Zwölf Tage und ein Weihnachtsgeschenk

2008 046

Nun haben wir schon den zweiten Advent hinter uns, das zweite Licht hat schon gebrannt und die Tage bis zum Fest fangen an zu fliegen.

Unsere lokale Zeitung hat jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit oben rechts auf der Titelseite einen kleinen Weihnachtsmann abgebildet. Er verkündet freudig, wie viele Tage es noch sind bis Weihnachten.

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Ich weiß nicht, was die Redaktion ihren Lesern damit sagen will. Will sie uns in stetig wachsende Vorfreude versetzen oder uns mit den immer weniger verbleibenden Tagen stressen? Ich jedenfalls hab‘ diesen täglichen Count-down noch nie gemocht.

Noch zwölf Tage und dann muss alles perfekt sein. Der Baum und das Menü stehen, die Geschenke verpackt sein und die Stimmung besinnlich. Und bitte keine Panik, das lässt sich alles noch locker schaffen.

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Aber es geht auch ganz anders. Wir haben gerade Gäste, ein bezauberndes Pärchen aus dem Süden der Republik, aus einer Gegend, in der schon der erste Schnee lag.

„Ach wie schön, da möchte man Weihnachten verbringen“, denkt ihr jetzt vielleicht. Aber was machen die Zwei? Sie kommen tatsächlich den ganzen Dezember zu uns hier hoch an die Nordsee.

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Sie kommen ganz ohne Baum, Menü, Geschenke und Besinnlichkeit. Dafür aber mit so viel Vergnügen an Wetter, Wellen und Weite. Jeden Tag sind sie unterwegs und genießen die leeren Strände, den kalten Wind und die jetzt noch kargere Landschaft.

Wenn sie gegen Abend „nach Hause“ kommen, mit roten Wangen und leuchtenden Augen, dann sieht man ihnen die Freude an.

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Ihre Kinder sind schon lange aus dem Haus, auch die Enkel haben bereits andere Weihnachtspläne und die beiden Rentner entschieden sich für ihr eigenes, ganz persönliches Festtagsgeschenk.

Sie lieben die Nordsee und erfüllen sich einen schon so lange geträumten Traum: einmal den Winter hier oben verleben.

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Sie erwarten kein Winterwunderland, sie kamen mit ganz realistischen Vorstellungen von der Nordsee zu dieser Jahreszeit. Sie wissen, unser Winter ist nicht schnee-romantisch. Sie wissen, er ist rau, er ist kalt und er kann unbarmherzig sein.

Und Sie wissen, Sturm und Regen gehören dazu.

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Sie sind glücklich und dankbar, dass Sie nach einem arbeitsreichen Leben ein annehmbares Auskommen haben und dass sie noch immer so gut laufen können. Sie bummeln nicht über die Weihnachtsmärkte oder durch die weihnachtlich glitzernden Einkaufspassagen.

Ihr tägliches Ziel ist der Weg durch die Natur. Stundenlang erlaufen sie sich die spröde Schönheit unserer einsamen, grauen Landschaft.

Sie werden auch den Gänsebraten nicht vermissen, sie freuen sich auf Marsch-Kartoffeln und Matjes.

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Sie geben zu, dass es Ihnen in den ersten Tagen noch recht ungewohnt war, nach dem Frühstück keine wartenden Verpflichtungen zu haben. Aber sie sagen auch, dass es Ihnen mit jedem Tag ein wenig leichter fällt, nichts zu müssen sondern einfach nur zu sein.

Es sind noch zwölf Tage bis Weihnachten, und wenn Ihnen das nicht reicht, um ganz anzukommen, dann macht das auch nichts. Sie bleiben ja noch den ganzen Januar.

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Auch Euch wünsche ich eine entspannte Adventszeit, schöne Festtage und macht Euch keinen Stress. Nicht jedes Weihnachtsgeschenk braucht Glanzpapier und Schleifenband.

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#Novemberglück – Sundown zur Kaffeezeit

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Jetzt im November verabschieden sich die Tage früh. Zur Kaffeezeit beginnt es zu dämmern und man kann schon gerne eine Kerze auf dem Kaffeetisch anzünden. So für die innere Gemütlichkeit.

