Fundstücke – von Urlaub, Freundschaft und Bratlingen

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Es ist ja nicht so, dass ich nicht in den Urlaub fahre. Aber ich muss schon feststellen, dass ich in den letzten Jahren eher selten im Urlaub war.

Schließlich lebe ich da, wo andere Urlaub machen, habe St. Peter Ording, das Watt und die Nordsee vor der Tür und genieße dieses Glück in vollen Zügen.

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Vielleicht ist deswegen meine Sehnsucht nach Badeferien am Mittelmeer oder Wanderwochen in den Bergen nicht sehr ausgeprägt. Aber es gibt schon Sehnsüchte, die sofort wieder einsetzen, sobald ich auf dem Heimweg bin.

Zum Beispiel auf der Fähre von Helgoland (ich bin bekennend Helgoland-verliebt) oder beim Packen nach einer Woche Dänemark.

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Mein allererster Dänemarkurlaub liegt Jahrzehnte zurück. Mit einer Clique Freunden über Sylvester. Zwei Häuser mussten wir mieten, so viele waren wir. Dann gab es ein paar Jahre ohne Dänemark und schließlich habe ich es für die Winterzeit neu entdeckt.

Nicht mit dem Partner, nicht in der Gruppe, sondern mit der besten Freundin. Das Haus in den Dünen, leere Strände und die Freundin – meine perfekte Urlaubskonstellation.

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Ich glaube, für Dänemark im Winter muss man entweder frisch verliebt sein oder eben mit der allerbeste Freundin anreisen (vielleicht geht auch allein, aber das habe ich noch nicht probiert).

Wer im Winter an die See fährt, wird wenig Unterhaltung oder Abwechslung finden.

Im Winter an der See sind die eigenen Sinne gefragt. Sich öffnen für den Zauber des Meeres. Für das Rauschen der Wellen, das Schreien der Möwen aber auch für die Stille. Für den salzigen Geschmack auf den gischt-nassen Lippen, für dem Geruch des Meeres.

Für die kleinen Dinge, für Weite, Licht und auch mal Sternenhimmel.

Einen Regenbogen entdecken und zusammen bestaunen, gemeinsam über den Hund lachen, der mit Stock und Schaum kämpft, mit kindlicher Freude die eigenen kleinen Standfunde bewundern lassen, miteinander der untergehenden Sonne nachschauen.

Eine wirklich gute Freundin ist eine Kostbarkeit, ein Geschenk, das man sich nicht suchen, aber das man finden kann.

Vor fast 20 Jahren sind wir das erste Mal an die dänische Westküste gefahren. Unsere „weißt-du-noch-Liste“ ist mittlerweile ganz schön lang geworden.

Und wenn wir wieder zusammen am Strand laufen, ist das ein Gefühl, als wäre der erste Urlaub erst gestern gewesen.

Dänisches Weißbrot und Makrelensalat zum Frühstück, frisch gebackene Pancakes mit Blaubeermarmelade zum Cappuccino und gemeinsames Kochen am Abend. Wir haben so über die Jahre unsere Rituale entwickelt, als würden wir schon immer zusammenleben.

Wir bringen uns gegenseitig Tulpen mit und stellen beide Sträuße in eine Vase, essen am ersten Abend Muscheln mit Käsesoße aber probieren auch mal Neues. Jetzt im Februar war es ein Rezept, das die Freundin gefunden hatte.

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Nicht im Netz oder in einem Kochbuch sondern auf einem Schmierzettel, der irgendwo vergessen wurde. Auch so ein Fundstück. Was liegt also näher, als die Bratlinge des gefundenen Rezeptes „Fundstücke“ zu nennen und an einem Abend „Fundstücke mit Ingwer-Möhren“ auszuprobieren.

Für die „Fundstücke“ baucht Ihr

3 Möhren
250 g kernige Haferflocken
250 g Kräuterquark
2 rote Zwiebeln
175g geriebenen Emmentaler
1 Bund Lauchzwiebeln
1 Päckchen TK Gartenkräuter
3 Eier
1 Tl. Salz, etwas Pfeffer

Die Möhren raspeln, die Zwiebeln klein schneiden und alle Zutaten in eine große Schüssel geben. Nun mit angefeuchteten Händen beherzt vermengen und die Masse 2 Stunden stehen lassen. Die Haferflocken sollen schön durchweichen. Anschließend nicht zu große Bratlinge formen und in einer Pfanne auf beiden Seiten goldbraun braten.

