch wie gemacht dafür:

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„Muuh… äh? … Määh!“

 

Saisonstart im Koog

Die Urlaubersaison beginnt hier bei uns an der Westküste mit den Osterferien, da trauen sich die ersten Gäste an die See; mit Pfingsten geht es dann richtig los.

Bei schönem Wetter zieht eine Auto-Karawane und viele Gruppen von Motorrädern Richtung Eidersperrwerk (sehr beliebtes Tourenziel für Biker) oder weiter nach St. Peter Ording (Ziel der Tagesausflügler aus dem Großraum Hamburg).

Auch wir im Wesselburenerkoog rüsten, für das was kommen soll. Schon im April treffen sich ein paar aktive Gemeindemitglieder für den Strandaufbau. Das klingt jetzt lustig, wir bauen natürlich nicht den „Strand“ auf sondern das Badestellenmobiliar wie Bänke, Spielgeräte, Treppenhandläufe, Infotafeln und Rettungsringkasten.

Badestelle im Wesselburenerkoog – Parken & Strand sind hier noch kostenfrei!

Der Kindergarten einer Nachbargemeinde hat seinen kleinen Bauwagen und einen Windschutz aus Reißig bei uns am Strand. Der Reißig-Zaun wird fast jedes Jahr von den Winterstürmen komplett weggerissen und so heißt es im Frühjahr „Wiederaufbau“.

Land unter - in der Mitte sieht man das Schaukelgestell
Badestelle „Land unter“ – in der Mitte sieht man das Schaukelgestell

Die Vermieter im Koog haben ihre Ferienwohnungen geputzt und ihre Gärten von den Spuren des Winters befreit. Pflanzkübel wurden mit bunten Blumen gefüllt, Terrassen gefegt und Betten gelüftet. Ich freue mich jedes Frühjahr auf die Ankunft meiner ersten Gäste – so wie ich mich im Herbst auch auf die Abreise der letzten Gäste freue. Dann haben wir den Koog, den Strand und das Meer wieder für uns.

Die Vermietung an Feriengäste ist ein bisschen wie die Jahreszeiten. Alles unterliegt dem Wechsel und jede Zeit hat seinen eigenen Scharm. Nach dem Winter freue ich mich auf’s Frühjahr, dann auf den Sommer; Herbst kann wunderschön sein und ich mag auch die ruhigen, kalten und manchmal schon recht unwirtlichen Wintermonate hier im Koog.

Schafe auf einem winterlichen Rosenkohlfeld im Koog

Ich habe eine Zeit in den Tropen gelebt, da gibt es keine Jahreszeiten (jedenfalls nicht so, wie wir sie kennen). Das habe ich vermisst. Genau wie ich in meiner Zeit in Hessen den Wind vermisst hatte – auch wenn er mich hier an der Westküste manchmal schon etwas nervt. Aber dann kann ich mich ja auf die nächsten ruhigen Tage freuen!