Sommerpause

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Der Sommer macht Pause. 12 Grad und Regen. Gestern den ganzen Tag. Am Mittag ging bei uns sogar der Kaminofen an. Es war kalt und klamm im Haus. Im August! Nun ja, dann muss man sich den Sommer eben „schön essen“.

Inbegriff sommerlicher Genüsse sind für mich die frischen, heimischen Tomaten. Allein die Farbe bringt Sommerlaune. Und die reifen Schmorgurken, denn die gibt es tatsächlich nur im Sommer zu kaufen (eigene Versuche des Selbst-Anbaus scheiterten immer an den gefräßigen Schnecken).

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Ich habe ein Rezept, noch aus Kindertagen, dass ich mit Sommer verbinde:

Banditengulasch

(Herkunft und Bedeutung dieses seltsamen Namens
konnten nicht mehr ermittelt werden)

1 große Schmorgurke, 2 bis 3 rote Paprika,
4 große Zwiebeln, 5 bis 6 Tomaten
und ein Stück durchwachsenen Speck

Alles wird in rustikale Stückchen geschnitten und in folgender Reihenfolge in einem großen Topf mit etwas Olivenöl angeschwitzt:

Deckel drauf und gute 45 Minuten weiter schmoren lassen.
Fertig.

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Schnell noch ein genialer Tipp zum Tomatenschneiden: Ich finde das Stilausschneiden immer etwas lästig (vor allem bei größeren Mengen), bis mir jemand empfahl, die Tomaten quer aufzuschneiden. Dann von oben in Stücke schneiden und schon ist der Stilansatz entfernt.

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Allein die Zutaten geben so viel Aroma in das Gulasch, dass man komplett auf Gewürze verzichten kann. Wer es etwas kräftiger mag, gibt noch ein wenig Salz, Pfeffer und Cayennepfeffer dazu.

Klassisch isst man das Banditengulasch mit Salzkartoffeln. Ich liebe es aber auch ohne jegliche Beilage. Warm und sogar kalt gelöffelt. So schmeckt der Sommer.

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So, und nun mache ich auch erst mal Sommerpause und hoffe auf eine Pause von der Sommerwetter-Pause.

Sonnige Sommer-Grüße!

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Poesiealbum

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Hattet Ihr auch eines? So ein kleines, bunt eingeschlagenes Büchlein mit weißen Seiten, in das Eure Eltern, Lehrer und Schulkameraden tiefsinnige bis sinnlose Sprüche geschrieben haben?

Lebensweisheiten mit glitzernden Glanzbildern verziert? Glanzbilder von Rosen und Vergissmeinicht.

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Ich habe mein Poesiealbum nach vielen Jahren mal wieder zur Hand genommen, nachdem ich bei Lutz Prauser, dem Zwetschgenmann, einen Beitrag über genau dieses gelesen habe. Beim Durchblättern kam doch so einiges Erstaunliches zu tage.

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Lutz schreibt, dass Lehrer es gern mit Goethe hielten und siehe da, zu „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut“ wurde auch ich von meinen Lehrern ermahnt. Gleich zwei Mal! Und auch sie begnügten sich mit diesen ersten zwei Zeilen aus Goethes „göttlichem“ Gedicht.

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Einen sehr schönen Text (nach Peter Roseggere (1843 – 1918)) schrieb mir auch eine Lehrerin:

Ein bisschen mehr Freude und weniger Streit,
ein bisschen mehr Güte und weniger Neid,
ein bisschen mehr Wahrheit immerdar,
und viel mehr Hilfe bei jeder Gefahr!

Ein bisschen mehr „Wir“ und weniger „Ich“,
ein bisschen mehr Kraft, nicht so zimperlich;
und viel mehr Blumen während des Lebens,
denn auf den Gräbern da sind sie vergebens.

Dazu malte sie mir rosa Fingerhutblüten vor leicht im Wind gebeugten Grashalmen. Viel schöner als die Glanzbilder es je sein konnten.

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Auch ein Sinnspruch von Kleist wurde mir von einer Lehrerin ans Herz gelegt:

Frage dich immer in jeder Lage des Lebens, ehe du handelst:
Wie könnte ich hier am edelsten, am schönsten, am vortrefflichsten handeln?
Und was dein erstes Gefühl dir antwortet, das tue!