(Diese Fundstücke machen sehr satt und die Menge reicht locker für 4 Personen. Was übrig bleibt, schmeckt am nächsten Tage auch kalt aus der Hand genascht.)

Ingwer-Möhren

1 Bund Möhren
2 El. braunen Zucker
Butter
1 Orange
1 Stück Ingwer

Die Möhren putzen und in Scheiben schneiden. In einem Topf Butter schmelzen und den braunen Zucker in der Butter karamellisieren. Die Möhrenscheiben hinzugeben, gut mit der Karamellmasse verrühren und etwas andünsten lassen. Eine Tasse Wasser dazugeben und die Möhren weichschmoren.

Anschließend den Saft von der Orange angießen und das Stück Ingwer hineinreiben. Mit etwas Salz und Pfeffer abschmecken.

Noch ein schönes Glas Prosecco dazu (wer mag, kann sich noch einen Quark-Dip anrühren oder einen grünen Salat anmachen) und das Abendessen ist perfekt.

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„Und nachher schauen wir noch mal, ob da draußen das Meer noch rauscht und die Sterne wieder funkeln, ja?“ Mit einer besten Feundin ist man sich sofort einig.

 

Nichts los auf FarbFrisch?

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Habt Ihr Euch das schon gefragt? Mein kleiner Laden schlummerte tatsächlich in so etwas wie Winterschlaf. Der Blog gleich mit.

Die Pinsel und Farbdosen für meine Vintage-Möbel habe ich frostfrei eingelagert, die Werkstatt ist nicht winterfest und wartet aufs Frühjahr und Licht.

Meine kreativen Beschäftigungen wurden somit in den letzten Monaten auf’s Sofa und in die Küche verlagert.

Auf dem Sofa entstand meine Osterkollektion, gehäkelte Eier-Büddel, Eierbecher und Tulpen-Körbe. Die bunten Beutelchen fürs Osterei sind schnell gemacht und die farbenfrohe Baumwolle bringt richtig Laune.

Praktisch für gekochte Ostereier, die man nicht färben möchte (oder mag) und schick am Zweig mit eingestecktem (ja!) Plastik-Ei.

Für den Laden natürlich alles in den FarbFrisch Farben – Ostern goes meeresfrisch in Blau und Mint.

Die Idee zu den Körbchen habe ich in der letzten „Anna – 40 fröhliche Frühlingsboten“ (Ausgabe 02/2018, Seite 62) entdeckt und mich sofort verliebt. Sehen sie nicht hübsch aus, die kleinen Tulpen am Körbchen-Rand?

Das Tulpenmuster kann man mit ein paar extra-Luftmaschen auch in Deckchen oder Untersetzern wiederverwenden.

Aus einem Sonderposten Bändchengarn entstanden Eierbecher. Der umgeschlagene Rand wird wiederum mit Bändchengarn oder kontrastreichem Satinband ein wenig verziert.

So bleibt das Frühstücksei schön warm und sieht gleich noch schick aus. Nicht nur zu Ostern.

In der Küche (ja!) habe ich mit Beton experimentiert. Beton gießen ist ja schon lange ein Trend und ich wollte es mal ausprobieren.  Ich kann versichern: alles kein Hexenwerk, aber es kommt auf die Beton-Mischung an.

Estrich taugt weniger, ist einfach zu grob, Sand und Zement anrühren zu aufwendig und der speziell angebotene Dekobeton doch recht teuer.

Mit ein paar Plastikschüsseln, Giessformen, passenden Flohmarktfunden und Zement-Mörtel habe ich aber schnell meine Mischung gefunden.

Nur den nackten Beton fand ich teilweise langweilig, edles Gold zum rauen Beton ergibt einen schönen Kontrast. Kleine Mokkatassen mit Golddekor oder auch einfach etwas Goldlack lassen ein Teelicht erstrahlen.

Verschmähte Sammel-Tassen mit Einzelschicksal werden so zu geliebten Einzelstücken.  Sogar kitschigster Nippes erhält in Beton einen ganz neuen Look. Salonfähig, würde ich sagen.

Neben so viel Kreativität war ich auch noch ein wenig fleißig. Zu den einzelnen  Projekten findet ihr die Anleitungen auf Farbfrisch und ihr könnt die Osterkollektion im Shop bewundern.

Beton-Experimente
Gehäkelte Eier-Büddel
Eier-Körbchen – nicht nur für Ostern

Ostern im Shop

Viel Spaß beim Stöbern, Ostern kann kommen. Jetzt müssen nur noch die Temperaturen steigen!

