Frühstück in Hamburg – nach einer gespenstischen Nacht

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Wie viele Wochenenden hat das Jahr? Etwas mehr als 50 und ich suchte treffsicher genau das Wochenende für einen Kurztrip aus, an dem sich die Regierenden trafen und der Mopp regierte.

Die Theaterkarten fürs Schmidt Theater hatte ich bereits im November gekauft und dabei den Gipfel noch so gar nicht auf dem Schirm.

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Erst als ich ein Hotel buchen wollte und mich die astronomischen Preise zunehmend stutzig machten, kam mir der erste Verdacht, der sich leider bestätigte. Mist!

Aber wir sind keine Hasenfüsse, lassen uns von „bürgerkriegsähnlichen Zuständen“ (liebe Medien, was ist denn das für ein Vergleich??) nicht verschrecken, fanden doch noch eine bezahlbare Unterkunft auf Airbnb (ich hatte noch nie privat logiert – spannend!) und machten uns Samstagmittag auf den Weg nach Hamburg.

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Wir schafften es staufrei nach Winterhude, zwischenfallfrei mit der U-Bahn an die Landungsbrücken (nur am Rödingsmarkt hielt sie nicht, dort warteten die Einsatzkräfte auf ihren Einsatz) und ließen uns dann von einer seltsamen Atmosphäre durch St. Pauli treiben.

Kreisende Hubschrauber, Martinshörner, Musik auf einer Bühne, eine autofreie Reeperbahn, Blaulichter, ein buntes Volk mit Rucksäcken und kleinen Transparenten, Forderungen nach Solidarität.

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Nach der Theatervorstellung standen wir vor dem vergitterten Eingang der U-Bahn Landungsbrücken. Der Bahnverkehr war eingestellt. Kurze Ratlosigkeit.

Die freundlichen Polizisten (aus Würzburg!) an der Straßensperre meinten, dass dort ab und an ein Taxi strandet und wir hatten tatsächlich Glück.

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Die nächtliche Fahrt durch Hamburg, durch die leeren, dunklen Straßen, nur das stete Brummen der Hubschrauber über der Stadt, war gespenstisch. Wir fuhren am Rödingsmarkt vorbei, am Rathaus, den Jungfernstieg entlang, alles leer, an der Alster und dem Atlantik Hotel vorbei.

„Hier hat die Merkel gewohnt, die ist schon weg, den Trump wollte ja keiner, der war im Gästehaus, wo der Putin geschlafen hat, weiß ich nicht, …“ plauderte der Taxifahrer.

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Der Sonntagmorgen erwachte wie aus einer anderen Welt. Blauer Himmel, Sonne, friedliche Stille, das glitzernde Wasser des Osterbekkanals und keine 100 Meter von „unserer Wohnung“ entfernt lag der Bootsanleger und Bootsverleih Dornheim am Kaemmererufer. Dort erwartete uns das fröhliche Bild sonntäglicher Familien-Aktivitäten.

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Picknick-Taschen schleppen, Kinderlachen, Paddel aussuchen, Ruderboot oder Tretboot mieten, eine Bootstour auf dem Kanal geniessen – eben ein ganz normaler Sonntag in Hamburg.

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Und wir saßen in der Sonne, genossen unser mediterranes Frühstück im Restauratnt „Zur Gondel“, schauten auf’s Wasser und waren uns so was von einig: das hier ist real, die letzte Nacht war aus der anderen Welt. Hamburg ist einfach schön!

Auf der Heimfahrt hörte ich im Radio, dass sich tausende Menschen auf Facebook für „Hamburg räumt auf“ angemeldet haben. Gänsehaut. Die erste gute Nachricht an diesem Wochenende. Das ist Solidarität!

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13 Gedanken zu “Frühstück in Hamburg – nach einer gespenstischen Nacht

  1. Liebe Ulrike, war natürlich nicht das ideale Wochenende – andererseits kannst Du das alles jetzt aus eigenem Erleben einordnen. Ich wohne ja auf St. Pauli und konnte besorgten Freunden und Verwandten gar nicht richtig erklären, dass es sich überhaupt nicht so bedrohlich anfühlte, wie man aus der Ferne dachte. Abgesehen von den Hubschraubern habe ich hier (exakt zwischen Reeperbahn und Schanze) im Gegenteil eine Ruhe wie nie gehabt. So ganz ohne Autos und mit den vielen netten Polizisten 🙂 Aber das glaubt einem natürlich niemand, der es nicht selbst gesehen hat. Liebe Grüße, Stefanie

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    1. Nee, das glaubt einem wirklich niemand, vor allem nicht bei der Berichterstattung. Wir fanden „autofrei“ auch super entspannend. Und ich bin echt froh, dass wir nicht gekniffen haben, da war nichts wirklich bedrohlich. Beim Kaffee an den Landungsbrücken kamen wir mit einer Dame ins Gespräch, die ich so Richtung Blankenese eingeordnet hätte. Tatsächlich kam sie gerade von einer Demo und erklärte uns, dass es abends auf der Reeperbahn ruhig bleiben wird. Man wird doch immer wieder erstaunt.
      LG Ulrike

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  2. Ich kann mich dem nur anschließen: gut, dass Euch nichts passiert ist! Hamburg einmal anders😳…. welche Erfahrungen habt ihr denn mit airbnb gemacht ? Liebe Grüße, M.

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  3. Liebe Marina, uns kann doch so schnell nichts erschrecken… airbnb fand ich toll, klappte alles reibungslos und „unsere“ kleine Wohnung in Winterhude am Kanal war echt schnuckelig. Würde ich immer wieder machen. Liebe Grüße nach Hessen, Ulrike

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