Dänemark im Februar – das Beste zuerst

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Lange stand sie ganz oben auf meiner „beliebte Beiträge“-Liste, die Auszeit in den Dünen Dänemarks im Januar letzten Jahres. Fast zeitgleich wurde sie von „Neujahr in St. Peter Ording“ abgelöst und ich habe mir erneute eine Auszeit in den Dünen gegönnt.

Der Februar unterscheidet sich nicht sonderlich vom Januar, wenn es um Wetter an der Nordsee geht. Realistischerweise erwartet man Regen, Wind, vielleicht sogar Sturm und  hofft doch insgeheim auf ein paar sonnige Tage.

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Im letzten Jahr wurden wir am letzten Tag mit Sonne belohnt, kam das Beste zum Schluss. In diesem Februar begrüßte uns gleich der erste Morgen an der dänischen Westküste mit Himmelblau und strahlender Sonne. Welch ein Auftakt!

Noch lag etwas Dunst auf den leicht übergefrorenen Heideflächen gleich hinter unserer Holzhütte. Wollige Kuschelkühe leuchteten bernsteinfarben in der aufgehenden Sonne. Welch eine Begrüßung!

Einer der schönsten Momente am Meer ist der erste Blick über den Deich oder über die Düne. Deichnähe ist mir schon bei der Buchung des Ferienhauses wichtig.

Nicht etwa, weil ich gehfaul bin, sondern weil die Chance besteht, das Wellenrauschen sogar im Bett hören zu können. Es gibt nichts Schöneres, als mit dem Rauschen der See im Ohr einzuschlafen.

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Und es gibt eben auch nichts Schöneres, diesem Rauschen entgegen zu gehen, auf der Düne zu stehen und mit den Augen in die Wellen einzutauchen.

Einen gerade erst erwachten Sonnentag vor sich zu haben, alle Zeit der Welt um am Strand zu laufen, in die Wellen zu schauen, den frischen Südwind tief einzuatmen und die Gedanken auf die Reise zum Horizont zu schicken.

Die Weite zu spüren und die einkehrende Ruhe in sich aufzunehmen.

Ruhe wird an der gesamten Nordsee im Februar ganz groß geschrieben. Die Strände sind einsam, viele Geschäfte haben geschlossen, die meisten Ferienhäuser stehen leer.

Es ist die Zeit um Kraft zu tanken für den bevorstehenden Frühling, den nächsten Sommer, den kommenden Herbst. Jetzt im Februar kann man alles ganz langsam angehen. Bloß keine Eile, es ist noch so viel Zeit.

Und wir haben erst Tag eins einer ganzen Urlaubswoche in Dänemark. Noch so viel Zeit.

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Mit Freundin Kerstin und Hund Frieda schlendern wir mehr, als das wir Laufen. Zwischendurch den Blick immer mal wieder den Strandsand absuchend, nach Lochsteinen, den sogenannten Hühnergöttern, nach weißen Kieseln und nach buntem Scherbenglas.

Gedankenverloren ziehen wir den Strand entlang, füllen unsere Jackentaschen mit kleinen Fundstücken, mit Auszeitschätzen, die uns später auf der heimischen Fensterbank an das Meer erinnern werden.

Zeitvergessen laufen wir am Gischt-Saum entlang. Vor uns ist kein Mensch zu sehen, der Strand wirkt endlos. Endlos wie das Meer, das schon immer, das jetzt und das auch morgen, mal sanft, mal wild, auf den Strandsand rollt.

Irgendwie empfinde ich diesen Gedanken tröstlich. So vieles kommt und geht, aber das Meer rollt unbeeindruckt weiter auf den Strand. Das Meer in seiner Unendlichkeit macht mich ganz klein und gross zugleich.

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Irgendwann – wie lange sind wir schon unterwegs? – erinnert Frieda uns an den Rückweg.

Zurück geht es Richtung Süden, dahin, von wo der steife, kalte Wind herkommt, der uns, trotz (oder wegen) Sonne, die Tränen in die Augen treibt. Vielleicht wäre eine Sonnenbrille hilfreich gewesen, doch wer denkt schon im Februar an sowas?

Die Beine werden langsam schwer (meine, nicht die der Freundin) und ich freue ich auf einen warmen Kaffee am knisternden Ofen.

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Aber am Nachmittag gehen wir noch mal los, ja? Es gibt bestimmt einen traumhaften Sonnenuntergang!

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Neujahr in St. Peter Ording am Strand

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Es ist vollbracht. Das alte Jahr durfte gehen und das neue steht in der Tür. Wir haben es freundlich begrüßt.

