Kulissenwechsel – von Coronado nach Colorado

DSCF5801

Unter mir erstreckte sich braunes, verdorrtes Steppengras, soweit mein Blick aus dem kleinen Kabinenfenster reichte. Der United Flug aus San Diego setzte zur Landung in Denver an.

Die Fahrt zum Hotel führte mich durch dieses Braun, der graue Himmel hing tief, die Luft war irgendwie dünn (Denver liegt auf 1600 Meter über dem Meeresspiegel) und es nieselt. Krasser konnte ein Kulissenwechsel nicht ausfallen.

DSCF5762

Das Hotel, in dem ich für diese Woche meine Koffer auspacken sollte, lag in einem Hotel-Park, gleich neben einem Restaurant-Park, gleich zwischen zwei breiten Highways.

Die unerschöpfliche Weite der einstigen Prärie am Fuße der Rocky Mountains hatte vermutlich dazu verleitet, einfach da zu bauen, wo gerade Platz war.

Hinter meinem Hotel gab es so ein Stückchen Prärieland und da leben sie noch, die Präriehunde. Putzige kleine Wesen mit dickem Po und dünnem Schwanz, die frech aus Ihrem Bau schauen.

Der Radweg US 36 Bikeway führt dort entlang, die kleinen Männchen haben sich an die vorbeisausenden Räder gewöhnt. Sie blieben völlig unbeeindruckt.

DSCF5776
„Alarm!“

Jogger stören sie auch nicht, Spaziergänger (davon scheint es nicht so viele zu geben) werden schon misstrauischer beobachtet. Bleibt man jedoch stehen, wird Alarmstufe Rot ausgerufen.

Dann ertönt ein aufgeregtes Bellen, alle huschen so schnell wie möglich in ihren Bau, um unvermittelt wieder neugierig über den Rand zu schauen. Der Alarmgeber warnt immer noch ganz aufgeregt, so lange, bis ich endlich weitergehe. Die Lage entspannte sich wieder.

Präriehunde können nur in unberührtem Prärieboden bauen und leben (werden zwar somit nicht zur Plage schicker Vorgärten), aber ihr Lebensraum schrumpft stetig. Ein typisches Ur-Einwohner Schicksal.

Am Fuße der Rocky Mountains liegt auch Boulder, eine hippe Universitätsstadt mit Fußgängerzone, vielen Fußgängern, Straßenmusikern, (Marihuana-Läden) und dem Boulder Book Store (Boulders größter unabhängiger Buchladen). Dort habe ich mich mit Tanja getroffen.

Liebe Tanja, nochmal vielen Dank für die Fotos

Ich kannte Tanja nur von Ihrem Blog Tanja Schimmel – lebt und schreibt am Fusse des Pikes Peak. „Du erkennst mich an einem roten Tuch“, schrieb Sie und ich war sehr gespannt auf unser „Blind Date“.

Es wurde ein total netter Abend im Boulder Dushanbe Teahouse  (das Teehaus ist ein Geschenk Tadschikistans anlässlich einer Städtepartnerschaft zwischen Boulder und der Tadschikistanischen Hauptstadt Duschanbe), der viel zu kurz für all das war, was wir uns zu erzählen hatten.

DSCF5806

Und noch ein glücklicher Zufall führte mich gleich am nächsten Tag wieder Richtung Boulder, ins Boulder Reservoir, ein fast 3000 qm großer Stausee, der von der Stadt Boulder als Wasserversorgung betrieben und als Freizeitpark genutzt wird. Dort fand unser Firmen-Sommerfest satt.

Bei erbarmungslosen 40 Grad und fast wolkenfreiem Himmel bedauerte ich es sehr, meine Badesachen nicht mitgenommen zu haben. Aber immerhin hatte ich mich nicht zum Volleyball-Turnier angemeldet.

Das wenigstens war sehr weise gewesen.

Mich zog es also (wen wundert’s?) ans Ufer des Sees.

Dort planschte ich mit den Füssen im kühlen Wasser, schaute den Freizeit-Paddlern bei ihren Paddelübungen zu und wusste plötzlich, was ich in Colorado vermissen würde:

den Wind, die Wellen und das Meer.

Advertisements

Coronado Ferry Landing und 1,7 Meilen bis zum Pazifik

DSCF5701

Endlich Wochenende! Endlich Zeit für mein ganz persönliches Highlight in San Diego, die Halbinsel Coronado, hinter der der Pazifik wartet. Glaubt man den diversen Reiseführern, so ist Coronado für sein viktorianisches Hotel und seinen traumhaften Strand bekannt. Genau da möchte ich hin.

Wer bei seinem San Diego Besuch motorisiert ist, sollte die „Bay-Bridge“ nach Coronado nehmen. Von dort oben soll man einen fantastischen Ausblick über die Bucht haben. Ich bin nicht motorisiert und nehme die Fähre.

DSCF5694

Vom „Coronado Ferry Landing“ sind es 1,7 Meilen bis zum Weststrand der Insel. Auf der kleinen Karte in meinem Reiseführer sind das nur bummelige 5 cm, immer die „Orange Ave“ entlang. Das kurze Stückchen laufe ich.

Hinter mir säumt die Skyline von San Diego den Horizont, vor mir haben die Palmen den Himmel für sich allein.

DSCF5693

Es ist erst kurz nach elf und das Thermometer kratzt bereits wieder an den 40 Grad, schwüle, schweißtreibende Luft, schattenlos.

