Am 11. August 2007 waren wir das zweite Mal Katzeneltern geworden – und das gleich richtig. Acht winzige Fellknäule kuschelten sich in einer Klappkiste unter der Bank in unserer Hütte eng aneinander. Immer wieder habe ich gezählt, es blieben Acht. „Oh je, das wird noch eine Aufgabe“, war mir recht bald klar. Erst für die Mama und dann wohl später auch für mich. Aber erst mal brauchte ich mich nicht kümmern, noch hatte die Mama alles im Griff. Und klar, gefaucht hat sie wieder, wenn ich der Kinderstube in der Klappkiste zu nahe kam.

Die „Acht“ kurz nach Ihrem Auszug aus der Holzecke – drei Wochen alt

Eine gute Woche hat sie es mit den anderen drei Halbstarken in der Hütte ausgehalten. Sicher wurden Ihr Räuber, Stups und Tiger auch zu neugierig und sie hat sich daher für einem Familien-Umzug entschieden. Das war bestimmt ein gutes Stückchen Arbeit, acht kleine Mietzen in Ihr neues Versteck zu schleppen.

Und wie aus alter Gewohnheit hat die Mama sich wieder für die ungemütliche Holzecke entschieden. Das haben wir jedenfalls angenommen, da die Kleinen in keinem uns bekannten Unterschlupf zu finden waren. „Na gut, die Mama wird schon wissen was Sie macht“, beruhigte ich mich. Und klar, beim morgendlichen Füttern kam die Mama natürlich aus der Holzecke! Da ist Hunger stärker als Vorsicht. Sonst tat sie so, als wäre es dort völlig uninteressant und machte, wenn Sie sich beobachtet fühlte, einen großen Bogen darum. Wie schlau von Ihr!

Stups – mit gut 3 Monaten
Und noch ein Umzug

Das Versteck der Kleinen in der Holzecke war für die Mama wohl doch nicht die ganz perfekte Wahl. Eines Nachmittages sah ich Sie mit etwas kleinem Puscheligen im Maul in der Hütte verschwinden. „Eine Maus – so groß?“, wunderte ich mich. „Oder ein Katzenbaby?“ Und tatsächlich, in der Hütte ganz hinten in der Ecke hinter einer großen Truhe miaute es jämmerlich. Ich schaute nach und entdeckte eine kleine Mietzie ängstlich in die Ecke gekauert.

Die Mama schien das nicht zu rühren, sie verließ die Hütte und setzte sich erst mal unschlüssig auf den Rasen. „Ob Sie nun die anderen holt?“, hoffte ich. Aber die Mama rührte sich nicht. Wie auch immer, die kleine Mietzie konnte ich nicht hinter der Truhe sitzen lassen. In der Hütte war es der Mama doch zu unruhig, warum nun wieder zurück? „So geht das nicht!“, beschloß ich und holte einen Korb aus dem Haus. Eine alte Decke und ein Kissen waren schnell gefunden und das neue, alte Katzenlager im Holzschuppen wieder eingerichtet. Genau dort, wo auch unsere ersten drei Racker groß geworden sind.

Prinzessin

Die kleine Mietzie, die mit der rosa Nase, unsere Prinzessin, saß immer noch in Ihrer Ecke hinter der Truhe und miaute herzerweichend. Sie war unglücklich, das war nicht schwer zu erraten, aber einfangen lassen wollte sie sich auch nicht. Schob ich die eine Seite der Truhe von der Wand weg, verschwand sie unter der anderen Seite, zog ich hier, pflitzte sie zurück unter die vordere Ecke. „Ganz ruhig Süsse, ich tu‘ Dir doch nichts“, versuchte ich Sie zu beruhigen. Aber das Spiel ging weiter.

Schliesslich zog ich die ganze Truhe von der Wand und kippte Sie mit der Rückseite an die Wand zurück. Nun gab es kein Entkommen;  ab in den Korb und in’s neue Bettchen im Schuppen. Die Mama kam sofort hinterher und schleckte die Kleine liebevoll. „Na, geht doch Mama“, dachte ich. „Jetzt musst Du nur noch den Rest holen!“ Aber die Mama war da ganz anderer Meinung; für Sie war die Angelegenheit erstmal erledingt.

Die Mama

Nicht so für mich. Unruhig habe ich immer wieder in den Schuppen geschaut, es waren keine weiteren Katzen eingetroffen. Meinte die Mama tatsächlich, daß ich für die weitere Familienzusammenführung zuständig bin? Vielleich hilft sie ja wenigstens mit, wenn ich Ihr den Korb in die Holzecke stelle? Ob ich das wirklich geglaubt habe? Na ja, vielleicht eher gehofft?

Es waren bereits Stunden vergangen und nichts war passiert. So entschloss ich mich auf gut Glück das Holz wegzuräumen. Schon nach kurzer Zeit konnte ich ein leises Miauen hören; ich war auf dem richtigen Weg! Die Mama saß in sicherem Abstand und schaute meinem Treiben zu. Kein Knurren oder Fauchen, es schien Ihr nichts auszumachen, dass ich Ihr Versteck suchte.

