SnapShots – Hinter’m Sperrwerk

DSCN1512

Sie ist nicht wirklich der HotSpot der Nordseeküste, die Bucht hinter dem Eidersperrwerk. Der Eiderdamm Nord dominiert diesen Küstenabschnitt mit viel Beton und Stein. Wer aber gern mit dem Meer, den Wolken und unseren Wattvögeln allein ist, der ist hier richtig.

Selten verirren sich Spaziergänger hinters Sperrwerk, und wenn, dann nur, um mal kurz über den Deich zu schauen.

Sehr beliebt ist der hintere Bogen des Dammes bei den Austernfischer, die die Tarnung zwischen den vermörtelten Schüttsteinen geschickt nutzen und sich hier, vor allem im Herbst, ausruhen.

Dicht an dicht hocken die Wattvögel beisammen, lassen sich von den letzten warmen Sonnenstrahlen aufwärmen, stecken ihre roten Schnäbel unter die schwarzen Flügel und halten ein Nickerchen.

Richtig toll sieht es aus, wenn ein ganzer Schwarm gemeinsam aufsteigt und ihre weißen Unterseiten aus der Luft herableuchten. Aber ich würde es nicht übers Herz bringen, sie für solch ein Foto aufzuschrecken.

Advertisements

Am Eider-Deich ist die Welt nicht (mehr) zu Ende

DSC_0411

Einst war die Dithmarscher Welt am Eiderdeich zu Ende. Und einst ist nicht mal ein halbes Jahrhundert her. Vor dem Bau des Eidersperrwerkes endete die sandige Dammstrase des Wesselburenerkoog am Eiderdeich. Wer zu jener Zeit nach Eiderstedt wollte, hatte einen weiten Weg über Tönning.

Es gibt sogar noch Zeitzeugen, die von einer Querung über’s eisbedeckte Wasser berichten können. Als Winter noch Winter waren und die Eider zufror…

DSC_0428

Heute fährt man durch’s Sperrwerk und ist in null-komma-nix auf Eiderstedt. Aber die 236 Meter lange Röhre unter dem Eider-Sperrwerk hindurch hat es bis heute nicht geschafft, die ehemalige Trennung zu begleichen.

Hinter dem Tunnel beginnt eine andere Welt. Grünland, Weidevieh und große, oft einsam liegende Höfe prägen das Landschaftsbild. Echten Weitblick unter hohem Himmel, das gibt es noch auf Eiderstedt.

DSCF3022

„Vogelschutzgebiet“ heißt das Zauberwort, das den Bauern jenseits der Eider das Wirtschaften erschwert, das intensiven Ackerbau und Windkraft stark einschränkt, das Eiderstedt jedoch so lebenswert macht. Und das bei mir immer wieder ein Gefühl von Urlaub hervorzaubert (da muss es nicht mal St. Peter sein).

Mit dem Fischbrötchen geht es schon los. Oft holen wir uns eines vom Kiosk am Sperrwerk, doch auf der anderen Seite im Fischbistro „Katinger Watt 1“ schmeckt es gefühlt noch besser.

Dabei gibt es dort die gleiche Speisekarte (plus einem täglich wechselnden Fischteller), den gleichen Inhaber und nicht mal den Blick auf die Eider. Aber es ist etwas Besonderes dort auf der Terrasse zu sitzen und auf die grünen Wiesen des Katinger Wattes zu schauen.

Noch schöner ist die Aussicht im Cafe Mahre, keine 5 Minuten entfernt, das idyllisch inmitten der Wattwiesen und am Katinger Priel liegt.

Die Speisekarte ist überschaubar und lässt vor allem Kartoffel-Fan-Herzen höher schlagen. Es gibt frisch gekochte Pellkartoffeln oder frisch zubereitete Bratkartoffeln mit den klassischen Beilagen wie Matjes oder Brathering aber auch einfach nur mit Quark.

DSCF2976

„Pellkartoffeln mit Quark“ habe ich schon als Kind geliebt und wenn die Küche dann noch Garnelen in Chili-Vanille-Salz dazu zaubert, dann brauche ich nicht mehr um glücklich zu sein.

Wer nicht so kartoffelig aufgelegt ist, der bestellt sich einen Pfannkuchen oder einen Kaffee, schaut in die Ferne und geniesst die Ruhe.

Und für den obligatorischen Blick über den Nordseedeich ist es bis zur Vollerwieker Badebucht auch nicht weit.

DSCF3008

So, so, von Vollerwiek habt Ihr noch nie etwas gehört? Ich nehme Euch mit, nächste Woche, versprochen!

2016‘er Fundstücke – Sundown

32454956856_0a78a0c11f_o

Ein neues Jahr – ein neuer Foto-Ordner und der alte von 2016 soll noch ein wenig sortiert und dann archiviert werden. Und wie schon im letzten Jahr lassen sich bei dieser Beschäftigung ein paar Fundstücke entdecken, die schon fast vergessen waren.

32117099750_91ee198679_z

Eines dieser Fundstücke ist diese Septembersonne, die langsam im Meer versinkt.