Meine Wasserflasche ist schon an der Kreuzung „4th Street“ halb leer, bis zur „10th Street“ muss ich noch. Die 5 cm werden lang und anstrengend. Wie rechnet man eigentlich Meilen um?

DSCF5718

Aber dann bleibt nur noch ein letzter Schlenker um den „Star-Park“ und ich sehe ihn, den Pazifik. Dunkelblau liegt er in der gleissenden Sonne, rote Sonnenschirme flattern im frischen Wind.

Der Wind treibt feinsten, hellen Sand über den breiten Strand, ich verbrenne mir beinah die Fußsohlen. Schnell die Schuhe wieder an.

Der Coronado Strand erstreckt sich über knapp zweieinhalb Kilometer und soll zu den schönsten Sandstränden Kaliforniens gehören.

Die Pazifik-Wellen brechen sich fast türkis leuchtend bevor sie auf dem seicht ansteigenden Strand lang auslaufen. Der feuchte Sand glitzert golden, das Wasser ist kalt und herrlich erfrischend.

DSCF5704

Etwas weiter südlich beginnt ein kurzer felsiger Abschnitt. Dahinter erstreckt sich der „Silver Strand“ auf einer langen, schmalen Landzunge bis zum „San Diego National Wildlife Refuge“.

Ich setze mich bei den Felsen. Lasse mich von der Sonne trocknen und schaue den Wellen zu, wie sie zwischen den Steinbrocken in die Höhe spritzen. Stundenlang könnte ich diesem Naturschauspiel folgen – wenn da nicht noch was gewesen wäre: meine Trinkflasche ist leer.

Es sind nur ein paar Schritte über den immer noch glühenden Sand bis zum  „del Coronado“. Das imposante Luxus-Hotel wurde im Jahr 1888 ganz aus Holz im viktorianischen Stil erbaut. Dort gibt es sicher ein kühles „Draft“-Bier.

Das “Del”, wie es auch liebevoll genannt wird, hat in seiner 130-jährigen Geschichte schon viel erlebt. Thomas Edison soll vor der Eröffnung höchstpersönlich die erste Glühbirne eingeschraubt haben.

Charles Lindbergh wurde hier nach seinem Transatlantikflug geehrt, hier drehte Marilyn Monroe Ihren legendären Film „Manche mögen’s heiß“, Prince Edward hat 1920 im „Del“ (wenn auch nur Gerüchten zufolge) Wallis Simpson kennengelernt (und somit die englische Krone verspielt), in Zimmer 304 spukt es und ich genieße auf der Sonnenterasse den Blick auf den pazifischen Ozean.

Es fällt nicht schwer sich vorzustellen, wie mondän ein Bade-Aufenthalt hier einst gewesen sein muss.

DSCF5697

Zurück laufe ich noch einmal ein Stück am Strand entlang, kühle meine Füße ein letztes Mal im Pazifik, entscheide mich diesmal für den kostenlosen (!) Bus zum Ferry Landing und nehme den Gedanken mit, dass man für‘s Meer nie zu alt werden kann. Wie schön.

San Diego, California – typisch amerikanisch und ein bisschen mehr

DSCF5685

“Taxi?” poltert es mehr fordernd als fragend aus der prallen, schwarz glänzenden Uniform. Ein Arm weist mich befehlerisch zu dem Metallaufsteller mit der abgefallenen Nummer drei, der andere Arm dirigiert die ankommenden Taxis wild ruderned an die einzelnen Warteplätze.

Reichlich erschöpft und nun auch genervt schiebe ich meinen Koffer nach einem 12 Stunden Flug den Bordstein entlang und warte zwischen Warteplatz zwei und Warteplatz vier auf mein Taxi. Widerstand wäre zwecklos. Willkommen in den USA.

DSCF5689

Ein Woche Kalifornien, dann eine Woche Colorado, eine Arbeitsreise, kein Urlaubs-Spaß. Zwei Wochen lang soll mir nun, mehr oder weniger geduldig wartend, mein Platz von den verschiedensten Uniformen zugewiesen werden.

Im Hotel, im Restaurant, im Coffee-Shop, an der roten Ampel, vor der Fähre. Im Land der großen Freiheit. Bin ich empfindlich? Als freiheitsliebende Wahl-Dithmarscherin befremdet mich das schon etwas.

DSCF5688

Auch auf Dienstreisen wurden Feierabend und Wochenende noch nicht abgeschafft, nicht mal im geschäftigen Amerika, und so bleibt mir genügend freie Zeit, um die Stadt ein wenig kennenzulernen.

In San Diego, der südlichsten Hafen-Metropole Kaliforniens, spielt sich ein Großteil des Lebens an der Hafenpromenade ab. Hier wird gejoggt, gebummelt, der Hund ausgeführt.

DSCF5744

Vorbei an Yachten, deren Preis man sich kaum vorzustellen vermag, am Fischereihafen „Tuna Harbor“ , der „Navi Peer“ bis hoch zur „Broadway Pier“.

Immer mit Blick auf die im Sonnenlicht glitzernde San Diego Bay, auf Segler, Boote, Yachten und die Halbinsel Coronado, hinter der die Sonne im Pazifik untergehen wird.

Landseitig ist der Weg gesäumt vom San Diego Convention Center (mein Dienstort für diese Woche), von Hotelnamen, die sehr exklusiv und teuer klingen: Hilton, Marriott, Hyatt, und schließlich dem „Seaport Village“, das im Schatten der Hoteltürme aus der Zeit gefallen scheint.