TJ – Tiger Junior

Nach einiger Zeit war ein winziger Holraum im Holzstapel erreicht und dort entdeckte ich Schwänzchen, Pfötchen, Schnäutzchen, alles durcheinander. Die Kleinen lagen so dicht gedrängt, dass man nicht erkennen konnte, was zu wem gehört. Und kaum fiel etwas Licht in dieses Versteck, wurden die Kleinen auch schon mobil.

Die Vorwitzigsten waren zuerst im Korb gelandet. Mehr als vier konnte ich aber auf der ersten Tour nicht mitnehmen, da die Kleinen nicht im Korb bleiben wollten. Auf dem Weg in den Schuppen musste ich die eine oder andere immer wieder vom Rand auf den Boden zurücksetzen. „Jetzt bloss keine verlieren!“, schoss es mir durch den Kopf.

Die Mama und Ihre „Acht“ – 28. September 2007

Die Mama teilte meine Bedenken nicht und lief gelassen hinter uns her. In der Schuppentür schoss sie dann plötzlich an mir vorbei, saß als erstes auf der Decke und schaute erwartungsvoll, um Ihren Nachwuchs in Empfang zu nehmen. Alle Ankömmlinge wurden erstmal freudig geschleckt.

Für gut eine Woche war jetzt der Holzschuppen die neue Kinderstube. Hier gab es viel mehr Platz als hinter dem Bretterhaufen und die Mietzen fingen tapsig an Ihre Umgebung zu erkunden. Wie schon beim ersten Wurf war das alte Plastikrohr die Katzen-Attraktion. Reinkrabbeln, rauskrabbeln, drüberklettern und von der anderen Seite wieder reinkrabbeln. Damit kann man sich endlos beschäftigen. Bei acht kleinen Rackern gab es aber schon mal einen Stau im Rohr, und dann mussten alle rückwärts wieder raus. Zu putzig.

Tiger – gut 5 Monate alt – und nein, Tiger schielte nicht!
Umzug No. 3

Stups, Räuber und Tiger in der Hütte und die Mama mit den Kleinen im Schuppen. Genau so hatte ich mir das vorgestellt. Jetzt konnte ich alle getrennt füttern und unsere drei Racker konnten die Kleinen nicht stören. Dachte ich… Es hat garnicht lange gedauert, da hatten Sie spitz, dass es im Schuppen auch gefüllte Näpfe gab, und die abendliche Logistik, die beiden Familien getrennt zu halten, wurde immer schwieriger. Wir hatten eine grosse Holzplatte in die Tür des Schuppens gestellt. Gerade so hoch, dass Mama drüberspringen konnte aber die Kleinen nicht rauslaufen.

Räuber – fast 4 Monate alt

Räuber hatte den Trick als erstes durchschaut und sprang über die Planke in den Schuppen. Mama knurrte böse. Ich hatte Räuber gerade wieder nach draußen gesetzt, da war Stups auch schon gesprungen. Oh man. Mama fand das nicht lustig und das muß sie wohl zu einem weiteren Entschluss bewogen haben: wir ziehen um! Oh man…

Das grosse Mampfen

Bei der morgendlichen Fütterung fand ich den Schuppen leer. Dafür bot sich in der Hütte ein umso turbolenteres Bild: acht kleine Mietzen, Mama, Stups, Tiger und Räuber liefen lustig durcheinander. Mama hatte alle Acht in der Nacht über den Hof zurück in die Hütte geschleppt. Ganz ohne Hilfe diesmal, klar, da hätte ich auch nicht geholfen! Das wusste sie ganz genau. „So war das nicht abgesprochen“, ärgerte ich mich und der Umzugskorb musste wieder her. Sieben kleine Wollknäule liessen sich ohne Protest zurück in den Schuppen tragen. Nummer acht wollte nicht.

Diese kleine Mietzie, die mit der rosa Nase, die Prinzessin, versteckte sich mal wieder unter der Truhe und wir beide kannten das Spiel. Hob ich die Truhe vorn an, verschwand sie hinten, versuchte ich es von hinten, saß sie vorn. Da half nur ein Futternapf. Hunger ist stärker als Eigensinn.

Tobi Junior

Vier Nächte hat die Mama den Spass mit uns geübt, nachts umziehen und morgens im Korb zurück. In der fünften Nacht wollte sie wohl auch mal ausruhen und ließ die Kleinen im Schuppen. „Gewonnen!“, habe ich mich gefreut. „Die Mama hat aufgegeben!“

Leider nur für diese eine Nacht, denn am folgenden Morgen fand ich die Decke im Schuppen wieder leer. „Na gut, der Klügere gibt nach!“, machte ich mir vor und ließ den Umzugskorb ruhen. Die Mama hatte gewonnen.