Aber man kann sich auch noch mal schnell in die warmen Klamotten schmeißen und draußen den Sonnenuntergang aufsuchen.

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In diesem November gab es bereits eine ganze Anzahl von Tagen, an denen sich die Sonne sehr spektakulär für die Nacht verabschiedet hat. Eines dieser Schauspiele habe ich eingefangen.

Es immer wieder die gleiche Stelle, am Eidersperrwerk, und doch sieht es immer wieder anders aus.

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Mal fällt der blutrote Sonnenball einfach ins Meer, mal verschwindet er hinter Horizontwolken. Mal spiegelt sich das gleißende Licht in einem langen Schweif auf dem Wasser, mal zeichnet sich eine Explosion von Gelb und Rot in den Himmel und auf das Meer.

Mal sind es auch die sanften Farben, die den Ton angeben. Und immer ist es wunderschön.

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Mich lässt jeder Sonnenuntergang ehrfurchtsvoll staunen.

Auch wenn die Sonne unbestritten jeden Tag untergeht, so kann ich doch sagen, dass ich in keinem anderen Monat ein prächtiges Abendrot so bewusst erlebe und genieße wie gerade im November.

Als würde uns der November mit ein paar ergreifenden Abendstunden für die grauen Tage entschädigen wollen. Bei mir funktioniert es. „Sundown zur Kaffeezeit“ ist für mich #Novemberglück.

Die Blogparade #Novemberglück kommt aus der Feder von Lutz Pauser,  alle bisherigen Beiträge findet Ihr hier (Klick).

Schiff Ahoi – Pötte gucken in Brunsbüttel

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Brunsbüttel ist für mich ein wenig wie Bielefeld. Klar, die Kanalschleusen von Brunsbüttel sind ein Begriff, die dicken Pötte, die dort in die Elbe oder Richtung Ostsee geschleust werden, auch.

Sogar die Postleitzahl von Brunsbüttel ist mir geläufig (seit der Kabarettist Christoph Weiherer dazu aufrief, an der Supermarkt- Kasse immer mit 25541 zu antworten).

Aber die Stadt Brunsbüttel selbst? Gibt es die auch?

Ja, doch, und man könnte fast sagen, Brunsbüttel gibt es sogar zweimal, denn der Nord-Ostsee Kanal schneidet die Stadt in zwei Teile, in Brunsbüttel Nord und Süd.

Und wer nun nach Brunsbüttel Süd möchte und aus dem Norden kommt, der muss erst einmal über den Kanal. Bei Ostermoor gibt es eine Fähre, die, je nach Bedarf auch im Minuten-Takt, Fahrzeuge und Personen kostenlos auf die gegenüberliegende Seite schippert.

Man kann natürlich auch die Kanal-Brücke nehmen, aber die kurze Fährfahrt ist die deutlich charmantere Variante für einen Sonntagsausflug.

Zum Pötte gucken lässt man die eigentliche Stadt tatsächlich auf der anderen Kanalseite liegen und parkt am besten gleich an den Kanal-Schleusen in Süd. Von dort sind es nur ein paar Schritte zur Schleuseneinfahrt und man taucht fast unmittelbar ein in die maritime Szenerie.

Die Lotsenboote, zwei sind sogar benannt nach den Kreisen Dithmarschen und Steinburg, kreuzen geschäftig hin und her. Insgesamt vier Leuchttürme weisen den Schiffen ihren Weg.

Besonders reizvoll ist der kleine schwarz-weiße Turm am Ende der südlichen Mole. Er zeigte, genau wie sein rotes Pendant auf der nördlichen Mole, schon bei der Einweihung des Kanals 1895 sein Licht für die durchfahrenden Schiffe.

Man kann ihn zu Fuß umrunden und hat vom Molenkopf aus einem herrlichen Blick in die Elbmündung. Den dicken Pötten, deren Konturen zahlreich am Horizont auszumachen sind, ist es auf den ersten Blick nicht anzusehen, ob sie kommen oder fahren.

Ein dritter Backstein-Leuchtturm wurde 1992 durch den griechischen Holzfrachter Pallas trotz Lotsen- und Schlepperhilfe so stark gerammt, daß er abgerissen werden musste. Nach der Reparatur der Mole wurde ein Stahlturm aufgestellt.

