Kurz an Deich

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Der Wesselburenerkoog wird im Norden von der Eider und im Westen von der Nordsee begrenzt. Im Koog gibt es eigentlich keinen Ort, vom dem aus man nicht in 5 Auto-Minuten am Wasser ist. Wenn es nicht zu arg windet, nehme ich auch gern das Rad und radele kurz an Deich.

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„an Deich“ im Wesselburenerkoog ist ein begrünter Deichabschnitt mit Salzwiesen-Vorland und Badestelle. Für einen Strand-Tag gibt es sicher schönere Orte an der Nordsee, aber um einfach noch mal Seeluft zu tanken und die Augen über die Weite des Meeres wandern zu lassen, ist es perfekt.

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Gleich am Deichaufgang spielte mir letzte Woche der Zufall einen Ball zu. Ich kam mit einer Dame ins Gespräch, die kurz vor mir den Deichaufgang nahm und sich oben auf eine Bank setzte. Als hätte Sie geahnt, dass ich später Worte suchen werde, um Euch die Schönheit unseres Stückchen Nordsee zu beschreiben, erkläre Sie es mir so:

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„Das Meer, das Watt, die Ruhe, die von den Schafen ausgeht, all die Vögel, diese gewaltige Natur. Fantastisch! So schön! Manchmal komme ich nur, um ein paar Minuten hier oben zu sitzen, nach der Arbeit, zum Abschalten, zum Runterkommen.“

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„Für mich ist das…“, sie ließ eine kleine Denkpause entstehen, so als suchte Sie nach dem passenden, dem einen Wort, das ihre Empfindungen beschreibt, und schloss den Satz mit „…Frieden!“.

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Vom Meer geht eine Faszination aus, die wohl jeder spüren kann, die aber schwer zu erklären ist. Ist es die unendliche Weite, die einen beim Blick aufs Meer berührt, Sehnsucht weckt, eins werden lässt mit der Natur?

Das Rauschen der Wellen, der Wind auf der Haut, der Duft des Meeres, das Spüren mit allen Sinnen? Oder die Ruhe, die diese Weite ausstrahlt, die Harmonie der Farben, die uns  entspannt, schwerelos macht, vom Alltag befreit? Frieden schenkt?

Unsere Deichschafe sind jedenfalls tiefenentspannt. Sie lassen sich beim Grasen oder Dösen von nichts aus der Ruhe bringen, nicht mal, wenn man dicht an ihnen vorbeispaziert. Und manchmal könnte man denken, sie lächeln einen an. Ich lächle zurück.

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Unten an der Steinkante angekommen wandern meine Augen übers trockengefallene Watt. Zwei Wattläufer in der Ferne, Spuren im Sand.

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Die Schnepfen machen einen Riesenspektakel, sie wollen Ihre Nester beschützen, ablenken, mich weglocken. Amüsiert schaue ich ihnen nach.

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Den Rückweg laufe ich auf dem Deich und hier spielte der Zufall den zweiten Ball. Ich schließe meine Beiträge gerne mit einem „Schmunzler“ und dieses kleine Schaf im Kuh-Kostüm ist doch wie gemacht dafür:

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„Muuh… äh? … Määh!“

 

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Abendlicher Waldspaziergang im Watt

 

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„Ein Waldspaziergang im Watt? Die tüddelt doch wohl!?“ fragt ihr Euch jetzt vielleicht. Weit gefehlt! Es gibt einen Wald im Watt, im Katinger Watt. Witziger Weise ist das sogar eines der ganz wenigen Waldgebiete bei uns hier oben an der Westküste.

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Das Katinger Watt war tatsächlich einmal das Wattgebiet der Eider-Mündung; bevor das Eidersperrwerk 1973 die Eider von den Gezeiteneinflüssen trennte.

Der größte Teil des damaligen Watts sind heute Feuchtwiesen, die durch Beweidung kurz gehalten werden und sich zu einem bevorzugten Rast- und Brutgebiet für zahlreiche Vogel- und Entenarten entwickelte.

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Die meisten Flächen des Katinger Watt’s stehen heute unter Naturschutz und dürfen nicht betreten werden. Der Wald im Katinger Watt wurde jedoch vornehmlich für den Touristen angelegt.

