St. Peter Ordings Westküstenpark – die Störche lieben ihn

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Noch ein Frühlingsthema: die Störche sind wieder da, haben sich auf ihren Horsten niedergelassen, Eier gelegt, gebrütet und die ersten Jungstörche sind auch schon geschlüpft.

Eine der größten freilebenden Storchenkolonie gibt es im Westküstenpark in St. Peter Ording. Bis zu 40 Paare finden sich dort ein.

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Grundsätzlich bin ich ja nicht (mehr) so der Freund von Tierparks oder Zooanlagen. Ich finde mittlerweile, dass Tiere in ihrer natürlichen Umgebung belassen werden sollten. Aber es gibt natürlich auch jede Menge Argumente für artgerecht geführte Tierparks.

Tiere im Tierpark können durchaus als Botschafter ihrer bedrohten Art gesehen werden und zu ihrer Erhaltung beitragen. Das es nirgendwo leichter ist, wilde Tiere vor die Kamera zu bekommen, ist ein durchaus attraktiver Nebeneffekt.

Bedenken hin oder her, ich bin letztes Jahr Anfang August auf „Fotosafari“ gegangen.

Viele der Storchenpaare kommen zum Brüten in den Westküstenpark. Der Nachwuchs muss fast drei Monate umsorgt werden, bis er ohne seine Eltern zurechtkommt. Die Jungvögel werden im Park beringt und fliegen Ende August/Anfang September Richtung Süden in ihre Winterquartiere.

Rund ein Dutzend Paare aus ganz Schleswig-Holstein überwintern sogar im Park.

Was wiederum die Störche an dem Park so attraktiv finden, liegt auf der Hand, oder besser, in den Holzboxen. Dort werden 2 x täglich Eimer voller „Storchenfutter“ hineingestellt.

Der hungrige Storch muss also nicht über Wiesen und um Tümpel staksten, um sich seine Nahrung aufwendig zu sammeln. Er bedient sich ganz bequem am Büffet.

Und auch hier bin ich mir nicht sicher, wie ich das finden soll. Lernen die Jungstörche sich selbst zu versorgen? Oder verlernen die Alttiere es vielleicht sogar?

Aber es ist auch eine Tatsache, dass Störche in intensiv landwirtschaftlich genutzten Gegenden und der damit verbundenen Trockenlegung von Feuchtgebieten, kaum noch Nahrung finden und schon seit Jahrzehnten weniger werden. Wie so viele andere Tierarten ist auch der Storch auf die Mithilfe des Menschen angewiesen.

Es brüten zurzeit 280 Paare in ganz Schleswig Holstein, 2005 lag der niedrigste Stand bei 170 Horstpaaren und vor 50 Jahren waren es noch 580 Paare (Quelle). Der Bestand erholt sich glücklicherweise.

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Noch recht flauschig schaut dieser Jungstorch in die Welt, der Schnabel hat schon seine typische rote Färbung und er ist wohlgenährt.

Und vielleicht ist er ja in diesem Jahr wohlbehalten nach St. Peter Ording zurückgekehrt?

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Watt & Meer Blog-Kalender – März 2019

Der März steht für Frühling, für erstes Grün, erste zweistellige Temperaturen, Vogelzwitschern,  Krokus-Bunt und leuchtende Osterglocken in den Gärten.

Und auch auf unseren Deichen sind die Frühlingsboten zu beobachten.

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Lamm am Deich – Katinger Watt

Die Lämmer sind zur Zeit die Attraktion auf unseren Wiesen und Deichen hier oben an der Westküste. Nicht selten unterbrechen Gäste ihren Frühlings-Ausflug spontan, halten an und dann hört man das verzückte „Schau, wie süss!“. Und das sind sie auch!

 

Wie geht es Paulchen?

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Keine Nachrichten sind ja oft gute Nachrichten und genauso verhält es sich bei Paulchen. Meinem kleinen Katerchen geht es prima, wobei „klein“ und „Katerchen“ nicht ganz treffend ist.

Das kleine, süße Kätzchen mit den herzerweichenden Augen hat sich zu einem gewichtigen Prachtkerl entwickelt. Aber süss ist er immer noch, den herzerweichenden Blick hat er nicht verlernt.