(Es war übrigens genau die Pallas, die jetzt im Herbst vor 20 Jahren in Brand geriet, vor Amrum strandete und eine schreckliche Ölpest im Wattenmeer verursachte).

Ein wahrlich glückloses Schiff.

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Wir waren an diesem Sonntag nicht glücklos, auch wenn es sich jenseits der Elbe schon fast bedrohlich zuzog. Auf unserer Elb-Seite schien immer noch die Sonne, war der Himmel immer noch blau.

Nur der Ostwind kam so eisig daher, dass es einem die Tränen in die Augen trieb.

Ach, wie gerne hätte ich mich auf eine der Deich-Bänke gesetzt, noch ein wenig Schiffchen geschaut und von der weiten Welt geträumt.

Aber mit tränenden Augen träumt es sich schlecht.

Wenn man jedoch Schaf ist, in Brunsbüttel, dann kann man den ganzen Tag Pötte gucken und von der weiten Welt träumen.

Alle Nicht-Schafe können sich auf dem Rückweg in Gudendorf im Dithmarscher Gänsemarkt bei einer frischen Waffel mit heißen Pflaumen und einem Diplomatenkaffee (Eierlikör macht den Diplomaten) aufwärmen.

Früh genug dunkel wird es ja jetzt für das vorweihnachtliche Ambiente in der Gänse-Scheune.

 

Ein Tag geht – Abendstimmung am Eidersperrwerk

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Die Tage werden merklich kürzer, die Sonne verabschiedet sich täglich etwas früher.

Ich mag diese Zeit im Jahr, in der man nach getaner Arbeit noch die letzten Sonnenstrahlen und dann die aufkommende Abendstimmung am Wasser genießen kann.

Auch wenn die Sonne kaum noch wärmt, Ihr helles Licht hebt noch einmal die Stimmung, lässt noch einmal kurz ein Sommergefühl aufflackern.

Ganz langsam schickt sie den Tag auf die Reise, übermalt Vitalität mit Gemütlichkeit, Lebensfreude mit wohliger Melancholie.

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Je weiter die Sonne sinkt, umso weicher werden die Konturen und umso wärmer erscheint das Licht.

Der eben noch stahlblaue Himmel färbt sich langsam hellblau bis grau, in den Wolken schimmern die letzten Sonnenstrahlen in einem milchig-gelben Farbton. Das Wasser glitzert silbrig.

Der Tag verneigt sich vor dem Abend.

Zwei Krabbenkutter kommen vom Fang zurück. Vielleicht war es ein guter Tag für sie.

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Mit dem Blick übers Wasser lasse auch ich meinen Tag Revue passieren. Es war kein besonderer Tag, nur ein Alltag, aber auch kein schlechter.

„Dann war es wohl ein guter Tag“, beschliesse ich.

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Das ablaufende Wasser kräuselt sich lautlos und gelbschimmernd auf seinem Weg in den Priel, fließt dem Horizont entgegen.

Ein paar Enten lassen sich im Priel treiben, suchen sich Schlafplätze auf dem trocken fallenden Watt.

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Ein einsamer grauer Herr steht regungslos im seichten Wasser, schaut dem Tag hinterher, scheint fast vor der Nacht zu frösteln.

Bei meinem zweiten Blick in seine Richtung hat er sich von der untergehenden Sonne abgewendet, hebt langsam ein Bein und – ich hätte es ahnen können – fliegt mit weiten, kraftvollen Flügelschlägen in den Abendhimmel.

Ich habe es nicht geahnt, bin viel zu langsam gewesen. Mein letztes Bild von Ihm zeigt den leeren, grauen Himmel.

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Dann legt sich ganz friedlich die Nacht über den Tag, es wird still. Auch ich werde innerlich still, lasse mich mitnehmen vom schwindenden Licht.

SnapShots – Hinter’m Sperrwerk

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Sie ist nicht wirklich der HotSpot der Nordseeküste, die Bucht hinter dem Eidersperrwerk. Der Eiderdamm Nord dominiert diesen Küstenabschnitt mit viel Beton und Stein. Wer aber gern mit dem Meer, den Wolken und unseren Wattvögeln allein ist, der ist hier richtig.