Nach einer aufwendigen Entwässerung, Entsalzung und Aufwertung des ehemaligen Wattbodens mit Humus, fanden dort Pappeln, Erlen, Eschen und Ahornbäume sowie verschiedene Strauch- und Rosenarten ihr neues Zuhause.

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Ob der Tourist den Wald im Katinger Watt nicht kennt oder ob der Nordseeurlauber wenig Interesse an Waldspaziergängen hat, vermag ich nicht zu sagen. Ich jedenfalls habe dort selten Spaziergänger getroffen. Eher mal ein paar Reiter.

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Das wirklich fantastische am Katinger Wald ist, man kann dort auch bei Wind wunderbar laufen. Ein windgeschützter Wald in der Marsch – das war tatsächlich die Idee der Planer dieses Waldes. Für uns windgeplagte Küstenkinder ein ganz besonderer Erholungsort!

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Der Katinger Wald ist ca. 500. ha groß und von verschiedenen, gut ausgeschilderten Wanderwegen mit so schönen Namen wie Fix und fertig (der große Rundgang), Stippvisite (der kleine Rundgang), Tour de Katwatt (für Radfahrer geeignet), Schatzkästchen oder Eiergrogtour durchzogen.

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Die Eiergrogtour wird bis zur Schankwirtschaft Andresen in Katingsiel (ein echter Geheimtipp, den wohl jeder zweite Hamburger kennt…) ausgeschildert.

Das alte Gebäude der Schankwirtschaft ist mit seinen historischen Fliesen, kleinen Stuben und alten Kachelöfen wirklich sehenswert; der Eiergrog legendär; legendär wie das Original Wilhelm Andresen selbst.

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Wer den Wald im Watt erkunden möchte, nimmt am besten einen der Parkplätze, die über die Landstraße vom Eidersperrwerk Richtung Tönning (nach dem Sperrwerk gleich rechts) erreichbar sind.

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Fährt man dann beim Aussichtsturm „Kiek Ut“ links Richtung Kating, erreicht man nach ca. 2,5 km den Parkplatz „Schute“, der zwar etwas versteckt liegt, aber idealer Ausgangspunkt für die verschiedenen Wanderwege ist.

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Ob man nun einfach nur vor dem Wind flüchtet, einen Besuch in der Schankwirtschaft Andresen mit einem Spaziergang verbinden möchte oder Freude an der Beobachtung der Vogelwelt hat, das Katinger Watt ist in jedem Fall erste Adresse.


 

Lust auf mehr?

„Der Naturführer Eidermündung (vom NABU) stellt den Naturraum der Eidermündung, die umgebende Landschaft, das vorgelagerte Wattenmeer, die vielfältige Tier- und Pflanzenwelt und vieles mehr in einer mit Bildmaterial reichlich ausgestatteten Publikation vor.“

Die Wanderwege sind dort auch beschrieben.

 

Weihnachtsspaziergang – Büsum oder St. Peter?

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Nach Gänsebraten, Marzipankugeln und Linzer Torte ist ein Spaziergang an der frischen Luft ja geradezu Pflicht. Und wenn man keine winterliche Schneelandschaft vor der Tür hat, lässt man sich eben vom Westwind so richtig schön durchpusten. Das geht in Büsum oder St. Peter ganz wunderbar.

In Büsum oder St. Peter – aber wieso eigentlich „oder“? Wenn man so fast genau zwischen diesen beiden Nordseeorten wohnt, und wenn Weihnachten ja bekanntlich 2 Feiertage hat, dann liegt es doch nahe, St. Peter und Büsum als Ziel eines Weihnachtsspazierganges zu wählen.

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Durchgepustet wird man hier wie dort, wenn auch Publikum und Ambiente kaum unterschiedlicher sein könnten. Büsum steht für Hafen und Deich, das Besondere an St. Peter sind die Pfahlbauten und der Sandstrand. Beides hat seinen ganz eigenen Scharm.

Möchte man vergleichen, kann man wohl sagen: in Büsum bummelt man, durch die Geh-Straße, an der Nordsee entlang, schaut sich die Nordsee an.

Der Büsum-Ausflügler kommt in „Schapptüch“, fein gemacht, mit den guten Sonntagsstiefeln, geht spazieren und setzt sich dann auf eine der windgeschützten Terrassen im Ort.

