SnapShots – Biikefeuer in St. Peter

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Wenn es nach dem Biikefeuer in St. Peter gehen würde, das Biikefeuer, das den Winter vertreiben soll, dann hätten wir jetzt zweistellige Plusgrade. Im letzten Jahr mussten einige Biikebrennen wegen Sturm abgesagt werden, in diesem Jahr war das Wetter vorbildlich.

Ganz ohne Wind konnte die Flammen- und Funkensäule meterhoch in den klaren Abendhimmel steigen. Ein gewaltiger Anblick, an der Promenade von St. Peter Bad.

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Biikebrennen findet jedes Jahr am Vorabend des Petritages (22. Februar) statt. Die Tradition der Biike stammt von den Nordfriesischen Inseln. Dort wurden mit dem Feuer nicht nur der Winter sondern auch die Walfänger verabschiedet.

Nach einem Beschluss der Hanse durfte die Seefahrt, nach der Winterpause, erst wieder am Petritag  aufgenommen werden und die Walfänger in See stechen.

Um ganz sicher zu gehen, wird in einigen Orten sogar eine Strohpuppe auf den Reisighaufen gesetzt. Das Petermännchen, das den Winter symbolisiert und mit ihm in Flammen aufgeht.

So wie die Wolken zeichnen auch Feuer und Glut immer wieder neue vergängliche Bilder; ich habe sogar das Petermännchen gesehen. Ihr auch?  Nur den Winter, den haben wir nicht vertreiben können.

Heute Morgen hatten wir minus 11 (!) Grad an der Küste.

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Kein Weihnachten ohne St. Peter Strand

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Regen klatscht gegen die Fensterscheiben, Sturm pfeift um die Hausecke, die Lichterketten hüpfen mit jeder Windböe auf und ab – schon seit Tagen.

In der Stube ist es warm und wohlig, Kuschelpulli und Sofadecke, im Fernseher läuft „Frau Holle“ (ich liebe die Märchen-Verfilmungen der ARD).

Weihnachtliche Gemütlichkeit.

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„Schatz, kommst Du nachher mit nach St. Peter? Etwas laufen?“ Ich hätte auch „Schatz, soll ich nachher das Raumschiff aus der Tiefgarage holen und fliegst Du mit mir zum Mond?“, fragen können. Der ungläubige, entsetzte Blick wäre wohl der gleiche gewesen.

Mit „Nicht so gerne“ fällt die Antwort jedoch erstaunlich milde aus. Es gibt Dinge, die muss man alleine machen.

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Von Westen reißt der Wolkenhimmel auf, über Eiderstedt ist es pechschwarz. Graupel setzt ein, waagerecht und von vorn – genau in dem Moment, in dem ich die Deichkrone erreiche.

Graupelkörner prasseln mir stechend ins Gesicht. Schnell ein Foto und zurück ins Info-Häuschen neben dem Parkplatz. Abwettern nennt man das wohl.

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Dann plötzlich Sonne, ein Regenbogen, ein zweiter, viel zarter, gleich daneben.

Leuchtende Farben vor drohend dunklem Himmel. Die verdorrten Salzwiesengräser leuchten golden. Der nasse Plattenweg glitzert dem Horizont entgegen, die schwarzen Silhouetten der Pfahlbauten markieren mein Ziel.

Es ist mühsam, gegen den Sturm zu laufen. Vorn übergebeugt stapfe ich den schier endlos wirkenden Weg durch die Salzwiesen zum Böhler Strand.  Es gibt Dinge, die muss man wohl doch nicht unbedingt machen?

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Auf halben Weg wird der Plattenweg durch einen Holzsteg ersetzt. „Rutschgefahr bei Nässe“ warnt ein Schild. Der Sturm rüttelt an mir, drückt mich zurück und lässt plötzlich nach. Unkontrollierte, schnelle Schritte folgen.

Jetzt noch vom Steg fallen, in den Matsch, Fuss verstauchen, keine Menschenseele weit und breit, …,  halt! Kopfkino ausschalten und weiter!

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Und plötzlich stellt es sich wieder ein. Dieses grandiose Gefühl der Freiheit, der Grenzenlosigkeit, des Eins sein mit den Naturgewalten.

Ganz klein und winzig stehe ich neben den mächtigen Pfählen der Seekiste. Die kurzen Wellen klatschen gegen das nasse Holz, es hört sich dumpf und hohl an. Der Sturm peitscht die Gischt über den Strand und ich stehe dort und fühle mich einfach nur grandios.