Leicht und lecker – der Lammtopf

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Wenn am Dreikönigstag der Baum geplündert und die Kugeln wieder in ihren Kisten verstaut sind, dann habe ich das Verlangen nach Farbe in der Stube und leichter Kost.

Dann ist für mich der erste Tulpenstrauß des Jahres immer ein ganz besonderer. Nach all der gedämpften Gemütlichkeit des Dezembers versprühen die leuchtenden Tulpen einfach gute Laune.

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Noch so ein Verlangen im neuen Jahr ist das Platz schaffen. Raum für Licht und Neues. Im Kleiderschrank, im Bücherregal, ein neuer Terminkalender – noch ganz leer und verheißungsvoll…

Und beim Räumen im Eisfach wurde ich an ein Versprechen aus dem vergangenen Jahr erinnert:

„Das Lammtopfrezept wird nachgereicht (versprochen!), der ist sooo klasse, mit Lauch, Aprikosen und Minze unter einer Kartoffeldecke. Das duftet (!), wenn man anfängt zu löffeln…“

Ja, das ist genau die leichte Kost, die mich jetzt glücklich macht (gleichzeitig Platz im Eisschrank schafft und mein Versprechen einlöst)! Wenn das nicht glatt drei Fliegen sind…

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Französischer Bauern-(Lamm-)Topf

Frei nach einem Rezept aus:
„Gerichte aus einem Topf – die 100 besten Rezepte“
von Linda Doeser

Zutaten:

1 ½  Kilo Lammgulasch
Olivenöl
6 dicke Porree-Stangen
1 EL Tomatenmark
1 EL Zucker
Salz, Pfeffer und etwas Cayennepfeffer
2 EL Mehl
250ml Rose-Wein
400 ml Brühe
200 g getrocknete Aprikosen
2 EL gehackte Minz
ca. 2 kg Kartoffeln
flüssige Butter

Zunächst das Lammgulasch in einer Kasserolle (mit Deckel) in etwas Olivenöl kurz anbraten. Die Porree-Stangen in Ringe schneiden,  zum Fleisch geben und auch kurz mitschmoren.

Nun Tomatenmark und Zucker unterrühren und mit Salz, Pfeffer und etwas Cayennepfeffer würzen.

Das Mehl darüber stäuben, gut unterrühren und mit dem Rose-Wein ablöschen. Einmal aufkochen lassen. Die Brühe angießen und die gewürfelten Aprikosen mit der Minze dazugeben. Alles noch einmal umrühren. Evt. nachwürzen.

Für die Haube die Kartoffeln in dünne Scheiben hobeln und mit etwas Salz auf dem Porree-Fleisch verteilen. Schön andrücken und mit der Butter bepinseln.

Nun wird der Topf mit Deckel für 90 Minuten bei 200 Grad in den Ofen geschoben.

Anschließend weitere 30 Minuten ohne Deckel garen, bis die Kartoffeln leicht braun und knusprig sind.

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Und jetzt kommt das Beste, wenn der fertige Lammtopf auf dem Tisch steht, unter der Kartoffelkruste: ein Duft!

Dieser Lammtopf (den man auch gut mit Rindfleisch machen kann) ist eines der Gerichte, an dem ich mich schon satt riechen könnte. Und der Geschmack steht dem Duft um nichts nach.

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Liebe Martina, ich habe wirklich nicht übertrieben. Paulchen hielt es nicht auf den Pfoten. Er musste unbedingt schauen, was da sooo lecker riecht.

Wenn man nur dürfte…

Boshi-Boom Recycling und meine erste Verlosung

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Erinnert Ihr Euch noch an den Boshi-Boom? An die zwei coolen Jungs, die in Japan anfingen, Mützen zu häkeln und damit nicht nur eine erfolgreiche Geschäftsidee entwickeln konnten, sondern einen wahren Mützen-Häkel-Boom auslösten?

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Überall gab es Boshi-Wolle, ein Häkelbuch dazu, jeder wollte seine Boshi häkeln, ganze Familien bekamen was auf die Ohren, auf jedem Markt fand man Stände mit Häkelmützen, in allen nur erdenklichen schönen und auch schrecklichen Farbkombinationen.

Eine Boshi häkelt man klassischerweise zweifarbig.

Ein wahrer Virus breitet sich aus, steckte auch mich an und es wurde gehäkelt, was das Zeug hielt. Ein gutes Dutzend dieser Mützen konnte ich verkaufen, hatte sogar ein paar Auftragsarbeiten angenommen, einige hatte ich verschenkt.