Sie sind immer faszinierend, diese letzten Minuten am Abend, die mit einem grandiosen Farbspiel, mal feuerrot, mal ganz zart in Pastell, einen Tag in die Nacht entlassen.

Seeschwalbenkolonie am Eidersperrwerk

27892769342_c0b2dbfa69_o

Von der brütenden Seeschwalbenkolonie am Eidersperrwerk habe ich ja schon berichtet; ein einzigartiges Spektakel, das man von Anfang Mai bis über den Juni hinaus beobachten kann. Das Besondere an diesem Brutplatz ist die Nähe, aus der man die Vögel beobachten kann.

27381632544_060d88cd4d_z
Die Mole, auf der sich die Seeschwalben Ihre Brutkolonie eingerichtet haben, liegt direkt am Fuß der Aussichtsplattform. Vor ca. 10 Jahren hatten sich die ersten Brutpaare dort angesiedelt und mittlerweile versammeln sich an die 400 Seeschwalben am Eidersperrwerk um Ihren Nachwuchs aufzuziehen.

27384142274_6712558cc6_z

Die Mole hat den großen Vorteil, dass Fressfeinde es schwer haben, dorthin zu gelangen. Vom Wasser umspült hält die Mole Fuchs, Marder oder Ratten fern. Für diesen Schutz nehmen die Seeschwalben die Nähe des Menschen offensichtlich in Kauf.

27717498860_400fde2e4e_z
An Menschenköpfe und Kameraobjektive scheinen sich die sonst eher scheuen Seevögel sogar gewöhnt zu haben. Man könnte fast meinen, sie posieren. Es ist immer die gleiche Abfolge: erst schauen Sie,

27384431744_1f4b753e79_z

dann wird mit erhobenem Kopf krakeelt

27998052485_a9b8c9d5fd_z

um sich anschließend zu verneigen.

27717854510_b672e394d8_z

Ich persönlich find die Seeschwalben ausgesprochen fotogen. Mit Ihren dichten, kompakten aber doch so feinen Federn wirken Sie fast wie aus Porzellan; der Übergang vom weißen Hals zur schwarzen Prachthaube wie mit einem feinen Pinsel gezogen.

27895802082_5ded5f0976_z

Die Jungvögel sind zurzeit in einem eher unkleidsamen Entwicklungsstadium. Sie sind nicht mehr niedlich und noch nicht elegant. Ein bisschen hässlich sehen sie aus.

27703785700_24f567ecf7_z

Der Flaumpelz ist weitestgehend einem Federkleid gewichen, nur einzelne Flamen schauen noch hier und da aus den Federn heraus. Die Federn haben noch das „Tarnfarben-Braun-Gesprenkelt.

27717365350_83b945fd13_z
Die Flügel wollen schon fliegen, das wird auch fleißig geübt, aber sie können noch nicht. Noch sitzen die hungrigen Seeschwalbenkinder am Boden und betteln nach Fisch.

27919735841_18f814cde8_z

Es wird aber nicht mehr lange dauern, bis aus diesen hässlichen Entchen die schönen Schwäne werden. Bis die Kleinen auch auf dem Geländer sitzen und schauen,

27383981634_b3e8c2d6a1_z

krakeelen

27383563283_3eb1f07faf_z

und sich verneigen.

27919574561_ebf3fff610_z

Aus der richtigen Perspektive betrachtet, kann man in dieser Verneigung sogar eine gewisse Komik entdecken.

 

Der NDR hat einen kurzen Film (3 Minuten) über die Seeschwalbenkolonie am Eidersperrwerk gedreht. Wer Interesse hat kann sich den Beitrag in der MediaThek anschauen. Er ist nicht nur sehenswert sondern vor allem hörenswert!

 

 

SnapShots – die Möwen vom Sperrwerk

Im Beitrag Möwenalarm hatte ich schon von der brütenden Seeschwalben- und Lachmöwenkolonie am Eidersperrwerk berichtet. Nun ist es soweit, der Nachwuchs ist da.

Die kleinen Möwen sind sogar schon recht groß, wenn auch noch immer in Ihrem brauen Daunen-Kleid. Geduldig sitzen sie im Gras und warten auf die nächste Mahlzeit.

Aber die Idylle trügt. Keine fünf Möwenfamilien weiter droht Streit. Über irgendetwas ist man sich anscheinend nicht ganz einig.

Und was auch immer es ist, es ist Ernst, sehr ernst. Manchmal hat man Glück und kann auf einem Foto festhalten, was man so ohne Kamera gar nicht sieht – oder auch was der andere gar nicht sieht – hier : den Dolchstoß durch den Flügel…

Und jetzt kommt der spektakuläre Abgang, frei nach dem Motto „Abhauen gilt nicht – irgendwie muss ich die doch noch zu fassen kriegen…“. Aber es hat nicht ganz gereicht.

Wow – das war ja mal ’ne rasante Vorstellung!

Saisonstart im Koog

Die Urlaubersaison beginnt hier bei uns an der Westküste mit den Osterferien, da trauen sich die ersten Gäste an die See; mit Pfingsten geht es dann richtig los.