Edel und schön handeln ist heute wohl eher aus der Mode geraten. Wer macht sich noch Gedanken, ob sein Handeln edel und schön ist? Hat man heute überhaupt noch eine Vorstellung davon, was schönes Handeln sein könnte?

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Schülersprüche hingegen thematisierten meist Freundschaft und Glück, aber auch Pflicht und Fleiß. Schrieb man da vom Poesiealbum der Eltern ab?

Ja, „Spare, lerne, leiste was; dann hast du, bist du, kannst du was“, wurde mir doch tatsächlich von einer Mitschülerin geraten.

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Du kannst der Sonne nicht entgegeneilen,
auch nicht nachlaufen,
aber Du kannst sie immer
im Herzen tragen.

Diese weise Erkenntnis findet sich auch in meinem Poesiealbum.

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Und einen wunderschönen Fontane habe ich gefunden, in dem kleinen Büchlein:

Es kann die Ehre dieser Welt
Dir keine Ehre geben,
was dich in Wahrheit hebt und hält,
muss in Dir selber leben.

Das flüchtige Lob, des Tages Ruhm,
magst Du den Eitlen gönnen;
das aber sei dein Heiligtum:
vor dir bestehen können.

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Gibt es in Eurem Poesiealbum einen Spruch, der Euch tatsächlich im Bewusstsein blieb? Eine Lebensweisheit, Die Euch tatsächlich begleitet hat? Ich habe einen, der mich seit meiner Poesiealben-Zeit begleitet:

Redet einer schlecht von dir,
sei ‘s ihm erlaubt.

Doch du, du lebe so,
dass keiner es ihm glaubt!

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Nicht sehr poetisch und auch nicht besonders philosophisch aber auf jeden Fall „hilfreich und gut“.

Schnittlauch

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Maren vom Blog Von Orten und Menschen  inspirierte mich zu diesem Beitrag über dem Lavendel des Nordes, den Schnittlauch. Dass es im Süden Hamburgs tatsächlich Schnittlauchfelder gibt, die so violett leuchten wie der Lavendel in Südfrankreich, war auch mir nicht bekannt. Dass diese, wunderbar leuchtenden Schnittlauchblüten ganz herrlich frisch nach Schnittlauch schmecken, schon.

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Wem der Schnittlauch mal ins Kraut geschossen ist – wie Maren so schön formulierte – der zupft die Blütenbällchen auseinander und streut sich die violetten Teilchen aufs Quarkbrot oder über den Salat. Das sieht toll aus und schmeckt fast noch besser als der grüne Schnittlauch.

Aber auch die grünen Stängel sind etwas Feines. Ich habe zwei Salatrezepte, die Schnittlauch-Fans so richtig schön in Schnittlauch schwelgen lassen. Denn Schnittlauch schmeckt nicht nur auf Rührei…

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Ein ganz herrliches Rezept für heiße Tage, schnell gemacht, gut vorzubereiten und unheimlich lecker:

Blumenkohlsalat

1 Blumenkohl

1 bis 2 Päckchen Katenschinkenwürfel (a 200g)

500 ml Jogurt-Soße (ich nehme Sylter Soße)

Ganz viel Schnittlauch

Den Blumenkohl in Salzwasser kochen, abkühlen lassen, in kleine Stückchen schneiden und in eine Schüssel geben. Die Katenschinkenwürfel über dem Blumenkohl verteilen und die Jogurt-Soße über den Schinken gießen. Die Schüssel etwas schütteln, damit die Soße schön zwischen den Blumenkohl läuft (es wird geschüttelt, nicht gerührt!).

Auf die Soßenschicht so viel Schnittlauch verteilen, bis man keine Soße mehr sieht. Den Salat kalt stellen und auch schön kalt genießen. Wir essen diesen Salat als Hauptgericht.

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Vielleicht  eine gewagte Kombination aber auch überraschend lecker ist dieser Salat:

Tomaten – Bananen – Salat

 4 Tomaten auf 1 Banane

Vinaigrette aus Balsamico, Öl, Salz, Pfeffer

Schnittlauch

grober Pfeffer aus der Mühle

Die Tomaten in Scheiben schneiden und mit der Vinaigrette vermischen. Durchziehen lassen. Kurz vor dem Verzehr die Bananen in Scheiben schneiden und mit den Schnittlauchröllchen unter die Tomaten heben. Noch mal kurz ziehen lassen. Etwas groben Pfeffer aus der Mühle drübermahlen. Dieser Salat ist toll zum Grillen oder einfach nur mal so.