Nicht spektakulär, nicht wild, nicht laut, sondern ganz ruhig in einer netten Runde mit Freunden und unseren Gästen, mit vielen Geschichten und Lachen und einer Menge Spaß.

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Für mich persönlich ganz ohne Rückblick in das vergangene Jahr. 2018 ist nicht das Jahr, in das ich gern zurückschauen werde (auch wenn der Sommer ein Traum war).

Aber es wurden alle Herausforderungen gemeistert und nun schaue ich erwartungsvoll ins Neue Jahr. Wir haben schließlich darauf angestoßen, dass es gut wird.

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Ich liebe den Gedanken, dass zwölf neue, noch ganz unverbrauchte Monate vor mir liegen. Ebenso liebe ich einen neuen Kalender. Fast zärtlich schlage ich ihn an Neujahr auf und streiche über die leeren Seiten. So viel Hoffnung und Vorfreude liegt zwischen den unbeschriebenen Blättern.

Und wie jedes Jahr trage ich feierlich meine erste Aktivität des Jahres ein: „Spaziergang in St. Peter“. Der gehört für mich zum Jahresanfang wie die Silvesterfeier und das Neujahrskonzert.

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In St. Peter Ording am Strand tost das Meer laut aus der Ferne, Licht und Farben verändern sich im Minutentakt. Ich freue mich, einen freundlichen Wetterabschnitt erwischt zu haben, stürmisch zwar, aber trocken und sogar ein wenig sonnig.

Doch wo gerade noch das Blau des Himmels zu sehen war, ziehen plötzlich tiefdunkle Regenwolken auf. „Ach nee, muss das sein? Könnte es nicht wenigstens trocken bleiben?“, hoffe ich noch kurz.

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Sturmböen peitschten die stechenden Regentropfen über den Strand. Sie schmerzen im Gesicht, nehmen mir die Sicht. Wegdrehen, Kopf einziehen, abwettern. Stimmung im Keller, düstere Gedanken ziehen auf: „Klitschnass werde ich zurücklaufen müssen. So ein Mist, das ist nicht witzig!“

Hagelkörner prasseln gegen meine Beine, gegen meinen Rücken, auf meinen Kopf. Regungsloses Warten an der Dünenkante. Mut machen: „Jetzt kann’s nur noch besser werden. Stell‘ Dich nicht so an, andere werden auch nass. Du bist ja nicht allein hier.“

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Erst hört der Hagel auf, dann der Regen, dann reißt die Wolkendecke auf und die Sonne lugt hervor.  Sie wärmt noch nicht aber sie schenkt wieder Licht. Die Farben kehren zurück, Himmelblau und weiße Wolken.

Ich halte mein Gesicht in die Sonne, schließe die Augen und genieße den Augenblick. Nach Regen ist Sonne besonders schön.

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Gefühle und Gedanken im Zeitraffer – in St. Peter Ording am Strand. Nun ist es doch fast ein Jahresrückblick geworden…

Ich wünsche Euch allen ein sonniges Neues Jahr!

Hoch im Norden – St. Peters Dünenstrand

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Außer Blumen gießen und dem Unkraut beim Verwelken zuzuschauen gibt es zurzeit im Garten nichts Dringendes zu tun. Also habe ich mir guten Gewissens einen Strand-Nachmittag gegönnt.

Meist biege ich auf dem Weg an den Nordsee-Strand gleich die erste Möglichkeit links Richtung St. Peter Böhl ab. Diesmal lasse ich Böhl, Ording und Bad links liegen und fahre in SPO Nord unterm Deich weiter.

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Mein Ziel ist der kleine Parkplatz Hungerhamm an der Strandkorbhalle. Hier kostet das Parken 4,- Euro am Tag, aber man kommt wenigstens ohne die lästige Kurtaxe über den Deich.

Erst geht es ein paar Stufen den Deich hinauf und dann führt ein Holzsteg über die Dünen. Und das ist auch das Besondere am nördlichsten Strand von St. Peter.

Die Dünen.

Ein breiter Dünenstreifen umzieht die Eiderstedter Seite der Bucht und er darf zum Teil betreten werden. Vor dem steten Nordseewind geschützt, kann man es sich in einer der Dünen-Mulden so richtig schön gemütlich machen.

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Großartig ist auch der Blick. Rechter Hand auf den Leuchtturm Westerhever, geradeaus auf den Horizont und in die unendliche Weite, linker Hand sieht man die Pfahlbauten von St. Peter Bad.

Der nördlichste St. Peter Strand hat eine Zone, in der Hunde ohne Leine laufen dürfen. Die Zone wird mit roten Hunde- Silhouetten auf hohen Holzpfählen markiert.

