Dänemark im Februar – das Beste zuerst

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Lange stand sie ganz oben auf meiner „beliebte Beiträge“-Liste, die Auszeit in den Dünen Dänemarks im Januar letzten Jahres. Fast zeitgleich wurde sie von „Neujahr in St. Peter Ording“ abgelöst und ich habe mir erneute eine Auszeit in den Dünen gegönnt.

Der Februar unterscheidet sich nicht sonderlich vom Januar, wenn es um Wetter an der Nordsee geht. Realistischerweise erwartet man Regen, Wind, vielleicht sogar Sturm und  hofft doch insgeheim auf ein paar sonnige Tage.

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Im letzten Jahr wurden wir am letzten Tag mit Sonne belohnt, kam das Beste zum Schluss. In diesem Februar begrüßte uns gleich der erste Morgen an der dänischen Westküste mit Himmelblau und strahlender Sonne. Welch ein Auftakt!

Noch lag etwas Dunst auf den leicht übergefrorenen Heideflächen gleich hinter unserer Holzhütte. Wollige Kuschelkühe leuchteten bernsteinfarben in der aufgehenden Sonne. Welch eine Begrüßung!

Einer der schönsten Momente am Meer ist der erste Blick über den Deich oder über die Düne. Deichnähe ist mir schon bei der Buchung des Ferienhauses wichtig.

Nicht etwa, weil ich gehfaul bin, sondern weil die Chance besteht, das Wellenrauschen sogar im Bett hören zu können. Es gibt nichts Schöneres, als mit dem Rauschen der See im Ohr einzuschlafen.

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Und es gibt eben auch nichts Schöneres, diesem Rauschen entgegen zu gehen, auf der Düne zu stehen und mit den Augen in die Wellen einzutauchen.

Einen gerade erst erwachten Sonnentag vor sich zu haben, alle Zeit der Welt um am Strand zu laufen, in die Wellen zu schauen, den frischen Südwind tief einzuatmen und die Gedanken auf die Reise zum Horizont zu schicken.

Die Weite zu spüren und die einkehrende Ruhe in sich aufzunehmen.

Ruhe wird an der gesamten Nordsee im Februar ganz groß geschrieben. Die Strände sind einsam, viele Geschäfte haben geschlossen, die meisten Ferienhäuser stehen leer.

Es ist die Zeit um Kraft zu tanken für den bevorstehenden Frühling, den nächsten Sommer, den kommenden Herbst. Jetzt im Februar kann man alles ganz langsam angehen. Bloß keine Eile, es ist noch so viel Zeit.

Und wir haben erst Tag eins einer ganzen Urlaubswoche in Dänemark. Noch so viel Zeit.

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Mit Freundin Kerstin und Hund Frieda schlendern wir mehr, als das wir Laufen. Zwischendurch den Blick immer mal wieder den Strandsand absuchend, nach Lochsteinen, den sogenannten Hühnergöttern, nach weißen Kieseln und nach buntem Scherbenglas.

Gedankenverloren ziehen wir den Strand entlang, füllen unsere Jackentaschen mit kleinen Fundstücken, mit Auszeitschätzen, die uns später auf der heimischen Fensterbank an das Meer erinnern werden.

Zeitvergessen laufen wir am Gischt-Saum entlang. Vor uns ist kein Mensch zu sehen, der Strand wirkt endlos. Endlos wie das Meer, das schon immer, das jetzt und das auch morgen, mal sanft, mal wild, auf den Strandsand rollt.

Irgendwie empfinde ich diesen Gedanken tröstlich. So vieles kommt und geht, aber das Meer rollt unbeeindruckt weiter auf den Strand. Das Meer in seiner Unendlichkeit macht mich ganz klein und gross zugleich.

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Irgendwann – wie lange sind wir schon unterwegs? – erinnert Frieda uns an den Rückweg.

Zurück geht es Richtung Süden, dahin, von wo der steife, kalte Wind herkommt, der uns, trotz (oder wegen) Sonne, die Tränen in die Augen treibt. Vielleicht wäre eine Sonnenbrille hilfreich gewesen, doch wer denkt schon im Februar an sowas?

Die Beine werden langsam schwer (meine, nicht die der Freundin) und ich freue ich auf einen warmen Kaffee am knisternden Ofen.