Das Village wurde im Stile eines alten mexikanischen Fischerdorfs gestaltet, hier finden sich eher kleine Läden und urige Restaurants. Hier geht man Fisch essen. Hier spürt man mexikanische Leichtigkeit.

Auf der südkalifornischen Speisekarte liest es sich herrlich maritim und die Küche ist vom nahen Mexiko stark beeinflusst. Serviert werden neben Hühnchen vor allem Fisch und Garnelen, dazu Beilagen wie Bohnen, Avocados, Chilis und Tomaten.

Und natürlich Tortillas. Ich habe schon schlechter gespeist, meine amerikanischen Kollegen sagen „the food is excellent“.

Dank Jet-Lack ist es mir sogar gelungen, morgens die aufgehende Sonne zu begrüßen und vor dem (Starbucks-)Frühstück eine Runde am Wasser zu drehen.

Mit allen anderen Frühaufstehern, die, einen To-Go Becher in der einen und ihr „mobile phone“  in der anderen Hand, den neuen Tag beginnen.

Sich für ein Getränk in Ruhe irgendwo hinzusetzen, scheint in Amerika pure Zeitverschwendung.

Ich habe es mir aber nicht nehmen lassen, jeden Morgen ein Viertelstündchen meiner Zeit mit einem etwas plürrigen acht Dollar Kaffee im Porzellan-Becher auf der Hotelterrasse zu verschwenden und die morgendliche frische, kühle Luft zu genießen.

DSCF5686

Coronado ist so früh am Tag von feuchtem Pazifik-Dunst umhüllt, die ersten Boote ziehen auf der noch tief-dunklen Bay ihre Bahnen und ich schaue ihnen hingerissen hinterher.

Kann ein Arbeitstag schöner beginnen?

Blogparade #DHMMeer – Das Meer, mein blaues Band

DSCF4385

Das Meer zieht sich wie ein blaues Band durch meinen Lebensweg. Ohne das Meer wäre ich heute nicht, wer ich bin, was ich bin und ich wäre auch nicht dort, wo ich jetzt bin.

Dabei begann alles ganz unspektakulär abseits jeglicher Strände in der Lüneburger Heide. Selbst mein ursprünglicher Berufswunsch hatte nichts mit Meer zu tun. Nach dem Abi studierte ich, sehr landverbunden und bodenständig,  Vermessungswesen an der FH in Hamburg.

DSCF4362

Damals in Hamburg übernahm das Meer die Regie in meiner Biographie. Nichts war geplant, alles passierte, so wie eine Welle der anderen folgt:

Mein Leben und die Wellen haben eines gemeinsam:
sie treiben etwas an und spülen etwas anderes weg…

An der FH gab es ein Projektangebot, einen Segeltörn in Holland. Damals reizte mich Holland, nicht etwas das Segeln, und ich meldete mich an. Es hatte mich gleich am ersten Tag an Bord gepackt, dieses Gefühl von Freiheit, die Weite, die Wellen und die Stille unter Segeln. Meine Liebe und Sehnsucht zum Meer waren erwacht.

DSCF4261

Es sollten noch viele Segelurlaube folgen. Immer mit dem Amsterdamer Charterclub Twellegea, nach Norwegen, Dänemark, England, Irland, Schottland, durch den Kaledonischen Kanal und sogar eine Rückführungstour aus dem Roten Meer durch den Suez Kanal bis Kreta.

In dieser Zeit richtete die FH einen neuen Studiengang ein: „Hydrographie“, und ich studierte einfach weiter und wurde Seevermesser.

Jahre später ging meine geliebte „Great Escape“ mit einem großen Loch im Rumpf vor der englischen Küste unter.  Der Skipper Piet ging als letztes von Bord. Ein trauriges Ende.

DSCF2063

Aber zunächst tauschte ich den Theodoliten gegen Loran-C und Syledis (später GPS) und das Nivellier gegen das Echolot. Statt in Vorgärten nach Grenzsteinen zu buddeln, fuhr ich auf Vermessungsboten und lotete die Wassertiefen. Auf Seen, Flüssen und auf dem Meer.

Mein praktisches Semester führte mich nicht mehr in die Landvermessung sondern zum AWI  nach Bremerhaven. Als Praktikantin sollte ich dort bei den Vorbereitungen einer Forschungsreise vor die westafrikanische Küste mithelfen. Unerwartet fiel ein Team-Mitglied aus und ich durfte mit an Bord.

Sechs lange Wochen auf die „Meteor“, auf ganz große Fahrt.

DSC_0181

Auf dieser Forschungsreise stand eine der ersten GPS Mess-Kampagnen überhaupt (GPS Empfänger waren damals riesige „Kisten“, die Charly Trimble noch persönlich nach Europa ausgeliefert hatte) auf dem Arbeitsplan. Nachts 2 Stunden Satelliten-Überdeckung – Pionierzeiten einer Technik, die wir heute alle im Handy haben.

Kontakte von Bord vermittelten mir anschließend ein Diplom-Thema über die Entwicklung der digitalen Seekarte. Damals auch eine Pionierarbeit, heute selbstverständlicher Standard an Bord.

Jan2007 020

Kaum frisch gebackene Hydrographin, hatte ich bereits zwei Angebote und die Wahl: Eine mehrmonatige Forschungsreise auf der Polarstern in die Antarktis oder für ein Entwicklungshilfeprojekt nach Sri Lanka. Eines war so verrückt wie das Andere.