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Ich wurde mal gefragt, was ich mit meinem Schnittlauch mache, damit er so schöne dicke Stängel bekommt. Das ist der gute Marschboden, da war ich mir sicher.

Hier sollte jetzt ein Foto vom Terrassen-Schnittlauch erscheinen,
aber da war jemand schneller und hat ihn weggehäckselt.

Später fiel mir auf, dass Schnittlauch in gleicher Dicke auch aus den Fugen meiner Terrasse wächst und da ist nur Kies drunter. Dann wird‘s wohl eher die gute Nordsee-Luft sein…?!

 

 

Ganz viel Gans

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Habt Ihr das auch, feste Rituale vor Weihnachten, ohne die das Fest nicht kommen kann? Bei mir gehört ein Besuch beim Dithmarscher Gänsemarkt in Gudendorf seit ein paar Jahren auf meinen vorweihnachtlichen „Das-Muss-noch-Plan“. Gudendorf liegt auf dem Weg von Meldorf nach Brunsbüttel und ist, mal abgesehen von dem Gänsemarkt, recht unscheinbar. Aber dieser Markt lohnt einen Ausflug.

Der ortsansässige Geflügelzüchter setzt auf Selbstvermarktung und hat für sich ein besonderes Erfolgskonzept entwickelt. In seinem Markt dreht sich alles um die Gans und jetzt auch um die Zeit, die Gänse wohl nicht so besonders mögen, um die Weihnachtszeit.

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Schon im Eingang wird man von drei gefiederten Herrschaften begrüßt, lautstark. Die Drei, an viel Publikum gewöhnt, zeigen sich bei jedem neuen Gast von Ihrer besten Seite. Neugierig strecken Sie einem die Hälse entgegen und kommentieren jedes Foto mit ohrenbetäubendem Geschnatter.

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An den Dreien vorbei tritt man ein in die Gänse-Deko-Weihnachtswelt. Geschmückte Tannen zieren die große Markthalle, rustikale Tische und Bänke laden zum Gänsekeulen-Essen oder Kaffeetrinken ein, am langen Tresen kann man sich seinen Weihnachts-Gänsebraten aussuchen.

Wer noch Lücken in der häuslichen Weihnachtsdekoration hat oder ein schönes Geschenk sucht, der wird hier fündig. „Gans“ sicher!

Aber auch ohne spezielle Wünsche macht das Schauen und Entdecken viel Freude. Kein Kitsch weit und breit, jedes einzelne Stück scheint handverlesen, im nordischen Stil, unaufdringlich, ländlich charmant.

Und natürlich wird man auch gebührend verabschiedet, wenn man dann gestärkt, beglückt und bepackt wieder an den drei Herrschaften vorbeikommt.

Na dann mal“ „Frohe Weihnachten!“ – wenn Ihr wüsstet, was ich in meiner Tüte habe…

Der Dithmarscher Gänsemarkt hat von April bis Dezember geöffnet. In den Sommermonaten kann man dort, mit ein bisschen Glück, das Schlüpfen der Gänseküken beobachten.

Wiehnachtstiet

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Weihnachtslieder singen, heiße Schokolade trinken und weihnachtlichen Geschichten lauschen. Das hört sich sehr nach längst vergangenen Kindheitserinnerungen an.

So habe ich mich auch in meine Kindheit zurückversetzt gefühlt, bei der plattdeutschen Weihnachtslesung mit musikalischer Begleitung im Koog-Café bei uns im Koog.

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Weihnachtlichen Geschichten, mal zum Schmunzeln, mal frech und auch mal nachdenklich stimmend; auch alte Geschichten mit aktuellem Bezug.

Die Geschichte der klugen Gans, die, um ihrem weihnachtlichen Schicksal im Ofen zu entgehen, sich in der Vorweihnachtszeit zum besten Freund des Bauern machte. Der klugen Gans, die als liebgewonnenes Familienmitglied am Weihnachtsabend mit an der Festtafel saß. Auf dem Schoss des Bauern – op den Buer sien Schoot.

