Zwischen zwei Schneeschauern – Sonne tanken in SPO

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Der April macht seinem Motto alle Ehre in diesem Jahr, denn er macht, was er will. Und er will viel, er will alles. Schnee und Frost, Sonne, Wind und Wolken. Der Wettermonat lässt in diesem Jahr aber auch nichts aus.

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Wer ein wenig Sonne tanken mochte, zum Beispiel in Stankt Peter am Strand – genauer gesagt war ich bei der letzten Strandüberfahrt – der muss spontan und optimistisch sein. Mit Schneeflocken bin ich losgefahren und wurde mit herrlichem Sonnenschein und einer glitzernden Nordsee belohnt.

So ein kleines Sonnefenster hat den Vorteil, dass sich noch nicht so viele Besucher am Strand tummeln und man die Weite weitestgehend für sich allein hat. Und trotz bedrohlich dunkler Wolkenfetzen am Horizont blieb ich trocken.

Im Frühjahr sauge ich Sonne wie ein ausgetrockneter Schwamm. Nichts wärmt so wie die ersten Sonnenstrahlen, lässt den immer noch eisigen Ostwind vergessen. Beschwingt laufe ich mir die Winterträgheit aus den Knochen. Jeder Schitt, jeder Atemzug macht glücklich.

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Auf der Heimfahrt fiel tatsächlich wieder etwas Schnee. Aber die Wetterexperten haben uns versprochen, dass nun Geschichte ist mit Winter und wir uns auf ein warmes, sonniges Ostern freuen dürfen.

Also dann, sonnige Ostern und fahrt auch mal ans Wasser!

 

 

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Watt & Meer Blog-Kalender – März 2019

Der März steht für Frühling, für erstes Grün, erste zweistellige Temperaturen, Vogelzwitschern,  Krokus-Bunt und leuchtende Osterglocken in den Gärten.

Und auch auf unseren Deichen sind die Frühlingsboten zu beobachten.

März

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Lamm am Deich – Katinger Watt

Die Lämmer sind zur Zeit die Attraktion auf unseren Wiesen und Deichen hier oben an der Westküste. Nicht selten unterbrechen Gäste ihren Frühlings-Ausflug spontan, halten an und dann hört man das verzückte „Schau, wie süss!“. Und das sind sie auch!

 

Fundstücke – von Urlaub, Freundschaft und Bratlingen

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Es ist ja nicht so, dass ich nicht in den Urlaub fahre. Aber ich muss schon feststellen, dass ich in den letzten Jahren eher selten im Urlaub war.

Schließlich lebe ich da, wo andere Urlaub machen, habe St. Peter Ording, das Watt und die Nordsee vor der Tür und genieße dieses Glück in vollen Zügen.

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Vielleicht ist deswegen meine Sehnsucht nach Badeferien am Mittelmeer oder Wanderwochen in den Bergen nicht sehr ausgeprägt. Aber es gibt schon Sehnsüchte, die sofort wieder einsetzen, sobald ich auf dem Heimweg bin.

Zum Beispiel auf der Fähre von Helgoland (ich bin bekennend Helgoland-verliebt) oder beim Packen nach einer Woche Dänemark.

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Mein allererster Dänemarkurlaub liegt Jahrzehnte zurück. Mit einer Clique Freunden über Sylvester. Zwei Häuser mussten wir mieten, so viele waren wir. Dann gab es ein paar Jahre ohne Dänemark und schließlich habe ich es für die Winterzeit neu entdeckt.

Nicht mit dem Partner, nicht in der Gruppe, sondern mit der besten Freundin. Das Haus in den Dünen, leere Strände und die Freundin – meine perfekte Urlaubskonstellation.

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Ich glaube, für Dänemark im Winter muss man entweder frisch verliebt sein oder eben mit der allerbeste Freundin anreisen (vielleicht geht auch allein, aber das habe ich noch nicht probiert).

Wer im Winter an die See fährt, wird wenig Unterhaltung oder Abwechslung finden.

Im Winter an der See sind die eigenen Sinne gefragt. Sich öffnen für den Zauber des Meeres. Für das Rauschen der Wellen, das Schreien der Möwen aber auch für die Stille. Für den salzigen Geschmack auf den gischt-nassen Lippen, für dem Geruch des Meeres.

