Fast wie Urlaub in Frankreich

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Wir stellen uns jetzt mal vor, wir sind in Frankeich im Urlaub (und nicht auf Dienstreise). Es ist ein herrlich warmer Mittwochabend, ein paar Schleierwolken durchziehen den sonst blauen Abendhimmel, die Temperatur liegt bei angenehmen 22 Grad, ein leichter Wind weht.

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Vor uns liegt ein kleines, weißes Hausboot mit roten Fensterläden an der Pier im Hafen von Nantes (und kein großer, futuristisch wirkender, gläserner Ausflugsdampfer).

Wir werden die nächsten zwei Wochen mit diesem schnuckeligen Boot die Schlösser der Loire und der Erdre erkunden (und nicht mit zahllosen anderen Touristen einen Törn unternehmen, der kaum länger als das Abendessen dauert).

Nach dem Ablegen machen wir es uns auf dem Vordeck gemütlich (und nicht an langen Tischen im vollklimatisierten Bordrestaurant).

Wir breiten eine Decke auf den warmen Holzplanken aus und freuen uns auf unser französisches Picknick mit Wein, Käse und Baguette (zugegeben, grüner Spargel, Fisch und Mango-Creme sind auch in Ordnung).

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Leise gleitet unser Boot die Erdre entlang. Prächtige Herrenhäuser ziehen an uns vorbei, ein paar Kormorane fliegen mit uns, landen in der Bugwelle und tauchen nach Fisch.

Die Sonne versinkt langsam hinter den Bäumen und lässt die Wasseroberfläche leicht glitzern. Unsere Gedanken  verlieren sich in den seichten Wellen (und wir reden nicht über den Job).

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Nach Einbruch der Dunkelheit legen wir an einen wettergegerbten Holzsteg, der von tief hängenden Bäumen halb überwuchert ist, an (und nicht wieder im Hafen von Nantes).

Dort werden wir noch eine Weile die Stille und das leise Plätschern des Flusses genießen (und nicht durch die lauten Straßen der Stadt zurück ins Hotel laufen) um uns anschließend in unseren Kojen sanft in den Schlaf wiegen zu lassen (und nicht schlaflos im Hotelbett zu liegen).

Mit ein wenig Fantasie lässt sich jedem Trip eine schöne Seite abgewinnen und wenn ich mir jetzt die Bilder so anschaue, glaube ich es beinahe selbst: es war fast wie Urlaub in Frankreich.

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Schiff Ahoi – Pötte gucken in Brunsbüttel

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Brunsbüttel ist für mich ein wenig wie Bielefeld. Klar, die Kanalschleusen von Brunsbüttel sind ein Begriff, die dicken Pötte, die dort in die Elbe oder Richtung Ostsee geschleust werden, auch.

Sogar die Postleitzahl von Brunsbüttel ist mir geläufig (seit der Kabarettist Christoph Weiherer dazu aufrief, an der Supermarkt- Kasse immer mit 25541 zu antworten).

Aber die Stadt Brunsbüttel selbst? Gibt es die auch?

Ja, doch, und man könnte fast sagen, Brunsbüttel gibt es sogar zweimal, denn der Nord-Ostsee Kanal schneidet die Stadt in zwei Teile, in Brunsbüttel Nord und Süd.

Und wer nun nach Brunsbüttel Süd möchte und aus dem Norden kommt, der muss erst einmal über den Kanal. Bei Ostermoor gibt es eine Fähre, die, je nach Bedarf auch im Minuten-Takt, Fahrzeuge und Personen kostenlos auf die gegenüberliegende Seite schippert.

Man kann natürlich auch die Kanal-Brücke nehmen, aber die kurze Fährfahrt ist die deutlich charmantere Variante für einen Sonntagsausflug.

Zum Pötte gucken lässt man die eigentliche Stadt tatsächlich auf der anderen Kanalseite liegen und parkt am besten gleich an den Kanal-Schleusen in Süd. Von dort sind es nur ein paar Schritte zur Schleuseneinfahrt und man taucht fast unmittelbar ein in die maritime Szenerie.

Die Lotsenboote, zwei sind sogar benannt nach den Kreisen Dithmarschen und Steinburg, kreuzen geschäftig hin und her. Insgesamt vier Leuchttürme weisen den Schiffen ihren Weg.

Besonders reizvoll ist der kleine schwarz-weiße Turm am Ende der südlichen Mole. Er zeigte, genau wie sein rotes Pendant auf der nördlichen Mole, schon bei der Einweihung des Kanals 1895 sein Licht für die durchfahrenden Schiffe.

Man kann ihn zu Fuß umrunden und hat vom Molenkopf aus einem herrlichen Blick in die Elbmündung. Den dicken Pötten, deren Konturen zahlreich am Horizont auszumachen sind, ist es auf den ersten Blick nicht anzusehen, ob sie kommen oder fahren.

Ein dritter Backstein-Leuchtturm wurde 1992 durch den griechischen Holzfrachter Pallas trotz Lotsen- und Schlepperhilfe so stark gerammt, daß er abgerissen werden musste. Nach der Reparatur der Mole wurde ein Stahlturm aufgestellt.

(Es war übrigens genau die Pallas, die jetzt im Herbst vor 20 Jahren in Brand geriet, vor Amrum strandete und eine schreckliche Ölpest im Wattenmeer verursachte).

Ein wahrlich glückloses Schiff.

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Wir waren an diesem Sonntag nicht glücklos, auch wenn es sich jenseits der Elbe schon fast bedrohlich zuzog. Auf unserer Elb-Seite schien immer noch die Sonne, war der Himmel immer noch blau.

Nur der Ostwind kam so eisig daher, dass es einem die Tränen in die Augen trieb.

Ach, wie gerne hätte ich mich auf eine der Deich-Bänke gesetzt, noch ein wenig Schiffchen geschaut und von der weiten Welt geträumt.

Aber mit tränenden Augen träumt es sich schlecht.

Wenn man jedoch Schaf ist, in Brunsbüttel, dann kann man den ganzen Tag Pötte gucken und von der weiten Welt träumen.

Alle Nicht-Schafe können sich auf dem Rückweg in Gudendorf im Dithmarscher Gänsemarkt bei einer frischen Waffel mit heißen Pflaumen und einem Diplomatenkaffee (Eierlikör macht den Diplomaten) aufwärmen.

Früh genug dunkel wird es ja jetzt für das vorweihnachtliche Ambiente in der Gänse-Scheune.