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Oder eine Geschichte aus der Nachkriegszeit, in der Bauernschläue Wunder vollbrachte. In einer Zeit, in der unangemeldetes Schlachten streng verboten war und viele hungrige Flüchtlinge auf den Höfen einquartiert waren.

Um auch Ihnen ein kleines Festmahl zu ermöglichen, schlachtete ein Bauer 2 Schweine, meldete aber nur eines an. Der Fleischbeschauer untersuchte die beiden Schweinehälften, die von je einem der Tiere stammten, und stellte fest: „Dat is een Wunner!“.  Das Schwein hatte zwei Ringelschwänze…

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Dazu die Musik von VILOU – dem Eiderstedter Duo Vio & Lou. Ob „Jingle Bells“, „Rudolph the Red-Nosed Reindeer“, „Feliz Navidad“ oder „Let It Snow“ – Lou’s wundervolle Stimme und Vio´s einzigartiges Spiel auf der Geige zauberten eine fröhlich-weihnachtliche Stimmung.

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Da die Weihnachtszeit auch immer das nahende Ende des Jahres ankündigt, passte das Gedicht von Fritz Lau ganz wunderbar als Ausklang zu diesem stimmungsvollen Nachmittag.

Fritz Lau (1872 in Möltenort bei Kiel – 1966 in Schleswig)

Wat is een Johr, wat is een Dag,
Wat is een Stünn, wat is een Nacht,
Wat is mien Leven, wat is dien:
en korten Stremel Sünnenschien,
en korten Stremel Ebb un Floot,
en korten Stremel Glück un Noot.
De Tiet de löppt un wi loopt mit,
de Tiet de röppt, hool Tritt, hool Tritt.
Uns Tiet is groot, groot is uns Dank,
dat wi dor noch sünd merrenmang.

Und auf besonderen Wunsch verabschiedeten sich Vio & Lou mit ihrer berührenden Interpretation des wohl bekanntesten und auch schönsten Plattdeutschen Liedes „Dat du min Leevsten büst“.

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Vader slöpt, Moder slöpt, ick slap aleen, Vader slöpt, Moder slöpt, ick slap aleen„. War es nur Sternenstaub oder sah ich da das ein oder andere Tränchen blitzen?

24. November…

… und der Countdown läuft – in großen Schritten auf das Frohe Fest zu. Man könnte auch sagen, der Weihnachts-„Stress“ geht los. Unaufhaltsam.

Die Weihnachtsmärkte sind vielerorts schon aufgebaut und warten auf ihre Eröffnung. Noch glitzert nichts im weißen Schnee, noch riecht es nicht nach gebrannten Mandeln oder Glühwein. Noch fegt der nasse Wind um die geschlossenen Buden, warten die letzten Tannen auf Lichterkette und Kugelschmuck.

Aber spätestens am nächsten Wochenende geht’s los. Dann muss die Weihnachts-Deko stehen, der Adventskranz gebunden, die ersten Plätzchen gebacken und der Adventskalender aufgehängt sein.

Im besinnlichen Schein der ersten Kerze kann die Planung weitergehen. Was kochen wir, was schenken wir, wer besorgt den Baum und wo ist der Christbaumständer? Ach, wir lassen das in diesem Jahr mal ganz ruhig angehen…

Und doch, dann stehen wir tütenbepackt auf dem Weihnachtsmarkt, im Gedränge, vor dem Glühweinstand, und während wir mit dem viel zu heißen, viel zu dünnen Glühwein durch die nachdrängende Menge zirkeln, fragen wir uns „Warum kann das hier nicht mal etwas besinnlicher zugehen?“

So eilen wir durch die Vorweihnachtszeit, emsig beschäftigt, denn alles soll perfekt werden. Mit jeder Kerze am Kranz nimmt die Geschäftigkeit zu. Unsere ortsansässige Zeitung druckt den Countdown sogar auf die erste Seite: „Noch 24 Tage bis Weihnachten,…, noch 5 Tage…, noch 4…“. Oh man…

„Noch 1 Tag bis Weihnachten“ und dann ist es soweit! Dann hätte man die Zeit und die Muße mal so ganz gemütlich über den Weihnachtsmarkt zu bummeln. Dann könnte man Glühwein und Weihnachtsdüfte mal so richtig in Ruhe genießen. Aber Weihnachten haben die (meisten) Weihnachtsmärkte zu.