„Ich hatte auch mal einen übergewichtigen Kater“, sagte gerade letztens jemand zu mir. So, so, „übergewichtig“ findet man dich. Aber zugegeben, etwas verfressen ist Paulchen schon. Dabei bekommt er bei mir nicht wirklich zu viel, er ernährt sich weitgehend selbst.

Denn Paulchen ist ein großer Jäger, der, ganz Kater-untypisch, sich seine tägliche Maus selbst sucht und sie auch frisst! Vielleicht sind es manchmal sogar zwei oder drei?

Wenn er gerade nicht auf Jagd ist, ist Paulchen aber ganz schrecklich lieb. So lieb, als würde ihn kein Wässerchen trüben können. Mit Paulchen kann ich raufen, ohne das er auch nur eine Kralle ausfährt (eine ganz neue Erfahrung für mich…) und wenn er „beißt“, dann ist das nur ein zärtliches Knubbeln.

Paulchen ist sehr zahm geworden. Und total verschmust.

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„Schnurrrrr…“

Paulchen trieb sich als kleines, wildes und sehr hungriges Kätzchen mit seinen zwei Geschwistern vor unserer Tür herum. Er ließ sich füttern, klar, in gebührendem Abstand, aber sobald das Schälchen leer war, war er wieder weg. Wild geborene Katzenkinder zu „sozialisieren“ und an den Menschen gewöhnen ist ein langwieriger Prozess.

Am Anfang glaubt man nicht, dass es gelingen wird, aber mit Geduld und Liebe kann man so einiges schaffen.

Erst darf man streicheln, schon ein Erfolg. Dann habe ich ihn langsam an das Hochheben herangeführt. Nur ganz kurz vom Boden. Er hat sofort panisch gestrampelt. Dann immer ein Stückchen höher. Bis er auf dem Schoss saß; bis er auch auf dem Schoss sitzen blieb!

Und eines Tages sprang er von selbst auf meinen Schoß. Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie einem da das Herz aufgeht!

Und ich glaube, er vermisst seine Geschwister Finny und Lotta (die leider auf unserer Strasse bleiben mussten) nicht mehr. Paulchen ist bei uns angekommen.

Jetzt, nach mehr als 2 Jahren, schläft er bei mir auf der Bettkante, neben mir auf dem Sofa, auf der Fensterbank im Büro. Vor kurzem hat er sich einen neuen Lieblingsplatz ausgesucht: er quetscht sich auf dem Schreibtisch vor die Tastatur. Natürlich nur, wenn ich da sitze.

Das ist jetzt nicht unbedingt mein Lieblings-Kater-Liegeplatz und wir streiten noch, ob das wirklich sein muss. Aber ihr kennt es vielleicht auch, wenn Katzen etwas wollen…

Er sitzt mit uns am Tisch, will dabei sein. Er legt auch schon mal ganz vorsichtig das Pfötchen auf die Tischkante und versteht das Nein. Ich darf ihn Bürsten und wenn er draußen nass geworden ist, mit einem großen Tuch trockenrubbeln. Beides liebt er.

Aber er fremdelt noch. Mehr als 4 Füße unter dem Tisch beunruhigen ihn zwar nicht, aber fremde Stimmen findet er gefährlich. Und schau‘ ihm bloß nicht in die Augen, dann ist er weg! Erstmal. Doch die Neugier siegt immer öfter, und er schaut gleich wieder vorsichtig um die Ecke.

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Wenn jetzt der Frühling kommt, dann hilft mir Paulchen wieder im Garten. Das macht uns beiden Spass und ist auch gut gegen den Winterspeck. Gut gegen „übergewichtig“!

Helgoland – die Düne gehört den Kegelrobben

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Nass, kalt, windig, grau – wer behauptet eigentlich, der November bringt den Blues? Ich finde ja unser Januar, jedenfalls der hier oben an der Nordsee, läuft dem Ruf des Nebelmonats gerade den Rang ab. Rausgehen ist nur noch was für hartgesottene Wetterignoranten.

Also schwelgen wir doch einfach mal in Erinnerungen und schippern nach Helgoland. So geschehen im August letzten Jahres.