Bei schönem Wetter zieht eine Auto-Karawane und viele Gruppen von Motorrädern Richtung Eidersperrwerk (sehr beliebtes Tourenziel für Biker) oder weiter nach St. Peter Ording (Ziel der Tagesausflügler aus dem Großraum Hamburg).

Auch wir im Wesselburenerkoog rüsten, für das was kommen soll. Schon im April treffen sich ein paar aktive Gemeindemitglieder für den Strandaufbau. Das klingt jetzt lustig, wir bauen natürlich nicht den „Strand“ auf sondern das Badestellenmobiliar wie Bänke, Spielgeräte, Treppenhandläufe, Infotafeln und Rettungsringkasten.

Badestelle im Wesselburenerkoog – Parken & Strand sind hier noch kostenfrei!

Der Kindergarten einer Nachbargemeinde hat seinen kleinen Bauwagen und einen Windschutz aus Reißig bei uns am Strand. Der Reißig-Zaun wird fast jedes Jahr von den Winterstürmen komplett weggerissen und so heißt es im Frühjahr „Wiederaufbau“.

Land unter - in der Mitte sieht man das Schaukelgestell
Badestelle „Land unter“ – in der Mitte sieht man das Schaukelgestell

Die Vermieter im Koog haben ihre Ferienwohnungen geputzt und ihre Gärten von den Spuren des Winters befreit. Pflanzkübel wurden mit bunten Blumen gefüllt, Terrassen gefegt und Betten gelüftet. Ich freue mich jedes Frühjahr auf die Ankunft meiner ersten Gäste – so wie ich mich im Herbst auch auf die Abreise der letzten Gäste freue. Dann haben wir den Koog, den Strand und das Meer wieder für uns.

Die Vermietung an Feriengäste ist ein bisschen wie die Jahreszeiten. Alles unterliegt dem Wechsel und jede Zeit hat seinen eigenen Scharm. Nach dem Winter freue ich mich auf’s Frühjahr, dann auf den Sommer; Herbst kann wunderschön sein und ich mag auch die ruhigen, kalten und manchmal schon recht unwirtlichen Wintermonate hier im Koog.

Schafe auf einem winterlichen Rosenkohlfeld im Koog

Ich habe eine Zeit in den Tropen gelebt, da gibt es keine Jahreszeiten (jedenfalls nicht so, wie wir sie kennen). Das habe ich vermisst. Genau wie ich in meiner Zeit in Hessen den Wind vermisst hatte – auch wenn er mich hier an der Westküste manchmal schon etwas nervt. Aber dann kann ich mich ja auf die nächsten ruhigen Tage freuen!

Möwen-Alarm am Eidersperrwerk

Jedes Jahr im Frühjahr gibt es ein ganz besonderes Spektakel am Eidersperrwerk zu beobachten. Hunderte von Seeschwalben (schwarze Haube) und Lachmöwen (schwarzbrauner Kopf – das Prachtkleid) finden sich dort ein, um zu brüten und ihren Nachwuchs aufzuziehen. Und hunderte von Hobbyfotographen finden sich ein um die besten Bilder zu schießen. So natürlich auch ich.


Zunächst schaut man sich um und sortiert die Lage. Irgendwo muss doch die Lachmöwen-Dame der Wahl zu finden sein.

Ist die Entscheidung getroffen, muss man auf sich aufmerksam machen. „Hallo – schau‘ doch mal her… wie wär’s mit uns beiden?“


Glück gehabt. Die Dame der Wahl ist nicht abgeneigt. Gemeinsam werden kleine Lachmöwen gemacht. Der Rest der Gesellschaft schaut dezent weg…

Ein Nestplatz ist schnell gefunden und nun heißt es geduldig auf die Dinge warten, die da kommen.


„Alles klar bei Dir?“ scheint er seine Seeschwalben-Dame zu fragen. Es ist absolut faszinierend wie in diesem Gewimmel der eigene Partner wiedergefunden wird. Noch faszinierender wird es, wenn die Kleinen erst mal geschlüpft sind. Die Eltern kreisen dann mit dem Fisch im Gepäck über dem Brutplatz und finden den eigenen Nachwuchs aus hunderten von hungrig schreienden Jungvögeln zielsicher heraus.


Aber so weit ist es noch nicht, noch kümmert man sich um das Gelege. Die Seeschwalben machen nicht viel Zauber um das Nest, Hauptsache die Eier rollen nicht weg. Hier wurden 2 kleine Seeschwalben auf den Weg gebracht.


Putzig wie der Kleine mit seinen viel zu großen Füssen daherschreitet. Hier bin ich mir übrigens nicht sicher, was aus dem kleinen Kerl mal werden soll (wer kennt sich besser aus?), aber süß ist er auf jeden Fall!


Der Brutplatz am Sperrwerk liegt direkt neben dem Radweg und man sollte meinen, dass sich die Vögel an Publikum gewöhnt haben. Aus sicherem Abstand schauen ist in Ordnung, wer aber zu dicht kommt, wird eines besseren belehrt. Schon der ein oder andere ist mit einer blutigen Stirn gestraft worden.