Jedes Foto ist eine Herausforderung. Erst die Linse trockenputzen – womit? – alles ist nass – dann ruhig halten – wie? – der Sturm rüttelt am festen Stand.

Ich lehne mich an die Pfähle, umarme Pfosten, lege die Kamera auf Balken. Ein paar schöne Bilder sollten gelingen, das glaubt mir ja sonst keiner.

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Die Sonne wandert langsam dem Horizont entgegen und taucht Wolken, Wasser und das feuchte Holz in ein helles Orange. Die warmen Farben stehen im krassen Gegensatz zum eisig heulenden Wind, aber mir ist nicht kalt.

Ich laufe die Stege entlang und genieße das Licht, die Farben, das Wellenrauschen und Sturmgeheul.

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Fast unbemerkt läuft immer mehr Wasser unter die Planken, rollen die weiß umsäumten Wellen auf den Wiesensaum zu. Wo ich eben noch stand, ist schon Wasser.

Nicht bedrohlich aber stetig und schnell läuft die Flut auf. Zeit zu gehen, wenn man keine nassen Füße riskieren möchte.

Zurück schiebt mich der Wind vor sich her. Kurz vor dem Deich kommen mir ein paar ebenso Wagemutige entgegen.  Man grüßt: „Frohe Weihnachten“ und das klingt hier draußen irgendwie abgefahren.

„Ja, frohe Weihnachten!“ grüße ich zurück und muss tatsächlich lachen.

Der Strand-Tag in diesem „Sommer“

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Wann war das noch gleich? Ende Juli, Anfang August, als es 24 Stunden nicht regnete und die Temperaturen an der Nordsee über 25 Grad stiegen? Egal, einen dieser seltenen Sommertage habe ich am Böhler Strand von St. Peter verbracht.

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Das Wunderbare an Böhl ist, dass dieser Strand selbst an herrlichen Sommertagen nicht wirklich überlaufen scheint, der Blick auch mal auf’s Meer streifen kann, ohne Massen sonnenhungriger Menschen zu sehen.

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Gegen Abend kann man sogar im Hochsommer so etwas wie Weite spüren. Ich liebe diese späten Nachmittags-Stunden, wenn die Sonne langsam dem Horizont entgegen wandert und das tief einfallende Licht das Meer ganz besonders glitzern lässt.

Wer Baden möchte, wird vielleicht etwas enttäuscht sein, denn, ob Ebbe oder Flut, das tiefe Wasser ist am Böhler Strand immer sehr weit weg.

Dafür ist der Wattboden schön fest und es lässt sich wunderbar Laufen. Barfuß über die Sandriffel (es gibt keine bessere Fuß-Massage) und durch die Priele, immer dem Meer entgegen.

Oder man richtet sich ein, in der eigenen Strandmuschel, vergisst die Zeit, lässt den Tag an sich vorbeiziehen – ganz entspannt, ganz eins mit der Natur.

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Kann Sommer nicht schön sein?

Eine Bahnfahrt, die ist lustig…

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Auf Lutz Pauser’s Blog Zwetschgenmann habe ich vor einiger Zeit von einer Web-Seite gelesen, auf der Foto’s von Bahnhöfen gesammelt werden. Gaby Becker sammelt mit ein paar Mitstreiterinnen auf der Seite Deutschlands Bahnhöfe alle (das sind immerhin 5652) Bahnhöfe im Lande.

Neugierige geworden, hatte ich gleich mal geschaut und tatsächlich, beide Bahnstrecken vor meiner Haustür sind noch nicht erfasst. Also habe ich mich aufgemacht, um genau das zu ändern und kann Euch nun auf eine imaginäre Zugfahrt von Tönning nach St. Peter Ording mitnehmen.

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Um 16:01 Uhr steigen wir in Tönning in den Zug. Nach 4 Minuten erreichen wir schon den ersten  Haltepunkt in Kating, ein Bus-Häuschen auf dem Damm. Kein Haus, kein Baum, kein Strauch, kein Parkplatz. Nur zwei Fahrräder lehnen am Fahrradständer.

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Um 16:08 erreichen wir nach weiteren 3 Minuten den Haltepunkt Katharinenheerd.