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Ich glaube, ich hab’s schon mal geschrieben: wer Helgoland erleben möchte, sollte versuchen, wenigstens zweimal zu Übernachten. Denn erst wenn die Tagesgäste wieder mit den Schiffen auf dem Heimweg sind, wird’s ruhig und man spürt das wahre Inselfeeling. Abends ist man auf Helgoland unter sich.

Übernachten hat aber nicht nur am Abend Vorteile, auch der nächste Morgen beginnt ruhig und entspannt und ist die beste Zeit, um die Kegelrobben auf der Düne zu besuchen. Die kleine Dünenfähre ist noch weitgehenst leer, der Strand auf der Düne sowieso.

Das scheinen auch die Kegelrobben zu wissen, denn sie liegen, wie die Perlen auf der Schnur, an der Wasserkante und dösen genüsslich vor sich hin.

Mal grunzt eine, mal juckt es einer anderen irgendwo, mal wird ein Auge riskiert. Gäste halten mindestens 30 Meter Abstand, so ist die Regel, und wenn sich jeder daran hält, wird die Fluchtdistanz der Robben nicht unterschritten und man kann sie wunderbar beobachten.

Möwen kennen keine Regeln, aber Robben kennen Möwen und lassen sich von den lauten, quirligen Wasservögeln nicht aus der Ruhe bringen.

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Auf der Düne unterscheidet man den rauen Nordstrand, der als sehr „robbensicher“ gilt, und den deutlich seichteren Südstrand, der hauptsächlich von Badegästen frequentiert wird. Aber auch am Südstrand tummeln sich die Robben regelmäßig.

Hier wird von den Rangern besonders darauf geachtet, dass die Tiere nicht gestört werden und auch schon mal Flatterband eingesetzt, um uneinsichtige Badegäste auf Abstand zu halten.

Kegelrobben sind niedlich anzusehen, mit ihren dunklen Knopfaugen, aber man sollte nie vergessen, es sind Raubtiere.

Auf der Niedlichkeitsskala ganz oben rangieren ja die kleinen Robbenbabys. Sie werden tatsächlich im Dezember und Januar geboren und liegen dann noch schwimmunfähig am Nordstrand der Düne. Ohne die Robbenkinderstube unnötig zu stören, haben Besucher dann einen guten Blick von den eigens eingerichteten Aussichtsplattformen.

Und wenn die letzte Dünenfähre im Winter bereits um 16 Uhr Richtung Hauptinsel ablegt, gehört die Düne wieder ganz den Kegelrobben und ihrem niedlichen Nachwuchs.

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Wer gerne die süßen Robbenkinder beobachten möchte, kann in den Wintermonaten nur mit der Fähre von Cuxhaven nach Helgoland übersetzen. Alle anderen Fährverbindungen haben Winterpause.

Ich werd’s in diesem Winter wohl nicht mehr schaffen, aber so ein Besuch steht ganz oben auf meiner Liste.

Gestatten, mein Name ist Paulchen

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Ich wohne ganz dicht an der Nordsee, sagt mein Frauchen, aber ich habe die Nordsee noch nie gesehen. Die ist für einen kleinen Kater wie mich doch zu weit weg, und ich weiß auch nicht, ob mir Nordsee gefallen würde.

Mein Revier ist ein riesiger Garten. Der gefällt mir.

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Vorne im meinem Garten treffe ich oft fremde Menschen, manchmal sogar Hunde. Frauchen sagt, das sind Gäste und die Hunde sind an der Leine, die tun mir nichts.

Aber das glaube ich nicht. Da bin ich lieber vorsichtig und bleibe unsichtbar.

In meinen Garten hinter’m Haus kommen keine Gäste. Dort kann ich gefahrlos auf dem Rasen schlafen oder auf der Bank vor meiner Hütte dösen. Schön finde ich es, wenn Frauchen auch im Garten ist.

Dann spielt sie mit mir oder ich schaue ihr zu, wie sie Löcher buddelt. Das macht sie gut, nur „reinpieschern“ soll ich nicht. Das verstehe ich nicht.

Manchmal reißt sie auch Grünzeug raus und tut etwas anderes rein. Das verstehe ich auch nicht, aber hinterher schaut sie immer ganz zufrieden. Es scheint ihr Freude zu machen.

Schlimm finde ich das Monster, das so schrecklich Krach macht und mein Gras frisst. Wenn das kommt, haue ich lieber ab. Aber es kommt nicht so oft, meistens ist alles ganz friedlich in meinem Garten.