Ob es wenigstens mit dem Schnee an Weihnachten was wird? Wir werden sehen.

 

Blog-Geburtstag mit Torte

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Mein Blog hat seinen ersten Geburtstag (!) und ich könnte Euch jetzt voller Stolz meine Statistiken der 50 Beiträge, der 3000+ Klicks, der fast 300 Likes und 770 Besuchern aus 18 Ländern präsentieren. Findet Ihr langweilig? Na gut.

Aber was wäre so ein Geburtstag ohne eine richtig leckere Geburtstagstorte? Also gibt es als Alternative meine Lieblings-Winter-Apfel-Whiskey Torte.

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„Torte kann ich nicht“, habe ich lange gedacht. Meine ersten Versuche waren auch nicht sehr ermutigend. Der erste Boden blieb flach wie ’ne Flunder, der zweite sah aus wie ein Maulwurfshügel. Danach gab’s lange Zeit nur Topfkuchen.

Bis ich irgendwann mal auf das Tortenbodenrezept schlechthin gestoßen bin. Ohne viel Schisslaweng, ohne Eischnee und Gedöns und ohne die Küche in ein Schlachtfeld zu verwandeln. Aber mit Geling-Garantie!

Mein 100 g-Tortenboden:

100 g flüssige Butter (wirklich flüssig – nicht nur weich) mit 100 g Zucker schaumig rühren.
Dann 3 Eier unterrühren.

100 g Mehl mit einem Päckchen Backpulver (ja, ein ganzes Päckchen) und einer Prise Salz unterrühren.
100 g gemahlene Mandeln unterrühren.

Für die Blog Geburtstags-Apfel-Whiskey Torte kommen noch 3 Esslöffel Schokostreusel und 3 bis 4 gewürfelte Äpfel in den Teig.

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Den Teig in eine gebutterte (geht gut mit einem Stück Butter, dass man mit einem Stück Küchenrolle verreibt) und mit Mehl ausgestäubte Tortenringform (26 cm) füllen, glattstreichen und bei 175 Grad gute 30 (ohne Äpfel nur knappe 25) Minuten backen (Ober- und Unterhitze).

Nach dem Auskühlen träufle ich ein Schnapsgläschen Whiskey-Likör über den Boden. Dann 400 ml Sahne mit 2 Päckchen Vanillezucker, einmal Sahnesteif und einem Teelöffel Zimt gut steif schlagen und schön „fluffig“ auf dem Kuchen verteilen.

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So, nun werde ich mir ein schönes, großes Stück aus der Blog Geburtstags- Apfel-Whiskey Torte schneiden, eine Kerze anzünden und ein bischen Geburtstag feiern (allem Terror in dieser Welt zum Trotz!).

Landleben

Nachtrag 08. Januar 2016 :
Ilona vom Blog „
wandernd – wandering.wondering.travelling“ hat zur Blogparade „Stadt oder Land?“ aufgerufen und ich fand, das dieser Post ganz gut dazu passt und habe ihn eingereicht.


Auf Claudia‘s Blog Meerart bin ich auf eine interessante Diskussion zu Ihrem Beitrag Leben und arbeiten in St. Peter-Ording? gestoßen. Darin geht es um die Liebe zum Meer, Wohnen und Arbeiten am Meer, um St. Peter Ording (ein toller Ort zum Leben) und auch um naturnahes Landleben generell.

Ein Landleben, für das sich heute viele Menschen entscheiden würden, gäbe es dort ein schnelles, stabiles Internet. Das brauchen sie, um von Zuhause arbeiten zu können. Was es aber leider oft nicht gibt, auch nicht in St. Peter Ording…

Um es gleich vorwegzunehmen, ich gehöre zu den Glücklichen, die dank Internet von Zuhause arbeiten können. An der Nordsee, in Dithmarschen, gleich hinterm Deich, aber auch ohne wirklich schnelles Internet. Das schränkt zwar ein und man muss seine Arbeitsabläufe ein wenig umorganisieren, entschleunigen sozusagen, aber es geht. Ganz gut sogar.

