Fundstücke – von Urlaub, Freundschaft und Bratlingen

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Es ist ja nicht so, dass ich nicht in den Urlaub fahre. Aber ich muss schon feststellen, dass ich in den letzten Jahren eher selten im Urlaub war.

Schließlich lebe ich da, wo andere Urlaub machen, habe St. Peter Ording, das Watt und die Nordsee vor der Tür und genieße dieses Glück in vollen Zügen.

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Vielleicht ist deswegen meine Sehnsucht nach Badeferien am Mittelmeer oder Wanderwochen in den Bergen nicht sehr ausgeprägt. Aber es gibt schon Sehnsüchte, die sofort wieder einsetzen, sobald ich auf dem Heimweg bin.

Zum Beispiel auf der Fähre von Helgoland (ich bin bekennend Helgoland-verliebt) oder beim Packen nach einer Woche Dänemark.

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Mein allererster Dänemarkurlaub liegt Jahrzehnte zurück. Mit einer Clique Freunden über Sylvester. Zwei Häuser mussten wir mieten, so viele waren wir. Dann gab es ein paar Jahre ohne Dänemark und schließlich habe ich es für die Winterzeit neu entdeckt.

Nicht mit dem Partner, nicht in der Gruppe, sondern mit der besten Freundin. Das Haus in den Dünen, leere Strände und die Freundin – meine perfekte Urlaubskonstellation.

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Ich glaube, für Dänemark im Winter muss man entweder frisch verliebt sein oder eben mit der allerbeste Freundin anreisen (vielleicht geht auch allein, aber das habe ich noch nicht probiert).

Wer im Winter an die See fährt, wird wenig Unterhaltung oder Abwechslung finden.

Im Winter an der See sind die eigenen Sinne gefragt. Sich öffnen für den Zauber des Meeres. Für das Rauschen der Wellen, das Schreien der Möwen aber auch für die Stille. Für den salzigen Geschmack auf den gischt-nassen Lippen, für dem Geruch des Meeres.

Für die kleinen Dinge, für Weite, Licht und auch mal Sternenhimmel.

Einen Regenbogen entdecken und zusammen bestaunen, gemeinsam über den Hund lachen, der mit Stock und Schaum kämpft, mit kindlicher Freude die eigenen kleinen Standfunde bewundern lassen, miteinander der untergehenden Sonne nachschauen.

Eine wirklich gute Freundin ist eine Kostbarkeit, ein Geschenk, das man sich nicht suchen, aber das man finden kann.

Vor fast 20 Jahren sind wir das erste Mal an die dänische Westküste gefahren. Unsere „weißt-du-noch-Liste“ ist mittlerweile ganz schön lang geworden.

Und wenn wir wieder zusammen am Strand laufen, ist das ein Gefühl, als wäre der erste Urlaub erst gestern gewesen.

Dänisches Weißbrot und Makrelensalat zum Frühstück, frisch gebackene Pancakes mit Blaubeermarmelade zum Cappuccino und gemeinsames Kochen am Abend. Wir haben so über die Jahre unsere Rituale entwickelt, als würden wir schon immer zusammenleben.

Wir bringen uns gegenseitig Tulpen mit und stellen beide Sträuße in eine Vase, essen am ersten Abend Muscheln mit Käsesoße aber probieren auch mal Neues. Jetzt im Februar war es ein Rezept, das die Freundin gefunden hatte.

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Nicht im Netz oder in einem Kochbuch sondern auf einem Schmierzettel, der irgendwo vergessen wurde. Auch so ein Fundstück. Was liegt also näher, als die Bratlinge des gefundenen Rezeptes „Fundstücke“ zu nennen und an einem Abend „Fundstücke mit Ingwer-Möhren“ auszuprobieren.