Mein Herz tendierte in die Antarktis, mein Verstand entschied sich für den festen Hydrographie-Experten-Job. Somit reiste ich ein paar Monate nach Studienabschluss nach Sri Lanka aus, um dort beim Aufbau eines Hydrographischen Dienstes mitzuhelfen.

Den Traum von der Antarktis führe ich immer noch im Herzen.

2008 110

„Ausreisen“ – ein Wort, dessen Bedeutung man wohl nur ermessen  kann, wenn man schon einmal ausgereist ist. Wenn man schon einmal seine Sachen für ein neues Leben sortiert und in Seekisten gepackt hat. Seekisten, die auf einem Containerschiff vorausreisen. Erst mischen sich quälende Zweifel unter die Vorfreude und schließlich kommt der Abschiedsschmerz.

Abschied ist ein bisschen wie sterben
(Katja Ebstein)

Auch wenn es eine schreckliche Schnulze ist, ich habe es oft so empfunden. Schweren Herzens flog ich in’s Urlaubsparadies des indischen Ozeans aus. Ein Arbeitsplatz auf dem Meer, ein Leben am Meer. Erwartete mich ein Traum?

Ja, es war eine fantastische Zeit, die Jahre auf Sri Lanka, aber es war auch nicht einfach. Es war ein komplett neues Leben. Nur das Meer verband mich mit meinen Wurzeln, sowie ein paar Luftpostbriefe und zu besonderen Anlässen mal ein teures Telefonat.

Scan_0013
Auf dem Indischen Ozean (1990)

Auf Sri Lanka habe ich Tauchen gelernt. In’s Meer abtauchen, die stille, faszinierende Welt unter Wasser kennengelernt. Eine Unterwasserwelt mit ihrem verborgenen Leben und den unglaublich schillernden Farben zu ertauchen, war noch mal eine ganz neue Dimension, die mir das Meer eröffnete.

Und es kam der Tag, an dem ich angekommen war, es kein Heimweh mehr gab, der indische Ozean ganz selbstverständlich vor meiner Haustür lag.

Doch irgendwann standen die Koffer wieder im Flur der kleinen Hamburger Wohnung und ich war wieder ein bisschen gestorben. Geblieben sind mir Erinnerungen an Traumstrände unter Palmen, an wundervolle Menschen, Gastfreundschaft, Toleranz und ganz viel Dankbarkeit.

 

Es sollten noch einige Auslandseinsätze folgen, nach Jakarta, in die Häfen von Ghana, nach Guinea. Immer ans Meer. Ausreisen, Ankommen, Abschied.

In dieser Zeit reifte mein Traum vom Haus am Meer. Irgendwo hinter’m Deich, in Dithmarschen, eine ehemalige Dorf-Schule vielleicht, mit Ferienwohnungen…

So hatte ich es mir ausgemalt, so stand es wenig später im Hamburger Abendblatt: „Ehemalige Schule in Dithmarschen mit 3 Ferienwohnungen zu verkaufen.“

Ich mach‘ es kurz: in dieser ehemaligen Schule wohne ich jetzt und von hier aus arbeite ich jetzt als „GPS-Expertin“.

DSC_0919

Auch wenn ich heute nicht mehr auf dem Meer tätig bin, ich habe es wieder vor der Haustür und das ist ein gutes Gefühl. Selbst wenn mich der Alltag oft vom Meer entfernt, so erinnert mich die aufkommende Sehnsucht sehr schnell daran, dort mal wieder vorbei zu schauen.

Gefunden habe ich dieses wundervolle Thema einer Blogparade bei Stephanie Jaeckel,  veranstaltet wird sie vom Deutschen Historischen Museum in Berlin: #DHMMeer

Für mich geht’s jetzt erst mal in die Sommer-Blogpause. Macht Euch eine schöne Zeit und fahrt auch mal an’s Meer. Ich werde mir in diesem Sommer den Pazifik anschauen…

 

Friedrichstadt – Frühlingserwachen zwischen Eider und Treene

DSCN0194

Die ersten warmen Frühlingstage sind wie ein Magnet, alles und jeden zieht er ins Freie. Bewegungsdrang und Sonnenhunger sind sein Motor.

Gartenbesitzer haben dann die Qual der Wahl. Endlich kann in den Beeten Ordnung geschaffen werden, bei Sonne macht das richtig Spaß, aber man könnte sich auch Zeit für „was Schönes“ gönnen.

„Was Schönes“ steht für einen Ausflug, runter von der eigenen Scholle, an den Strand oder irgendwo am Wasser laufen, Kaffee trinken oder ein Eis schlecken.

An so exponierten Feiertagen wie Ostern ziehe ich es jedoch vor, die ebenso exponierten Ausflugsziele wie St. Peter oder die Krokus-Blüte in Husum zu meiden. Auf der Geest, also unserem Küsten-Hinterland, finden sich auch bezaubernde Plätzchen zum Frühlingsgenießen.

Das schlechte Gewissen und die Gartenarbeit bleiben zuhause und ich freue mich auf Friedrichstadt. Das charmante Holländerstädtchen mit seinen Grachten und Giebeln ist das perfekte Ziel für einen Frühlingsspaziergang.

Und zu meiner großen Überraschung blühen auch in Friedrichstadt Krokusse. Besser gesagt:  es blühen auch in Friedrichstadt ganz viele Krokusse.

Nicht so spektakulär mit einem Schloss im Hintergrund wie in Husum oder Ahrensburg, aber ein lila Teppich liegt auf der Rasenfläche am Markt.