Aber wie das mit Modeerscheinungen ist, irgendwann ebbt der Hype ab und so schleppe ich nun die Restexemplare von Weihnachtsmarkt zu Weihnachtsmarkt, doch keiner will sie haben.

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Sicherlich muss ich nicht erwähnen, dass ich auch noch einen beachtlichen Bestand an Boshi-Wolle vorrätig habe. Der Berg schreit geradezu danach, abgearbeitet zu werden, aber was macht man aus lauter Einzelfarben und recht dicker Wolle?

Mützen? Oder Mützen?

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Also wieder Mützen, aber bitte nicht wieder gehäkelt! Es fehlte aber noch die passende Strick-Anleitung für je zwei Knäul Wolle. Im Internet bin ich nicht so recht fündig geworden, also habe ich mir die Anleitung selbst ausgedacht.

Es gibt Internet-Seiten, auf denen man Anleitungen kaufen (!) kann. Das fand ich immer reichlich übertrieben, habe aber meine Meinung gerade eben und mit gutem Gewissen geändert. Ich musste so oft aufribbeln, dass ich fast die Lust verlor.

Das Muster und sogar meine ursprüngliche Farbwahl wurde mehrfach gekippt und ganz von vorn angefangen.

Aber dann stand der Plan und während ich „ein- zwei- drei- links, ein- zwei- drei- links,…“ das Wellenmuster vor mich hin zählte, kam mir eine Idee. Es ist ja nun bald Weihnachten…

Für alle, die auch so einen quälenden Wollvorrat haben, oder für die, die schon immer mal ne Mütze stricken wollten (die Wolle gibt es noch) und auch für die, die noch ein schnelles Weihnachtsgeschenk suchen:

Ich werde meine Anleitung mit Euch teilen. Kostenlos, versteht sich! Und für die, die mit Stricken nichts am Hut haben, verschenke ich den Prototyp.

Nun fehlt nur noch ein Name. Das Muster erinnert mich an Wellen und dieses Mintgrün verbinde ich, ganz klar, mit den Farben der Südsee. Und somit passt die Mütze „Südsee-Wellen“ farblich und thematisch sogar in meinen kleinen Laden.

Die Anleitung für die Mütze „Südsee-Wellen“ findet ihr daher auf FarbFrisch und dort könnt Ihr auch,  mit etwas Glück, die Mütze gewinnen.

So, Ihr dürft jetzt klicken und Euer Glück versuchen und ich werde mal die erste Häkel-Boshi aufribbeln.

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Die Rot-Weiße, die ich mir immer auf dem Kopf einer lieben Freundin vorgestellt hatte, sie Ihr aber seltsamerweise nie geschenkt habe (sorry, Kerstin).

November-Hygge & und ein DIY

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Es windet, schon seit Tagen, es regnet, ohne Pause. Es ist kalt, nass, dunkel und ungemütlich. Draußen ist November und der zeigt sich in diesem Jahr von seiner grimmigen Seite.

Schon der Blick aus dem Fenster lässt frösteln. Es ist die Zeit des Jahres, in der man es sich nur in einer warmen Stube gemütlich machen kann.

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Wenn es im Ofen knistert, die Kerzen flackern und ein heißer Kakao die Seele streichelt, dann  wird es hyggelig – wie die Dänen sagen.

Dieses nordische Wort „hygge“, dass im Moment bei uns ganz groß raus kommt, umschreibt die Kunst, genussvolle Zeit mit sich selbst, der Familie oder Freunde zu verbringen und dabei glücklich zu sein.

Es mit „gemütlich“ zu übersetzen, wäre zu wenig.

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So wie Blaubeereis nach Sommer schmeckt, nach Licht und lauer Luft, so machen Kakao, Zimt und Mandelduft den Winter wohlig warm.

Die langen Abende sind wie gemacht für ein Essen mit Freunden, nette Gespräche bei einem Glas Rotwein, ein spannendes Buch oder eine kreative Beschäftigung.

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Spätestens Anfang November, wenn die Tage so plötzlich so kurz geworden sind, bekomme ich wieder Lust zu Stricken.

Am liebsten einfache Projekte, die so nebenbei von der Hand gehen. Keine komplizierten Muster, kein ständiges Zählen, keine gefühlt 1000 Fäden, die man noch vernähen muss.

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Beim Stricken kann ich entspannen,  meine Gedanken zur Ruhe kommen lassen, mit schöner Musik im Hintergrund oder auch mal einem guten Film folgend.