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Der Ortsname Katharinenheerd ist sicher vielen St. Peter Ording Besuchern, die über die B 202 an die Küste fahren, ein Begriff. In Katharinenheerd angehalten ist wohl kaum jemand.

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Ich, ehrlich gesagt, auch nicht, und ich hätte nicht mal vermutet, dass es dort einen Bahn-Haltepunkt gibt.

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Weiter geht’s Richtung Garding. In der über 2000 Einwohner fassenden Stadt mitten auf Eiderstedt hätte ich jetzt etwas „mehr“ Bahnhof erwartet, aber auch hier nur noch ein Haltepunkt mit Wartehäuschen. Unsere Ankunftszeit: 16:12

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In nur knappen 2 Minuten, genauer gesagt um 16:14 kommt schon der nächste Halt, Sandwehle. Dieser Haltepunkt ist nach einer Deichbruchstelle benannt. Das einbrechende Wasser spülte ein tiefes Loch aus, das „Wehle“ genannt wird und für den Streckenbau wieder zugeschüttet wurde.

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Hier scheinen nur zwei Kühe auf unseren Zug zu warten.  Nach kurzem Halt geht es weiter Richtung Tating. Diesen Haltepunt erreichen wir um 16:18

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Von Tating aus nähern wir uns langsam der Küste. Die Bahnstrecke verläuft in einem langen Bogen Richtung St. Peter. Der erste Halt bei St. Peter Dorf liegt schmuck eingebettet in Rosenbeete und wird Bad St. Peter Süd genannt. Ankunft 16:32

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Nun sind es nur noch 4 Minuten bis zur End-Haltestelle St. Peter Ording und dort gibt es wieder ein richtiges Bahnhofes-Gebäude. Auch wenn es der Bahn nicht mehr gehört, so werden dort immerhin noch Fahrkarten verkauft.

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In St. Peter Ording endet unsere Zugfahrt um 16:27. Wer will, bleibt einfach sitzen und fährt die 26 Minuten zurück nach Tönning.

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Der Ordinger Bahnhof ist das letzte, noch erhaltene Gebäude einer früher sogar für den Güterverkehr ausgebauten Bahnstrecke.

Der Rückbau in eine eingleisige Verbindung machte die Bahnhofs-Gebäude überflüssig, sie verfielen zum größten Teil und wurden abgerissen.

Wer sich für die ganze Geschichte der Bahnstrecke Tönning – St. Peter Ording interessiert, kann hier mal schauen:

Die Eisenbahn auf der Halbinsel Eiderstedt

So, und ich werde jetzt meine Fotos beim OpenData-Projekt Fotos von Bahnhöfen anmelden.

Nachtrag 12.07.2017 – Sie sind online:

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SnapShots – Neujahr 2016

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Neujahr 2016, später Nachmittag, der Wind schlief ein, die Wolkendecke brach auf und die ersten Nebelschwaden schoben sich übers Land. Die perfekte Kulisse, um noch mal am Strand zu laufen. An meinem Lieblingsstrand in St. Peter Böhl.

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Meine Vorstellung wurde nicht enttäuscht, schon auf dem Deich bot sich ein grandioser Blick über die langsam vom Land einziehenden, tiefliegenden Nebelschwaden, die die Salzwiesen in ein geheimnisvolles Weiß tauchten.

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Letzte Strahlen der bereits untergegangenen Sonne färbten den Himmel zart Gelb.

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Der Nebel zog langsam auf den Strand.

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Im Watt dann wieder diese Stimmung, als würde man schweben. Himmel und Watt verschmolzen, der Horizont war nicht mehr erkennbar, alles um einen herum in Blau getaucht.

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Die letzten Wolken spiegelten sich in den glatten Wasserflächen der letzten Flut.

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Die blaue Stunde brach an.

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Das Feuer des Böhler Leuchtturms brachte den Nebel zum Leuchten.

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Ich wünsche Euch ein Frohes Neues Jahr mit vielen traumhaften Stunden an Euren Lieblingsplätzen!

 

 

 

Weihnachtsspaziergang – Büsum oder St. Peter?

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Nach Gänsebraten, Marzipankugeln und Linzer Torte ist ein Spaziergang an der frischen Luft ja geradezu Pflicht. Und wenn man keine winterliche Schneelandschaft vor der Tür hat, lässt man sich eben vom Westwind so richtig schön durchpusten. Das geht in Büsum oder St. Peter ganz wunderbar.