Für die „Fundstücke“ baucht Ihr

3 Möhren
250 g kernige Haferflocken
250 g Kräuterquark
2 rote Zwiebeln
175g geriebenen Emmentaler
1 Bund Lauchzwiebeln
1 Päckchen TK Gartenkräuter
3 Eier
1 Tl. Salz, etwas Pfeffer

Die Möhren raspeln, die Zwiebeln klein schneiden und alle Zutaten in eine große Schüssel geben. Nun mit angefeuchteten Händen beherzt vermengen und die Masse 2 Stunden stehen lassen. Die Haferflocken sollen schön durchweichen. Anschließend nicht zu große Bratlinge formen und in einer Pfanne auf beiden Seiten goldbraun braten.

(Diese Fundstücke machen sehr satt und die Menge reicht locker für 4 Personen. Was übrig bleibt, schmeckt am nächsten Tage auch kalt aus der Hand genascht.)

Ingwer-Möhren

1 Bund Möhren
2 El. braunen Zucker
Butter
1 Orange
1 Stück Ingwer

Die Möhren putzen und in Scheiben schneiden. In einem Topf Butter schmelzen und den braunen Zucker in der Butter karamellisieren. Die Möhrenscheiben hinzugeben, gut mit der Karamellmasse verrühren und etwas andünsten lassen. Eine Tasse Wasser dazugeben und die Möhren weichschmoren.

Anschließend den Saft von der Orange angießen und das Stück Ingwer hineinreiben. Mit etwas Salz und Pfeffer abschmecken.

Noch ein schönes Glas Prosecco dazu (wer mag, kann sich noch einen Quark-Dip anrühren oder einen grünen Salat anmachen) und das Abendessen ist perfekt.

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„Und nachher schauen wir noch mal, ob da draußen das Meer noch rauscht und die Sterne wieder funkeln, ja?“ Mit einer besten Feundin ist man sich sofort einig.

 

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Watt & Meer Blog-Kalender – Februar 2019

Es gibt diese Wintertage, an denen Sonne vorhergesagt wurde, sie es aber direkt an der Nordsee nicht durch den Seenebel schafft. Es gab schon Tage, an denen nur ein paar Kilometer weiter landeinwärts der herrlichste Sonnenschein am blauen Himmel strahlte, wir im Koog jedoch einfach im Nebel stecken blieben. Den ganzen Tag grau in grau.

Umso schöner war dieser Februarmorgen, an dem noch leichter Raureif das Land überzog, die Nebelschwaden sich ganz langsam lichteten und die aufgehende Sonne hindurchließen.

Februar

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Sonnenaufgang im Nebel,  Wesselburenerkoog, Nordsee

Nur für einige kurze Augenblicke verzauberten Sonne und Nebel ein paar kahle Bäume und eine alte Gartenpforte in einen mystischen Märchenwald.

In mein Februar-Kalenderbild.

Watt & Meer Blog-Kalender – Januar 2019

Habt Ihr schon mal einen Jahres-Kalender selbst gestaltet? Früher (und heute sicher auch noch) gab es leere Fotokalender aus schwarzem Karton, in die man seine schönsten Fotos klebte. Heute gestaltet man so etwas über diverse Online-Dienste. Es gibt sogar welche, die auf Bestellung, also „on demand“ drucken.

Zum Beispiel hat „Meermalerin“ Julia vom Blog Meermalen ihre stimmungsvollen Helgoland-Aquarelle zu einem 2019er Kalender zusammengestellt, den man (ich glaube noch) käuflich erwerben kann.

Aber welche Variante man auch wählt, es ist spätestens im Dezember eine fast unüberschaubare Aufgabe, sich aus all den Fotos (oder Bildern), die man so über‘s Jahr gesammelt hat, die schönsten auszuwählen.

Klar im Vorteil ist, wer gut vorbereitet! Also habe ich mir überlegt, mich in diesem Jahr bereits an jedem letzten Donnerstag des Monats für mein Kalenderbild zu entscheiden.

Januar

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Sonnenuntergang, Wesselburenerkoog, Nordsee

Und wer weiß, vielleicht wird mein Watt & Meer Blog-Kalender ja so schön, dass ich ihn in 2020 an der Wand hängen haben werde?