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Aber am Nachmittag gehen wir noch mal los, ja? Es gibt bestimmt einen traumhaften Sonnenuntergang!

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Watt & Meer Blog-Kalender – Januar 2019

Habt Ihr schon mal einen Jahres-Kalender selbst gestaltet? Früher (und heute sicher auch noch) gab es leere Fotokalender aus schwarzem Karton, in die man seine schönsten Fotos klebte. Heute gestaltet man so etwas über diverse Online-Dienste. Es gibt sogar welche, die auf Bestellung, also „on demand“ drucken.

Zum Beispiel hat „Meermalerin“ Julia vom Blog Meermalen ihre stimmungsvollen Helgoland-Aquarelle zu einem 2019er Kalender zusammengestellt, den man (ich glaube noch) käuflich erwerben kann.

Aber welche Variante man auch wählt, es ist spätestens im Dezember eine fast unüberschaubare Aufgabe, sich aus all den Fotos (oder Bildern), die man so über‘s Jahr gesammelt hat, die schönsten auszuwählen.

Klar im Vorteil ist, wer gut vorbereitet! Also habe ich mir überlegt, mich in diesem Jahr bereits an jedem letzten Donnerstag des Monats für mein Kalenderbild zu entscheiden.

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Sonnenuntergang, Wesselburenerkoog, Nordsee

Und wer weiß, vielleicht wird mein Watt & Meer Blog-Kalender ja so schön, dass ich ihn in 2020 an der Wand hängen haben werde?

Helgoland – Inselrundfahrt mit Sonne

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Wo wir schon mal da sind, so in Gedanken (auf Helgoland, meine ich), können wir uns auch gleich noch einer Inselrundfahrt anschließen. Einer Rundfahrt per Boot, versteht sich.

Wer schon mal mit dem Schiff nach Helgoland gefahren ist, der kennt sicher den spannenden Moment, an dem die verschwommenen Umrisse der Hochsee-Insel erstmals am Horizont zu erahnen sind, dann immer grösser und klarer werden, bis man Oberland und Unterland deutlich ausmachen kann.

Wie die Insel aber von der anderen Seite aussieht, kann man nur bei einer Inselrundfahrt erkunden.

Los geht’s mit der Rundfahrt im Osthafen, in dem es deutlich beschaulicher zugeht als im Südhafen, in dem sich die Segeljachten oft ganz schön drängeln müssen. Die Osthafen-Marina wird hauptsächlich von Mitgliedern des angeschlossenen Yachtclubs genutzt, und von den Rundfahrt-Booten.

Erster Anlaufpunkt ist natürlich die Lange Anna, das Wahrzeichen der roten Insel, die man sonst nur von oben zu sehen bekommt. Das Boot muss allerdings einen sehr großen Bogen um die markante Bundsandstein-Formation machen, denn Untiefen durch Fels und Geröllabbruch machen ein näheres Heranfahren zu gefährlich.

An Bord werden Ferngläser ausgegeben, um den Lummen- und Basstölpel-Felsen näher zu holen. Auch ein Zoom ist hilfreich, wenn man ein paar schöne Fotos machen möchte.

Von oben, von dem benachbarten Klippenende des Oberlandes, bleibt dem Betrachter auch verborgen, dass die Lange Anna eine kleine Schwester hat. Schlank und fragil steht die Kurze Anna, die erst 1976 durch einen Felsabbruch entstand, ganz dicht am Helgoländer Felssockel. Gerade so, als suche sie Schutz beim grossen Bruder.

Erreicht man die Südspitze Helgolands, geht’s um die weit ins Meer hinausragenden Hafenanlagen.

Hier erhascht man noch mal einen letzten Blick auf die Anna, schippert durch den Südhafen, erfährt dort, dass der silbrige Riesen-Pilz kein Raumschiff sondern der Meerwasserturm der Biologische Anstalt Helgolands ist.

Weiter führt der Kurs vorbei an der Düne, ihrem Südstrand, dem kleinen rot-weißen Leuchtturm, den auf Reede liegenden Fährschiffen bis der Blick wieder auf Bekanntes stösst.