In Büsum oder St. Peter – aber wieso eigentlich „oder“? Wenn man so fast genau zwischen diesen beiden Nordseeorten wohnt, und wenn Weihnachten ja bekanntlich 2 Feiertage hat, dann liegt es doch nahe, St. Peter und Büsum als Ziel eines Weihnachtsspazierganges zu wählen.

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Durchgepustet wird man hier wie dort, wenn auch Publikum und Ambiente kaum unterschiedlicher sein könnten. Büsum steht für Hafen und Deich, das Besondere an St. Peter sind die Pfahlbauten und der Sandstrand. Beides hat seinen ganz eigenen Scharm.

Möchte man vergleichen, kann man wohl sagen: in Büsum bummelt man, durch die Geh-Straße, an der Nordsee entlang, schaut sich die Nordsee an.

Der Büsum-Ausflügler kommt in „Schapptüch“, fein gemacht, mit den guten Sonntagsstiefeln, geht spazieren und setzt sich dann auf eine der windgeschützten Terrassen im Ort.

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Nach St. Peter fährt man zum Laufen, funktional und outdoor-tauglich gekleidet, in dicken Wanderstiefeln, oft mit Rucksack und Hund. Der typische St. Peter Besucher lässt die Shopping-Meile links liegen, steuert direkt auf den Strand zu.

St. Peter punktet für mich, wenn es um das Erlebnis „See“ geht. Hier spürt man die Weite, die Ruhe am endlosen Strand, das Rauschen der Wellen, die Gewalt der See. Hier erlebt man Nordsee, fühlt sie, wird ein Teil von ihr, ist mittendrin.

In Büsum wirkt die Nordsee irgendwie in Szene gesetzt, als hätten man ihr ihren Platz zugewiesen, sie gezähmt. Als wolle man sie ausstellen. Gerahmt in Granit, eingedeicht, begrünt, über Treppen erreichbar. Als sollten die Wellen da draussen bleiben.

Kulinarisch unterscheidet sich das Angebot in Büsum und St. Peter nicht sehr. Man gibt sich nordisch-maritim. Einen „Gosch“ findet man hier wie dort.

Unsere kulinarische Wahl ist Tradition. In Büsum, in Höner’s KöPi – Büsums „open-air“ Kult-Treff – gibt es „Tote Tante“ (heißer Kakao mit Rum und Sahne); das schmeckt so schön weihnachtlich und macht so schön warm.

In St. Peter ein Fischbrötchen, natürlich bei Gosch. Draußen auf der Bank. Das ist auch Kult und geht immer. Auch an Weihnachten.

 

 

Landleben

Nachtrag 08. Januar 2016 :
Ilona vom Blog „
wandernd – wandering.wondering.travelling“ hat zur Blogparade „Stadt oder Land?“ aufgerufen und ich fand, das dieser Post ganz gut dazu passt und habe ihn eingereicht.


Auf Claudia‘s Blog Meerart bin ich auf eine interessante Diskussion zu Ihrem Beitrag Leben und arbeiten in St. Peter-Ording? gestoßen. Darin geht es um die Liebe zum Meer, Wohnen und Arbeiten am Meer, um St. Peter Ording (ein toller Ort zum Leben) und auch um naturnahes Landleben generell.

Ein Landleben, für das sich heute viele Menschen entscheiden würden, gäbe es dort ein schnelles, stabiles Internet. Das brauchen sie, um von Zuhause arbeiten zu können. Was es aber leider oft nicht gibt, auch nicht in St. Peter Ording…

Um es gleich vorwegzunehmen, ich gehöre zu den Glücklichen, die dank Internet von Zuhause arbeiten können. An der Nordsee, in Dithmarschen, gleich hinterm Deich, aber auch ohne wirklich schnelles Internet. Das schränkt zwar ein und man muss seine Arbeitsabläufe ein wenig umorganisieren, entschleunigen sozusagen, aber es geht. Ganz gut sogar.

Hier bei uns im Koog gibt’s nicht mal ein wirklich stabiles Stromnetz. Bei fast jedem Sturm haben wir Licht aus, auch mal so zwischendurch; nach Orkan Christian war’s 2 Tage dunkel! Und wenn’s schneit (was allerdings selten vorkommt), dann geht hier oben wirklich nicht mehr viel. Schnee kommt hier meist mit Oststurm, der türmt die Wehen meterhoch.

