54 Grad Nord und 8 Grad Ost

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Genauer gesagt: 54°22’24,1″ Nord und 08°38‘23,7″ Ost, Kennung Ubr.(3) w.r.gn.-15s [(1)+2+(1)+2(1)+8 s], Höhe 40 Meter und seit Mai 1908 in Betrieb. Ich spreche von der Schönheit des Nordens. Ihr habt keine Idee?

In Deutschland trägt er die Nummer 307140, international die Nummer B1652, er leuchtet in drei farblichen Sektoren bis zu 21 Seemeilen (etwa 39 Kilometer) weit und wirft auch einen Schatten.

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Ich spreche vom Leuchtturm vor Westerhever, dem Leuchtturm Westerheversand, der wohl schönste und bekannteste Leuchtturm an der Westküste. Und wohl auch der am meisten fotografierte Leuchtturm.

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Ob im Morgennebel, in strahlender Sonne, bei Landunter oder mit Eis und Schnee. Vor dem Abendhimmel oder fast schon bei Nacht, mit Zugvögeln oder Schafen im Vordergrund und sicher auch bei Dauerregen, dieses Bauwerk fasziniert und sieht immer fantastisch aus.

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Bei Tag und von Land ist der Leuchtturm unverwechselbar, bei Nacht und von See aus nur ein blinkender Punkt am Horizont. Die Abfolge des Blinkens ist die Kennung eines Leuchtturmes, sein unverwechselbarer „finger print“, der dem Navigator auf See verrät, auf welchen Punkt er zusteuert.

Der Westerhever Leuchtturm leuchtet alle 15 Sekunden in gleichen Phasen: 1 Sekunde dunkel, 2 Sekunden hell, 1 Sekunde dunkel, 2 Sekunden hell, 1 Sekunde dunkel und 8 Sekunden hell (also (1)+2+(1)+2(1)+8 s).

Das helle Licht erscheint je nach Richtung weiß, rot oder grün (also w.r.gn.) und wird von drei Dunkelphasen unterbrochen (also Ubr.(3)).

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So, genug von drögem Seemanns-Wissen.

Bei meinem letzten Besuch am Leuchtturm machte ich eine Entdeckung, entdeckte den historischen Stockenstieg.

Es begann mit einer kleinen Panne; der Parkplatz am offiziellen Deichübergang ist seit einiger Zeit mit einer kostenpflichtigen Schranke versehen und ich hatte kein Geld dabei. Ach, wie blöd…

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Also den Deich entlang um eine Alternative für’s Auto zu suchen und dort über den Deich. Und dort entdeckte ich den schmalen Pfad, der den Weg zum Leuchtturm deutlich abzukürzen schien und quer-feld-ein durch die Salzwiesen führte.

Aber ein Schild warnte mich: „Alle Wege führen zum Leuchtturm, nur dieser nicht“. Ach, wie schade…

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Umso erstaunter war ich, als ich (über den üblichen Weg) am Turm angekommen doch tatsächlich die gleiche ziegelartige Wegbefestigung wiederfand, und der schmale Pfad direkt zurück in die Salzwiesen führte.

Aber ein Schild warnte erneut: „Der Stockenstieg ist von November bis Mai gesperrt, die Brücke über den (soundso-)Priel abgebaut…“. So, so und das soll ich jetzt glauben? Da hat tatsächlich jemand die Brücke abgebaut??

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Die Sonne sank langsam Richtung Horizont, es wäre bald dunkel geworden und ich hatte es nicht darauf ankommen lassen – mir aber fest vorgenommen, das „mit der Brücke und dem Priel“ irgendwann nochmal genauer zu erkunden.

Westerhever Strand

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Es ist Hochsaison, die Straßen sind voll, die Strände auch. Sogar der Sommer lässt sich wieder sehen, hier bei uns an der Nordsee. 28 Grad und blauer Himmel zaubert allen Gästen und Heimischen ein fröhliches Lächeln ins Gesicht.

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Es wird nicht entschieden, ob man an den Strand fährt, man überlegt höchstens, an welchen Strand es gehen soll. Friedrichskoog, Büsum, St. Peter-Böhl, -Bad oder -Ording? Aber wie wäre es mal mit Westerhever?

Dort, wo der wohl bekannteste Leuchtturm der Westküste steht, der Turm zwischen den zwei rot-weißen Häusern, das heimliche Wahrzeichen Schleswig-Holsteins, gibt es auch Strand.

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„Geheimtipp“ wäre wohl etwas hochgegriffen, aber Westerhever ist bei weitem nicht so überlaufen wie St. Peter an einem sonnigen Julitag. Dabei sieht es zunächst gar nicht nach Strand aus, wenn man die Deichkrone in Westerhever erklommen hat.

Salzwiesen, soweit das Auge reicht. Ein schmaler Weg schlängelt sich den Deich hinunter und führt dann schurgerade Richtung Nordsee.

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Leuchtturmbesucher biegen links ab, Strandbesucher laufen geradeaus weiter. Bis zur Vorlandkante kann man auch radeln, dann geht es weiter durchs Watt.

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Vorbei an den Brut- und Rastplätzen der gefiederten Küstenbewohnern. Der Weg zum Strand ist mit Pfählen markiert, bei Flut läuft man durch knietiefes Wasser.

Unterwegs und so ganz nebenbei kann man sich über die Entstehung der Salzwiesen informieren. Infotafeln mit kurzem Text und anschaulichen Darstellungen erklären die verschiedenen Zonen.

Es beginnt mit der Quellerzone, die, regelmäßig überflutet, nach den fleischig grünen Quellerpflanzen benannt ist.

Queller kann man sogar essen,  er schmeckt nach salziger Nordsee. Liebhaber verwenden ihn im Salat.

Die untere Salzwiese wird nur noch ca. 200 mal im Jahr überflutet und dort wächst der Strandflieder, der zurzeit wunderschön lila blüht.

Strandbeifuss wächst in der oberen Salzwiesenzone mit seltenen Überflutungen. Er sieht ein wenig silbrig aus und hat einen intensiven Geruch. Den Strandbeifuss haben sich  früher die Halligbewohner in die Kleiderschränke gehängt, um die Motten zu vertreiben.

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Zugegeben, es sind schon ein paar Schritte – genau gesagt 30 Minuten – bis man über die Salzwiesen und durch das Watt den Westerhever Sand – so wird der Strand genannt – erreicht. Belohnt wird der Fußmarsch mit einer fast 9 Kilometer langen Sandbank inmitten der Nordsee.

Bei Flut mutiert die Sandbank zur Insel.

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Ein grenzenloser Blick auf das weite Meer, feinster weißer Sandstrand und das Motiv für eines der schönsten Urlaubsfotos schlechthin im Hintergrund –  ja, so machen Sommer und Urlaub Spaß!