Spannend finde ich die vielen Bienen und Schmetterlinge, die auf den Blüten sitzen. Da kann ich stundenlang zuschauen. Gelegentlich versuche ich auch, einen Schmetterling zu fangen. Der fliegt dann weg. Ich kann nicht fliegen.

Mäuse fangen geht viel einfacher und Frauchen lobt mich immer, wenn ich ihr eine abgebe. Vögel soll ich nicht fangen. Warum weiß ich nicht. Wir haben doch so viele.

Mein Frauchen sagt, dass ich bei den Rosen aufpassen soll, die haben Dornen und das piekt. Weiß ich doch, bin doch nicht blöd. Frauchen liebt Rosen.

Ich mag das hohe Gras viel lieber. Darin kann man sich so schön verstecken und es kitzelt am Bauch.

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In diesem Jahr ist der Frühling besonders schön. Der Wind ist nicht laut und es fällt auch kein Wasser vom Himmel.

Erst fand Frauchen das auch schön. Jetzt schleppt sie jeden Abend Wasser durch den Garten und schüttet es auf die Blumen.

Ob Blumen das mögen, weiß ich nicht, aber das Spiel macht Spass. Ich laufe ihr immer hinterher. Manchmal spritzt sie mich auch nass. Sie findet das lustig.

Igitt, das ist nicht lustig!

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Nachts, wenn Frauchen schläft, habe ich meinen Garten ganz für mich. Dann buddele ich mir meine eigenen Löcher, treffe meine stacheligen Freunde, verjage fremde Kater und fange eine Maus.

„Miau“.

SnapShots – Gänse-Alltag

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Es ist sicher nicht die Frage aller Fragen, aber man könnte sie ja trotzdem stellen: Was macht eine Graugans so den ganzen Tag? Im April besteht ein grosser Teil des Gänse-Alltages aus Brüten.

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Zwischendurch und ab und zu wird ein wenig geschwommen, getaucht und geschnattert.

So viel Bewegung macht hungrig. Gans watschelt ganz gemächlich das Ufer hinauf um ein wenig vom frischen, grünen Gras zu zupfen.

Nach der Mahlzeit sollst Du ruhen oder, wenn Du eine Gans bist, kräftig die Flügel ausschütteln…

…um Dich anschliessend ausgiebig zu putzen. Unter dem Bauch, zwischen den Rückenfedern und auf dem Kopf. Es juckt aber auch überall.

Dann wird es Zeit zurück zu paddeln. Die Gattin wartet sicher schon sehnsüchtig.

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Und schon wären wir wieder bei der Hauptbeschäftigung einer Graugans im April. Beim Brüten. (Und zum Glück hat keine Schildkröte das Nest besetzt. Gibt’s nicht? Doch, schaut mal hier: Linsenfutter)

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Bei meinem nächsten Besuch im Katinger Watt gibt es dann sicher zu sehen, was da so geduldig ausgebrütet wurde. Ich bin sehr gespannt.

SnapShots – Meister der Symmetrie

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Kaum einer unserer Küstenbewohner ist so markant wie der Säbelschnäbler mit seinem säbelartigen Schnabel und den langen Beinen. Selten trifft man nur einen dieser Vögel. Sie brüten in Kolonien und leben in einer saisonalen Ehe.

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Säbelschnäbler-Kolonie im Katinger Watt

Und wie ein alt vertrautes Ehepaar staksen sie, Seite an Seite,  durch’s seichte Wasser. Oder sie suchen, dicht aufeinanderfolgend aber trotzdem mit gleichlaufenden Bewegungen, ihr Nistmaterial.

Gerade so, als würden sie an ihrer Synchronchoreographie feilen.

Ein schnelles Bad zwischendurch ist schon erlaubt, nur wenn ein Dritter diese Harmonie stört, dann gibt es echten Streit.

Katinger Watt – mit Tele-Zoom auf Vogelfang

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April, Mai, Juni, das sind für mich die schönsten Monate im Jahr. Nicht nur, dass die Natur erwacht, es überall grünt, wieder warm wird und die Tage länger. In diesen Monaten ist auch die Brutzeit vieler Küstenvögel, die ihren Nachwuchs bei uns an der Nordseeküste großziehen werden.