Zwölf Tage und ein Weihnachtsgeschenk

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Nun haben wir schon den zweiten Advent hinter uns, das zweite Licht hat schon gebrannt und die Tage bis zum Fest fangen an zu fliegen.

Unsere lokale Zeitung hat jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit oben rechts auf der Titelseite einen kleinen Weihnachtsmann abgebildet. Er verkündet freudig, wie viele Tage es noch sind bis Weihnachten.

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Ich weiß nicht, was die Redaktion ihren Lesern damit sagen will. Will sie uns in stetig wachsende Vorfreude versetzen oder uns mit den immer weniger verbleibenden Tagen stressen? Ich jedenfalls hab‘ diesen täglichen Count-down noch nie gemocht.

Noch zwölf Tage und dann muss alles perfekt sein. Der Baum und das Menü stehen, die Geschenke verpackt sein und die Stimmung besinnlich. Und bitte keine Panik, das lässt sich alles noch locker schaffen.

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Aber es geht auch ganz anders. Wir haben gerade Gäste, ein bezauberndes Pärchen aus dem Süden der Republik, aus einer Gegend, in der schon der erste Schnee lag.

„Ach wie schön, da möchte man Weihnachten verbringen“, denkt ihr jetzt vielleicht. Aber was machen die Zwei? Sie kommen tatsächlich den ganzen Dezember zu uns hier hoch an die Nordsee.

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Sie kommen ganz ohne Baum, Menü, Geschenke und Besinnlichkeit. Dafür aber mit so viel Vergnügen an Wetter, Wellen und Weite. Jeden Tag sind sie unterwegs und genießen die leeren Strände, den kalten Wind und die jetzt noch kargere Landschaft.

Wenn sie gegen Abend „nach Hause“ kommen, mit roten Wangen und leuchtenden Augen, dann sieht man ihnen die Freude an.

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Ihre Kinder sind schon lange aus dem Haus, auch die Enkel haben bereits andere Weihnachtspläne und die beiden Rentner entschieden sich für ihr eigenes, ganz persönliches Festtagsgeschenk.

Sie lieben die Nordsee und erfüllen sich einen schon so lange geträumten Traum: einmal den Winter hier oben verleben.

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Sie erwarten kein Winterwunderland, sie kamen mit ganz realistischen Vorstellungen von der Nordsee zu dieser Jahreszeit. Sie wissen, unser Winter ist nicht schnee-romantisch. Sie wissen, er ist rau, er ist kalt und er kann unbarmherzig sein.

Und Sie wissen, Sturm und Regen gehören dazu.

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Sie sind glücklich und dankbar, dass Sie nach einem arbeitsreichen Leben ein annehmbares Auskommen haben und dass sie noch immer so gut laufen können. Sie bummeln nicht über die Weihnachtsmärkte oder durch die weihnachtlich glitzernden Einkaufspassagen.

Ihr tägliches Ziel ist der Weg durch die Natur. Stundenlang erlaufen sie sich die spröde Schönheit unserer einsamen, grauen Landschaft.

Sie werden auch den Gänsebraten nicht vermissen, sie freuen sich auf Marsch-Kartoffeln und Matjes.

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Sie geben zu, dass es Ihnen in den ersten Tagen noch recht ungewohnt war, nach dem Frühstück keine wartenden Verpflichtungen zu haben. Aber sie sagen auch, dass es Ihnen mit jedem Tag ein wenig leichter fällt, nichts zu müssen sondern einfach nur zu sein.

Es sind noch zwölf Tage bis Weihnachten, und wenn Ihnen das nicht reicht, um ganz anzukommen, dann macht das auch nichts. Sie bleiben ja noch den ganzen Januar.

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Auch Euch wünsche ich eine entspannte Adventszeit, schöne Festtage und macht Euch keinen Stress. Nicht jedes Weihnachtsgeschenk braucht Glanzpapier und Schleifenband.

Ein Tag geht – Abendstimmung am Eidersperrwerk

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Die Tage werden merklich kürzer, die Sonne verabschiedet sich täglich etwas früher.