„Frischli“

Den Namen „Frischli“ sollte ich wohl erklären: Zwei der kleinen Katzen hatten eine Zeichnung wie kleine Frischlinge, so hell- und dunkelbraune Streifen an der Seite. Den Kater nannte ich Krümel, das Mädchen wurde „Frischli“ genannt. Krümel wollte ich auf jeden Fall behalten und „Frischli“ war eher ein „Arbeitsname“. Die kleinen Katzen bekommen in Ihrem neuen Zuhause ja meist auch neue Namen…

Unbeschwerte Zeit

Stups, Tiger und Räuber waren mittlerweile fast 4 Monate alt und hatten sich in der Zwischenzeit prächtig entwickelt. Stups und Tiger behielten immer noch das bisschen Wilde in sich (und sollten es auch nie ganz ablegen), dass frei geborenen Katzen instinktiv gegeben ist. Beide waren sehr menschenscheu und suchten auch zu mir nur selten Kontakt.

Ganz anders war da Räuber. Nicht nur, dass er schon von Anfang an am liebsten im Blumenkasten auf dem Küchenfensters saß und hereinschaute. Nein, sobald ich die Küchentür öffnete, war Räuber drin. Mein ursprünglicher Plan, die Katzen bleiben draußen, wurde als erstes von Räuber aufgeweicht.

Teddy

Dieser Plan war ohnehin totaler Unsinn; das sollte sich schon in naher Zukunft herrausstellen… Räuber liebte es, sich von der Truppe abzusetzen, in die Küche zu kommen, auf meinen Schoss zu springen und sich dann kraulen zu lassen.

Katzenwellness nannte ich es, wenn er sich auf meinen Oberschenkeln räckelte, die Pfoten in die Luft streckte und sich den Bauch streicheln ließ. Zufrieden schnurrend schlief er dann oft kurz ein, und ich saß ebenso zufrieden auf meinem Küchenstuhl und schaute Ihm zu.

Krümel

Auch unsere acht kleinen Mietzen wurden langsam flügge. Welch ein Spaß, als sie das erste Mal vor die Tür geschaut haben. So gar nicht bange und gleich die Umgebung entdecken. Ganz anders als Stups, Räuber und Tiger. Kunststück, die Acht hatten immerhin große Geschwister und waren auch viel früher an Menschen gewöhnt.

Kaum hatten sie die Hütte verlassen, ging das große Abenteuer los: unter den Büschen verstecken und sich gegenseitig überraschen, Steine rauf und runter und dünne Buschzweige halten auch für erste Kletterübungen. Stups und Tiger wussten gar nicht, wohin sie zuerst springen sollten. Überall raschelt und knackt es im Unterholz und an allen Ecken lugte ein neugieriges Katzennäschen hervor.

Stupsnase

Eine echte Herausforderung war nun das Füttern der kleinen Katzen. Morgens und abends wurden gleich mehrere Teller fertiggemacht und auf einem großen Tablett in die Hütte getragen. Die Kleinen hatten das schnell spitz und kamen mir schon auf halben Weg entgegen. Und dann hüpfte und sprang alles um meine Beine, ich konnte kaum einen Schritt vor den anderen setzen ohne Gefahr zu laufen, auf ein kleines Pfötchen zu treten.

Dipsy

In der Hütte angekommen, stürtzte sich dann alles über den ersten abgestellten Teller und ich musste die Mietzen erst mal so sortieren, dass jede etwas Platz an einem Teller fand.

Krümel, der kleine „gestreifte“ Kater, hatte eine ganz besondere Art zu fressen. Da er nicht der schnellst war, setzte er beide Vorderpfötchen rechts und links von sich in den Teller auf das Futter und sicherte sich so seine Portion. Wenn er dann auch endlich fertig war, sah er immer aus, als hätte er im Futter gebadet. Ein echtes kleines Ferkel. Manchmal hatte ich Ihn mit einem eigenen kleinen Teller auf einen Schrank gesetzt, nur damit er auch mal in Ruhe fressen konnte.

Stups spielt mit Krümel

In der Hütte gab es einen kleinen Absatz, auf den setzte ich mich und schaute den Katzen beim Futtern zu. Nach und nach kamen dann alle Acht zu mir, krabbelten auf meine ausgestreckten Beine, schleckten sich die letzten Krümel vom Mäulchen und rollten sich zum Schlafen ein. Bei diesem Ritual sind damals ein paar schöne Fotos entstanden.

Stupsnase, Dipsy, Tobi Junior und „Frischli“ beim Sonnenbaden – 09. Oktober 2007

So, nun kennt Ihr die gesamte Rasselbande der ersten Stunde: Die Mama, der erste Wurf mit Stups, Räuber und Tiger und der zweite Wurf mit Prinzessin, Dipsy, Stupsnase, Teddy, Tobi Junior, Frischli, Krümel und TJ.

Fortsetzung folgt…

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7 Gedanken zu “Elf Näschen werden groß

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