Viele Hundehalter zieht es hier hoch, denn auch die Vierbeiner haben ihren Spaß, wenn sie mal ganz ausgelassen durchs Wasser toben dürfen.

Überlaufen ist es aber selten, dafür sind die Bad, Ording und Böhl Strände zu bekannt.

Bei Ebbe breitet sich vor einem eine riesige Sandfläche aus, bei Flut läuft man im knöcheltiefen Wasser. Ich liebe es, durch das seichte, warme Wasser zu laufen und mit den Füssen so richtig schön zu spritzen.

Aus der Ferne ist das Rauschen der offenen See zu hören, am Horizont glitzern die sich brechenden Wellen. Der Weg zur Wasserkante kann gar nicht weit genug sein.

Bei Stefanie habe ich 10 Dinge, die den norddeutschen Sommer ausmachen, entdeckt. „Eine unbekannte Insel erobern“ steht dort als letzter Punkt auf Ihrer Liste. Eine wunderbare Idee.

Wie wäre es mit einer selbstgeschaufelte Insel? Erobern, sich hinaufsetzen und gemeinsam über’s Meer schauen! Gibt es etwas Schöneres?

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Hätte ich nicht meine Kamera und den kleinen Beutel für die Muscheln dabei gehabt (ich muss am Strand immer etwas sammeln), hätte ich Punkt eins von Stefanies Sommerliste bereits abhacken können:

„In der Nordsee baden“.

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Macht aber nichts, der Sommer fängt ja heute erst an.

Auszeit in den Dünen – Einfach mal nichts tun

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Laut Studien sollen die Dänen die glücklichsten Menschen sein. Im Deutschlandvergleich sollen es die Schleswig-Holsteiner sein (auch wenn uns nur Nachkommastellen von den weiteren Plätzen trennen). Warum ist das so?

Was macht uns und unsere Nachbarn im Norden dieses winzige Fünkchen glücklicher als andere? In entsprechenden Erklärungsversuchen wird oft von der Fähigkeit gesprochen, mit wenig zufrieden zu sein.

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Ist das nicht ein überhebliches Klischee der Besitzenden, das diejenigen, die am wenigsten haben, die glücklichsten sind? Frei nach Janis Joplin’s “Freedom’s just another word for nothing left to lose …” ? Nicht unbedingt.

Wenig muss nicht Mangel sein, wenig kann sich auch auf das Wesentliche beschränken.

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Mieten wir einfach mal ein Holzhaus in den dänischen Dünen und verbringen dort eine Winter-Woche. Mal abgesehen davon, dass so ein Haus zu mieten Geld kostet (wenn auch deutlich weniger als im Sommer), so ist die Liste von dem, was man dort nicht hat, um ein vielfaches länger als die Haben-Seite.

Aber die Haben-Seite ist unbezahlbar, ist das, was viele Dänemark-Urlauber suchen und lieben. Das, was so glücklich macht.

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Einfach mal nichts tun

Eine Holzhütte mit Bollerofen, charmant versteckt in den Dünen. Keine Straße, nur ein Schotterweg, keine Straßenlaternen, nur flackerndes Ofenfeuer und Kerzenschein.

Kein Mensch, kein Lärm, nur leises, entferntes Wellenrauschen. Ein Möwenschrei.

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Unsere Hütte lag gut geschützt in einem kleinen Dünental, wie ein Häschen in seiner Sasse. Durch die Fenster der Blick auf Dünengras und Himmel. Bei Sturm fegt der Wind über das Dach hinweg, rüttelt ein wenig am Schornstein. Wohlige Wärme von brennendem Holz. Zwei Sessel am Ofen, ein paar Worte. Stille.

Und ganz langsam schwindet die Unruhe, macht sich das schlechte Gewissen des Nichtstuns aus dem Staub. Was bleibt ist das Sein.

Glückliches, entspanntes, zufriedenes Sein.

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Einfach mal nichts denken

„Ich muss erst mal den Kopf frei kriegen“. Wie oft hört man diesen Satz und wie oft wünscht man es sich selbst?  Aber frei von was? Frei von kreisenden, hetzenden oder auch beklemmenden Gedanken, die einen nicht loslassen wollen.

Da hilft nur eines: raus an die frische Luft! Laufen. Ein langer, ausgiebiger Spaziergang. An den Strand, sich ordentlich durchpusten lassen, …

Oder sind das auch nur Klischees verklärter Natur-Romantiker? Ich glaube nicht.

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Ist Euch schon einmal bewusst geworden, dass man beim Blick auf’s Meer nicht denkt?