Die ARD bringt schon einen Brennpunkt zum „ Schnee-Chaos“ wenn ein paar Flüge ausgefallen sind, ein paar Züge auch, es Stau gab und jemand auf dem glatten Gehsteig ausgerutscht ist. Oh ja, wir lieben die Natur, aber nur so lange, wie sie unsere Mobilität nicht einschränkt!


Generell finde ich den Wunsch, auf dem Land zu leben, absolut nachvollziehbar (hatte ich ja auch), aber das Landleben wird auch gern ein wenig romantisiert. Auch das Landleben fordert Kompromisse, auch hier an der Nordsee, genau wie das Leben in der Stadt.

Mit dem Wohnen geht’s schon los. Vermietet wird hier nur an Feriengäste, wer hier leben will, muss kaufen. Das geht ja noch in vielen Teilen Dithmarschens, aber habt Ihr Euch die Immobilienpreise auf Eiderstedt und vor allem in St. Peter Ording mal angeschaut? Nicht jeder kann oder will sich das leisten.

Da wo Wohnen noch wirklich „günstig“ ist, da gibt’s keine Infrastruktur, keinen Bus, keinen Arzt, keinen Laden, keinen Bäcker, oft nicht mal mehr einen Gasthof, auch keinen St. Peter Strand gleich vor der Tür; deshalb ist es ja günstig!

Hat man dann sein Haus gefunden, geht’s weiter: Restaurieren, Renovieren, Organisieren. Steichen, Putzen, Fliesen kleben – Mauern, Täfeln, Sägen, Bohren – das alles sollte man mögen und auch ein Stück weit können. Es ist ja immer was.

Meist gibt es Häuser nur mit Garten drum rum. Und ob klein oder groß, soll es nicht irgendwann zum Fenster hereinwuchern, muss man sich auch um Garten kümmern. Heckenschere, Rasenmäher, Schubkarre – Harke, Forke, Spaten, Gummistiefel – wer keinen grünen Daumen hat, wird’s lernen.

Ach ja, in so ein Haus auf dem Land gehört auch ein Ofen, unbedingt (!), und schon geht’s weiter mit Axt, Kettensäge und Holzspalter…


Und wer sich wirklich auf so ein Landleben einlassen mag, der hat auch bald einen kleinen Nutzgarten und Haustiere. Spätestens dann ist es vorbei mit der persönlichen Spontanität und Unabhängigkeit. Dann ist man eine täglich wiederkehrende Verpflichtung eingegangen.

Aber spätestens dann ist man auch angekommen, im Leben auf dem Land – im Einklang mit der Natur.

Snapshots – Ab an den Strand

Hitzewelle in Norddeutschland – Temperaturen mit einer „drei“ vorne und tropische vierundzwanzig um Mitternacht. Das ist rekordverdächtig und für uns hier oben im Norden fast grenzwertig; wo wir doch bereits bei 18 Grad in kurzer Hose laufen. Da hilft nur noch eines, ab an den Strand! Das erfrischt sogar bei Ebbe. Und für alle, die gerade nicht an den Strand können, hier ein paar Schnappschüsse vom St. Peter Böhl‘er Strand – zur virtuellen Abkühlung.

Spürt Ihr den leichten Wind auf der Haut und das kühle Wasser an den Füßen? Herrlich frisch!

Saisonstart im Koog

Die Urlaubersaison beginnt hier bei uns an der Westküste mit den Osterferien, da trauen sich die ersten Gäste an die See; mit Pfingsten geht es dann richtig los.

Bei schönem Wetter zieht eine Auto-Karawane und viele Gruppen von Motorrädern Richtung Eidersperrwerk (sehr beliebtes Tourenziel für Biker) oder weiter nach St. Peter Ording (Ziel der Tagesausflügler aus dem Großraum Hamburg).

Auch wir im Wesselburenerkoog rüsten, für das was kommen soll. Schon im April treffen sich ein paar aktive Gemeindemitglieder für den Strandaufbau. Das klingt jetzt lustig, wir bauen natürlich nicht den „Strand“ auf sondern das Badestellenmobiliar wie Bänke, Spielgeräte, Treppenhandläufe, Infotafeln und Rettungsringkasten.

Badestelle im Wesselburenerkoog – Parken & Strand sind hier noch kostenfrei!