Der schon bekannte Anblick, das sind die bunten Hummerbuden und die weißen Fronten der aneinandergereihten Hotels mit Balkon und Meerblick, direkt am Hafen.

Für den Übernachtungsgast habe ich da gleich noch einen Tipp (den ich gerne schon vorher gehabt hätte): „Mittwochs nie!“

Denn wer einen netten Abend in dem nicht nur unter Seglern wohl bekanntesten und beliebtesten Lokals auf Helgoland, der „Bunten Kuh“, verbringen möchte, sollte sich nicht den Mittwoch aussuchen. Denn mittwochs ist Ruhetag, auch in anderen Lokalen, auch in der Saison.

Da wir aber bereits Donnerstag hatten, war die „Bunte Kuh“ wieder geöffnet und mir ein Fischteller und ein kühles Helles gegönnt. Besser kann man so einen sonnigen Seefahrer-Nachmittag nicht ausklingen lassen.

Helgoland – die Düne gehört den Kegelrobben

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Nass, kalt, windig, grau – wer behauptet eigentlich, der November bringt den Blues? Ich finde ja unser Januar, jedenfalls der hier oben an der Nordsee, läuft dem Ruf des Nebelmonats gerade den Rang ab. Rausgehen ist nur noch was für hartgesottene Wetterignoranten.

Also schwelgen wir doch einfach mal in Erinnerungen und schippern nach Helgoland. So geschehen im August letzten Jahres.

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Ich glaube, ich hab’s schon mal geschrieben: wer Helgoland erleben möchte, sollte versuchen, wenigstens zweimal zu Übernachten. Denn erst wenn die Tagesgäste wieder mit den Schiffen auf dem Heimweg sind, wird’s ruhig und man spürt das wahre Inselfeeling. Abends ist man auf Helgoland unter sich.

Übernachten hat aber nicht nur am Abend Vorteile, auch der nächste Morgen beginnt ruhig und entspannt und ist die beste Zeit, um die Kegelrobben auf der Düne zu besuchen. Die kleine Dünenfähre ist noch weitgehenst leer, der Strand auf der Düne sowieso.

Das scheinen auch die Kegelrobben zu wissen, denn sie liegen, wie die Perlen auf der Schnur, an der Wasserkante und dösen genüsslich vor sich hin.

Mal grunzt eine, mal juckt es einer anderen irgendwo, mal wird ein Auge riskiert. Gäste halten mindestens 30 Meter Abstand, so ist die Regel, und wenn sich jeder daran hält, wird die Fluchtdistanz der Robben nicht unterschritten und man kann sie wunderbar beobachten.

Möwen kennen keine Regeln, aber Robben kennen Möwen und lassen sich von den lauten, quirligen Wasservögeln nicht aus der Ruhe bringen.

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Auf der Düne unterscheidet man den rauen Nordstrand, der als sehr „robbensicher“ gilt, und den deutlich seichteren Südstrand, der hauptsächlich von Badegästen frequentiert wird. Aber auch am Südstrand tummeln sich die Robben regelmäßig.

Hier wird von den Rangern besonders darauf geachtet, dass die Tiere nicht gestört werden und auch schon mal Flatterband eingesetzt, um uneinsichtige Badegäste auf Abstand zu halten.

Kegelrobben sind niedlich anzusehen, mit ihren dunklen Knopfaugen, aber man sollte nie vergessen, es sind Raubtiere.

Auf der Niedlichkeitsskala ganz oben rangieren ja die kleinen Robbenbabys. Sie werden tatsächlich im Dezember und Januar geboren und liegen dann noch schwimmunfähig am Nordstrand der Düne. Ohne die Robbenkinderstube unnötig zu stören, haben Besucher dann einen guten Blick von den eigens eingerichteten Aussichtsplattformen.

Und wenn die letzte Dünenfähre im Winter bereits um 16 Uhr Richtung Hauptinsel ablegt, gehört die Düne wieder ganz den Kegelrobben und ihrem niedlichen Nachwuchs.

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Wer gerne die süßen Robbenkinder beobachten möchte, kann in den Wintermonaten nur mit der Fähre von Cuxhaven nach Helgoland übersetzen. Alle anderen Fährverbindungen haben Winterpause.