Klar, man steht da nicht am Strand und denkt, ich denke nicht (das wären ja wieder Gedanken…). Doch wenn man mal überlegt, was man gedacht hatte?

Wahrscheinlich nichts. “Nicht denken“ erkennt man erst im Nachhinein. Aber man spürt die Leichtigkeit und das Glücksgefühl des Augenblickes. Ganz losgelöst und ganz bei sich.

Wenn ich am Strand laufe, muss ich immer wieder stehen bleiben, um einfach nur auf’s Meer zu schauen. Ist das die so schwer in Worte zu fassende Faszination des Meeres?

Die Sehnsucht nach Weite und Ruhe und dem Wesentlichen im Leben, dem wir am Meer so nahe kommen?

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Unsere urbane Welt hat uns ein Stück weit von der Natur entfernt, ja, vielleicht sogar ein Stück weit von uns selbst. In der Natur können wir das Band wieder aufnehmen und wir spüren meist schnell, wie gut es uns tut.

Ich glaube sogar, je schlichter die Landschaft, desto intensiver ist das Empfinden. In der Wüste, im Eis oder eben am Meer.

Vielleicht sind die Dänen (und die Schleswig-Holsteiner) ja so glücklich, weil ihre Landschaft, das Meer und die Weite, sie immer wieder an das Wesentliche erinnert und zu sich selbst finden lässt?

Um das zu ergründen, könnte man mal nach Dänemark fahren. Am besten im Winter und dann einfach nichts tun und auf’s Meer schauen.

Dänemark im Januar – mit ganz viel Wetter

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Wer im Januar nach Dänemark an den Strand fährt, sollte sich wettertechnisch wappnen. Sonne kann, muss aber nicht, Sturm, Regen, Wind und Nebel sind da schon wahrscheinlicher, vielleicht sogar Schnee.

Man plant am besten im Zwiebel-Prinzip: T-Shirt, Pulli, Strickjacke, Winterjacke, Regenjacke – Leggings, Jeans, Soft-Shell-Hose, Regenhose – feste Schuhe, Mütze, Schal, Handschuhe.

Und was soll ich sagen, letzte Woche in Dänemark kam tatsächlich alles zum Einsatz. Los ging’s mit einem windstillen Nebeltag (Regensachen, Strickjacke und Soft-Shell-Hose blieben im Koffer).

So ohne Wind ist Kälte viel erträglicher. Auch am Strand, und der zeigt sich bei Nebel von einer ganz besonderen Seite. Konturlos, farblos, menschenleer. Durchatmen.

Wenn dann Frost auf Nebel trifft, umhüllt weißer Raureif jeden Stängel. Ein wenig Pulverschnee dazu und das Winterwonderland ist perfekt. Ganz in Weiß empfing mich die dänische Dünenlandschaft am Morgen des zweiten Tages.

Der Strand schneebedeckt. Ein seltener, schöner Anblick, der so viel Ruhe ausstrahlt und so vergänglich ist. Aufsaugen. Genießen.

Auf Schnee folgte Sturm (mit einzelnen Regenschauern) und spätesten jetzt stand fest: klar im Vorteil ist, wer gut vorbereitet. Es wurde alles angetüddelt was mitgebracht, um dann wie ein Michelin-Männchen an den Strand zu stapfen.

Der Wind trieb den Sand vor sich her. Kleine Muscheln und Steinchen formten Windfahnen aus Flugsand. Auch wenn es mühsam ist, so gegen den Sturm zu laufen, man fühlt sich unwahrscheinlich lebendig.

Auf den Sturm folgen die Wellen und am vierten Strandtag zeigte sich die Nordsee von ihrer wilden Seite. Selbst bei Ebbe war nicht mehr viel vom Strand zu sehen, die See toste mit brechenden Wellen.

Das Laufen am Wellensaum war ein ständiges hin- und her, immer wieder schwappte die Nordsee überraschend weit auf den Strand. Nur wer schnell war, behielt trockene Socken. Atemloser Spaß.

Es folgte ein trüber, windiger Strandtag, so typisch für Nordsee im Winter. Die Hoffnung auf Sonne schwand, auch wenn sie ab und an für Sekunden durch die Wolken lugte.

Aber es blieb wenigstens trocken und die Regensachen im Schrank.

Man könnte meinen, dass der Wettergott tatsächlich noch ein Einsehen hatte, denn am sechsten und somit letzten Tag meiner Dänemark-Woche lichtete sich der Morgennebel um Punkt 11:00 Uhr und blauer Sonnenhimmel begrüßte den Tag.

Wie Farbe leuchten kann, nach all den trüben Tagen. Ergriffenes Staunen. Als hätte man vergessen, wie schön Sonne ist.