Für die kleinen Dinge, für Weite, Licht und auch mal Sternenhimmel.

Einen Regenbogen entdecken und zusammen bestaunen, gemeinsam über den Hund lachen, der mit Stock und Schaum kämpft, mit kindlicher Freude die eigenen kleinen Standfunde bewundern lassen, miteinander der untergehenden Sonne nachschauen.

Eine wirklich gute Freundin ist eine Kostbarkeit, ein Geschenk, das man sich nicht suchen, aber das man finden kann.

Vor fast 20 Jahren sind wir das erste Mal an die dänische Westküste gefahren. Unsere „weißt-du-noch-Liste“ ist mittlerweile ganz schön lang geworden.

Und wenn wir wieder zusammen am Strand laufen, ist das ein Gefühl, als wäre der erste Urlaub erst gestern gewesen.

Dänisches Weißbrot und Makrelensalat zum Frühstück, frisch gebackene Pancakes mit Blaubeermarmelade zum Cappuccino und gemeinsames Kochen am Abend. Wir haben so über die Jahre unsere Rituale entwickelt, als würden wir schon immer zusammenleben.

Wir bringen uns gegenseitig Tulpen mit und stellen beide Sträuße in eine Vase, essen am ersten Abend Muscheln mit Käsesoße aber probieren auch mal Neues. Jetzt im Februar war es ein Rezept, das die Freundin gefunden hatte.

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Nicht im Netz oder in einem Kochbuch sondern auf einem Schmierzettel, der irgendwo vergessen wurde. Auch so ein Fundstück. Was liegt also näher, als die Bratlinge des gefundenen Rezeptes „Fundstücke“ zu nennen und an einem Abend „Fundstücke mit Ingwer-Möhren“ auszuprobieren.

Für die „Fundstücke“ baucht Ihr

3 Möhren
250 g kernige Haferflocken
250 g Kräuterquark
2 rote Zwiebeln
175g geriebenen Emmentaler
1 Bund Lauchzwiebeln
1 Päckchen TK Gartenkräuter
3 Eier
1 Tl. Salz, etwas Pfeffer

Die Möhren raspeln, die Zwiebeln klein schneiden und alle Zutaten in eine große Schüssel geben. Nun mit angefeuchteten Händen beherzt vermengen und die Masse 2 Stunden stehen lassen. Die Haferflocken sollen schön durchweichen. Anschließend nicht zu große Bratlinge formen und in einer Pfanne auf beiden Seiten goldbraun braten.

(Diese Fundstücke machen sehr satt und die Menge reicht locker für 4 Personen. Was übrig bleibt, schmeckt am nächsten Tage auch kalt aus der Hand genascht.)

Ingwer-Möhren

1 Bund Möhren
2 El. braunen Zucker
Butter
1 Orange
1 Stück Ingwer

Die Möhren putzen und in Scheiben schneiden. In einem Topf Butter schmelzen und den braunen Zucker in der Butter karamellisieren. Die Möhrenscheiben hinzugeben, gut mit der Karamellmasse verrühren und etwas andünsten lassen. Eine Tasse Wasser dazugeben und die Möhren weichschmoren.

Anschließend den Saft von der Orange angießen und das Stück Ingwer hineinreiben. Mit etwas Salz und Pfeffer abschmecken.

Noch ein schönes Glas Prosecco dazu (wer mag, kann sich noch einen Quark-Dip anrühren oder einen grünen Salat anmachen) und das Abendessen ist perfekt.

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„Und nachher schauen wir noch mal, ob da draußen das Meer noch rauscht und die Sterne wieder funkeln, ja?“ Mit einer besten Feundin ist man sich sofort einig.

 

Watt & Meer Blog-Kalender – Februar 2019

Es gibt diese Wintertage, an denen Sonne vorhergesagt wurde, sie es aber direkt an der Nordsee nicht durch den Seenebel schafft. Es gab schon Tage, an denen nur ein paar Kilometer weiter landeinwärts der herrlichste Sonnenschein am blauen Himmel strahlte, wir im Koog jedoch einfach im Nebel stecken blieben. Den ganzen Tag grau in grau.

Umso schöner war dieser Februarmorgen, an dem noch leichter Raureif das Land überzog, die Nebelschwaden sich ganz langsam lichteten und die aufgehende Sonne hindurchließen.