Das Katinger Watt, mit seinen weiten Wiesen- und Wasserflächen, ist eine der artenreichsten und landschaftlich reizvollsten Kinderstuben. Es liegt quasi vor meiner Haustüre und doch ist es schon erstaunliche zwei Jahre her, dass ich dort die kleinen Graugänse beobachtet habe. Warum eigentlich?

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Vogelbeobachtungshütten im Katinger Watt

Vor meiner ersten Entdeckungstour in die Welt der Graugänse hatte ich mir ein sündhaft teures Tele-Zoom gekauft und tatsächlich ein paar schöne Szenen einfangen können. Doch das Objektiv und ich wurden keine Freunde; zu groß, zu schwer, zu umständlich. Es landete in der sprichwörtlichen Ecke.

Aber das Thema wollte und will mich nicht loslassen. Begeistert (und ein wenig wehmütig) folge ich Tanja oder Cindy und Ihren faszinierenden gefiederten Bildern. Oder Linsenfutter. Und bei Linsenfutter lief sie mir über den Weg. „Das ist es!“, wusste ich sofort.

Das ungeliebte Tele ließ sich verkaufen und eine P900 wurde bestellt.

Jetzt konnte ich es kaum erwarten, wieder auf Vogelfang zu gehen. Am ersten sonnigen Nachmittag ging’s los.

Die Vogelbeobachtungshütten liegen nicht weit vom NABU Naturzentrum Katinger Watt. Man parkt am besten am Zentrum und läuft dann den Deich hinauf und ein Stück über die Schafswiesen. Von dort führt ein schmaler Weg zwischen zwei hohen Erdwällen direkt zu den Hütten.

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Herr Schnatterente schüttelt sich das Wasser aus den Federn

In den Hütten trifft man neben Vogelfreunden mit Fernglas auch auf den passionierten Naturfotografen, der in tarnfarbener Outdoor-Kleidung seine „lange Tüte“ samt Stativ vor einer der Schiebeluken positioniert. Im Raum nur gedämpftes Flüstern, kaum hörbares Summen der Zoom-Motoren, diffuse Lichtfetzen, die durch die Holzspalten einfallen.

Und ich mittendrin, in rotem Hemd und mit lautem Klick-Klick. Herrjeh…

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Familie Graugans

„Eine P900?“, spricht mich plötzlich ein Herr an, der gerade seine Kamera neben mir auspackt. „Darf ich ihnen zeigen, wie Sie das Klicken ausstellen können?“, flüstert er fragend und hat meine Kamera schon in der Hand.

„Ich habe sie ganz neu“, entschuldige ich mich und beschließe, das jetzt nicht peinlich zu finden.

„Ach, sie fotografieren im Automatikmodus?“, fragt er weiter, nachdem er meine Kamera auf lautlos gestellt hat. „Für Vogelaufnahmen würde ich…“, und schon erhielt ich einen kompakten Einführungskurs in meine neue Kamera.

Der freundliche Herr schob mir dann noch seine Visitenkarte hin. Falls ich noch Fragen hätte. Wie nett!

Ein paar Minuten später hörte ich ein leises „Mist, Speicherkarte voll!“ und der freundliche Natur-Fotograf René Schaack verabschiedet sich. Sieh an, auch der Profi hat mal eine Panne!

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Der schlafende Schwan

Mein Speicherplatz reichte locker für eine stattliche Ausbeute von über 300 Graugans-, Säbelschnäbler- und Entenbildern.

Nach der ersten Durchsicht sollten so bummelige 100 Fotos übrig bleiben, ein Viertel davon wird es wohl in den Blog schaffen. Kein zu schlechter Schnitt, finde ich.

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Die Graugans – sehr fotogen und eines meiner Lieblingsmotive

Und ich habe eine Menge Neues gelernt und gesehen. Ich habe den Flussregenpfeifer kennengelernt (der kleine Piepmatz mit den gelben Augenringen), meinen ersten Silberreiher fotografiert und eine Schatterente – ja, die gibt es wirklich, die heißt tatsächlich so – beim Trockenschütteln erwischt.