Die kleinen Kelche recken sich nach dem Licht, viele haben sich geöffnet und lassen ihre leuchtend gelben Staubblätter von der Sonne wärmen.

In Friedrichstadt treffen die Eider und die Treene aufeinander, das Mündungsgebiet umschließt den alten Stadtkern komplett. In Friedrichstadt kann man tatsächlich um die Kirche paddeln. Oder man läuft um die Kirche, immer am Wasser entlang.

Und mit den ersten Sonnenstrahlen sind auch ersten Wasserbewohner und die ersten Boote unterwegs.

Die Treene staut sich am Ende ihres Weges durch die Flusslandschaft von Eider, Treene und Sorge in einem kleinen See, bevor sie durch künstlich angelegte Sielzüge, die Friedrichstädter Grachten, in die Eider geleitet wird.

Ein Eldorado des Wassersports wurde hier vor Jahrhunderten geschaffen. Trotz küstenferner Lage ist in Friedrichstadt eine verspielte Seefahrerromantik allgegenwärtig. Ein bisschen Holland eben…

Würde ich in Friedrichstadt wohnen, hätte ich auch ein Boot vor der Haustür. Ich liebe diese Vorstellung!

Zurück am Markt kann ich die historische Holländische Stube, direkt an der Hauptgracht, aus Herz legen. Dort in den urig-historischen Räumen fühlt man sich in Kaisers Zeiten zurückversetzt und kann excellent Speisen.

Ist das Wetter frühlingshaft schön, darf man im Biergarten direkt an der Gracht bei frisch gebackenen Waffeln oder Windbeuteln und einem holländischen Kaffee (mit Eierlikör) oder einem Pharisäer (Kaffee mit Rum) noch ein wenig weiterträumen.

Und auch das ist so schön am Frühling: man bekommt auf der Biergarten-Terrasse sehr wahrscheinlich einen Platz. Im Sommer kann das schon schwieriger werden.

Schleswig – wie mich die Suche nach Schnee zur Kunst führte

DSCF4664

Der eine wird es wohl selbst erlebt haben, der andere in den Medien mitverfolgt haben können. Letzte Woche war Land unter im Norden – Land unter verwehten Schneemassen. Dazu rekordverdächtige Minusgrade und eisigster Ostwind.

Winter. Auch in Dithmarschen. Nur den Schnee, den gekamen wir nicht. Ich muss zugeben, ich war mächtig enttäuscht.

Am Samstag trafen dann der letzte vorhergesagte Sonnentag und endlich freie Zeit aufeinander. Zeit, um den Schnee zu suchen. In grober Richtung Nord-Ost.

Um Husum herum glitzerten die ersten weißen Felder in der Sonne. Schon ganz schön.

Dann führte mich meine Schnee-Sehnsucht weiter Richtung Osten und bei Schleswig sah es endlich richtig winterlich aus. So hätte ich es mir auch für Dithmarschen gewünscht.

DSCF4646

Fährt man nach Schleswig hinein, kommt man unweigerlich am Schloss vorbei. Umgeben vom Burgsee und dem Burggraben liegt das Schloss Gottorf auf einer Insel am Ende der Schlei. Schon von Weiten leuchtete der barocke Prachtbau vor dem blauen Winterhimmel.

Ich entschied spontan: „Sie haben Ihr Ziel erreicht.“ Schloss Gottorf war der ideale Ausgangspunkt für mein Schnee-Vorhaben.

Der Schlosspark präsentierte sich frostig verschneit. Auf weiten Flächen durfte ich sogar die ersten Spuren in den Schnee laufen.

Im Park findet der kunstinteressierte Besucher mehr als 50 Werke der Bildhauerkunst vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Mich faszinierten die Figuren der griechischen Mythologie ganz besonders. Der Kontrast von dunklem Metall und weißem Schnee, aber auch der Kontrast von Nacktheit und Kälte; ein fühlbarer Spannungsbogen.

Es erstaunt mich ja immer wieder, wie frostklirrend sich Ostwind anfühlen kann. Doch es treibt einem gleich noch ein paar zusätzliche Minusgrade unter die dicken Klamotten, wenn man die nackte Haut eines reglosen Gegenübers betrachtet.

Nereide sitzt da, elegant entspannt, schaut verträumt in die Ferne und bibbert nicht.

Aber nicht nur der Anblick der frostresistenten Nymphen bewegte. Auch der Anblick der wenigen Wasservögel, die auf den letzten freien Wasserflächen vor sich hin dümpelten, ließ mich mitleidend die Hände tiefer in die Manteltaschen schieben.

Auf der Schlei lag dickes Eis, die Ausflugsschifffahrt ruhte. Alles wartet auf wärmere Tage.

Auf dem Weg zurück zum Parkplatz durchströmte mich plötzlich eine ungeduldige Sehnsucht nach dem Ende der Kälte. Wie mich dieser kurze Ausflug in den Schnee doch mit dem diesjährigen Winter versöhnt hat! Der Schnee war toll und nun ist gut.

Jetzt darf es auch für mich Frühling werden.

Und dann fahre ich nach Schleswig und werde die Skulpturen der Museumsinsel Schloss Gottorf noch einmal bei weniger feindlichen Temperaturen auf mich wirken lassen.

Frieda, meine Urlaubsliebe, und die Wellen

DSCF4054

Das ich ein Katzenmensch bin, ist aufmerksamen Lesern sicher nicht entgangen. Ich liebe diese schnurrenden Wesen, ihre Zuneigung, ihr Anschmiegen und ihren Eigensinn.