Ich mag diese Zeit im Jahr, in der man nach getaner Arbeit noch die letzten Sonnenstrahlen und dann die aufkommende Abendstimmung am Wasser genießen kann.

Auch wenn die Sonne kaum noch wärmt, Ihr helles Licht hebt noch einmal die Stimmung, lässt noch einmal kurz ein Sommergefühl aufflackern.

Ganz langsam schickt sie den Tag auf die Reise, übermalt Vitalität mit Gemütlichkeit, Lebensfreude mit wohliger Melancholie.

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Je weiter die Sonne sinkt, umso weicher werden die Konturen und umso wärmer erscheint das Licht.

Der eben noch stahlblaue Himmel färbt sich langsam hellblau bis grau, in den Wolken schimmern die letzten Sonnenstrahlen in einem milchig-gelben Farbton. Das Wasser glitzert silbrig.

Der Tag verneigt sich vor dem Abend.

Zwei Krabbenkutter kommen vom Fang zurück. Vielleicht war es ein guter Tag für sie.

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Mit dem Blick übers Wasser lasse auch ich meinen Tag Revue passieren. Es war kein besonderer Tag, nur ein Alltag, aber auch kein schlechter.

„Dann war es wohl ein guter Tag“, beschliesse ich.

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Das ablaufende Wasser kräuselt sich lautlos und gelbschimmernd auf seinem Weg in den Priel, fließt dem Horizont entgegen.

Ein paar Enten lassen sich im Priel treiben, suchen sich Schlafplätze auf dem trocken fallenden Watt.

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Ein einsamer grauer Herr steht regungslos im seichten Wasser, schaut dem Tag hinterher, scheint fast vor der Nacht zu frösteln.

Bei meinem zweiten Blick in seine Richtung hat er sich von der untergehenden Sonne abgewendet, hebt langsam ein Bein und – ich hätte es ahnen können – fliegt mit weiten, kraftvollen Flügelschlägen in den Abendhimmel.

Ich habe es nicht geahnt, bin viel zu langsam gewesen. Mein letztes Bild von Ihm zeigt den leeren, grauen Himmel.

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Dann legt sich ganz friedlich die Nacht über den Tag, es wird still. Auch ich werde innerlich still, lasse mich mitnehmen vom schwindenden Licht.

SnapShots – Hinter’m Sperrwerk

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Sie ist nicht wirklich der HotSpot der Nordseeküste, die Bucht hinter dem Eidersperrwerk. Der Eiderdamm Nord dominiert diesen Küstenabschnitt mit viel Beton und Stein. Wer aber gern mit dem Meer, den Wolken und unseren Wattvögeln allein ist, der ist hier richtig.

Selten verirren sich Spaziergänger hinters Sperrwerk, und wenn, dann nur, um mal kurz über den Deich zu schauen.

Sehr beliebt ist der hintere Bogen des Dammes bei den Austernfischer, die die Tarnung zwischen den vermörtelten Schüttsteinen geschickt nutzen und sich hier, vor allem im Herbst, ausruhen.

Dicht an dicht hocken die Wattvögel beisammen, lassen sich von den letzten warmen Sonnenstrahlen aufwärmen, stecken ihre roten Schnäbel unter die schwarzen Flügel und halten ein Nickerchen.

Richtig toll sieht es aus, wenn ein ganzer Schwarm gemeinsam aufsteigt und ihre weißen Unterseiten aus der Luft herableuchten. Aber ich würde es nicht übers Herz bringen, sie für solch ein Foto aufzuschrecken.

Hoch im Norden – St. Peters Dünenstrand

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Außer Blumen gießen und dem Unkraut beim Verwelken zuzuschauen gibt es zurzeit im Garten nichts Dringendes zu tun. Also habe ich mir guten Gewissens einen Strand-Nachmittag gegönnt.

Meist biege ich auf dem Weg an den Nordsee-Strand gleich die erste Möglichkeit links Richtung St. Peter Böhl ab. Diesmal lasse ich Böhl, Ording und Bad links liegen und fahre in SPO Nord unterm Deich weiter.