Ich werd’s in diesem Winter wohl nicht mehr schaffen, aber so ein Besuch steht ganz oben auf meiner Liste.

SnapShots – Glutrot in die Nacht

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Schon der dritte Tag im neuen Jahr spielte mit dem Feuer. Bereits am Nachmittag des 3. Januar, ein fast wolkenloser Tag mit klarer Luft, war abzusehen, dass der Sonnenuntergang spektakulär werden würde.

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Punkt vier habe ich den Stift fallen gelassen und bin (aber auch sowas von) schnell an den Deich – gerade noch rechtzeitig, um den Feuerball im Meer versinken zu sehen.

 

Beim Eintauchen ins Meeer „dippt“ die Sonne sogar (man sagt „dippen“, wenn die Kugel an den Seiten immer breiter wird – hat mir mal jemand erzählt…?) bis nur noch ein schmaler, gleissender Streifen am Horizont leuchtet.

 

Die Sonne geht, das Abendrot kommt, wird immer intensiver und spiegelt sich in den fast leergelaufenen Wattflächen.

Letzte Vogelschwärme ziehen in ihre Schlafquartiere, ein einsamer Radler hält auf dem Deich und schaut, wie ich, der Sonne nach.

Glutrot verabschiedet sich dieser Tag in die Nacht.

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Durchgefrohren aber tief bewegt und glücklich verabschiedete auch ich mich vom Meer, vom Deich und von dem Tag.

Neujahr in St. Peter Ording am Strand

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Es ist vollbracht. Das alte Jahr durfte gehen und das neue steht in der Tür. Wir haben es freundlich begrüßt.

Nicht spektakulär, nicht wild, nicht laut, sondern ganz ruhig in einer netten Runde mit Freunden und unseren Gästen, mit vielen Geschichten und Lachen und einer Menge Spaß.

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Für mich persönlich ganz ohne Rückblick in das vergangene Jahr. 2018 ist nicht das Jahr, in das ich gern zurückschauen werde (auch wenn der Sommer ein Traum war).

Aber es wurden alle Herausforderungen gemeistert und nun schaue ich erwartungsvoll ins Neue Jahr. Wir haben schließlich darauf angestoßen, dass es gut wird.

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Ich liebe den Gedanken, dass zwölf neue, noch ganz unverbrauchte Monate vor mir liegen. Ebenso liebe ich einen neuen Kalender. Fast zärtlich schlage ich ihn an Neujahr auf und streiche über die leeren Seiten. So viel Hoffnung und Vorfreude liegt zwischen den unbeschriebenen Blättern.

Und wie jedes Jahr trage ich feierlich meine erste Aktivität des Jahres ein: „Spaziergang in St. Peter“. Der gehört für mich zum Jahresanfang wie die Silvesterfeier und das Neujahrskonzert.

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In St. Peter Ording am Strand tost das Meer laut aus der Ferne, Licht und Farben verändern sich im Minutentakt. Ich freue mich, einen freundlichen Wetterabschnitt erwischt zu haben, stürmisch zwar, aber trocken und sogar ein wenig sonnig.

Doch wo gerade noch das Blau des Himmels zu sehen war, ziehen plötzlich tiefdunkle Regenwolken auf. „Ach nee, muss das sein? Könnte es nicht wenigstens trocken bleiben?“, hoffe ich noch kurz.

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Sturmböen peitschten die stechenden Regentropfen über den Strand. Sie schmerzen im Gesicht, nehmen mir die Sicht. Wegdrehen, Kopf einziehen, abwettern. Stimmung im Keller, düstere Gedanken ziehen auf: „Klitschnass werde ich zurücklaufen müssen. So ein Mist, das ist nicht witzig!“

Hagelkörner prasseln gegen meine Beine, gegen meinen Rücken, auf meinen Kopf. Regungsloses Warten an der Dünenkante. Mut machen: „Jetzt kann’s nur noch besser werden. Stell‘ Dich nicht so an, andere werden auch nass. Du bist ja nicht allein hier.“

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Erst hört der Hagel auf, dann der Regen, dann reißt die Wolkendecke auf und die Sonne lugt hervor.  Sie wärmt noch nicht aber sie schenkt wieder Licht. Die Farben kehren zurück, Himmelblau und weiße Wolken.