Selten verirren sich Spaziergänger hinters Sperrwerk, und wenn, dann nur, um mal kurz über den Deich zu schauen.

Sehr beliebt ist der hintere Bogen des Dammes bei den Austernfischer, die die Tarnung zwischen den vermörtelten Schüttsteinen geschickt nutzen und sich hier, vor allem im Herbst, ausruhen.

Dicht an dicht hocken die Wattvögel beisammen, lassen sich von den letzten warmen Sonnenstrahlen aufwärmen, stecken ihre roten Schnäbel unter die schwarzen Flügel und halten ein Nickerchen.

Richtig toll sieht es aus, wenn ein ganzer Schwarm gemeinsam aufsteigt und ihre weißen Unterseiten aus der Luft herableuchten. Aber ich würde es nicht übers Herz bringen, sie für solch ein Foto aufzuschrecken.

Sommernachlese: Schwimmen in der Nordsee – in Everschopsiel

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Ohne zu übertreiben kann man den Sommer 2018 als Jahrhundert-Sommer bezeichnen. Sonne seit Mitte April, wenig Wind, kein Sturm, kein Regen.

Ich habe mich in diesem Sommer auf das Nötigste beschränkt; Not-Gießen der Blumentöpfe, den Rest des Gartens Garten sein gelassen, das Kochen eingestellt (bei solchen Temperaturen tut es auch ein Salat) und mich von Badestelle zu Schattenplatz und umgekehrt verholt.

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Sechs Bücher habe ich in diesem Sommer gelesen, ein Rekord – seit Jahren. Zwischendurch immer mal wieder zur Abkühlung unter die Gartendusche gesprungen (sie lag schon zwei Sommer lang ungenutzt im Schuppen), oder ins Schwimmbecken (in meinem Lieblingsbad in Tönning) oder in die Nordsee.

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Nordsee im Sommer geht für mich aber nur etwas abseits der Touristenströme. Neben dem Dünenstrand an der Strandkorbhalle habe ich in diesem Sommer noch so ein (fast) geheimes Plätzchen entdeckt: den kleinen Hafen Everschopsiel ganz „oben“ auf Eiderstedt.

Man folgt der Beschilderung „Osterhever“, biegt dann dort noch einmal rechts ab, fährt (trotz Anlieger-Schild) über den Deich und parkt direkt am Hafenbecken. Alles frei und kostenlos.

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Everschopsiel ist ein Tidehafen. An der einen Seite des Hafenbeckens liegen ein paar Boote, die andere Seite wird von Salzwiesen gesäumt (die in diesem Sommer leider mehr braun als grün waren).

Badezeit ist zwei Stunden vor und nach Hochwasser. Als ich ankam, war die Wiese noch recht leer.

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„Ganz geheim, der Geheimtipp“, dachte ich, doch ich war etwas zu früh. Die Treppe, die am Kopf des Hafens ins Wasser führt, endete noch im Hafenschlick.

Mit jeder Stufe, die die auflaufende Flut eroberte, füllte sich die Badestelle.

In Tetenbüll auf Eiderstedt (hierzu gehören Hafen und Badestelle) kennt man sich und man kennt sich aus. Jeder neue Badegast wird herzlich begrüßt, die Badetücher in langen Reihen oder großen Kreisen ausgelegt, Kaffee und Kuchen ausgepackt.

Die Zeit reicht genau, um die letzten Neuigkeiten auszutauschen, dann hat die Nordsee Schwimmhöhe erreicht.

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Welch ein Luxus, einfach die Stufen ins Wasser hinunter zu gehen und gleich losschwimmen zu können.

Stefanie von „In der Nähe bleiben“ unterschied in Ihrer Sommerliste sehr feinsinnig und zutreffend zwischen „in der Nordsee baden“ und „in der Ostsee schwimmen“. In Everschopsiel kann man tatsächlich in der Nordsee schwimmen.

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Das Wasser ist dunkel (aber sauber), die Sicht reicht nur ein paar Zentimeter. Das muss man mögen. Nicht jeder fühlt sich wohl, wenn er durch unsichtbare Tiefen schwimmt.