Nur der Haubentaucher, der war mir abgetaucht. Plötzlich war der Sucher leer und ich konnte ihn nicht wiederfinden. Wie schade. Aber Spass hat es trotzdem gemacht!

Frieda, meine Urlaubsliebe, und die Wellen

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Das ich ein Katzenmensch bin, ist aufmerksamen Lesern sicher nicht entgangen. Ich liebe diese schnurrenden Wesen, ihre Zuneigung, ihr Anschmiegen und ihren Eigensinn.

Eines kann eine Katze allerdings nicht. Wer einen treuen Begleiter für lange Spaziergänge sucht, einen, der auch bei mistigstem Wetter den Gang vor die Tür einfordert, der sollte sich entweder in einen Postboten verlieben oder in einen Hund.

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Auch für eine Woche Dänemark-Urlaub lässt sich ein Hund viel eher begeistern als eine Katze. Im gleichen Zuge hat mich Frieda, die quirlige schwarze Hündin meiner Freundin, mal wieder für den Hund begeistert.

Frieda und ich kennen uns aus Dänemark. Sie ist eine echte Urlaubsliebe. Wir drei Mädels haben schon ein paar gemeinsame Januar-Auszeiten in den Dünen verbracht.

Jedes Mal in einem anderen Haus, aber immer an der Westküste, am Ringkobing Fjord. Wir waren in Argab, Hvide Sande und jetzt ein weiteres Mal in Bjerregard.

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Dabei habe ich die Nordsee täglich vor der Tür. Da könnte man zur Abwechselung mal die dänische Ostsee besuchen. Die hat zweifellos auch ihre Reize.

Aber mir würde das Haus in den Dünen fehlen. Diese typischen dänischen Ferienhäuser, die verstreut in die raue Dünenlandschaft gesetzt wurden. Die nicht stören, die sich harmonisch in die gras- und heidebedeckten Hügel einfügen. Off-road und naturnah.

Dieses „nur-am-Strand-schlafen-ist-schöner“ Wohngefühl würde ich vermissen.

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Für Frieda ist das keine Frage, Ostsee oder Nordsee, dieses oder jenes Ferienhaus, Hauptsache man kann am Strand toben. Das liebt Frieda.

Am liebsten natürlich ohne Leine, nach Herzenslust hin und her, kreuz und quer über den Strand und ins Wasser. Das darf Frieda, denn sie hört.

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Frieda hört sogar auf mich. Das begeistert eine Katzen-Mama natürlich ganz besonders (wer Katzen hat, weiß was ich meine…).

Auch wenn Friedas Frauchen meint, Frieda hört auf jeden – ich bin vor Freude immer ganz aus dem Häuschen, wenn sie auf mein Rufen hin angespurtet kommt.

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Frieda hält sogar Blickkontakt. Ist sie außer Rufweite, schaut sie sich immer wieder um und reagiert auf Handzeichen. Der erhobene Arm heißt „Komm zurück“ und sobald sie ihn sieht, dreht sie tatsächlich um und kommt zurück.

Fein erzogen – mit lustigem Nebeneffekt: Als ich für ein Foto übermütig die Arme in die Luft warf, lief Frieda ins Bild. Klar, so hat sie es gelernt.

Wer mit Hund an’s Meer fahren möchte, für den sind die Wintermonate die ideale Reisezeit. Die Strände sind leer, nur selten trifft man auf andere Spaziergänger, und die wenigen haben dann oft auch ihren Hund dabei.

Manchmal darf sogar begrüßt und beschnüffelt werden. Frieda macht das sehr freundlich.

Friedas allergrößter Spaß sind jedoch die Wellen. Sie springt ihnen entgegen, belauert sie, bellt sie an und schnappt nach ihnen. Immer wieder.

Auch wenn Frieda’s Frauchen dieses Gehabe nicht mag, Frieda und ich haben uns prächtig amüsiert.

Frieda bellt, ich lache.

Ohne Wellen bellt Frieda nicht. Schlägt nicht mal an, fiept leise, wenn sie etwas möchte. Nur im Schlaf macht sie schon mal „wuff“ und ich bin mir ganz sicher, dass sie dann von den Nordseewellen träumt.