Eines kann eine Katze allerdings nicht. Wer einen treuen Begleiter für lange Spaziergänge sucht, einen, der auch bei mistigstem Wetter den Gang vor die Tür einfordert, der sollte sich entweder in einen Postboten verlieben oder in einen Hund.

DSCF4048

Auch für eine Woche Dänemark-Urlaub lässt sich ein Hund viel eher begeistern als eine Katze. Im gleichen Zuge hat mich Frieda, die quirlige schwarze Hündin meiner Freundin, mal wieder für den Hund begeistert.

Frieda und ich kennen uns aus Dänemark. Sie ist eine echte Urlaubsliebe. Wir drei Mädels haben schon ein paar gemeinsame Januar-Auszeiten in den Dünen verbracht.

Jedes Mal in einem anderen Haus, aber immer an der Westküste, am Ringkobing Fjord. Wir waren in Argab, Hvide Sande und jetzt ein weiteres Mal in Bjerregard.

DSCF4279

Dabei habe ich die Nordsee täglich vor der Tür. Da könnte man zur Abwechselung mal die dänische Ostsee besuchen. Die hat zweifellos auch ihre Reize.

Aber mir würde das Haus in den Dünen fehlen. Diese typischen dänischen Ferienhäuser, die verstreut in die raue Dünenlandschaft gesetzt wurden. Die nicht stören, die sich harmonisch in die gras- und heidebedeckten Hügel einfügen. Off-road und naturnah.

Dieses „nur-am-Strand-schlafen-ist-schöner“ Wohngefühl würde ich vermissen.

IMG-20180126-WA0004

Für Frieda ist das keine Frage, Ostsee oder Nordsee, dieses oder jenes Ferienhaus, Hauptsache man kann am Strand toben. Das liebt Frieda.

Am liebsten natürlich ohne Leine, nach Herzenslust hin und her, kreuz und quer über den Strand und ins Wasser. Das darf Frieda, denn sie hört.

DSCF4126

Frieda hört sogar auf mich. Das begeistert eine Katzen-Mama natürlich ganz besonders (wer Katzen hat, weiß was ich meine…).

Auch wenn Friedas Frauchen meint, Frieda hört auf jeden – ich bin vor Freude immer ganz aus dem Häuschen, wenn sie auf mein Rufen hin angespurtet kommt.

IMG-20180126-WA0005

Frieda hält sogar Blickkontakt. Ist sie außer Rufweite, schaut sie sich immer wieder um und reagiert auf Handzeichen. Der erhobene Arm heißt „Komm zurück“ und sobald sie ihn sieht, dreht sie tatsächlich um und kommt zurück.

Fein erzogen – mit lustigem Nebeneffekt: Als ich für ein Foto übermütig die Arme in die Luft warf, lief Frieda ins Bild. Klar, so hat sie es gelernt.

Wer mit Hund an’s Meer fahren möchte, für den sind die Wintermonate die ideale Reisezeit. Die Strände sind leer, nur selten trifft man auf andere Spaziergänger, und die wenigen haben dann oft auch ihren Hund dabei.

Manchmal darf sogar begrüßt und beschnüffelt werden. Frieda macht das sehr freundlich.

Friedas allergrößter Spaß sind jedoch die Wellen. Sie springt ihnen entgegen, belauert sie, bellt sie an und schnappt nach ihnen. Immer wieder.

Auch wenn Frieda’s Frauchen dieses Gehabe nicht mag, Frieda und ich haben uns prächtig amüsiert.

Frieda bellt, ich lache.

Ohne Wellen bellt Frieda nicht. Schlägt nicht mal an, fiept leise, wenn sie etwas möchte. Nur im Schlaf macht sie schon mal „wuff“ und ich bin mir ganz sicher, dass sie dann von den Nordseewellen träumt.

DSCF4270

Nordseewellen sind aber auch zum Träumen schön.
„Wuff!“

Dänemark im Januar – mit ganz viel Wetter

DSCF4043

Wer im Januar nach Dänemark an den Strand fährt, sollte sich wettertechnisch wappnen. Sonne kann, muss aber nicht, Sturm, Regen, Wind und Nebel sind da schon wahrscheinlicher, vielleicht sogar Schnee.

Man plant am besten im Zwiebel-Prinzip: T-Shirt, Pulli, Strickjacke, Winterjacke, Regenjacke – Leggings, Jeans, Soft-Shell-Hose, Regenhose – feste Schuhe, Mütze, Schal, Handschuhe.

Und was soll ich sagen, letzte Woche in Dänemark kam tatsächlich alles zum Einsatz. Los ging’s mit einem windstillen Nebeltag (Regensachen, Strickjacke und Soft-Shell-Hose blieben im Koffer).

So ohne Wind ist Kälte viel erträglicher. Auch am Strand, und der zeigt sich bei Nebel von einer ganz besonderen Seite. Konturlos, farblos, menschenleer. Durchatmen.

Wenn dann Frost auf Nebel trifft, umhüllt weißer Raureif jeden Stängel. Ein wenig Pulverschnee dazu und das Winterwonderland ist perfekt. Ganz in Weiß empfing mich die dänische Dünenlandschaft am Morgen des zweiten Tages.

Der Strand schneebedeckt. Ein seltener, schöner Anblick, der so viel Ruhe ausstrahlt und so vergänglich ist. Aufsaugen. Genießen.

