Friedrichstadt – Frühlingserwachen zwischen Eider und Treene

DSCN0194

Die ersten warmen Frühlingstage sind wie ein Magnet, alles und jeden zieht er ins Freie. Bewegungsdrang und Sonnenhunger sind sein Motor.

Gartenbesitzer haben dann die Qual der Wahl. Endlich kann in den Beeten Ordnung geschaffen werden, bei Sonne macht das richtig Spaß, aber man könnte sich auch Zeit für „was Schönes“ gönnen.

„Was Schönes“ steht für einen Ausflug, runter von der eigenen Scholle, an den Strand oder irgendwo am Wasser laufen, Kaffee trinken oder ein Eis schlecken.

An so exponierten Feiertagen wie Ostern ziehe ich es jedoch vor, die ebenso exponierten Ausflugsziele wie St. Peter oder die Krokus-Blüte in Husum zu meiden. Auf der Geest, also unserem Küsten-Hinterland, finden sich auch bezaubernde Plätzchen zum Frühlingsgenießen.

Das schlechte Gewissen und die Gartenarbeit bleiben zuhause und ich freue mich auf Friedrichstadt. Das charmante Holländerstädtchen mit seinen Grachten und Giebeln ist das perfekte Ziel für einen Frühlingsspaziergang.

Und zu meiner großen Überraschung blühen auch in Friedrichstadt Krokusse. Besser gesagt:  es blühen auch in Friedrichstadt ganz viele Krokusse.

Nicht so spektakulär mit einem Schloss im Hintergrund wie in Husum oder Ahrensburg, aber ein lila Teppich liegt auf der Rasenfläche am Markt.

Die kleinen Kelche recken sich nach dem Licht, viele haben sich geöffnet und lassen ihre leuchtend gelben Staubblätter von der Sonne wärmen.

In Friedrichstadt treffen die Eider und die Treene aufeinander, das Mündungsgebiet umschließt den alten Stadtkern komplett. In Friedrichstadt kann man tatsächlich um die Kirche paddeln. Oder man läuft um die Kirche, immer am Wasser entlang.

Und mit den ersten Sonnenstrahlen sind auch ersten Wasserbewohner und die ersten Boote unterwegs.

Die Treene staut sich am Ende ihres Weges durch die Flusslandschaft von Eider, Treene und Sorge in einem kleinen See, bevor sie durch künstlich angelegte Sielzüge, die Friedrichstädter Grachten, in die Eider geleitet wird.

Ein Eldorado des Wassersports wurde hier vor Jahrhunderten geschaffen. Trotz küstenferner Lage ist in Friedrichstadt eine verspielte Seefahrerromantik allgegenwärtig. Ein bisschen Holland eben…

Würde ich in Friedrichstadt wohnen, hätte ich auch ein Boot vor der Haustür. Ich liebe diese Vorstellung!

Zurück am Markt kann ich die historische Holländische Stube, direkt an der Hauptgracht, aus Herz legen. Dort in den urig-historischen Räumen fühlt man sich in Kaisers Zeiten zurückversetzt und kann excellent Speisen.

Ist das Wetter frühlingshaft schön, darf man im Biergarten direkt an der Gracht bei frisch gebackenen Waffeln oder Windbeuteln und einem holländischen Kaffee (mit Eierlikör) oder einem Pharisäer (Kaffee mit Rum) noch ein wenig weiterträumen.

Und auch das ist so schön am Frühling: man bekommt auf der Biergarten-Terrasse sehr wahrscheinlich einen Platz. Im Sommer kann das schon schwieriger werden.

Advertisements

Rosen aus Friedrichstadt

28050072711_714fcae5c4_o

Frei nach dem Walzer-Schlagertext “Tulpen aus Amsterdam” veranstaltet das nordfriesische Holländer-Städtchen Friedrichstadt einmal im Jahr seine Rosentage. Denn die Rosen gehören zu Friedrichstadt wie die Tulpen zu Amsterdam.

Wer im Früh-Sommer durch die Gassen der Friedrichstädter Altstadt bummelt, findet vor zahlreichen Häusern duftende Rosen. Mal üppig und ausladend, mal dezent aus dem Grün hervorlugend, von Lavendel umrahmt oder auch mal grazil bis staksig auf einem langen, dünnen Stamm balancierend.

Die Rosenpracht umrahmt alte Türen und hölzerne Sprossenfensterrahmen, harmoniert mit antiken Schaufensterauslagen, leuchtet an weißen Wänden, ziert sogar das Grau der Vernachlässigung.

28093570726_2351f2e42a_z

Mit dem „Friedrichstädter Rosenzauber“, so heisst das Fest offiziell,  wird aber nicht nur die allgegenwärtige Königin der Blumen geehrt, es findet auch ein großer Rosen- und Gartenmarkt unter den Bäumen des Marktplatzes statt.

Hier können Rosenliebhaber mit renommierten Züchtern fachsimpeln, sich an historischen Rosen, Strauch- und Beetrosen, Kletterrosen oder Rampler erfreuen und natürlich auch das ein oder andere Schätzchen mit nach Hause nehmen.

Und nicht nur der florale Vergleich erinnert an die holländische Metropole an der Amstel. Niederländische Treppengiebelhäuser und Grachten prägen das Stadtbild der idyllischen Kleinstadt hier bei uns im Norden. So kam  Friedrichstadt zu seinem liebevollen Beinamen „Klein Amsterdam“.

Die schmucken Giebelhäuser wurden von eingewanderten Holländen gebaut, die Grachten sind der geographischen Lage des Ortes und den Holländen geschuldet.

Friedrichstadt liegt in der Eider-Treene-Niederung, an der Mündung der Treene in die Eider. Um dort siedeln zu können, musste das Wasser gebändigt werden. Das erledigten die holländischen Gründungsväter so, wie Holländer es eben tun. Sie bauten Grachten.

28043658531_c81b3e0731_z

Es entstand ein kleines Juwel mit nunmehr 375jähiger Vergangenheit, das nicht nur zu den Rosentagen einen Besuch wert ist. Historische Hausfassaden und verträumte Winkel, gemütliche Cafés und Restaurants, kleine, liebevoll geführte Läden eingerahmt von Rosen und Grachten – eine bezaubernde Puppenhauskulisse. Amsterdam „en miniature“.

28047651471_bb847125d9_z

Wer Lust und etwas Mut hat, kann sich auf den Grachten im Stand-Up Paddling probieren (bei Stefanie gibt es einen SUP Einführungskurs), weniger Mutige erkunden die Treene-Kanäle im Tretboot oder bei einer Grachtenfahrt.

28094322866_ff584ca4c9_z

Ganz wie in Amsterdam.

Die Friedrichstädter Rosentage finden immer am ersten Wochenende im Juli statt.