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Nordseewellen sind aber auch zum Träumen schön.
„Wuff!“

Blogparade – kleine Rituale auf vier Pfoten

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Blogparade – es ist schon lange her, dass ich an einer teilgenommen habe. Es ist mir auch lange keine interessante durch den Reader gelaufen. Nun aber lese ich bei „Zwetschgenmann“ von „Kleinen Ritualen„, die er zur Blogparade ausgerufen hat.

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Stups

Rituale? Habe ich überhaupt welche? Welche, die es zu erzählen lohnt? Ein Glas Wein am Abend oder die Zigarette nach dem Essen (ja, ich weiß…)? Beides ist nicht besonders spannend oder schreibenswert.

Ich mache aber trotzdem mit, denn ich kenne die Meister der Rituale. Die Katzen.

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Sonnenbad im Frühling

Ich halte es für nicht übertrieben zu behaupten, dass ein Katzenleben an sich schon ein kleines Ritual ist. Sie fressen zur gleichen Zeit, schlafen auf den gleichen Plätzen, laufen die gleichen Wege im Garten…

Da ich aber nun schon so einige Fellnasen im Haus hatte, konnte ich beobachten, dass jede Katze darüber hinaus auch ihre ganz eigenen Rituale entwickelt.

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Sommerglück

An einigen dieser Rituale ist man als Dosenöffner nicht ganz schuldlos. So wollte mein Kater Stups nicht anfangen zu Fressen, bevor ich ihm nicht zwei, dreimal über den Rücken strich.

Ich begann damit, als er eine mäkelige Phase hatte. Es gefiel ihm und er machte es sich zur Gewohnheit, das „Anpuscheln“ vorm Futternapf.

Noch heute achte ich peinlichst darauf, es keiner Katze nochmal anzugewöhnen.

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Schattenplatz

Stups war es auch, der beim Fressen die ersten Stückchen immer über die Kante warf. Sie blieben liegen. Paulchen, mein jetziger Kater, hat dieses Ritual ins Gegenteil gekehrt.

Wenn er nicht fressen mag (also nicht komplett ausgehungert ist), muss ich ihm die Stückchen über die Kante werfen. Bis das Schälchen leer ist. Hätte ich das geahnt, hätte ich ihn, als er noch klein und so scheu war, nicht mit „Körnchen werfen“ gelockt .

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Das kleine Paulchen

Katzen hassen Wasser, jedenfalls die meisten, und somit auch den Regen. Stups, draußen nass geworden, stand dann jämmerlich miauend vor mir: „Tu was!“.

Ich holte ein Tuch und rubbelte ihn trocken. Auch das gefiel ihm nach kurzer Zeit gut. Er begann damit, gleich wieder raus zu laufen, um sich erneut ein nasses Fell zu holen.

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Paulchen spielt

Paulchen mag das Trockenrubbeln auch, und klar, ich hätte es wissen sollen, auch er läuft mittlerweile gleich wieder raus. Wir lieben Regentage…

Eines der schönsten Rituale hatte meine Mama Motte entwickelt.

War ich mal auf Dienstreise, akzeptierte sie den Ersatz-Dosenöffner genau zwei Tage. Am dritten Tag fraß sie nicht und brachte eine Maus: „Tu was!“.

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Mama Motte

Und wirklich jedes Mal, wenn ich nach der Reise wieder auf den Hof fuhr, saß sie schon neben dem Parkplatz, wartete, nahm mich zur Kenntnis und ging weg!

„Beleidigte Erleichterung“ könnte man das nennen, aber das Faszinierende war, dass sie genau wusste, wann ich komme.

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Die weise Katze

Zum Schluss noch ein niedliches Morgenritual von Paulchen, der jeden Morgen mit mir ins Bad kommt.

Dort streicht er ein paarmal um meine Beine, schubbert sein Mäulchen am Schnabel eines Papp-Pinguins, rollt dabei sein Schwanzende um den Ersatz-Klorollenhalter und wirft ihn auch schon mal um.

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Paulchen – noch mit seinem Bruder Fin

Jeden Morgen bin ich gespannt; fällt er oder fällt er nicht? Jeden Morgen habe ich meinen Spass mit diesem Ritual.

Wer jetzt Lust bekommen hat, von seinen kleinen Ritualen zu erzählen: Lutz Pauser hat seine Blogparade bis zum 30.11. verlängert. Die bereits eingegangenen Beiträge findet ihr hier.