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Mein Ziel ist der kleine Parkplatz Hungerhamm an der Strandkorbhalle. Hier kostet das Parken 4,- Euro am Tag, aber man kommt wenigstens ohne die lästige Kurtaxe über den Deich.

Erst geht es ein paar Stufen den Deich hinauf und dann führt ein Holzsteg über die Dünen. Und das ist auch das Besondere am nördlichsten Strand von St. Peter.

Die Dünen.

Ein breiter Dünenstreifen umzieht die Eiderstedter Seite der Bucht und er darf zum Teil betreten werden. Vor dem steten Nordseewind geschützt, kann man es sich in einer der Dünen-Mulden so richtig schön gemütlich machen.

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Großartig ist auch der Blick. Rechter Hand auf den Leuchtturm Westerhever, geradeaus auf den Horizont und in die unendliche Weite, linker Hand sieht man die Pfahlbauten von St. Peter Bad.

Der nördlichste St. Peter Strand hat eine Zone, in der Hunde ohne Leine laufen dürfen. Die Zone wird mit roten Hunde- Silhouetten auf hohen Holzpfählen markiert.

Viele Hundehalter zieht es hier hoch, denn auch die Vierbeiner haben ihren Spaß, wenn sie mal ganz ausgelassen durchs Wasser toben dürfen.

Überlaufen ist es aber selten, dafür sind die Bad, Ording und Böhl Strände zu bekannt.

Bei Ebbe breitet sich vor einem eine riesige Sandfläche aus, bei Flut läuft man im knöcheltiefen Wasser. Ich liebe es, durch das seichte, warme Wasser zu laufen und mit den Füssen so richtig schön zu spritzen.

Aus der Ferne ist das Rauschen der offenen See zu hören, am Horizont glitzern die sich brechenden Wellen. Der Weg zur Wasserkante kann gar nicht weit genug sein.

Bei Stefanie habe ich 10 Dinge, die den norddeutschen Sommer ausmachen, entdeckt. „Eine unbekannte Insel erobern“ steht dort als letzter Punkt auf Ihrer Liste. Eine wunderbare Idee.

Wie wäre es mit einer selbstgeschaufelte Insel? Erobern, sich hinaufsetzen und gemeinsam über’s Meer schauen! Gibt es etwas Schöneres?

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Hätte ich nicht meine Kamera und den kleinen Beutel für die Muscheln dabei gehabt (ich muss am Strand immer etwas sammeln), hätte ich Punkt eins von Stefanies Sommerliste bereits abhacken können:

„In der Nordsee baden“.

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Macht aber nichts, der Sommer fängt ja heute erst an.

Frieda, meine Urlaubsliebe, und die Wellen

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Das ich ein Katzenmensch bin, ist aufmerksamen Lesern sicher nicht entgangen. Ich liebe diese schnurrenden Wesen, ihre Zuneigung, ihr Anschmiegen und ihren Eigensinn.

Eines kann eine Katze allerdings nicht. Wer einen treuen Begleiter für lange Spaziergänge sucht, einen, der auch bei mistigstem Wetter den Gang vor die Tür einfordert, der sollte sich entweder in einen Postboten verlieben oder in einen Hund.

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Auch für eine Woche Dänemark-Urlaub lässt sich ein Hund viel eher begeistern als eine Katze. Im gleichen Zuge hat mich Frieda, die quirlige schwarze Hündin meiner Freundin, mal wieder für den Hund begeistert.

Frieda und ich kennen uns aus Dänemark. Sie ist eine echte Urlaubsliebe. Wir drei Mädels haben schon ein paar gemeinsame Januar-Auszeiten in den Dünen verbracht.

Jedes Mal in einem anderen Haus, aber immer an der Westküste, am Ringkobing Fjord. Wir waren in Argab, Hvide Sande und jetzt ein weiteres Mal in Bjerregard.

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Dabei habe ich die Nordsee täglich vor der Tür. Da könnte man zur Abwechselung mal die dänische Ostsee besuchen. Die hat zweifellos auch ihre Reize.