Auch ich hatte eine Begegnung der unbekannten Art, etwas streifte mich am Arm.

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Völlig überrascht juchzte ich so laut, dass sich ein Schwimmer vor mir erschrocken umdrehte und nach meinem Befinden erkundigte. „Wohl nur ein Fisch“ beruhigte er mich lachend.

Klar, „nur“ ein Fisch (der tut nichts, der will nur spielen…)  – alles Einstellungssache und bloß nicht zimperlich werden!

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Der sicher auch erschrockene Fisch blieb jedoch meine einzige Begegnung unter Wasser und es war herrlich, aus dem Hafen hinaus der offenen Nordsee entgegen zu schwimmen – das geht aber eben nur bei Flut und nur in Everschopsiel.

Hoch im Norden – St. Peters Dünenstrand

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Außer Blumen gießen und dem Unkraut beim Verwelken zuzuschauen gibt es zurzeit im Garten nichts Dringendes zu tun. Also habe ich mir guten Gewissens einen Strand-Nachmittag gegönnt.

Meist biege ich auf dem Weg an den Nordsee-Strand gleich die erste Möglichkeit links Richtung St. Peter Böhl ab. Diesmal lasse ich Böhl, Ording und Bad links liegen und fahre in SPO Nord unterm Deich weiter.

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Mein Ziel ist der kleine Parkplatz Hungerhamm an der Strandkorbhalle. Hier kostet das Parken 4,- Euro am Tag, aber man kommt wenigstens ohne die lästige Kurtaxe über den Deich.

Erst geht es ein paar Stufen den Deich hinauf und dann führt ein Holzsteg über die Dünen. Und das ist auch das Besondere am nördlichsten Strand von St. Peter.

Die Dünen.

Ein breiter Dünenstreifen umzieht die Eiderstedter Seite der Bucht und er darf zum Teil betreten werden. Vor dem steten Nordseewind geschützt, kann man es sich in einer der Dünen-Mulden so richtig schön gemütlich machen.

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Großartig ist auch der Blick. Rechter Hand auf den Leuchtturm Westerhever, geradeaus auf den Horizont und in die unendliche Weite, linker Hand sieht man die Pfahlbauten von St. Peter Bad.

Der nördlichste St. Peter Strand hat eine Zone, in der Hunde ohne Leine laufen dürfen. Die Zone wird mit roten Hunde- Silhouetten auf hohen Holzpfählen markiert.

Viele Hundehalter zieht es hier hoch, denn auch die Vierbeiner haben ihren Spaß, wenn sie mal ganz ausgelassen durchs Wasser toben dürfen.

Überlaufen ist es aber selten, dafür sind die Bad, Ording und Böhl Strände zu bekannt.

Bei Ebbe breitet sich vor einem eine riesige Sandfläche aus, bei Flut läuft man im knöcheltiefen Wasser. Ich liebe es, durch das seichte, warme Wasser zu laufen und mit den Füssen so richtig schön zu spritzen.

Aus der Ferne ist das Rauschen der offenen See zu hören, am Horizont glitzern die sich brechenden Wellen. Der Weg zur Wasserkante kann gar nicht weit genug sein.

Bei Stefanie habe ich 10 Dinge, die den norddeutschen Sommer ausmachen, entdeckt. „Eine unbekannte Insel erobern“ steht dort als letzter Punkt auf Ihrer Liste. Eine wunderbare Idee.

Wie wäre es mit einer selbstgeschaufelte Insel? Erobern, sich hinaufsetzen und gemeinsam über’s Meer schauen! Gibt es etwas Schöneres?

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Hätte ich nicht meine Kamera und den kleinen Beutel für die Muscheln dabei gehabt (ich muss am Strand immer etwas sammeln), hätte ich Punkt eins von Stefanies Sommerliste bereits abhacken können:

„In der Nordsee baden“.

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Macht aber nichts, der Sommer fängt ja heute erst an.

SnapShots – Meister der Symmetrie

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Kaum einer unserer Küstenbewohner ist so markant wie der Säbelschnäbler mit seinem säbelartigen Schnabel und den langen Beinen. Selten trifft man nur einen dieser Vögel. Sie brüten in Kolonien und leben in einer saisonalen Ehe.