Hier bei uns im Koog gibt’s nicht mal ein wirklich stabiles Stromnetz. Bei fast jedem Sturm haben wir Licht aus, auch mal so zwischendurch; nach Orkan Christian war’s 2 Tage dunkel! Und wenn’s schneit (was allerdings selten vorkommt), dann geht hier oben wirklich nicht mehr viel. Schnee kommt hier meist mit Oststurm, der türmt die Wehen meterhoch.

Die ARD bringt schon einen Brennpunkt zum „ Schnee-Chaos“ wenn ein paar Flüge ausgefallen sind, ein paar Züge auch, es Stau gab und jemand auf dem glatten Gehsteig ausgerutscht ist. Oh ja, wir lieben die Natur, aber nur so lange, wie sie unsere Mobilität nicht einschränkt!


Generell finde ich den Wunsch, auf dem Land zu leben, absolut nachvollziehbar (hatte ich ja auch), aber das Landleben wird auch gern ein wenig romantisiert. Auch das Landleben fordert Kompromisse, auch hier an der Nordsee, genau wie das Leben in der Stadt.

Mit dem Wohnen geht’s schon los. Vermietet wird hier nur an Feriengäste, wer hier leben will, muss kaufen. Das geht ja noch in vielen Teilen Dithmarschens, aber habt Ihr Euch die Immobilienpreise auf Eiderstedt und vor allem in St. Peter Ording mal angeschaut? Nicht jeder kann oder will sich das leisten.

Da wo Wohnen noch wirklich „günstig“ ist, da gibt’s keine Infrastruktur, keinen Bus, keinen Arzt, keinen Laden, keinen Bäcker, oft nicht mal mehr einen Gasthof, auch keinen St. Peter Strand gleich vor der Tür; deshalb ist es ja günstig!

Hat man dann sein Haus gefunden, geht’s weiter: Restaurieren, Renovieren, Organisieren. Steichen, Putzen, Fliesen kleben – Mauern, Täfeln, Sägen, Bohren – das alles sollte man mögen und auch ein Stück weit können. Es ist ja immer was.

Meist gibt es Häuser nur mit Garten drum rum. Und ob klein oder groß, soll es nicht irgendwann zum Fenster hereinwuchern, muss man sich auch um Garten kümmern. Heckenschere, Rasenmäher, Schubkarre – Harke, Forke, Spaten, Gummistiefel – wer keinen grünen Daumen hat, wird’s lernen.

Ach ja, in so ein Haus auf dem Land gehört auch ein Ofen, unbedingt (!), und schon geht’s weiter mit Axt, Kettensäge und Holzspalter…


Und wer sich wirklich auf so ein Landleben einlassen mag, der hat auch bald einen kleinen Nutzgarten und Haustiere. Spätestens dann ist es vorbei mit der persönlichen Spontanität und Unabhängigkeit. Dann ist man eine täglich wiederkehrende Verpflichtung eingegangen.

Aber spätestens dann ist man auch angekommen, im Leben auf dem Land – im Einklang mit der Natur.

Dithmarscher Kohltage

Der Kohlanbau gehört zu Dithmarschen wie das Salz in die Nordseeluft. Das liegt an dem guten Marschboden hier bei uns. Der Marschboden eignet sich besonders gut für Kohlanbau und so kann man zurzeit weitläufige Kohlfelder in den Dithmarscher Marschgebieten bestaunen.

Auch wenn der Kohl deutlich überwiegt, wird in der Marsch auch viel Gemüse angebaut. Felder von Möhren, Kohlrabi, Sellerie, Rote Beete, Porree oder Erbsen. Besonders die Erbsenfelder hatten mich, als ich nach Dithmarschen kam, fasziniert. Erbsenanbau kannte ich natürlich aus „Opa’s Garten“ – so zwei Reihen – ein ganzes Feld voller Erbsen hatte ich noch nicht gesehen.

Aber nicht nur der Boden macht die Marsch zur Gemüsekammer, auch die Nähe zur Nordsee ist beim Kohl- und Gemüseanbau hilfreich. Der fast nie versiegende, frische Nordseewind vertreibt die „Schädlinge“, die sich sonst so gerne an unserem Gemüse bedienen. Und irgendwie schmeckt das frische „Marschgemüse“ auch besonders intensiv (oder bilde ich mir das nur ein…?).