Der Kindergarten einer Nachbargemeinde hat seinen kleinen Bauwagen und einen Windschutz aus Reißig bei uns am Strand. Der Reißig-Zaun wird fast jedes Jahr von den Winterstürmen komplett weggerissen und so heißt es im Frühjahr „Wiederaufbau“.

Land unter - in der Mitte sieht man das Schaukelgestell
Badestelle „Land unter“ – in der Mitte sieht man das Schaukelgestell

Die Vermieter im Koog haben ihre Ferienwohnungen geputzt und ihre Gärten von den Spuren des Winters befreit. Pflanzkübel wurden mit bunten Blumen gefüllt, Terrassen gefegt und Betten gelüftet. Ich freue mich jedes Frühjahr auf die Ankunft meiner ersten Gäste – so wie ich mich im Herbst auch auf die Abreise der letzten Gäste freue. Dann haben wir den Koog, den Strand und das Meer wieder für uns.

Die Vermietung an Feriengäste ist ein bisschen wie die Jahreszeiten. Alles unterliegt dem Wechsel und jede Zeit hat seinen eigenen Scharm. Nach dem Winter freue ich mich auf’s Frühjahr, dann auf den Sommer; Herbst kann wunderschön sein und ich mag auch die ruhigen, kalten und manchmal schon recht unwirtlichen Wintermonate hier im Koog.

Schafe auf einem winterlichen Rosenkohlfeld im Koog

Ich habe eine Zeit in den Tropen gelebt, da gibt es keine Jahreszeiten (jedenfalls nicht so, wie wir sie kennen). Das habe ich vermisst. Genau wie ich in meiner Zeit in Hessen den Wind vermisst hatte – auch wenn er mich hier an der Westküste manchmal schon etwas nervt. Aber dann kann ich mich ja auf die nächsten ruhigen Tage freuen!

Am Strand in Böhl

Blau-schimmernder Schnee am StrandWer kennt das nicht, einfach noch mal kurz raus zu müssen, frische Luft zu atmen, die Beine zu bewegen und den Kopf frei zu bekommen. Mein bevorzugtes Ziel ist dann der Böhler Strand in St. Peter-Ording. Ich genieße den Luxus nur 15 Auto-Minuten entfernt zu wohnen und somit lohnt sich der Ausflug auch nach der Arbeit für einen kurzen Spaziergang am Strand.

In Böhl gibt es eine Überfahrt zum Strand; die ist im Winter zwar gesperrt, dafür kommt man aber ganztags kostenlos an den Strand. Im Sommer sollte man nach 17:00 Uhr ankommen, wenn man keine Kurtaxe und Strandparkgebühr zahlen möchte.

Das Feuer des Böhler Leuchtturms ist schon zu erkennen.

Der Strand von Böhl ist sehr flach (durch jahrelange Versandung) und wird bei Flut oft bis an die Pfahlreihe (Begrenzung der Parkzone) vom Meer überspült. Dann bleiben große Wasserflächen auch bei Ebbe stehen.

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Das abfließende Wasser sammelt sich in breiten Prielen und man kann in der knietiefen Strömung bis an die Wasserkante laufen. Faszinierend finde ich, dass der Böhler Strand immer wieder anders aussieht, die Tide, das Wetter und der Wind gestalten das Watt hier immer wieder neu. Kein Strandspaziergang gleicht dem anderen.

Abendstimmung am Strand von Böhl

Am letzten Wochenende habe ich hier eine ganz besondere Stimmung angetroffen. Es war schon später Nachmittag und die Sonne stand bereits recht tief. Am Horizont sammelten sich die ersten Abendwolken und der Wind war komplett eingeschlafen.

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Kein Windhauch, kein Kräuseln auf dem Wasser. Sonne und Wolken spiegelten sich in der glatten, dunklen Oberfläche. Der Horizont schien zu verschwinden.

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Dann vermischten sich Himmel und Watt, oben und unten wurde Eins. Man verlor fast die Orientierung, glaubte zu schweben. Ich hatte so eine Stimmung im Watt noch nicht erlebt.

Schweben...

Als wäre dieses Schauspiel nicht schon Inszenierung genug, zog auch noch eine große Formation an Gänsen über mich hinweg und erfüllte die bis dahin lautlose Szene mit Ihrem so typische „Gesang“.  Das war Gänsehaut pur (welch blödes Wortspiel, aber so war es!).
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Und nächstes Mal am Böhler Strand wird es wieder ganz anders…