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Säbelschnäbler-Kolonie im Katinger Watt

Und wie ein alt vertrautes Ehepaar staksen sie, Seite an Seite,  durch’s seichte Wasser. Oder sie suchen, dicht aufeinanderfolgend aber trotzdem mit gleichlaufenden Bewegungen, ihr Nistmaterial.

Gerade so, als würden sie an ihrer Synchronchoreographie feilen.

Ein schnelles Bad zwischendurch ist schon erlaubt, nur wenn ein Dritter diese Harmonie stört, dann gibt es echten Streit.

Katinger Watt – mit Tele-Zoom auf Vogelfang

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April, Mai, Juni, das sind für mich die schönsten Monate im Jahr. Nicht nur, dass die Natur erwacht, es überall grünt, wieder warm wird und die Tage länger. In diesen Monaten ist auch die Brutzeit vieler Küstenvögel, die ihren Nachwuchs bei uns an der Nordseeküste großziehen werden.

Das Katinger Watt, mit seinen weiten Wiesen- und Wasserflächen, ist eine der artenreichsten und landschaftlich reizvollsten Kinderstuben. Es liegt quasi vor meiner Haustüre und doch ist es schon erstaunliche zwei Jahre her, dass ich dort die kleinen Graugänse beobachtet habe. Warum eigentlich?

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Vogelbeobachtungshütten im Katinger Watt

Vor meiner ersten Entdeckungstour in die Welt der Graugänse hatte ich mir ein sündhaft teures Tele-Zoom gekauft und tatsächlich ein paar schöne Szenen einfangen können. Doch das Objektiv und ich wurden keine Freunde; zu groß, zu schwer, zu umständlich. Es landete in der sprichwörtlichen Ecke.

Aber das Thema wollte und will mich nicht loslassen. Begeistert (und ein wenig wehmütig) folge ich Tanja oder Cindy und Ihren faszinierenden gefiederten Bildern. Oder Linsenfutter. Und bei Linsenfutter lief sie mir über den Weg. „Das ist es!“, wusste ich sofort.

Das ungeliebte Tele ließ sich verkaufen und eine P900 wurde bestellt.

Jetzt konnte ich es kaum erwarten, wieder auf Vogelfang zu gehen. Am ersten sonnigen Nachmittag ging’s los.

Die Vogelbeobachtungshütten liegen nicht weit vom NABU Naturzentrum Katinger Watt. Man parkt am besten am Zentrum und läuft dann den Deich hinauf und ein Stück über die Schafswiesen. Von dort führt ein schmaler Weg zwischen zwei hohen Erdwällen direkt zu den Hütten.

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Herr Schnatterente schüttelt sich das Wasser aus den Federn

In den Hütten trifft man neben Vogelfreunden mit Fernglas auch auf den passionierten Naturfotografen, der in tarnfarbener Outdoor-Kleidung seine „lange Tüte“ samt Stativ vor einer der Schiebeluken positioniert. Im Raum nur gedämpftes Flüstern, kaum hörbares Summen der Zoom-Motoren, diffuse Lichtfetzen, die durch die Holzspalten einfallen.

Und ich mittendrin, in rotem Hemd und mit lautem Klick-Klick. Herrjeh…

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Familie Graugans

„Eine P900?“, spricht mich plötzlich ein Herr an, der gerade seine Kamera neben mir auspackt. „Darf ich ihnen zeigen, wie Sie das Klicken ausstellen können?“, flüstert er fragend und hat meine Kamera schon in der Hand.

„Ich habe sie ganz neu“, entschuldige ich mich und beschließe, das jetzt nicht peinlich zu finden.

„Ach, sie fotografieren im Automatikmodus?“, fragt er weiter, nachdem er meine Kamera auf lautlos gestellt hat. „Für Vogelaufnahmen würde ich…“, und schon erhielt ich einen kompakten Einführungskurs in meine neue Kamera.

Der freundliche Herr schob mir dann noch seine Visitenkarte hin. Falls ich noch Fragen hätte. Wie nett!