Aber mir würde das Haus in den Dünen fehlen. Diese typischen dänischen Ferienhäuser, die verstreut in die raue Dünenlandschaft gesetzt wurden. Die nicht stören, die sich harmonisch in die gras- und heidebedeckten Hügel einfügen. Off-road und naturnah.

Dieses „nur-am-Strand-schlafen-ist-schöner“ Wohngefühl würde ich vermissen.

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Für Frieda ist das keine Frage, Ostsee oder Nordsee, dieses oder jenes Ferienhaus, Hauptsache man kann am Strand toben. Das liebt Frieda.

Am liebsten natürlich ohne Leine, nach Herzenslust hin und her, kreuz und quer über den Strand und ins Wasser. Das darf Frieda, denn sie hört.

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Frieda hört sogar auf mich. Das begeistert eine Katzen-Mama natürlich ganz besonders (wer Katzen hat, weiß was ich meine…).

Auch wenn Friedas Frauchen meint, Frieda hört auf jeden – ich bin vor Freude immer ganz aus dem Häuschen, wenn sie auf mein Rufen hin angespurtet kommt.

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Frieda hält sogar Blickkontakt. Ist sie außer Rufweite, schaut sie sich immer wieder um und reagiert auf Handzeichen. Der erhobene Arm heißt „Komm zurück“ und sobald sie ihn sieht, dreht sie tatsächlich um und kommt zurück.

Fein erzogen – mit lustigem Nebeneffekt: Als ich für ein Foto übermütig die Arme in die Luft warf, lief Frieda ins Bild. Klar, so hat sie es gelernt.

Wer mit Hund an’s Meer fahren möchte, für den sind die Wintermonate die ideale Reisezeit. Die Strände sind leer, nur selten trifft man auf andere Spaziergänger, und die wenigen haben dann oft auch ihren Hund dabei.

Manchmal darf sogar begrüßt und beschnüffelt werden. Frieda macht das sehr freundlich.

Friedas allergrößter Spaß sind jedoch die Wellen. Sie springt ihnen entgegen, belauert sie, bellt sie an und schnappt nach ihnen. Immer wieder.

Auch wenn Frieda’s Frauchen dieses Gehabe nicht mag, Frieda und ich haben uns prächtig amüsiert.

Frieda bellt, ich lache.

Ohne Wellen bellt Frieda nicht. Schlägt nicht mal an, fiept leise, wenn sie etwas möchte. Nur im Schlaf macht sie schon mal „wuff“ und ich bin mir ganz sicher, dass sie dann von den Nordseewellen träumt.

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Nordseewellen sind aber auch zum Träumen schön.
„Wuff!“

Dänemark im Januar – mit ganz viel Wetter

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Wer im Januar nach Dänemark an den Strand fährt, sollte sich wettertechnisch wappnen. Sonne kann, muss aber nicht, Sturm, Regen, Wind und Nebel sind da schon wahrscheinlicher, vielleicht sogar Schnee.

Man plant am besten im Zwiebel-Prinzip: T-Shirt, Pulli, Strickjacke, Winterjacke, Regenjacke – Leggings, Jeans, Soft-Shell-Hose, Regenhose – feste Schuhe, Mütze, Schal, Handschuhe.

Und was soll ich sagen, letzte Woche in Dänemark kam tatsächlich alles zum Einsatz. Los ging’s mit einem windstillen Nebeltag (Regensachen, Strickjacke und Soft-Shell-Hose blieben im Koffer).

So ohne Wind ist Kälte viel erträglicher. Auch am Strand, und der zeigt sich bei Nebel von einer ganz besonderen Seite. Konturlos, farblos, menschenleer. Durchatmen.

Wenn dann Frost auf Nebel trifft, umhüllt weißer Raureif jeden Stängel. Ein wenig Pulverschnee dazu und das Winterwonderland ist perfekt. Ganz in Weiß empfing mich die dänische Dünenlandschaft am Morgen des zweiten Tages.

