Flensburger Kaufmannshöfe – oder wie Kolumbus den Rum entdeckte

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So wie das Marzipan für Lübeck oder die Bratwurst für Nürnberg stehen, so verbindet man Flensburg landläufig mit Bier und „Punkten“. Das Flensburg aber auch eine Rum-Stadt ist, ist wohl nicht ganz so geläufig. Flensburg war das Zentrum des Rum-Handels.

In der Blütezeit des Westindienhandels brachten die Frachtsegler der dänischen Westindienflotte, die ihren Haupthafen im 18. Jahrhundert im damals dänischen Flensburg hatten, hauptsächlich braunen Rohzucker und Roh-Rum aus der Karibik mit.

Die Kontor- und Wohnhäuser der Flensburger Kaufleute entstanden im heutigen Straßenzug Norderstraße-Große Straße-Holm, in den schmalen langen Hinterhöfen lagen ihre Pack- und Lagerräume mit Zugang zur Förde. Mit dem Niedergang des Überseehandels verfielen auch die meisten Höfe.

Erst Mitte der 70er entdeckten die Flensburger diese Kleinode neu und begannen ihre Hinterhöfe zu restaurieren. Heute sind diese wunderschön gestalteten Höfe eine Attraktion der Flensburger Altstadt, laden zum Entdecken ein und erzählen ihre ganz eigenen Geschichten.

Der Burghof zum Beispiel verbindet die Toosbüystrasse No 11 mit der Marienstrasse No 22. Dieser Hof ist jedoch kein Kaufmannshof, hier wurden Mehrfamilienhäuser in eine schwer zu bebauende Baulücke geplant. Ganz im Stil einer Burg, mit verzierten Backsteinfassaden und Kopfsteinpflaster. War das der soziale Wohnungsbau jener Zeit?

Nicht weit vom Bughof entfernt, in der Marienstrasse, liegt das Rumhaus Johannsen  (nicht zu verwechseln mit dem Hansen-Rum). Die Produktion und der Verkauf von Rum und Rum-Verschnitt befinden sich in dem kleinen Hof des Familienunternehmens.

Mit der Entdeckung der Westindischen Inseln, die Kolumbus irrtümlicher Weise vor Indien ansiedelte,  fand er nicht die erhofften Schätze wie Diamanten und Edelsteine sondern Zuckerrohr. Das Zuckerrohr, das mit der Zucker- und Rumherstellung Flensburgs Kaufleute reich machte.

Von um die 30 Rum-Firmen existieren heute nur noch zwei und bei Johannsen wird die Tradition der Produktion von authentischem Flensburger Rum-Verschnitt seit 1878 aufrecht erhalten.

Die „Neptunus“ war es, die 1755 als erster Segler die Flensburger Förde Richtung Karibik verließ. Der Neptunhof liegt gegenüber dem Nordermarkt, der Neptunbrunnen zieht den Marktplatz.

Für die Rum-Herstellung wird Zuckerrohr-Melasse (Abfallprodukt der Zuckerherstellung) gegärt und anschließend destilliert. So entsteht der Roh-Rum, der mit bis zu 75% Alkoholgehalt pur fast nicht trinkbar ist.

Diesem Roh-Rum wurde in den alten Flensburger Rumhandelshäusern Wasser und Neutralalkohol zugefügt; es entstand der Flensburger Rum-Verschnitt.

Der „Borgerforeningen-Hof“ erzählt die Geschichte des Flensburger Bürgervereins, der 1835 für ein geselliges Zusammentreffen der reichen Bürger der Stadt gegründet wurde.  „Borgerforeningen“ war damals der „feine“ dänische Verein Flensburgs.

Dieser Verein erwarb das Grundstück Holm 17 und baute dort das heute noch bestehende Vereinsgebäude. Der gleichnamige Hof ist einer der belebtesten Kaufmannshöfe der Stadt.

Ehre ruhiger geht es im Käte-Lassen-Hof zu, der sich auch im Holm (No 49-51) befindet.  Dieser Hof ist im Familienbesitz und weist eine lange Handelshof-Tradition auf. Die Goldschmiede Lassen hatte hier ihren Standort und war das Elternhaus der Malerin Käte Lassen.

Die Hofgestaltung wirkt eher sachlich vornehm, ist im Detail nicht so verspielt wie andere Höfe. Dieser Stil ist wohl dem Werk der Künstlerin geschuldet. Heute befindet sich in diesem Hof unter anderem ein elegantes Hut-Geschäft.

Ob nun Skulpturen und Brunnen, bunte Blumentöpfe oder schlichte Grünpflanzen-Arrangements den Hof zieren, ob die Fassaden alten Backstein oder bunte Farben tragen, Gastronomie sich angesiedelt hat oder feine Läden Edles anbieten; die Atmosphäre ist in jedem Flensburger Kaufmannshof einzigartig und sehenswert.

Und wer jetzt Lust auf Kaufmannshöfe, Frachtsegler-Romantik und Rum bekommen hat, kann sich ja mal den Termin der nächsten Rumregatta am 12. Mai 2018 in Flensburg notieren.

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28 Gedanken zu “Flensburger Kaufmannshöfe – oder wie Kolumbus den Rum entdeckte

      1. Ach, wäre ja schön aber ich glaub‘ nicht mehr dran… Advent in Flensburg ist sicher sehr dänisch gemütlich – sehr huggelig. Wir haben schon mal geplant und ich freu mich drauf (vielleicht mit Schnee??).

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  1. Danke, dass Du uns mitgenommen hast in die wunderschönen Höfe Flensburgs, liebe Ulrike. Deine Fotos sind klasse und machen richtig Lust auf einen Ausflug in die schöne Fördestadt!

    Wir haben vor drei Wochen mit dem Schiff im Stadthafen gelegen und die hyggelige deutsch-dänische Atmosphäre wieder sehr genossen. Natürlich gehörte auch ein Besuch beim Rumhaus Johannsen dazu, dort haben ein bisschen Rum-Vorrat für unsere Bord-Bar besorgt.

    Liebe Abendgrüße, heute mal wieder von Bord. Wir genießen die letzten sonnigen Tage der Saison… ⛵️☀️

    Martina

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  2. Ach, Flensburg hat auch so eine Hinterhof-Kultur?! Das wusste ich gar nicht. Wir sind Anfang Oktober noch mal in der Ecke… vielleicht „schaffen“ wir dann ja auch endlich mal die Altstadt…. Sieht auf jeden Fall sehr spannend aus.

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      1. Ah! Ich hatte mich schon gewundert, daß die Rote Straße fehlt! *gg*
        Der Burghof war übrigens tatsächlich mit sehr vielen sehr kleinen Wohnungen für ärmere Leute geplant. Inzwischen sind es allerdings Eigentumswohnungen, allerdings in Selbstverwaltung, wenn ich das richtig weidergebe (stelle grad fest, daß ich bei der Führung am Tag des offenen Denkmals wohl doch mehr als gedacht vom Blick über die Dächer – man konnte ganz hinauf) gefangengenommen war und nicht so gut zugehört habe wie ich dachte)

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      2. Ach, wie schade. Ich dachte tatsächlich, das man hier mal sozial und richtig schick wohnen könnte. Aber man hätte es sich ja denken können….
        Den Blick von da oben stelle ich mir sehr schön vor!

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