Februar

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Sonnenaufgang im Nebel,  Wesselburenerkoog, Nordsee

Nur für einige kurze Augenblicke verzauberten Sonne und Nebel ein paar kahle Bäume und eine alte Gartenpforte in einen mystischen Märchenwald.

In mein Februar-Kalenderbild.

Abendstimmung am Meer – mit dem Licht gespielt

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Wenn die Sonne abends an der dänischen Nordseeküste untergeht und ihr Weg ins Meer nicht wolkenverhangen ist, dann taucht sie die Dünen und den Strand in ein ganz besonderes Licht.

Dann leuchtet das trockene Dünengras bernsteinfarben (so wir die Heideflächen und die Kuschelkühe am Morgen im Sonnenaufgang geleuchtet haben). Ein warmes, zärtliches Licht, das die Seele streichelt.

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Der Strandsand, der am Mittag noch hellweiß in der hochstehenden Sonne erstrahlte,  schimmert in einem warmen, erdigen Braun, das Meer glitzert stählern Blau in den tief einfallenden, letzten Sonnenstrahlen.

Das Licht am Abend zeichnet Bilder, die so wunderschön wie vergänglich sind.

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Letztes Jahr im Januar hatte ich eine Woche lang vergeblich auf einen Sonnenuntergang mit Abendrot gehofft.

In diesem Februar, in dem ich wieder in Bjerregaards Nordseedünen eine Auszeitwoche genießen durfte, hat die Sonne gleich am ersten Abend Versäumtes nachgeholt.

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Es macht mir nicht viel aus, bei Sturm oder Kälte, dick eingepackt, am Strand zu laufen. Vermeintlich schlechtes Wetter, dunkle Wolken, ja sogar ganz dunkle Tage, können dem Meer die Faszination nicht nehmen.

Auch ohne Urlaub gibt es Tage, an denen ich nicht „trotz“, sondern „wegen“ des Wetters noch mal an den Strand fahre. An solchen Tagen ist man fast allein mit der tosenden See und dem peitschenden Wind. Auch wenn es etwas abgedroschen klingen mag, das macht den Kopf so herrlich frei.

Aber zugegeben, Licht und Sonne sind doch schöner. Wenn die letzten Strahlen der Sonne auf dem Meer tänzeln und glitzern, wenn das Licht mit Farbe spielt, es langsam immer dunkler und funkelnder wird, dann werde auch ich tänzelnd leicht und schwebe in die Nacht.

Abstimmung am Meer kann mich mit einem ganzen Tag versöhnen (auch wenn das meistens garnicht nötig ist).

Dabei ist es (fast) egal, ob ich mit nackten Füssen im noch warmen Sand stehe oder mit klammen Fingern die Kamera halte. Und vielleicht werdet ihr mir das nicht so recht glauben wollen, aber ich habe mich auch schon in Sonnenuntergängen verloren, ohne sie „einfangen und abspeichern“ zu wollen.

Die Stimmung, das Licht, die Bilder einfach nur in mir aufgenommen und wirken gelassen. Ganz ohne ein einziges Foto.

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Abendstimmung am Meer. Das ist für mich der finale Paukenschlag eines Tages, der noch lange nachhallt, immer leiser schwingt bis der letzte Ton verstummt. Bis die Sonne im Meer versinkt.

Dänemark im Februar – das Beste zuerst

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Lange stand sie ganz oben auf meiner „beliebte Beiträge“-Liste, die Auszeit in den Dünen Dänemarks im Januar letzten Jahres. Fast zeitgleich wurde sie von „Neujahr in St. Peter Ording“ abgelöst und ich habe mir erneute eine Auszeit in den Dünen gegönnt.

Der Februar unterscheidet sich nicht sonderlich vom Januar, wenn es um Wetter an der Nordsee geht. Realistischerweise erwartet man Regen, Wind, vielleicht sogar Sturm und  hofft doch insgeheim auf ein paar sonnige Tage.

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Im letzten Jahr wurden wir am letzten Tag mit Sonne belohnt, kam das Beste zum Schluss. In diesem Februar begrüßte uns gleich der erste Morgen an der dänischen Westküste mit Himmelblau und strahlender Sonne. Welch ein Auftakt!

Noch lag etwas Dunst auf den leicht übergefrorenen Heideflächen gleich hinter unserer Holzhütte. Wollige Kuschelkühe leuchteten bernsteinfarben in der aufgehenden Sonne. Welch eine Begrüßung!