Der Strand schneebedeckt. Ein seltener, schöner Anblick, der so viel Ruhe ausstrahlt und so vergänglich ist. Aufsaugen. Genießen.

Auf Schnee folgte Sturm (mit einzelnen Regenschauern) und spätesten jetzt stand fest: klar im Vorteil ist, wer gut vorbereitet. Es wurde alles angetüddelt was mitgebracht, um dann wie ein Michelin-Männchen an den Strand zu stapfen.

Der Wind trieb den Sand vor sich her. Kleine Muscheln und Steinchen formten Windfahnen aus Flugsand. Auch wenn es mühsam ist, so gegen den Sturm zu laufen, man fühlt sich unwahrscheinlich lebendig.

Auf den Sturm folgen die Wellen und am vierten Strandtag zeigte sich die Nordsee von ihrer wilden Seite. Selbst bei Ebbe war nicht mehr viel vom Strand zu sehen, die See toste mit brechenden Wellen.

Das Laufen am Wellensaum war ein ständiges hin- und her, immer wieder schwappte die Nordsee überraschend weit auf den Strand. Nur wer schnell war, behielt trockene Socken. Atemloser Spaß.

Es folgte ein trüber, windiger Strandtag, so typisch für Nordsee im Winter. Die Hoffnung auf Sonne schwand, auch wenn sie ab und an für Sekunden durch die Wolken lugte.

Aber es blieb wenigstens trocken und die Regensachen im Schrank.

Man könnte meinen, dass der Wettergott tatsächlich noch ein Einsehen hatte, denn am sechsten und somit letzten Tag meiner Dänemark-Woche lichtete sich der Morgennebel um Punkt 11:00 Uhr und blauer Sonnenhimmel begrüßte den Tag.

Wie Farbe leuchten kann, nach all den trüben Tagen. Ergriffenes Staunen. Als hätte man vergessen, wie schön Sonne ist.

Drei Jogger liefen über den Strand. Einer sogar in kurzen Hosen. Den Rückweg gingen sie barfuß, die Schuhe in der Hand.

Von der Sonne aufgewärmt hatte ich die ganze Zeit schon das Bedürfnis, ins Wasser zu laufen. Fast magisch zog es mich an, und ich überlegte mit jeden Schritt: soll ich oder lieber nicht?

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Ja, ich habe es getan! Ich habe mir die Schuhe und Strümpfe ausgezogen, die Hosenbeine hochgekrempelt und bin lachend ins Wasser gelaufen.

Hui, das war eisig aber unglaublich schön. Übermütige Lebensfreude. Ich konnte gar nicht aufhören zu strahlen während das kalte Wasser in die Füße stach. Was so ein bisschen Sonne doch ausmacht.

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Und dann gab das Wetter noch einmal alles, überraschte plötzlich mit Seenebel. Wie eine weiße Wand zog er am Horizont auf. So etwas hatte ich noch nicht gesehen.

Gespenstisch rollte der Nebelstreifen vom Meer bis auf die Dünen, aber es blieb sonnig. Gänsehaut.

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Am Abend hoffte ich noch auf einen schönen Sonnenuntergang, aber der Himmel hatte sich bereits wieder zugezogen und verriet nur mit einem schmalen, hellen Streifen wo die Sonne untergegangen war.

Na gut, es geht nicht alles – in einer Woche Dänemark.

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Grundzufrieden und tiefenentspannt wurden die Wettersachen nach dem letzten Strandspaziergang im Koffer verstaut und für die Abreise gerüstet.

Und eines ist sicher, im nächsten Januar komme ich wieder – und dann bitte mit Abendrot.

Abendlauf am Deich – so ohne Hund

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Letzten Montag war der einzig schöne Tag für diese Woche vorhergesagt. Letzten Dienstag hatte mein Blog Geburtstag. „Was hat das eine mit dem anderen zu tun?“ fragt Ihr Euch?

Ohne meinen Blog hätte ich mich am Montag nach der Arbeit kurz an den Zaun gestellt und mir den Sonnenuntergang von dort aus angeschaut.