Ich halte mein Gesicht in die Sonne, schließe die Augen und genieße den Augenblick. Nach Regen ist Sonne besonders schön.

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Gefühle und Gedanken im Zeitraffer – in St. Peter Ording am Strand. Nun ist es doch fast ein Jahresrückblick geworden…

Ich wünsche Euch allen ein sonniges Neues Jahr!

Zwölf Tage und ein Weihnachtsgeschenk

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Nun haben wir schon den zweiten Advent hinter uns, das zweite Licht hat schon gebrannt und die Tage bis zum Fest fangen an zu fliegen.

Unsere lokale Zeitung hat jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit oben rechts auf der Titelseite einen kleinen Weihnachtsmann abgebildet. Er verkündet freudig, wie viele Tage es noch sind bis Weihnachten.

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Ich weiß nicht, was die Redaktion ihren Lesern damit sagen will. Will sie uns in stetig wachsende Vorfreude versetzen oder uns mit den immer weniger verbleibenden Tagen stressen? Ich jedenfalls hab‘ diesen täglichen Count-down noch nie gemocht.

Noch zwölf Tage und dann muss alles perfekt sein. Der Baum und das Menü stehen, die Geschenke verpackt sein und die Stimmung besinnlich. Und bitte keine Panik, das lässt sich alles noch locker schaffen.

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Aber es geht auch ganz anders. Wir haben gerade Gäste, ein bezauberndes Pärchen aus dem Süden der Republik, aus einer Gegend, in der schon der erste Schnee lag.

„Ach wie schön, da möchte man Weihnachten verbringen“, denkt ihr jetzt vielleicht. Aber was machen die Zwei? Sie kommen tatsächlich den ganzen Dezember zu uns hier hoch an die Nordsee.

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Sie kommen ganz ohne Baum, Menü, Geschenke und Besinnlichkeit. Dafür aber mit so viel Vergnügen an Wetter, Wellen und Weite. Jeden Tag sind sie unterwegs und genießen die leeren Strände, den kalten Wind und die jetzt noch kargere Landschaft.

Wenn sie gegen Abend „nach Hause“ kommen, mit roten Wangen und leuchtenden Augen, dann sieht man ihnen die Freude an.

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Ihre Kinder sind schon lange aus dem Haus, auch die Enkel haben bereits andere Weihnachtspläne und die beiden Rentner entschieden sich für ihr eigenes, ganz persönliches Festtagsgeschenk.

Sie lieben die Nordsee und erfüllen sich einen schon so lange geträumten Traum: einmal den Winter hier oben verleben.

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Sie erwarten kein Winterwunderland, sie kamen mit ganz realistischen Vorstellungen von der Nordsee zu dieser Jahreszeit. Sie wissen, unser Winter ist nicht schnee-romantisch. Sie wissen, er ist rau, er ist kalt und er kann unbarmherzig sein.

Und Sie wissen, Sturm und Regen gehören dazu.

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Sie sind glücklich und dankbar, dass Sie nach einem arbeitsreichen Leben ein annehmbares Auskommen haben und dass sie noch immer so gut laufen können. Sie bummeln nicht über die Weihnachtsmärkte oder durch die weihnachtlich glitzernden Einkaufspassagen.

Ihr tägliches Ziel ist der Weg durch die Natur. Stundenlang erlaufen sie sich die spröde Schönheit unserer einsamen, grauen Landschaft.

Sie werden auch den Gänsebraten nicht vermissen, sie freuen sich auf Marsch-Kartoffeln und Matjes.

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Sie geben zu, dass es Ihnen in den ersten Tagen noch recht ungewohnt war, nach dem Frühstück keine wartenden Verpflichtungen zu haben. Aber sie sagen auch, dass es Ihnen mit jedem Tag ein wenig leichter fällt, nichts zu müssen sondern einfach nur zu sein.

Es sind noch zwölf Tage bis Weihnachten, und wenn Ihnen das nicht reicht, um ganz anzukommen, dann macht das auch nichts. Sie bleiben ja noch den ganzen Januar.

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Auch Euch wünsche ich eine entspannte Adventszeit, schöne Festtage und macht Euch keinen Stress. Nicht jedes Weihnachtsgeschenk braucht Glanzpapier und Schleifenband.