Einer der schönsten Momente am Meer ist der erste Blick über den Deich oder über die Düne. Deichnähe ist mir schon bei der Buchung des Ferienhauses wichtig.

Nicht etwa, weil ich gehfaul bin, sondern weil die Chance besteht, das Wellenrauschen sogar im Bett hören zu können. Es gibt nichts Schöneres, als mit dem Rauschen der See im Ohr einzuschlafen.

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Und es gibt eben auch nichts Schöneres, diesem Rauschen entgegen zu gehen, auf der Düne zu stehen und mit den Augen in die Wellen einzutauchen.

Einen gerade erst erwachten Sonnentag vor sich zu haben, alle Zeit der Welt um am Strand zu laufen, in die Wellen zu schauen, den frischen Südwind tief einzuatmen und die Gedanken auf die Reise zum Horizont zu schicken.

Die Weite zu spüren und die einkehrende Ruhe in sich aufzunehmen.

Ruhe wird an der gesamten Nordsee im Februar ganz groß geschrieben. Die Strände sind einsam, viele Geschäfte haben geschlossen, die meisten Ferienhäuser stehen leer.

Es ist die Zeit um Kraft zu tanken für den bevorstehenden Frühling, den nächsten Sommer, den kommenden Herbst. Jetzt im Februar kann man alles ganz langsam angehen. Bloß keine Eile, es ist noch so viel Zeit.

Und wir haben erst Tag eins einer ganzen Urlaubswoche in Dänemark. Noch so viel Zeit.

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Mit Freundin Kerstin und Hund Frieda schlendern wir mehr, als das wir Laufen. Zwischendurch den Blick immer mal wieder den Strandsand absuchend, nach Lochsteinen, den sogenannten Hühnergöttern, nach weißen Kieseln und nach buntem Scherbenglas.

Gedankenverloren ziehen wir den Strand entlang, füllen unsere Jackentaschen mit kleinen Fundstücken, mit Auszeitschätzen, die uns später auf der heimischen Fensterbank an das Meer erinnern werden.

Zeitvergessen laufen wir am Gischt-Saum entlang. Vor uns ist kein Mensch zu sehen, der Strand wirkt endlos. Endlos wie das Meer, das schon immer, das jetzt und das auch morgen, mal sanft, mal wild, auf den Strandsand rollt.

Irgendwie empfinde ich diesen Gedanken tröstlich. So vieles kommt und geht, aber das Meer rollt unbeeindruckt weiter auf den Strand. Das Meer in seiner Unendlichkeit macht mich ganz klein und gross zugleich.

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Irgendwann – wie lange sind wir schon unterwegs? – erinnert Frieda uns an den Rückweg.

Zurück geht es Richtung Süden, dahin, von wo der steife, kalte Wind herkommt, der uns, trotz (oder wegen) Sonne, die Tränen in die Augen treibt. Vielleicht wäre eine Sonnenbrille hilfreich gewesen, doch wer denkt schon im Februar an sowas?

Die Beine werden langsam schwer (meine, nicht die der Freundin) und ich freue ich auf einen warmen Kaffee am knisternden Ofen.

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Aber am Nachmittag gehen wir noch mal los, ja? Es gibt bestimmt einen traumhaften Sonnenuntergang!

Watt & Meer Blog-Kalender – Januar 2019

Habt Ihr schon mal einen Jahres-Kalender selbst gestaltet? Früher (und heute sicher auch noch) gab es leere Fotokalender aus schwarzem Karton, in die man seine schönsten Fotos klebte. Heute gestaltet man so etwas über diverse Online-Dienste. Es gibt sogar welche, die auf Bestellung, also „on demand“ drucken.

Zum Beispiel hat „Meermalerin“ Julia vom Blog Meermalen ihre stimmungsvollen Helgoland-Aquarelle zu einem 2019er Kalender zusammengestellt, den man (ich glaube noch) käuflich erwerben kann.

Aber welche Variante man auch wählt, es ist spätestens im Dezember eine fast unüberschaubare Aufgabe, sich aus all den Fotos (oder Bildern), die man so über‘s Jahr gesammelt hat, die schönsten auszuwählen.

