Glückstadt – perfekt für einen Wochenend-Trip

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Gesucht wird ein Ort, der so ungefähr den gleich langen Anfahrtsweg von der Westküste wie aus dem Osten Hamburgs hat, schön zum Laufen ist und genug Abwechslung für ein nettes Mädelswochenende bietet. Unsere Wahl fiel auf Glückstadt an der Elbe.

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Laut Wettervorhersage erwartete uns ein trübes Februarwochenende, das sich aber noch aufhellen sollte. Als Quartier suchten wir uns eine schnuckelige Ferienwohnung inmitten der Stadt, am Jungfernstieg, kein 5 Minuten vom Hafen entfernt. Schon der Kontakt zur Vermieterin war so nett, dass wir mit viel Vorfreude anreisten.

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Fährt man nach Glückstadt und kommt nicht mit der Fähre aus Wischhafen, muss man erst mal durch die Wildnis. Aus Richtung Norden durch die Blomsche, aus Richtung Osten durch die Engelbrechtsche.

Das Vorland an der Elbe, vor Jahrhunderten noch nicht eingedeicht und immer wieder Überflutungen ausgesetzt, wurde Wildnis genannt. Wildnis oder Wüstenei, was sich heute noch in den ungewöhnlichen Ortsnamen der Glückstädter „Vororte“ widerspiegelt.

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Zur Entstehung Glückstadts und seines Namens weiß Wikipedia folgendes:

Glückstadt wurde 1617 von Christian IV. (König von Dänemark und Norwegen und Herzog von Schleswig und Holstein) gegründet, um dem wachsenden Hamburg einen Gegenpol zu bieten. Der Ort sollte eine uneinnehmbare Festungs- und Hafenstadt an der Unterelbe werden. Der Name Glückstadt und die Fortuna im Wappen standen sinnbildlich für diesen Plan: „Dat schall glücken und dat mutt glücken, und denn schall se ok Glückstadt heten!“

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Beherrscht wird das Stadtbild von dem Binnenhafen und seinen zahlreichen, historischen Gebäuden. Ein wenig holländischen Ursprunges mutet die Silhouette der nördlichen Hafen-Bebauung an.

Und da die Welt ja bekanntlich klein ist, habe ich sogar eine alte Bekannte getroffen. De Albertha, der holländische Traditionssegler, mit dem ich auf der Kieler Förde in der Flaute steckte. Die Albertha vor den hübschen Giebeln Glückstadts, die niederländische Illusion nahezu vollendet.

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Der Fährhafen Glückstadts liegt stromabwärts etwas nördlich vom Binnenhafen und dem Stadtkern, einen guten Nachmittags-Spaziergang entfernt. Schon von der Binnenhafenmole aus sieht man die Anlegerbrücke in der Ferne. Der Weg führt vor dem Elbdeich mit schönem Blick auf die Elbe entlang.

Läuft man um den Binnenhafen herum und dann elbaufwärts, entfernen sich Weg und Deich immer weiter vom eigentlichen Elbufer. Man braucht etwas Entdeckergeist um den kleinen Trampelpfad zum Wasser zu finden.

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Die mit Granitsteinen befestigte Uferstelle ist winzig und gut versteckt, die Aussicht grandios. Elbaufwärts schaut man in die Weite, elbabwärts der Blick auf die Binnenhafeneinfahrt.

Gegenüber liegt die unbewohnte, grüne Insel Rhinplatte im Elbstrom und dahinter schemenhaft die dicken Pötte in der Fahrrinne. Und die untergehende Sonne, es sollte ja aufklaren!

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Die Elbe plätscherte sanft an die Steinkante, das Sonnenlicht glitzerte auf der leicht gekräuselten Wasseroberfläche, sonst war kein Laut zu hören, kein Mensch zu sehen. Kennt Ihr das auch, am perfekten Ort zu sein und mal wieder keinen Prosecco, Käse oder Baguette dabei zu haben?

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Aber auch ohne die italienisch-französische Krönung idyllischer Orte, und trotz nur ein paar bummeliger Grad über Null, war die halbe Stunde Sonnenuntergang am Elbstrand ein sommerlich gefühlter Kurzurlaub; für Seele und Sinne.

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Und somit wäre der Beweis erbracht: Glückstadt macht auch im Februar glücklich.

 

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Flaute auf der Förde

Zum Segeln braucht man Wind, nicht zu viel Wind aber vor allem nicht zu wenig Wind. Flaute, also absolute Windstille, das Fehlen jeglichen Windes, ist der Feind des Seglers.

Genau so einen Tag habe ich erwischt, für einen Segeltörn auf der Kieler Förde. Anlässlich der Kieler Woche kommen viele Segelschiffe nach Kiel und bieten kurze Törns zum Mitsegeln an. So auch die „Albertha“, ein unter holländischer Flagge laufender, alter Traditionssegler mit der wir zunächst unter Motor ablegten.

Klar, der Skipper hat trotz Flaute die Segel setzen lassen. Man will den Gästen an Bord ja was bieten, sie die Segel hochkurbeln lassen, halbe Schläge und andere Seemannsknoten üben lassen, Seefahrerromantik erleben lassen. Und dann dümpelten wir mit 0,2 Knoten (ob vorwärts oder rückwärts war nicht ganz klar) im Wasser; die Quallen überholten uns.

Ein magischer Moment beim Segeln ist die Einkehr der Stille. Das Tuch steht im Wind, die Arbeit ist getan, der Motor geht aus und es kehrt Stille ein. Man hört nur noch das Schlagen der Wellen an den Bug und gleitet sonst lautlos durchs Wasser. Das ist Segeln; das setzt bei mir eine Gefühlsmischung aus Freiheit, Sehnsucht und Abenteuerlust frei. Da kommt keine noch so aufgemotzte Motorjacht mit.

Ist der Motor aus, wird es auch unter den Mitseglern still. Die letzten Gespräche über Alltag oder Job verstummen, man schaut aufs Wasser, kommt runter und hängt seinen ganz eigenen Gedanken nach. Das funktioniert sogar zur Kieler Woche auf der Förde, trotz Partymeile, Schiffsgewusel und, ach ja, trotz Flaute.

Die Kieler Woche von einem Segler aus zu erleben ist schon was Besonderes. Man ist dem Treiben auf dem Wasser viel näher, gehört irgendwie dazu. Ich glaube, unter Seglern herrscht eine ähnliche Seelenverwandtschaft wie unter Campern oder Kleingärtnern. So eine Seglerseele habe ich auch und wenn wir auch nicht wirklich Segeln konnten, fühlte es sich doch so an.

Nur der Vollständigkeit halber möchte ich es noch erwähnen: am nächsten Tag hatten wir ihn wieder, unseren ganz normalen täglichen Wind.