Drei Jogger liefen über den Strand. Einer sogar in kurzen Hosen. Den Rückweg gingen sie barfuß, die Schuhe in der Hand.

Von der Sonne aufgewärmt hatte ich die ganze Zeit schon das Bedürfnis, ins Wasser zu laufen. Fast magisch zog es mich an, und ich überlegte mit jeden Schritt: soll ich oder lieber nicht?

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Ja, ich habe es getan! Ich habe mir die Schuhe und Strümpfe ausgezogen, die Hosenbeine hochgekrempelt und bin lachend ins Wasser gelaufen.

Hui, das war eisig aber unglaublich schön. Übermütige Lebensfreude. Ich konnte gar nicht aufhören zu strahlen während das kalte Wasser in die Füße stach. Was so ein bisschen Sonne doch ausmacht.

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Und dann gab das Wetter noch einmal alles, überraschte plötzlich mit Seenebel. Wie eine weiße Wand zog er am Horizont auf. So etwas hatte ich noch nicht gesehen.

Gespenstisch rollte der Nebelstreifen vom Meer bis auf die Dünen, aber es blieb sonnig. Gänsehaut.

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Am Abend hoffte ich noch auf einen schönen Sonnenuntergang, aber der Himmel hatte sich bereits wieder zugezogen und verriet nur mit einem schmalen, hellen Streifen wo die Sonne untergegangen war.

Na gut, es geht nicht alles – in einer Woche Dänemark.

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Grundzufrieden und tiefenentspannt wurden die Wettersachen nach dem letzten Strandspaziergang im Koffer verstaut und für die Abreise gerüstet.

Und eines ist sicher, im nächsten Januar komme ich wieder – und dann bitte mit Abendrot.

Kein Weihnachten ohne St. Peter Strand

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Regen klatscht gegen die Fensterscheiben, Sturm pfeift um die Hausecke, die Lichterketten hüpfen mit jeder Windböe auf und ab – schon seit Tagen.

In der Stube ist es warm und wohlig, Kuschelpulli und Sofadecke, im Fernseher läuft „Frau Holle“ (ich liebe die Märchen-Verfilmungen der ARD).

Weihnachtliche Gemütlichkeit.

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„Schatz, kommst Du nachher mit nach St. Peter? Etwas laufen?“ Ich hätte auch „Schatz, soll ich nachher das Raumschiff aus der Tiefgarage holen und fliegst Du mit mir zum Mond?“, fragen können. Der ungläubige, entsetzte Blick wäre wohl der gleiche gewesen.

Mit „Nicht so gerne“ fällt die Antwort jedoch erstaunlich milde aus. Es gibt Dinge, die muss man alleine machen.

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Von Westen reißt der Wolkenhimmel auf, über Eiderstedt ist es pechschwarz. Graupel setzt ein, waagerecht und von vorn – genau in dem Moment, in dem ich die Deichkrone erreiche.

Graupelkörner prasseln mir stechend ins Gesicht. Schnell ein Foto und zurück ins Info-Häuschen neben dem Parkplatz. Abwettern nennt man das wohl.

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Dann plötzlich Sonne, ein Regenbogen, ein zweiter, viel zarter, gleich daneben.

Leuchtende Farben vor drohend dunklem Himmel. Die verdorrten Salzwiesengräser leuchten golden. Der nasse Plattenweg glitzert dem Horizont entgegen, die schwarzen Silhouetten der Pfahlbauten markieren mein Ziel.

Es ist mühsam, gegen den Sturm zu laufen. Vorn übergebeugt stapfe ich den schier endlos wirkenden Weg durch die Salzwiesen zum Böhler Strand.  Es gibt Dinge, die muss man wohl doch nicht unbedingt machen?

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Auf halben Weg wird der Plattenweg durch einen Holzsteg ersetzt. „Rutschgefahr bei Nässe“ warnt ein Schild. Der Sturm rüttelt an mir, drückt mich zurück und lässt plötzlich nach. Unkontrollierte, schnelle Schritte folgen.

Jetzt noch vom Steg fallen, in den Matsch, Fuss verstauchen, keine Menschenseele weit und breit, …,  halt! Kopfkino ausschalten und weiter!

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Und plötzlich stellt es sich wieder ein. Dieses grandiose Gefühl der Freiheit, der Grenzenlosigkeit, des Eins sein mit den Naturgewalten.

Ganz klein und winzig stehe ich neben den mächtigen Pfählen der Seekiste. Die kurzen Wellen klatschen gegen das nasse Holz, es hört sich dumpf und hohl an. Der Sturm peitscht die Gischt über den Strand und ich stehe dort und fühle mich einfach nur grandios.