Klar im Vorteil ist, wer gut vorbereitet! Also habe ich mir überlegt, mich in diesem Jahr bereits an jedem letzten Donnerstag des Monats für mein Kalenderbild zu entscheiden.

Januar

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Sonnenuntergang, Wesselburenerkoog, Nordsee

Und wer weiß, vielleicht wird mein Watt & Meer Blog-Kalender ja so schön, dass ich ihn in 2020 an der Wand hängen haben werde?

Helgoland – Inselrundfahrt mit Sonne

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Wo wir schon mal da sind, so in Gedanken (auf Helgoland, meine ich), können wir uns auch gleich noch einer Inselrundfahrt anschließen. Einer Rundfahrt per Boot, versteht sich.

Wer schon mal mit dem Schiff nach Helgoland gefahren ist, der kennt sicher den spannenden Moment, an dem die verschwommenen Umrisse der Hochsee-Insel erstmals am Horizont zu erahnen sind, dann immer grösser und klarer werden, bis man Oberland und Unterland deutlich ausmachen kann.

Wie die Insel aber von der anderen Seite aussieht, kann man nur bei einer Inselrundfahrt erkunden.

Los geht’s mit der Rundfahrt im Osthafen, in dem es deutlich beschaulicher zugeht als im Südhafen, in dem sich die Segeljachten oft ganz schön drängeln müssen. Die Osthafen-Marina wird hauptsächlich von Mitgliedern des angeschlossenen Yachtclubs genutzt, und von den Rundfahrt-Booten.

Erster Anlaufpunkt ist natürlich die Lange Anna, das Wahrzeichen der roten Insel, die man sonst nur von oben zu sehen bekommt. Das Boot muss allerdings einen sehr großen Bogen um die markante Bundsandstein-Formation machen, denn Untiefen durch Fels und Geröllabbruch machen ein näheres Heranfahren zu gefährlich.

An Bord werden Ferngläser ausgegeben, um den Lummen- und Basstölpel-Felsen näher zu holen. Auch ein Zoom ist hilfreich, wenn man ein paar schöne Fotos machen möchte.

Von oben, von dem benachbarten Klippenende des Oberlandes, bleibt dem Betrachter auch verborgen, dass die Lange Anna eine kleine Schwester hat. Schlank und fragil steht die Kurze Anna, die erst 1976 durch einen Felsabbruch entstand, ganz dicht am Helgoländer Felssockel. Gerade so, als suche sie Schutz beim grossen Bruder.

Erreicht man die Südspitze Helgolands, geht’s um die weit ins Meer hinausragenden Hafenanlagen.

Hier erhascht man noch mal einen letzten Blick auf die Anna, schippert durch den Südhafen, erfährt dort, dass der silbrige Riesen-Pilz kein Raumschiff sondern der Meerwasserturm der Biologische Anstalt Helgolands ist.

Weiter führt der Kurs vorbei an der Düne, ihrem Südstrand, dem kleinen rot-weißen Leuchtturm, den auf Reede liegenden Fährschiffen bis der Blick wieder auf Bekanntes stösst.

Der schon bekannte Anblick, das sind die bunten Hummerbuden und die weißen Fronten der aneinandergereihten Hotels mit Balkon und Meerblick, direkt am Hafen.

Für den Übernachtungsgast habe ich da gleich noch einen Tipp (den ich gerne schon vorher gehabt hätte): „Mittwochs nie!“

Denn wer einen netten Abend in dem nicht nur unter Seglern wohl bekanntesten und beliebtesten Lokals auf Helgoland, der „Bunten Kuh“, verbringen möchte, sollte sich nicht den Mittwoch aussuchen. Denn mittwochs ist Ruhetag, auch in anderen Lokalen, auch in der Saison.

Da wir aber bereits Donnerstag hatten, war die „Bunte Kuh“ wieder geöffnet und mir ein Fischteller und ein kühles Helles gegönnt. Besser kann man so einen sonnigen Seefahrer-Nachmittag nicht ausklingen lassen.

Helgoland – die Düne gehört den Kegelrobben

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Nass, kalt, windig, grau – wer behauptet eigentlich, der November bringt den Blues? Ich finde ja unser Januar, jedenfalls der hier oben an der Nordsee, läuft dem Ruf des Nebelmonats gerade den Rang ab. Rausgehen ist nur noch was für hartgesottene Wetterignoranten.