Der Kohlanschnitt, offizieller Begin der Kohlernte, wird seit Jahren im Rahmen der Dithmarscher Kohltage gefeiert und dann dreht sich alles um den Kohl – vor allem kulinarisch. Für einge ist Kohl ja immer noch das „übelriechende“ Armeleute-Essen; wie lecker Kohl jedoch daherkommen kann, lässt sich während der Kohltage in vielen teilnehmenden Gaststätten erfahren.

Mein Kohl-Favorit ist der Dithmarscher Kohlpudding. Traditionell in einer (Kohl-)Pudding-Form im Wasserbad zubereitet, kann man ihn aber auch in einer runden Auflaufform mit Deckel machen. Kohlpudding erinnert geschmacklich sehr an Kohlrouladen, ist aber deutlich simpler zu realisieren. Man spart das Blanchieren der Kohlkopfs (der sowieso in keinen Topf passt…) und das Wickeln.

Meinen Kohlpudding mache ich so:

Einen schönen Weißkohl-Kopf in dreieckige Stücke schneiden und in Salzwasser etwas weich kochen.

Das Hack (gute 800g) wie gewohnt (mit Ei, Salz, Pfeffer, Semmel, usw.…) anmachen.

Die Kohlblätter und das fertige Hack abwechselnd in eine Auflaufform (mit Deckel) schichten und bei 200 Grad ’ne Stunde in den Ofen. Dann nochmal ’ne halbe Stunde bei 180 Grad ohne Deckel weitergaren.

Aus dem Kohlwasser, etwas Speck, Zwiebeln und kleinen Kohlstückchen eine Soße „zaubern“.

Das ist lecker und gesund!

Der gesunde Kohl ist im Kohlosseums (Kohl-Museum, Krautwerksatt und Bauernmarkt im historischen Gebäude der alten Sauerkrautfabrik in Wesselburen) Programm. Neben Bio-Natursauerkraut und Sauerkrautsaft – alles in Handarbeit hergestellt – gibt es, man darf staunen, auch Kohl-Salbe und Kohl-Shampoo.

Und auf dem Meldorfer Kohlmarkt habe ich sogar einen Stand mit Rotkohl-Eis gesehen, es aber nicht probiert, muss ich gestehen. Das war mir dann doch zu gewagt…

Wer die Kohltage in diesem Jahr verpasst hat, darf sich auf die 30. Dithmarscher Kohltage vom 20. bis 25. September in 2016 freuen.

Ich war fremd

„Ich war fremd“ ist das Thema einer Blogparade, zu der Friederike vom Landlebenblog aus aktuellem Anlass aufgerufen hat. Zitat aus Ihrem Beitrag:

„Wenn ich in diesen Wochen wie erstarrt vor dem Computer sitze und das Gerät mir im Minutentakt die FlüchtlingsNeuigkeiten dieser Welt auf den Bildschirm vor die Augen spuckt und irgendeine Reaktion von mir erwartet, dann denke ich viel nach über das Fremdsein und das Sich-fremd-fühlen. Darüber, was es braucht, von außen und von innen, daß ein Fremder sich nicht fremd fühlt. Darüber, ob jemand, der sich niemals fremd gefühlt hat, nachempfinden kann, was Fremdsein heißt.“

Den ganzen Beitrag und den Aufruf zur dieser Blogparade findet Ihr hier: Blogparade: Ich war fremd

Fremd habe ich mich weniger gefühlt, aber oft allein. Wobei man ja auch in seiner gewohnten Umgebung allein sein kann. Mein Gefühl des Alleinseins hatte jedoch auch immer etwas mit „fremd sein“ zu tun. Ich glaube, wer sich fremd fühlt, fühlt sich auch allein.

Während meines Studiums in Hamburg war ich für einige Wochen auf der Meteor (Praktikum auf einer Forschungsschiffreise) vor Westafrika. Das war damals mein erster Flug überhaupt (nach Dakar), allein, und mein erstes Weihnachten ohne die Familie. Der Heiligabend an Bord ist mir immer noch sehr deutlich in Erinnerung:

Die Mannschaft, frisch geduscht und in Schapptüch, saß mit fast kindlicher Ehrfurcht am Weihnachtstisch. Am Nachmittag hatte jeder über Norddeich Radio mit der Familie telefoniert, Sehnsucht und ein bisschen Traurigkeit lag den ganzen Abend im Raum. Wir waren gemeinsam allein.