Stricken hat etwas meditatives, ist eben hyggelig. Eines meiner Lieblings-(entspannungs)-projekte: ein einfaches Tuch, im Dreieck gestrickt.

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Anleitung für ein einfaches Dreieck-Tuch

3 Maschen anschlagen. Arbeit wenden.
Den Faden vor die Arbeit legen und die erste Masche abheben, die nächsten zwei Maschen rechts stricken. Arbeit wenden.
Hinreihe: Den Faden vor die Arbeit legen und die erste Masche abheben. Aus der zweiten Masche zwei rechten Maschen herausstricken. Die restlichen Maschen rechts stricken. Arbeit wenden.
Rückreihe: Den Faden vor die Arbeit legen und die erste Masche abheben, die nächsten Maschen rechts stricken. Arbeit wenden.

Und so weiter bis die lange Seite des Dreieckes ca. 160 cm erreicht hat.

Tip: Die ersten 2 Reihen stricke ich mit beiden Fäden, dann muss man den Anfangsfaden nicht vernähen.

Noch ein Tip: beim Ansetzen eines zweiten Knäul Wolle „vernähe“ ich beide Fadenenden ineinander. Sie werden zunächst Schlaufe in Schlaufe gelegt und dann mit einer Nadel in sich selbst  eingezogen (Russian Join). So bleibt am Schluss nur ein einziger Faden zum Vernähen!

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Das fertige Tuch kann man sich einfach über die Schultern werfen, um den Hals wickeln oder, statt Mütze, um den Kopf legen und im Nacken verknoten.

Man kann es uni stricken, in Streifen oder Wolle mit Farbverlauf verwenden. Wollgarne machen es kuschelig warm, Baumwoll-Bändchengarn kühl und leicht für frische Sommerabende.

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Mit einer warmen Decke in die Sofaecke gekuschelt, der heiße Kakao duftet, knusprige Mandelkekse in einer hübschen Schale daneben; die Gedanken laufen bei frostig-eisigem Winterwetter den Strand entlang; eingemummelt in das bald fertige mollige Tuch…

So strickt es sich fast wie von selbst.

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Und wie macht Ihr Euch diesen grausigen November hyggelig?

Vollerwiek und die Inspiration des Meeres

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„Wo geht’s denn hier zum Strand?“, wurde ich schon oft von meinen Urlaubsgästen gefragt. Dann erkläre ich Ihnen, neben Büsum, St. Peter und unserer Badestelle im Wesselburenerkoog auch den Weg nach Vollerwiek. Gleich nach dem Eidersperrwerk die erste Abzweigung links.

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Die schmale Straße schlängelt sich schon nach ein paar hundert Metern durch den kleinen Ort und wenn man bereits das Gefühl hat, da kommt nichts mehr, taucht hinter der letzten Kurve der Deich mit dem vorgelagerten Parkplatz auf.

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Vollerwiek hat ca. 5 km Deich und dieser verläuft in einer fast 90 Grad Kurve um die Badestelle herum. Gepflegter Rasen, ein paar Strandkörbe, ein Mini-Eckchen Strandsand und ein Schwimmponton schmiegen sich in die „Badeecke“, wie die Vollerwieker ihr Stückchen Nordsee liebevoll nennen.

Die Preise für Strand und Strandkorb sind in Vollerwiek moderat, das Parken ist kostenfrei. Hinter dem Deich befindet sich ein Bistro und vor dem Deich die Weite der Nordsee. Der befestigte Weg führt linker Hand bis zum Eidersperrwerk, in der anderen Richtung kann man bis St. Peter laufen.

Zurück lohnt es sich auch, die kleinen Deich-Wege landseitig zu nehmen.  Die landschaftliche Idylle hört auf Eiderstedt nicht an der Küstenlinie auf.

Niedliche Reetdach-Katen ducken sich hinter den Deich, der Blick schweift über satt grünes Weideland und hier und da taucht ein großer Hof umringt von knorrigen windschiefen Bäumen auf. Wildrosenhecken.

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Diese Schönheit der Natur und die Faszination des Meeres inspirieren auch viele Künstler. Auf der Eiderstedter Halbinsel gibt es zahlreiche Galerien und Ateliers. Gefühlt sogar mehr Künstler und Kunstschaffende als es Hofläden in Dithmarschen gibt. Das Worpswede Schleswig-Holsteins. Kreativität braucht Schönheit und Weite.