#Novemberglück – Sundown zur Kaffeezeit

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Jetzt im November verabschieden sich die Tage früh. Zur Kaffeezeit beginnt es zu dämmern und man kann schon gerne eine Kerze auf dem Kaffeetisch anzünden. So für die innere Gemütlichkeit.

Aber man kann sich auch noch mal schnell in die warmen Klamotten schmeißen und draußen den Sonnenuntergang aufsuchen.

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In diesem November gab es bereits eine ganze Anzahl von Tagen, an denen sich die Sonne sehr spektakulär für die Nacht verabschiedet hat. Eines dieser Schauspiele habe ich eingefangen.

Es immer wieder die gleiche Stelle, am Eidersperrwerk, und doch sieht es immer wieder anders aus.

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Mal fällt der blutrote Sonnenball einfach ins Meer, mal verschwindet er hinter Horizontwolken. Mal spiegelt sich das gleißende Licht in einem langen Schweif auf dem Wasser, mal zeichnet sich eine Explosion von Gelb und Rot in den Himmel und auf das Meer.

Mal sind es auch die sanften Farben, die den Ton angeben. Und immer ist es wunderschön.

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Mich lässt jeder Sonnenuntergang ehrfurchtsvoll staunen.

Auch wenn die Sonne unbestritten jeden Tag untergeht, so kann ich doch sagen, dass ich in keinem anderen Monat ein prächtiges Abendrot so bewusst erlebe und genieße wie gerade im November.

Als würde uns der November mit ein paar ergreifenden Abendstunden für die grauen Tage entschädigen wollen. Bei mir funktioniert es. „Sundown zur Kaffeezeit“ ist für mich #Novemberglück.

Die Blogparade #Novemberglück kommt aus der Feder von Lutz Pauser,  alle bisherigen Beiträge findet Ihr hier (Klick).

Schiff Ahoi – Pötte gucken in Brunsbüttel

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Brunsbüttel ist für mich ein wenig wie Bielefeld. Klar, die Kanalschleusen von Brunsbüttel sind ein Begriff, die dicken Pötte, die dort in die Elbe oder Richtung Ostsee geschleust werden, auch.

Sogar die Postleitzahl von Brunsbüttel ist mir geläufig (seit der Kabarettist Christoph Weiherer dazu aufrief, an der Supermarkt- Kasse immer mit 25541 zu antworten).

Aber die Stadt Brunsbüttel selbst? Gibt es die auch?

Ja, doch, und man könnte fast sagen, Brunsbüttel gibt es sogar zweimal, denn der Nord-Ostsee Kanal schneidet die Stadt in zwei Teile, in Brunsbüttel Nord und Süd.

Und wer nun nach Brunsbüttel Süd möchte und aus dem Norden kommt, der muss erst einmal über den Kanal. Bei Ostermoor gibt es eine Fähre, die, je nach Bedarf auch im Minuten-Takt, Fahrzeuge und Personen kostenlos auf die gegenüberliegende Seite schippert.

Man kann natürlich auch die Kanal-Brücke nehmen, aber die kurze Fährfahrt ist die deutlich charmantere Variante für einen Sonntagsausflug.

Zum Pötte gucken lässt man die eigentliche Stadt tatsächlich auf der anderen Kanalseite liegen und parkt am besten gleich an den Kanal-Schleusen in Süd. Von dort sind es nur ein paar Schritte zur Schleuseneinfahrt und man taucht fast unmittelbar ein in die maritime Szenerie.

Die Lotsenboote, zwei sind sogar benannt nach den Kreisen Dithmarschen und Steinburg, kreuzen geschäftig hin und her. Insgesamt vier Leuchttürme weisen den Schiffen ihren Weg.

Besonders reizvoll ist der kleine schwarz-weiße Turm am Ende der südlichen Mole. Er zeigte, genau wie sein rotes Pendant auf der nördlichen Mole, schon bei der Einweihung des Kanals 1895 sein Licht für die durchfahrenden Schiffe.

Man kann ihn zu Fuß umrunden und hat vom Molenkopf aus einem herrlichen Blick in die Elbmündung. Den dicken Pötten, deren Konturen zahlreich am Horizont auszumachen sind, ist es auf den ersten Blick nicht anzusehen, ob sie kommen oder fahren.