Auch noch zur Studienzeit hatte ich das Segeln für mich entdeckt. Charterfahrten von einem Amsterdamer Yachtclub aus. Das waren Urlaube mit fremden Menschen auf 20 Meter Boot. Wenn auch die gemeinsame Liebe zum Segeln schon mal ein Band knüpfen konnte, so gab es Törns, auf denen man gleich zu einer großen Familie wurde und andere, auf denen man sich doch fremd blieb.

Woran das lag, habe ich nie wirklich herausgefunden.

Einer dieser Segeltörns führte mich auch nach Ägypten, eine Überführungsfahrt von Hurghada nach Kreta, gemeinsame Anreise von Amsterdam aus. Pilotenstreiks in Griechenland trennten mich von der Truppe und ich strandete Tage zu spät allein in Kairo. Damals noch ohne Handy oder Kreditkarte, mit wenig Bargeld und vor allem ohne Rückflugticket.

So fremd und allein habe ich mich nie wieder gefühlt! Mit einem Brief auf Arabisch (von einem freundlichen Ägypter, der Deutsch verstand) habe ich mich dann durchs Land geschlagen, bis ich in Suez mein Schiff erreichte.

Dieses Glücksgefühl, an Bord zu gehen, werde ich nicht vergessen und auch den hilfsbereiten Ägypter und seinen Brief nicht.

Nach dem Studium führte mich mein erster Job auch gleich wieder ins Fremde. 2 Jahre Entwicklungshilfe auf Sri Lanka (GTZ Projekt). Klar, andere machen dort Ihren Traumurlaub, aber es ist doch etwas anderes, mit 2 Zarges-Boxen auszureisen, um dort zu leben.

Schon der Hinflug ließ mich wieder (ver-)zweifeln. Wir mussten nachts einen Zwischenstopp in Karatschi einlegen, da wir in Colombo auf Grund einer Ausgangssperre (1989 – zur Zeit der Unruhen) keine Landeerlaubnis bekamen.

Auf dem Flughafen in Karatschi wurden wir von schwerbewaffneten Sicherheitskräften in Empfang genommen, unsere Pässe eingesammelt und wir in einen Bus gesteckt. Erklärungen gab es nicht. Fremd und allein – und da konnte auch nichts und niemand helfen.

Viel später habe ich sogar erfahren, dass ein Ehepaar der deutschen Botschaft auf dem gleichen Flug war und sich, auch als Botschaftsangehörige, nicht gegen diese Willkür wehren konnte.

Sri Lanka, Ghana, Guinea, Indonesien, das waren meine beruflichen Auslandstationen und es begann jedes Mal als Fremder. Das war nicht immer einfach, aber ich habe auch unendlich viel gelernt in dieser Zeit.

Ich habe gelernt, in mir selbst zu sein, mich auf wenig reduzieren zu können, aber auch offen und tolerant, neugierig und auch ein bisschen demütig und vor allem dankbar zu sein. Dankbar für ein nettes Wort, für eine Einladung oder einen Ausflug. Oft sind es die ganz kleinen Gesten einzelner Menschen, die einem das Fremdsein erleichtern können.

Die sogenannte „Willkommenskultur“ in unserem Land, im Ausland sehr positiv wahrgenommen, von unseren Medien mit ihrem oft so vorschnellen  „…,aber…“ gleich wieder in Frage gestellt, ist auch so eine Geste.

Dass es auch ganz anders laufen kann, haben wir in den Bildern aus Ungarn gesehen. Wie grausam muss es sein, so kurz vor dem Ziel, nach all den schrecklichen Strapazen, Ängsten und Gefahren, so betrogen zu werden (die Busse ins Lager…).

Abends denke ich jetzt oft, wie glücklich ich mich schätzen kann, in meinem eigenen Bett schlafen zu können. Allen Flüchtlingen wünsche ich von Herzen, dieses Glück auch bald wieder erleben zu dürfen!