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Einige der Eiderstedt Künstler haben sich dem Förderverein für Kunst und Kultur Eiderstedt e.V. „KunstKlima“ angeschlossen. Sie veranstalten gemeinsame Ausstellungen im Alten Rathaus Garding und den Tag der offenen Ateliers.

Der Tag der offenen Ateliers findet jeweils im April und im August statt. Man kann den Besuch ganz wunderbar mit einer Fahradtour verbinden (die Wege sind meist nicht weit).

Eines der KunstKlima Ateliers liegt auch am Deich in Vollerwiek, die Galerie Meerkunst von Karin Dreier:

In Ihren Nordsee – Aquarellen ist der Standort Programm: Watt, Wind, Wellen, Dünen, Deiche, Schafe, Haubarge, Katen und Kirchen — Nordsee — himmelweit.

(von Ihrer Homepage – besser hätte ich es nicht ausdrücken können)

Und während ich noch so vor dem Deich schlenderte, die leichte Sommerbrise meine Gedanken mitnahm, fiel mein Blick auf ein Stück Holz. Erst dachte ich: „Ach nö, so ein schmuckloses Brettchen mit rostigen Nägeln.“

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Aber man braucht kein begnadeter Künstler zu sein, auch ich war schnell inspiriert. Etwas Farbe, ein Spruch und ein Draht zum Aufhängen… (die ganze Geschichte bei FarbFrisch).

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Und so verbindet sich auch meine Liebe zum Meer mit meiner Freude am Gestalten – das Rauschen der Wellen vor Vollerwiek mit meinen eigenen „kreativen“ Ideen. Das fühlt sich gut an.

Bib Bang „Farbfrisch“

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Darf ich vorstellen? Stolz präsentieren? Herzlichst hereinbitten? Ich spreche in Rätzeln? Na gut, vielleicht erst mal der Reihe nach.

Meine Großmutter besaß einen Laden, für Damen-Oberbekleidung und Kurzwaren. Ich liebte die gefüllten Regale, das dunkle, glänzende Holz des Verkaufstresen, die gediegene Atmosphäre in dem hohen, schmalen Raum.

Käthe Bielkes Laden
Foto vom Eröffnungstag

Besonders stolz war ich immer, wenn ich helfen und den gerade erstandenen Pullover für eine Kundin einpacken durfte. Unter den strengen Blicken meiner Großmutter, versteht sich.

Farbfrisch

„Irgendwann mache ich auch einen Laden auf“, stand schon damals für mich fest. Wie oft habe ich über diesen Traum nachgedacht, Ihn verworfen und doch immer wieder aufgenommen.

Manchmal ist es schwerer einen Traum aufzugeben, als ihn sich zu erfüllen.

So, und nun noch einmal mein Big Bang: „Tatatataaa! Hiermit erkläre ich meinen Laden und den neuen Blog Farbfrisch für eröffnet.“

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So stand es bei Ebay

Der Laden, 30 Quadratmeter in einer engen Seitenstraße am Wesselburener Marktplatz, in der Süderstraße 11. Mit Schaufenster und Sprossentür. In der Strasse wird es wohl eher keine Laufkundschaft geben, der Laden hat nicht mal Öffnungszeiten (jedenfalls so gut wie keine) und ist auch noch nicht fertig – aber es ist ein Laden!

Der Shop im Blog Farbfrisch ist auch noch nicht fertig, aber so könnt Ihr mitverfolgen, wie sich meine kleine Laden-Idee entwickelt.

Das Konzept, das hinter Farbfrisch steht, sind die Farben des Meeres und meine Liebe zu  Holz. In der „Werkstatt“ Farbfrisch werden Holzbalken-Reste zu Standhäuschen, Treibgut-Planken zu Sehnsuchts-Stelen und Flohmarkt-Möbelfunde zu meeresfrischen Einzelstücken.

Möbel, Deko und Accessoires im Farbenspiel einer Meereswelle, die auf den Strand rollt.

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Hol‘ Dir die Farben des Meeres nach Hause!

Jetzt dürft Ihr bei Farbfrisch eintreten und Euch umschauen. Oder wir sehen uns freitagnachmittags in Wesselburen.

Nach so viel Kreativität brauche ich jetzt erst mal eine kurze Blog-Sommer-Sonnen-(hoffentlich!)-Strand-Auszeit und werde mich genau dort für die nächsten Pinselarbeiten inspirieren lassen.

Enjoy summer & see you soon.