Auf Schnee folgte Sturm (mit einzelnen Regenschauern) und spätesten jetzt stand fest: klar im Vorteil ist, wer gut vorbereitet. Es wurde alles angetüddelt was mitgebracht, um dann wie ein Michelin-Männchen an den Strand zu stapfen.

Der Wind trieb den Sand vor sich her. Kleine Muscheln und Steinchen formten Windfahnen aus Flugsand. Auch wenn es mühsam ist, so gegen den Sturm zu laufen, man fühlt sich unwahrscheinlich lebendig.

Auf den Sturm folgen die Wellen und am vierten Strandtag zeigte sich die Nordsee von ihrer wilden Seite. Selbst bei Ebbe war nicht mehr viel vom Strand zu sehen, die See toste mit brechenden Wellen.

Das Laufen am Wellensaum war ein ständiges hin- und her, immer wieder schwappte die Nordsee überraschend weit auf den Strand. Nur wer schnell war, behielt trockene Socken. Atemloser Spaß.

Es folgte ein trüber, windiger Strandtag, so typisch für Nordsee im Winter. Die Hoffnung auf Sonne schwand, auch wenn sie ab und an für Sekunden durch die Wolken lugte.

Aber es blieb wenigstens trocken und die Regensachen im Schrank.

Man könnte meinen, dass der Wettergott tatsächlich noch ein Einsehen hatte, denn am sechsten und somit letzten Tag meiner Dänemark-Woche lichtete sich der Morgennebel um Punkt 11:00 Uhr und blauer Sonnenhimmel begrüßte den Tag.

Wie Farbe leuchten kann, nach all den trüben Tagen. Ergriffenes Staunen. Als hätte man vergessen, wie schön Sonne ist.

Drei Jogger liefen über den Strand. Einer sogar in kurzen Hosen. Den Rückweg gingen sie barfuß, die Schuhe in der Hand.

Von der Sonne aufgewärmt hatte ich die ganze Zeit schon das Bedürfnis, ins Wasser zu laufen. Fast magisch zog es mich an, und ich überlegte mit jeden Schritt: soll ich oder lieber nicht?

DSCF4286

Ja, ich habe es getan! Ich habe mir die Schuhe und Strümpfe ausgezogen, die Hosenbeine hochgekrempelt und bin lachend ins Wasser gelaufen.

Hui, das war eisig aber unglaublich schön. Übermütige Lebensfreude. Ich konnte gar nicht aufhören zu strahlen während das kalte Wasser in die Füße stach. Was so ein bisschen Sonne doch ausmacht.

DSCF4301

Und dann gab das Wetter noch einmal alles, überraschte plötzlich mit Seenebel. Wie eine weiße Wand zog er am Horizont auf. So etwas hatte ich noch nicht gesehen.

Gespenstisch rollte der Nebelstreifen vom Meer bis auf die Dünen, aber es blieb sonnig. Gänsehaut.

DSCF4314

Am Abend hoffte ich noch auf einen schönen Sonnenuntergang, aber der Himmel hatte sich bereits wieder zugezogen und verriet nur mit einem schmalen, hellen Streifen wo die Sonne untergegangen war.

Na gut, es geht nicht alles – in einer Woche Dänemark.

DSCF4346

Grundzufrieden und tiefenentspannt wurden die Wettersachen nach dem letzten Strandspaziergang im Koffer verstaut und für die Abreise gerüstet.

Und eines ist sicher, im nächsten Januar komme ich wieder – und dann bitte mit Abendrot.

Förde-Steig – von Solitüde nach Glücksburg bei Sonnenschein

DSCF3288

Nach zwei Tagen Regen in Flensburg weckte die Sonne den Sonntagmorgen. Das perfekte Wetter für den geplanten zweiten Abschnitt des Förde-Steigs von Glücksburg nach Solitüde. Und wieder kam es anders als gedacht.

DSCF3279

Nach dem Einpacken und Auschecken und einem üppigen Frühstücks-Büffet im „Café Extrablatt“, so ganz in Ruhe, sahen wir am Busbahnhof nur die Rücklichter des Linienbusses nach Glücksburg.  Man hätte wohl doch vorher auf den Plan schauen sollen…

DSCF3278

Sonntags fährt der Bus nur alle 2 Stunden und war daher auch für eine Rückfahrt eher ungünstig. Also nahmen wir das Auto nach Solitüde und würden uns dann in Glücksburg ein Taxi zurück genehmigen. Soviel zur Planung.

DSCF3282

In Solitüde erwartete uns eine im Sonnenlicht glitzernde Förde. Die immer grösser werdenden Wolkenlücken spiegelten sich hellblau auf der leicht gekräuselten Wasseroberfläche. Welch heiterer Anblick nach all dem Grau der letzten Tage.

DSCF3284

Der Förde-Steig läuft auf diesem Abschnitt meist bewaldet oben auf dem Fördehang. Nach jeder Biegung wird ein neuer Blick auf’s Wasser und das gegenüberliegende dänische Ufer der Förde frei.

Die Sonne und der leichte Wind lockten viele Segler aus den Häfen. Die weißen Segel leuchteten im satten Blau. Dieser Sonntag im September wird wohl einer der letzten Tage des Jahres gewesen sein, der Seglerherzen glücklich macht.

DSCF3291

Im Forst Wille, etwas nach zwei Dritteln des Weges, verlässt der Steig die direkte Nähe zum Ufer und führt hinauf in den Wald um sich dann wieder hinunter in die Quellentaler Bucht zu schlängeln.