Jedes Foto ist eine Herausforderung. Erst die Linse trockenputzen – womit? – alles ist nass – dann ruhig halten – wie? – der Sturm rüttelt am festen Stand.

Ich lehne mich an die Pfähle, umarme Pfosten, lege die Kamera auf Balken. Ein paar schöne Bilder sollten gelingen, das glaubt mir ja sonst keiner.

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Die Sonne wandert langsam dem Horizont entgegen und taucht Wolken, Wasser und das feuchte Holz in ein helles Orange. Die warmen Farben stehen im krassen Gegensatz zum eisig heulenden Wind, aber mir ist nicht kalt.

Ich laufe die Stege entlang und genieße das Licht, die Farben, das Wellenrauschen und Sturmgeheul.

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Fast unbemerkt läuft immer mehr Wasser unter die Planken, rollen die weiß umsäumten Wellen auf den Wiesensaum zu. Wo ich eben noch stand, ist schon Wasser.

Nicht bedrohlich aber stetig und schnell läuft die Flut auf. Zeit zu gehen, wenn man keine nassen Füße riskieren möchte.

Zurück schiebt mich der Wind vor sich her. Kurz vor dem Deich kommen mir ein paar ebenso Wagemutige entgegen.  Man grüßt: „Frohe Weihnachten“ und das klingt hier draußen irgendwie abgefahren.

„Ja, frohe Weihnachten!“ grüße ich zurück und muss tatsächlich lachen.

Abendlauf am Deich – so ohne Hund

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Letzten Montag war der einzig schöne Tag für diese Woche vorhergesagt. Letzten Dienstag hatte mein Blog Geburtstag. „Was hat das eine mit dem anderen zu tun?“ fragt Ihr Euch?

Ohne meinen Blog hätte ich mich am Montag nach der Arbeit kurz an den Zaun gestellt und mir den Sonnenuntergang von dort aus angeschaut.

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Vielleicht hätte ich sogar ein Foto gemacht, wie schon so viele, mit unserem „Windquirl“ im Hintergrund.

Seit ich blogge, will ich mehr.

Also, schnell in die Schuhe, dicke Jacke, Schal (vorm Deich ist der Wind kalt), Autoschlüssel und los.

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Strandübergang mit Bank bei uns im Koog

Im November reicht die Zeit aber nicht, um abends noch nach St. Peter zu fahren. Seit November sind auch die Strandüberfahrten gesperrt. Das kostet Extra-Zeit für den langen Weg über die Stege bis zum Sandstrand.

In St. Peter wäre ein Sonnenuntergang besonders schön. Dort würde noch viel Wasser von den letzten Stürmen auf dem Strand stehen. Darin würden sich die Farben des Himmels spiegeln. Das gäbe bestimmt schöne Bilder…

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Zu uns an Deich geht’s deutlich fixer, auch wenn die Kulisse nicht ganz so spektakulär zu werden verspricht.

Zunächst bin ich ganz allein vorm Deich. Die Sonne steckt noch zwischen den ersten, von Westen aufziehenden Wolken. Sie schickt Ihre letzten Strahlen auf’s Wasser hinaus.

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Über dem Deich kleine Schäfchenwolken, die wie eine aufgeschreckte Herde auseinanderlaufen. Unendliche Weite breitet sich dort oben aus. Der schmale Deichweg, den ich laufe, führt bis zum Horizont.

Kein Mensch, kein Schaf, nur dieser Himmel und ich. Es fühlt sich grenzenlos an.

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Langsam schiebt sich ein goldgelber Steifen den Horizont hinauf, die Wolken bekommen gelbliche Tupfen. Ganz oben leuchtet immer noch das Blau eines sonnenverwöhnten Novembertages.

Ich freue mich wie „Bolle“, dass ich jetzt hier stehe und nicht am Zaun.

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Ein Kondensstreifen steigt in den Himmel. „Flieger, grüß mir die Sonne“ flüstere ich gerade so, als wollte ich nicht stören. Wie klein man sich fühlt, bei solch einem gewaltigen Anblick.

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Auf den Rückweg kommt mir eine Gestalt mit Hund entgegen. Der Kleine flitzt kreuz und quer über die Salzwiesen und erreicht mich weit vor seinem Frauchen. Wir kennen uns.

„Ich hab‘ schon überlegt, wer das ist, so ohne Hund“, begrüßt mich eine Mit-Kögerin. Sie dreht spontan um und wir laufen gemeinsam zurück. Man trifft sich nicht oft im Koog, so ohne Hund. Es gibt viel zu beschnacken.