Ein Wochenende wie gemacht für Rhabarber und Erdbeeren

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Wieder steht ein langes Wochenende vor der Tür. Glücklich ist, wer den Freitag auch frei machen kann. Vier Tage ohne Büro oder Werkstatt, da lohnt es sich mal wieder zu Backen.

Und was liegt näher, als an diesen sonnigen Maitagen Rhabarber mit ein paar frischen Erdbeeren zu kombinieren? In einer Rhabarber-Erdbeer-Käse-Sahne-Torte.

Frische Erdbeeren
Für den Rhabarber brauche ich nur in meinen Garten zu gehen und ein paar schöne Stängel zu ernten. Frische Erdbeeren kann ich mir praktischerweise vom Hofladen direkt gegenüber holen.

Meine Erdbeeren haben gerade erst angefangen zu blühen, diese Ernte lässt noch auf sich warten.

Rote Erdbeere

Auf dem Wochenmarkt hatte ich eine Erdbeerpflanze entdeckt, die rote Blüten trägt. Sehr dekorativ! Die Erdbeeren schmecken laut Aussage des Verkäufers „süß“. Ach was…?

Wie die Sorte heißt, konnte er mir leider auch nicht sagen, aber ich bin auf die erste reife Beere schon sehr gespannt.

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Tortenboden

100 g sehr weiche Butter
100 g Zucker
3 Eier
100 g Mehl
100 g gemahlene Mandeln
1 Päckchen (ja, das ganze Päckchen) Backpulver
1 Prise Salz
Die Butter mit dem Zucker schaumig rühren, die 3 Eier dazu und kurz weiterrühren. Das Mehl mit dem (gesiebten) Backpulver und der Prise Salz dazu, kurz weiterrühren, die Mandeln dazu und noch mal kurz unterrühren. Den Teig in eine gebutterte und mit Mehl ausgestäubte Tortenringform geben, etwas glatt streichen und bei 200 Grad ca. 25 Minuten hellbraun backen.
Den ausgekühlten Boden einmal durchschneiden.

Aus dem Rhabarber (in Stücken), den Erdbeeren (in Stücken) und 3 bis 4 Esslöffeln Zucker koche ich eine Grütze, die ich mit rotem Tortenguss (1 Tütchen in ganz wenig Wasser auflösen und dann langsam in die Grütze rühren) andicke und etwas auskühlen lasse. Die Grütze wird auf dem Tortenboden verteilt.

Für die Käse-Sahne-Creme schlage ich 400 ml Sahne etwas steif, dann kommen ein Becher Sahnequark und ein Becher Magerquark (je 250 g), der Saft einer halben Zitrone, etwas Abrieb, 2 bis 3 El Zucker und ein Päckchen Gelierfix hinzu. Die Creme wird auf der Grütze verteilt, der Tortendeckel aufgesetzt, etwas angedrückt und dann ab in den Kühlschrank.

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Übrigens, habt ihr Euch auch schon öfter geärgert, wenn beim Reiben von Zitronenschale das meiste in der Reibe klebt? Hier gibt es einen einfachen Trick: etwas Backpapier auf die Reibe legen und durch das Papier reiben. Der Abrieb lässt sich dann ganz einfach mit dem Papier abziehen.

Und in meinem Osterbeitrag hatte ich das Rezept für eine Käse-Sahne-Torte versprochen. Ganz einfach: lasst die Erdbeer-Rhabarber-Grütze einfach weg und nehmt 100ml Sahne und einen Becher Quark mehr.

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Käse-Sahne-Torte

Wenn jetzt noch das Wetter hält, was uns versprochen wurde, dann steht einem gemütlichen Nachmittag im Garten nichts mehr im Weg.

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Unterm Sonnenschirm, mit frischem Kaffee und einem großen Stück Rhabarber-Erdbeer-Käse-Sahne-Torte. Kann das Leben doch schön sein!

 

Proudly presented – Klappe: die Zweite

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Eine Woche vor Ostern waren wir fertig, waren die letzten Farbtöpfe und Silikontuben weggeräumt, die letzte Leiste genagelt, war gefegt und geputzt und alles blitzblank für die ersten Ostergäste.

Sie hätten auch nicht einen Tag eher kommen dürfen. Die Renovierungsarbeiten in unserer großen Ferienwohnung  dauerten mal wieder länger als gehofft.

Aber sie dauerten bei weitem nicht so lange wie die Planung. Schon Jahre überlegte ich, wie man diese Wohnung neu gestalten könnte, wie man dort statt vier Einzelbetten auch ein Doppelbett unterbringen könnte, etwas mehr Schrankraum schaffen könnte.