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Vielleicht hätte ich sogar ein Foto gemacht, wie schon so viele, mit unserem „Windquirl“ im Hintergrund.

Seit ich blogge, will ich mehr.

Also, schnell in die Schuhe, dicke Jacke, Schal (vorm Deich ist der Wind kalt), Autoschlüssel und los.

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Strandübergang mit Bank bei uns im Koog

Im November reicht die Zeit aber nicht, um abends noch nach St. Peter zu fahren. Seit November sind auch die Strandüberfahrten gesperrt. Das kostet Extra-Zeit für den langen Weg über die Stege bis zum Sandstrand.

In St. Peter wäre ein Sonnenuntergang besonders schön. Dort würde noch viel Wasser von den letzten Stürmen auf dem Strand stehen. Darin würden sich die Farben des Himmels spiegeln. Das gäbe bestimmt schöne Bilder…

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Zu uns an Deich geht’s deutlich fixer, auch wenn die Kulisse nicht ganz so spektakulär zu werden verspricht.

Zunächst bin ich ganz allein vorm Deich. Die Sonne steckt noch zwischen den ersten, von Westen aufziehenden Wolken. Sie schickt Ihre letzten Strahlen auf’s Wasser hinaus.

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Über dem Deich kleine Schäfchenwolken, die wie eine aufgeschreckte Herde auseinanderlaufen. Unendliche Weite breitet sich dort oben aus. Der schmale Deichweg, den ich laufe, führt bis zum Horizont.

Kein Mensch, kein Schaf, nur dieser Himmel und ich. Es fühlt sich grenzenlos an.

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Langsam schiebt sich ein goldgelber Steifen den Horizont hinauf, die Wolken bekommen gelbliche Tupfen. Ganz oben leuchtet immer noch das Blau eines sonnenverwöhnten Novembertages.

Ich freue mich wie „Bolle“, dass ich jetzt hier stehe und nicht am Zaun.

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Ein Kondensstreifen steigt in den Himmel. „Flieger, grüß mir die Sonne“ flüstere ich gerade so, als wollte ich nicht stören. Wie klein man sich fühlt, bei solch einem gewaltigen Anblick.

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Auf den Rückweg kommt mir eine Gestalt mit Hund entgegen. Der Kleine flitzt kreuz und quer über die Salzwiesen und erreicht mich weit vor seinem Frauchen. Wir kennen uns.

„Ich hab‘ schon überlegt, wer das ist, so ohne Hund“, begrüßt mich eine Mit-Kögerin. Sie dreht spontan um und wir laufen gemeinsam zurück. Man trifft sich nicht oft im Koog, so ohne Hund. Es gibt viel zu beschnacken.

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Wir sind lange an der Bank vorbei, der letzte Deichübergang vorm Sperrwerk ist fast erreicht. „Wo steht Dein Auto?“ möchte sie von mir wissen.

„Da hinten“, zeige ich zurück.

„Fritzie…“, ruft sie den Hund, „wir haben da hinten etwas vergessen!“  Mit diesen Worten kehren wir alle drei noch einmal um.

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Mittlerweile ist der goldene Streifen einem fast kitschigen Rot gewichen. Die Wasserflächen zwischen den Buhnen und Lahnungen sind von den tiefen Wolken kaum noch zu unterscheiden.

Die eben noch warmen Farben wirken jetzt kühl, die Kontraste schärfer, aus dem leuchtenden Blau wurde ein mattes Hellgrau. Die Nacht rückt näher.

Fast andächtig verabschieden wir uns –  voneinander und von diesem Tag.

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Ohne meinen Blog hätte ich diese Stimmung nicht erlebt, diese schönen Fotos nicht gemacht, hätte ich die nette Unterhaltung nicht geführt,  wäre ich die knappe Stunde nicht am Deich gelaufen.

Ich hätte am Zaun gestanden und die olle „Mühle“ zum x-ten Mal geknipst.

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Mein Blog hat mein Leben mächtig bereichert und das nun schon seit 3 Jahren.

Happy Birthday!