Ganz plötzlich gibt der Wald den Blick auf das Masten-Meer des dortigen Yachthafen Quellentals frei. Idyllisch eingebettet schiegt sich der Hafen an den Fördehang. Nicht umsonst ist dieser mehrfach als der „schönste Naturhafen Deutschlands“  ausgezeichnet worden.

Vom Yachthafen aus führt der Weg auf Wasserhöhe um die Bucht bis zur Strandpromenade Sandwig, dem Glücksburger Strand.

Schon von weitem leuchtet das weiße Strandhotel, auch „Weißes Schloss am Meer“ genannt, uns entgegen. In dem einst sehr mondänen Haus hatte schon Kaiser Wilhelm II logiert und gespeist.

DSCF3308

Ich hatte dort vor sehr vielen Jahren eine blaue Cordhose (Cord ! So lange ist das her) bei der Abreise im Schrank vergessen. Dieses Missgeschick werde ich wohl für immer mit dem Strandhotel in Verbindung bringen…

Wer mal einen Blick ins Strandhotel werfen möchte, kann bei Stefanie von In der Naehe bleiben schauen, Sie hat gerade dort logiert.

Wir kehrten diesmal nicht ganz so kaiserlich ein, genossen einen leckeren Eisbecher  im Strandbistro Sandwig, ganz ohne WLAN, dafür mit Meerblick, bis es mit dem Taxi zurück nach Solitüde ging.

Förde-Steig – von Flensburg nach Solitüde im Regen

DSCF3103

Unser verpatzter Helgoland-Trip führte uns, wie schon berichtet, nach Flensburg und da wir ja nun den Rundweg übers Oberland nicht laufen konnten, war eine Alternative nötig. Ein schöner, ausgiebiger Spaziergang an der Förde entlang.

Wir entschieden uns für ein Stückchen des Fördesteig, ein ca. 90 km langer, ausgeschildeter Wanderweg von der dänischen Grenze bis nach Kappeln.

Aber wie es meist mit Wegen am Wasser ist, sie sind selten Rundwege und man muss den gleichen Weg zurück. Den gleichen Weg zurück, das verkürzt die Strecke ja mindestens um die Hälfte.

Ein Blick in den Busfahrplan Flensburgs versprach uns jedoch eine Bus-Rückfahrt von Solitüde zum ZOB. Das war ein guter Plan.

Der Wettergott meinte es immer noch nicht gut mit uns, bei dunklen Wolken und Dauerregen starteten wir von der Hafenspitze Flensburgs die Tour an der Förde entlang. Tristes, dunkles Grau hüllte das Hafenufer und ein paar einsame Boote auf dem Wasser in eine trostlose Kulisse.

Direkt in Flensburg war der Fördesteig nicht besonders attraktiv. Lag das nun am Dauerregen oder an dem Umstand, dass wir einmal falsch abbogen und durch den Industriehafen stiefeln mussten?

DSCF3231

Nach einer gefühlten, feuchten Ewigkeit erreichten wir die Marina „Sonwik“. Auch hier das gleiche Bild, grau und nass.

Während wir im Marina-Restaurant „Odore del Mare“ bei einem profanen Flens (das passte ganz wunderbar zu unserem durchweichten Outfit) abtrockneten, speiste am Nachbartisch ein Seglerpaar zu Mittag.

DSCF3236

Bei herüberduftenden italienischen Nudeln, knackigem Salat und einer gepflegten Flasche Weißwein philosophierte man über das Wetter. Irgendwie kam in mir das Gefühl auf, etwas falsch gemacht zu haben…

Im Hafenbecken begann ein noch nasseres Schauspiel, die Vorführung einer Rettungsinsel. Gut zu wissen wie das geht, aber sicher kein Spass und hoffentlich nie notwendig! Halbtrocken und froh machten wir uns wieder auf unseren Weg.

Am Ende des Hafens, gleich neben der Mole Sonwik, kamen wir an den sogenannten „Wasserhäusern“ vorbei.

Hier also gab es die perfekte Erfüllung all meiner Sehnsüchte. Ein Haus am Wasser, was sag‘ ich, auf dem Wasser, mit einem Bootssteg vor der Tür, mit Balkon und Dachterrasse.

Sollte es jemals wieder aufhören zu regnen, stellte ich mir den Ausblick von da oben, gemütlich im Liegestuhl sitzend, traumhaft vor.

Leises, eintöniges Wanten-Klappern im Ohr, ein Glas Wein in der Hand und die tief stehende Sonne spiegelt sich auf der glitzernden Förde. Weiße Segel leuchten im blauen Wasser… Dicke Regentropfen rissen mich aus meiner Träumerei.

Der weitere Fördesteig führte uns nun immer direkt am Wasser entlang und bot schöne Ausblicke auf die Förde. Bunte Fischerhütten säumten den Uferweg und in der Ferne tauchte irgendwann der kleine Strand von Solitiüde auf.

In Solitüde angekommen war es bestimmt schon eine halbe Stunde trocken und als wir in den Bus zurück nach Flensburg stiegen, lugten die ersten Sonnenstrahlen durch die langsam aufreißende Wolkendecke.

Zurück am Ausgangspunkt, der Flensburger Hafenspitze, genossen wir die ersten und auch letzten Sonnenstrahlen des Tages.

„Und morgen fahren wir mit dem Bus nach Glücksburg (!), laufen von dort eine weitere Etappe des Fördesteig zurück bis Solitüde.“

DSCF3270

Das war auch ein guter Plan, denn am folgenden Tag sollte es warm und sonnig werden. Das wir das noch erleben durften…