Verschiedenste Ideen hatte ich sogar Gästen präsentiert und wertvolle Tipps bekommen: „Mach‘ keine Zweier-Wohnung daraus!“ , „Leg sie nicht mit der zweiten FeWo zusammen!“…. Ja gut, aber was dann?

Zuerst war es nur eine Spinnerei: „Wir bauen einen Alkoven!“  Als alte Seglerin liebe ich ja diese Art von Betten, sie sind so herrlich gemütlich und man fühlt sich so geborgen. Von einem Alkoven-Bett hatte ich schon immer mal geträumt.

Je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr war ich überzeugt die Lösung gefunden zu haben.

Viele Schreibblockseiten habe ich vollgekritzelt, mit Skizzen, Entwürfen,  Maßen und Abständen.  Eine Wand müsste fallen, rechts und links würden Ablagen gebaut und es wäre sogar noch Platz für etwas Schrankraum.

Neues Dachfenster, der Heizkörper raus, ein dunkler Vorhang,  das Holz in Weiß, Steckdosen für Lampen und Handys, eine Deckenleuchte mit Schalter. Der Plan stand.

Etwas mulmig war mir schon, als wir anfingen, die Wand rauszureißen. Das ist immer so der Punkt „of no return“, an dem sich letzte Zweifel einschleichen. Aber dann liegt der Schutt am Boden und man schaut nach vorn.

Es war ne Menge Arbeit bis wir endlich das erste Brett sägen konnten und der Alkoven Formen annahm. Das ist für mich der Punkt, an dem Renovierung so richtig anfängt Spaß zu machen. Wenn man langsam sehen kann, was man vorher nur im Kopf hatte.

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Jetzt ist sie fertig, die Ferienwohnung  1, unsere „Große“. Sie kommt hell und freundlich daher, ein wenig skandinavisch angehaucht  – mit Alkoven-Bett.

Kein Zweifel, die Arbeit hat sich gelohnt und die ersten Gäste waren begeistert. Ach, wie schön!

Ganz nebenbei habe ich mir einen alten Traum erfüllt und werde demnächst auch mal probeschlafen – im Alkoven.

 

Links:
Ferienwohnung 1 bei Traumferienwohnungen mit Belegungsplan und Preisen
Proundly Presented – „die Erste“ war die Renovierung auf Nordstrand

Sommerpause

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Der Sommer macht Pause. 12 Grad und Regen. Gestern den ganzen Tag. Am Mittag ging bei uns sogar der Kaminofen an. Es war kalt und klamm im Haus. Im August! Nun ja, dann muss man sich den Sommer eben „schön essen“.

Inbegriff sommerlicher Genüsse sind für mich die frischen, heimischen Tomaten. Allein die Farbe bringt Sommerlaune. Und die reifen Schmorgurken, denn die gibt es tatsächlich nur im Sommer zu kaufen (eigene Versuche des Selbst-Anbaus scheiterten immer an den gefräßigen Schnecken).

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Ich habe ein Rezept, noch aus Kindertagen, dass ich mit Sommer verbinde:

Banditengulasch

(Herkunft und Bedeutung dieses seltsamen Namens
konnten nicht mehr ermittelt werden)

1 große Schmorgurke, 2 bis 3 rote Paprika,
4 große Zwiebeln, 5 bis 6 Tomaten
und ein Stück durchwachsenen Speck

Alles wird in rustikale Stückchen geschnitten und in folgender Reihenfolge in einem großen Topf mit etwas Olivenöl angeschwitzt:

Deckel drauf und gute 45 Minuten weiter schmoren lassen.
Fertig.

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Schnell noch ein genialer Tipp zum Tomatenschneiden: Ich finde das Stilausschneiden immer etwas lästig (vor allem bei größeren Mengen), bis mir jemand empfahl, die Tomaten quer aufzuschneiden. Dann von oben in Stücke schneiden und schon ist der Stilansatz entfernt.

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Allein die Zutaten geben so viel Aroma in das Gulasch, dass man komplett auf Gewürze verzichten kann. Wer es etwas kräftiger mag, gibt noch ein wenig Salz, Pfeffer und Cayennepfeffer dazu.

Klassisch isst man das Banditengulasch mit Salzkartoffeln. Ich liebe es aber auch ohne jegliche Beilage. Warm und sogar kalt gelöffelt. So schmeckt der Sommer.

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So, und nun mache ich auch erst mal Sommerpause und hoffe auf eine Pause von der Sommerwetter-Pause.

Sonnige Sommer-Grüße!