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Wir sind lange an der Bank vorbei, der letzte Deichübergang vorm Sperrwerk ist fast erreicht. „Wo steht Dein Auto?“ möchte sie von mir wissen.

„Da hinten“, zeige ich zurück.

„Fritzie…“, ruft sie den Hund, „wir haben da hinten etwas vergessen!“  Mit diesen Worten kehren wir alle drei noch einmal um.

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Mittlerweile ist der goldene Streifen einem fast kitschigen Rot gewichen. Die Wasserflächen zwischen den Buhnen und Lahnungen sind von den tiefen Wolken kaum noch zu unterscheiden.

Die eben noch warmen Farben wirken jetzt kühl, die Kontraste schärfer, aus dem leuchtenden Blau wurde ein mattes Hellgrau. Die Nacht rückt näher.

Fast andächtig verabschieden wir uns –  voneinander und von diesem Tag.

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Ohne meinen Blog hätte ich diese Stimmung nicht erlebt, diese schönen Fotos nicht gemacht, hätte ich die nette Unterhaltung nicht geführt,  wäre ich die knappe Stunde nicht am Deich gelaufen.

Ich hätte am Zaun gestanden und die olle „Mühle“ zum x-ten Mal geknipst.

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Mein Blog hat mein Leben mächtig bereichert und das nun schon seit 3 Jahren.

Happy Birthday!

Vollerwiek und die Inspiration des Meeres

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„Wo geht’s denn hier zum Strand?“, wurde ich schon oft von meinen Urlaubsgästen gefragt. Dann erkläre ich Ihnen, neben Büsum, St. Peter und unserer Badestelle im Wesselburenerkoog auch den Weg nach Vollerwiek. Gleich nach dem Eidersperrwerk die erste Abzweigung links.

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Die schmale Straße schlängelt sich schon nach ein paar hundert Metern durch den kleinen Ort und wenn man bereits das Gefühl hat, da kommt nichts mehr, taucht hinter der letzten Kurve der Deich mit dem vorgelagerten Parkplatz auf.

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Vollerwiek hat ca. 5 km Deich und dieser verläuft in einer fast 90 Grad Kurve um die Badestelle herum. Gepflegter Rasen, ein paar Strandkörbe, ein Mini-Eckchen Strandsand und ein Schwimmponton schmiegen sich in die „Badeecke“, wie die Vollerwieker ihr Stückchen Nordsee liebevoll nennen.

Die Preise für Strand und Strandkorb sind in Vollerwiek moderat, das Parken ist kostenfrei. Hinter dem Deich befindet sich ein Bistro und vor dem Deich die Weite der Nordsee. Der befestigte Weg führt linker Hand bis zum Eidersperrwerk, in der anderen Richtung kann man bis St. Peter laufen.

Zurück lohnt es sich auch, die kleinen Deich-Wege landseitig zu nehmen.  Die landschaftliche Idylle hört auf Eiderstedt nicht an der Küstenlinie auf.

Niedliche Reetdach-Katen ducken sich hinter den Deich, der Blick schweift über satt grünes Weideland und hier und da taucht ein großer Hof umringt von knorrigen windschiefen Bäumen auf. Wildrosenhecken.

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Diese Schönheit der Natur und die Faszination des Meeres inspirieren auch viele Künstler. Auf der Eiderstedter Halbinsel gibt es zahlreiche Galerien und Ateliers. Gefühlt sogar mehr Künstler und Kunstschaffende als es Hofläden in Dithmarschen gibt. Das Worpswede Schleswig-Holsteins. Kreativität braucht Schönheit und Weite.

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Einige der Eiderstedt Künstler haben sich dem Förderverein für Kunst und Kultur Eiderstedt e.V. „KunstKlima“ angeschlossen. Sie veranstalten gemeinsame Ausstellungen im Alten Rathaus Garding und den Tag der offenen Ateliers.

Der Tag der offenen Ateliers findet jeweils im April und im August statt. Man kann den Besuch ganz wunderbar mit einer Fahradtour verbinden (die Wege sind meist nicht weit).

Eines der KunstKlima Ateliers liegt auch am Deich in Vollerwiek, die Galerie Meerkunst von Karin Dreier:

In Ihren Nordsee – Aquarellen ist der Standort Programm: Watt, Wind, Wellen, Dünen, Deiche, Schafe, Haubarge, Katen und Kirchen — Nordsee — himmelweit.

(von Ihrer Homepage – besser hätte ich es nicht ausdrücken können)

Und während ich noch so vor dem Deich schlenderte, die leichte Sommerbrise meine Gedanken mitnahm, fiel mein Blick auf ein Stück Holz. Erst dachte ich: „Ach nö, so ein schmuckloses Brettchen mit rostigen Nägeln.“

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Aber man braucht kein begnadeter Künstler zu sein, auch ich war schnell inspiriert. Etwas Farbe, ein Spruch und ein Draht zum Aufhängen… (die ganze Geschichte bei FarbFrisch).