Ein paar Minuten später hörte ich ein leises „Mist, Speicherkarte voll!“ und der freundliche Natur-Fotograf René Schaack verabschiedet sich. Sieh an, auch der Profi hat mal eine Panne!

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Der schlafende Schwan

Mein Speicherplatz reichte locker für eine stattliche Ausbeute von über 300 Graugans-, Säbelschnäbler- und Entenbildern.

Nach der ersten Durchsicht sollten so bummelige 100 Fotos übrig bleiben, ein Viertel davon wird es wohl in den Blog schaffen. Kein zu schlechter Schnitt, finde ich.

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Die Graugans – sehr fotogen und eines meiner Lieblingsmotive

Und ich habe eine Menge Neues gelernt und gesehen. Ich habe den Flussregenpfeifer kennengelernt (der kleine Piepmatz mit den gelben Augenringen), meinen ersten Silberreiher fotografiert und eine Schatterente – ja, die gibt es wirklich, die heißt tatsächlich so – beim Trockenschütteln erwischt.

Nur der Haubentaucher, der war mir abgetaucht. Plötzlich war der Sucher leer und ich konnte ihn nicht wiederfinden. Wie schade. Aber Spass hat es trotzdem gemacht!

Landladen

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Tante Emma-Läden gibt es schon lange nicht mehr. Meine Erinnerung an so einen richtig urigen Kramladen ist noch aus der Schulzeit. Auf dem Schulweg habe ich dort kleine dreieckige Papiertütchen voller saurer Lollies oder Lakritz-Schnecken gekauft.

Für ein paar Groschen. Lang, lang ist’s her…

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Nach den Krämern verschwanden später auch die kleinen Einkaufsmärkte, vor allem die auf dem Lande. Aber wenn etwas vergeht, entsteht auch oft etwas Neues. Hofläden entstanden, in denen Landwirte begannen, ihre Erzeugnisse direkt zu vermarkten.

Viele dieser Hofläden gehen mittlerweile in die zweite Generation und einige mauserten sich vom schlichten Kartoffel- oder Eierverkauf in richtig schmucke Landläden.

So auch unser Landladen Kraut und Rüben im Wesselburenerkoog (Dammstrasse 19a). Was mal als Kohl-, Gemüse- und Kartoffel-Hofladen begann, ist heute ein gut sortierter Bio-Laden mit frischen Erzeugnissen aus der Region.

Nichts hat hier seinen Weg zufällig ins Regal gemacht. Jeder Käse, jeder Salatkopf, Apfel oder jedes frische Brot wurden von Henriette und Ralf, den heutigen Betreibern des Landladens, sorgfältig ausgewählt; in bester Bio-Qualität.

Ob Tulpen oder Ranunkel-Sträuße, Topf und Beetpflanzen mit zart-weißen Blüten, rustikal-edle Übertöpfe, Kerzenständer, Stein-Elfen und Gnome für den Garten, alles ist liebevoll auf alten Tischen oder in antiken Regalen arrangiert und dekoriert.

Hier kann man nicht nur Einkaufen, hier kann man Entdecken und sich inspirieren lassen.

Einkaufswagen und Supermarktkassen gibt es im Landladen nicht. Wer seinen Kartoffelvorrat auffrischen möchte, Kohl oder Futtermöhren braucht, nimmt die Schubkarre.

Bezahlt wird sehr persönlich, oft kennt man sich und schnackt noch ein wenig. Pflanz- und Pflegetipss oder Zubereitungsideen gibt’s gratis dazu. Man kennt sich aus und nimmt sich Zeit; von Hektik keine Spur.

Ein Hygge-Schild hängt nirgends, braucht es auch nicht, der gemütlich dänische Scharm und Henriettes Verbundenheit mit diesem Land sind spürbar gegenwärtig.

Schnell noch etwas einholen geht im Landladen nicht. Ich jedenfalls habe es noch nie geschafft, nur eine Tüte Zwiebeln oder das Kilo frischen Spargel zu kaufen ohne durch den ganzen Laden zu schauen. Ohne mich treiben zu lassen von all den schönen Dingen.

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Längst vergangene Tante Emma Nostalgie, nachhaltige Qualität und viel Liebe zum Detail – was gut war und was gut ist, kommt eben doch wieder.