Also schwelgen wir doch einfach mal in Erinnerungen und schippern nach Helgoland. So geschehen im August letzten Jahres.

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Ich glaube, ich hab’s schon mal geschrieben: wer Helgoland erleben möchte, sollte versuchen, wenigstens zweimal zu Übernachten. Denn erst wenn die Tagesgäste wieder mit den Schiffen auf dem Heimweg sind, wird’s ruhig und man spürt das wahre Inselfeeling. Abends ist man auf Helgoland unter sich.

Übernachten hat aber nicht nur am Abend Vorteile, auch der nächste Morgen beginnt ruhig und entspannt und ist die beste Zeit, um die Kegelrobben auf der Düne zu besuchen. Die kleine Dünenfähre ist noch weitgehenst leer, der Strand auf der Düne sowieso.

Das scheinen auch die Kegelrobben zu wissen, denn sie liegen, wie die Perlen auf der Schnur, an der Wasserkante und dösen genüsslich vor sich hin.

Mal grunzt eine, mal juckt es einer anderen irgendwo, mal wird ein Auge riskiert. Gäste halten mindestens 30 Meter Abstand, so ist die Regel, und wenn sich jeder daran hält, wird die Fluchtdistanz der Robben nicht unterschritten und man kann sie wunderbar beobachten.

Möwen kennen keine Regeln, aber Robben kennen Möwen und lassen sich von den lauten, quirligen Wasservögeln nicht aus der Ruhe bringen.

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Auf der Düne unterscheidet man den rauen Nordstrand, der als sehr „robbensicher“ gilt, und den deutlich seichteren Südstrand, der hauptsächlich von Badegästen frequentiert wird. Aber auch am Südstrand tummeln sich die Robben regelmäßig.

Hier wird von den Rangern besonders darauf geachtet, dass die Tiere nicht gestört werden und auch schon mal Flatterband eingesetzt, um uneinsichtige Badegäste auf Abstand zu halten.

Kegelrobben sind niedlich anzusehen, mit ihren dunklen Knopfaugen, aber man sollte nie vergessen, es sind Raubtiere.

Auf der Niedlichkeitsskala ganz oben rangieren ja die kleinen Robbenbabys. Sie werden tatsächlich im Dezember und Januar geboren und liegen dann noch schwimmunfähig am Nordstrand der Düne. Ohne die Robbenkinderstube unnötig zu stören, haben Besucher dann einen guten Blick von den eigens eingerichteten Aussichtsplattformen.

Und wenn die letzte Dünenfähre im Winter bereits um 16 Uhr Richtung Hauptinsel ablegt, gehört die Düne wieder ganz den Kegelrobben und ihrem niedlichen Nachwuchs.

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Wer gerne die süßen Robbenkinder beobachten möchte, kann in den Wintermonaten nur mit der Fähre von Cuxhaven nach Helgoland übersetzen. Alle anderen Fährverbindungen haben Winterpause.

Ich werd’s in diesem Winter wohl nicht mehr schaffen, aber so ein Besuch steht ganz oben auf meiner Liste.

SnapShots – Glutrot in die Nacht

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Schon der dritte Tag im neuen Jahr spielte mit dem Feuer. Bereits am Nachmittag des 3. Januar, ein fast wolkenloser Tag mit klarer Luft, war abzusehen, dass der Sonnenuntergang spektakulär werden würde.

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Punkt vier habe ich den Stift fallen gelassen und bin (aber auch sowas von) schnell an den Deich – gerade noch rechtzeitig, um den Feuerball im Meer versinken zu sehen.

 

Beim Eintauchen ins Meeer „dippt“ die Sonne sogar (man sagt „dippen“, wenn die Kugel an den Seiten immer breiter wird – hat mir mal jemand erzählt…?) bis nur noch ein schmaler, gleissender Streifen am Horizont leuchtet.

 

Die Sonne geht, das Abendrot kommt, wird immer intensiver und spiegelt sich in den fast leergelaufenen Wattflächen.

Letzte Vogelschwärme ziehen in ihre Schlafquartiere, ein einsamer Radler hält auf dem Deich und schaut, wie ich, der Sonne nach.

Glutrot verabschiedet sich dieser Tag in die Nacht.

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Durchgefrohren aber tief bewegt und glücklich verabschiedete auch ich mich vom Meer, vom Deich und von dem Tag.