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Und so verbindet sich auch meine Liebe zum Meer mit meiner Freude am Gestalten – das Rauschen der Wellen vor Vollerwiek mit meinen eigenen „kreativen“ Ideen. Das fühlt sich gut an.

Auf dem Trischendamm der Sonne entgegen

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„Am Nachmittag soll es aufhellen, sich die Sonne von der Nordsee her durchsetzen…“ klang es an einem meiner Urlaubstage aus dem Radio. In diesem Sommer waren der Wetterbericht und Spontanität zwei unverzichtbare Eckpfeiler eines gelungenen Sommer-Ausfluges.

Der Wetterbericht bestimmt Ort und Zeit und was liegt bei der Aussicht auf „Aufklaren von der Nordsee her“ näher, als der Sonne entgegen zu laufen?

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Für eine Wattwanderung war es noch zu früh, das Wasser sollte erst am späten Nachmittag ablaufen. Aber bei Friedrichskoog-Spitze führt der Trischendamm mehr als zwei Kilometer in’s offene Meer.  Dort kann man auch bei Flut trockenen Fußes und sicher ins Watt.

Der Trischendamm ist die Seebrücke Dithmarschens – sozusagen.

Schmal ist der geteerte Pfad auf dem Damm, bei „Gegenverkehr“ muss man ausweichen.

Für ausgiebige Blicke über das Meer musste ich sogar stehenbleiben, so stark war das trügerische Gefühl daneben zu treten oder mein Gleichgewicht zu verlieren. Der kräftige Westwind trug sein Übriges dazu bei.

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An der Trischendamm-Spitze läuft der Damm in einem flachen Kopf aus und erst dort kam das wohl auch trügerische Gefühl von festem Boden unter den Füßen zurück.

Der Weg lohnt sich, die Aussicht da draußen ist grandios! Über die Elbmündung hinweg bis nach Cuxhaven, auf der anderen Seite die Silhouette von Büsum. Am Horizont ragt die Ölplattform Mittelplate aus dem Wattenmeer.

Ordentlich durchgepustet und 9350 Schritte später erreichte ich wieder den Strand von Friedrichskoog-Spitze.

Der Wetterfrosch hatte nicht zu viel versprochen, es klarte auf, die Wolken verzogen sich und die schmucken roten Strandkörbe leuchteten auf dem gepflegten, satten Grün des Deiches um die Wette.

Jetzt waren Zeit und Wetter perfekt für eine Wattwanderung, aber ich war genug gelaufen und gönnte mir einen großen, duftenden Becher Kaffee in einem sonnigen Strandkorb gleich hinter dem Deich.

Ein gelungener Sommer-Tag!

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Und das nächste Mal – wenn Zeit und Wetter passen –  geht es auf dem Trischendamm den Sternen entgegen.

„Sterne über dem Wattenmeer“ – Termine für eine geführte Wanderung  findet ihr HIER.

Der Strand-Tag in diesem „Sommer“

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Wann war das noch gleich? Ende Juli, Anfang August, als es 24 Stunden nicht regnete und die Temperaturen an der Nordsee über 25 Grad stiegen? Egal, einen dieser seltenen Sommertage habe ich am Böhler Strand von St. Peter verbracht.

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Das Wunderbare an Böhl ist, dass dieser Strand selbst an herrlichen Sommertagen nicht wirklich überlaufen scheint, der Blick auch mal auf’s Meer streifen kann, ohne Massen sonnenhungriger Menschen zu sehen.

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Gegen Abend kann man sogar im Hochsommer so etwas wie Weite spüren. Ich liebe diese späten Nachmittags-Stunden, wenn die Sonne langsam dem Horizont entgegen wandert und das tief einfallende Licht das Meer ganz besonders glitzern lässt.

Wer Baden möchte, wird vielleicht etwas enttäuscht sein, denn, ob Ebbe oder Flut, das tiefe Wasser ist am Böhler Strand immer sehr weit weg.

Dafür ist der Wattboden schön fest und es lässt sich wunderbar Laufen. Barfuß über die Sandriffel (es gibt keine bessere Fuß-Massage) und durch die Priele, immer dem Meer entgegen.

Oder man richtet sich ein, in der eigenen Strandmuschel, vergisst die Zeit, lässt den Tag an sich vorbeiziehen – ganz entspannt, ganz eins mit der Natur.

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Kann Sommer nicht schön sein?