Ein dritter Backstein-Leuchtturm wurde 1992 durch den griechischen Holzfrachter Pallas trotz Lotsen- und Schlepperhilfe so stark gerammt, daß er abgerissen werden musste. Nach der Reparatur der Mole wurde ein Stahlturm aufgestellt.

(Es war übrigens genau die Pallas, die jetzt im Herbst vor 20 Jahren in Brand geriet, vor Amrum strandete und eine schreckliche Ölpest im Wattenmeer verursachte).

Ein wahrlich glückloses Schiff.

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Wir waren an diesem Sonntag nicht glücklos, auch wenn es sich jenseits der Elbe schon fast bedrohlich zuzog. Auf unserer Elb-Seite schien immer noch die Sonne, war der Himmel immer noch blau.

Nur der Ostwind kam so eisig daher, dass es einem die Tränen in die Augen trieb.

Ach, wie gerne hätte ich mich auf eine der Deich-Bänke gesetzt, noch ein wenig Schiffchen geschaut und von der weiten Welt geträumt.

Aber mit tränenden Augen träumt es sich schlecht.

Wenn man jedoch Schaf ist, in Brunsbüttel, dann kann man den ganzen Tag Pötte gucken und von der weiten Welt träumen.

Alle Nicht-Schafe können sich auf dem Rückweg in Gudendorf im Dithmarscher Gänsemarkt bei einer frischen Waffel mit heißen Pflaumen und einem Diplomatenkaffee (Eierlikör macht den Diplomaten) aufwärmen.

Früh genug dunkel wird es ja jetzt für das vorweihnachtliche Ambiente in der Gänse-Scheune.

 

Ein Tag geht – Abendstimmung am Eidersperrwerk

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Die Tage werden merklich kürzer, die Sonne verabschiedet sich täglich etwas früher.

Ich mag diese Zeit im Jahr, in der man nach getaner Arbeit noch die letzten Sonnenstrahlen und dann die aufkommende Abendstimmung am Wasser genießen kann.

Auch wenn die Sonne kaum noch wärmt, Ihr helles Licht hebt noch einmal die Stimmung, lässt noch einmal kurz ein Sommergefühl aufflackern.

Ganz langsam schickt sie den Tag auf die Reise, übermalt Vitalität mit Gemütlichkeit, Lebensfreude mit wohliger Melancholie.

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Je weiter die Sonne sinkt, umso weicher werden die Konturen und umso wärmer erscheint das Licht.

Der eben noch stahlblaue Himmel färbt sich langsam hellblau bis grau, in den Wolken schimmern die letzten Sonnenstrahlen in einem milchig-gelben Farbton. Das Wasser glitzert silbrig.

Der Tag verneigt sich vor dem Abend.

Zwei Krabbenkutter kommen vom Fang zurück. Vielleicht war es ein guter Tag für sie.

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Mit dem Blick übers Wasser lasse auch ich meinen Tag Revue passieren. Es war kein besonderer Tag, nur ein Alltag, aber auch kein schlechter.

„Dann war es wohl ein guter Tag“, beschliesse ich.

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Das ablaufende Wasser kräuselt sich lautlos und gelbschimmernd auf seinem Weg in den Priel, fließt dem Horizont entgegen.

Ein paar Enten lassen sich im Priel treiben, suchen sich Schlafplätze auf dem trocken fallenden Watt.

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Ein einsamer grauer Herr steht regungslos im seichten Wasser, schaut dem Tag hinterher, scheint fast vor der Nacht zu frösteln.

Bei meinem zweiten Blick in seine Richtung hat er sich von der untergehenden Sonne abgewendet, hebt langsam ein Bein und – ich hätte es ahnen können – fliegt mit weiten, kraftvollen Flügelschlägen in den Abendhimmel.

Ich habe es nicht geahnt, bin viel zu langsam gewesen. Mein letztes Bild von Ihm zeigt den leeren, grauen Himmel.

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Dann legt sich ganz friedlich die Nacht über den Tag, es wird still. Auch ich werde innerlich still, lasse mich mitnehmen vom schwindenden Licht.