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Nach St. Peter fährt man zum Laufen, funktional und outdoor-tauglich gekleidet, in dicken Wanderstiefeln, oft mit Rucksack und Hund. Der typische St. Peter Besucher lässt die Shopping-Meile links liegen, steuert direkt auf den Strand zu.

St. Peter punktet für mich, wenn es um das Erlebnis „See“ geht. Hier spürt man die Weite, die Ruhe am endlosen Strand, das Rauschen der Wellen, die Gewalt der See. Hier erlebt man Nordsee, fühlt sie, wird ein Teil von ihr, ist mittendrin.

In Büsum wirkt die Nordsee irgendwie in Szene gesetzt, als hätten man ihr ihren Platz zugewiesen, sie gezähmt. Als wolle man sie ausstellen. Gerahmt in Granit, eingedeicht, begrünt, über Treppen erreichbar. Als sollten die Wellen da draussen bleiben.

Kulinarisch unterscheidet sich das Angebot in Büsum und St. Peter nicht sehr. Man gibt sich nordisch-maritim. Einen „Gosch“ findet man hier wie dort.

Unsere kulinarische Wahl ist Tradition. In Büsum, in Höner’s KöPi – Büsums „open-air“ Kult-Treff – gibt es „Tote Tante“ (heißer Kakao mit Rum und Sahne); das schmeckt so schön weihnachtlich und macht so schön warm.

In St. Peter ein Fischbrötchen, natürlich bei Gosch. Draußen auf der Bank. Das ist auch Kult und geht immer. Auch an Weihnachten.

 

 

Abendspaziergang

Es gibt Tage und es gibt Luxus-Tage. Zu meinen Luxus-Tagen gehören die, an denen ich es geschafft habe, zeitmäßig, motivationstechnisch und wetterbedingt eine Stunde zu laufen.

Unter Laufen verstehe ich allerdings nicht Joggen oder Walken, sondern einfach nur ein etwas zügiges Gehen, so zwei Schritt schneller als Schlendern, ein flotter Spaziergang eben.

Klar, „keine Zeit“ ist die ganz falsche Ausrede, so’n Stündchen sollte sich immer irgendwie in einen Tag einbauen lassen; und sei es „after dinner“. Das Wetter ist Einstellungssache und angemessene Kleidung lässt diese Ausrede auch nicht wirklich zu.

Die größte Hürde aber ist die Motivation, die Überwindung des kleinen, faulen Schweinehundes, der viel lieber aufs Sofa möchte – vor allem nach dem Abendessen.

Dabei habe ich alles, was man so für einen schönen Abendspaziergang braucht, direkt vor der Haustür. Ich muss nicht erst ins Grüne fahren, ich kann gleich loslaufen.

Erst geht’s noch ein paar Schritte die Hauptstraße entlang und dann rechts ab in die Feldmark, der Weg führt hinter einem Binnendeich entlang. Auf dem Deich grasen  Schafe, Kuhweiden auf der anderen Seite.

So halben Weg grast ein Pferdchen, ein weiß-graues Pony, dem ich meist ‘nen Apfel mitnehme (ich kann nicht ohne Füttern…). Es erkennt mich schon von weitem, kommt den Deich hinunter an den Zaun getrabt und bettelt nach dem Leckerli.

Auf der Weide gegenüber steht ein einzelner Baum, dessen Silhouette mich an die so typischen Schirmakazien des südlichen Afrikas erinnert. Auf fast jedem Cover eines Buches über Afrika sind sie abgebildet.

Bei dem Dithmarscher Exemplar muss man sich nur die Kühe wegdenken und das Gras in Braun vorstellen, schon steht man in der Savanne und blickt in die Weite Afrikas. Naja, so eine kleine Spinnerei von mir…

Die zweite Hälfte des Weges öffnet dann den Blick nach Westen und belohnt den Schweinehund mit einem, mal mehr, mal weniger spektakulären Sonnenuntergang. Spätestens hier steht fest, Morgen mache ich wieder einen Abendspaziergang …

…wenn ich Zeit habe, wenn das Wetter schön ist und wenn ich nicht schon vorher am Sofa vorbeigekommen bin…