Land der verlorenen Horizonte

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In meinem Blog sollte es nicht politisch werden; ich habe auch lange überlegt, es sogar an den Flügeln abgetentert: „soll ich – soll ich nicht – soll ich…?“ und dafür entschieden. Aber nur einmal, nur weil es mir so wichtig ist…

Schon lange frage ich mich, warum die Zerstörung unserer Landschaften, Horizonte und Sternenhimmel immer noch so wenige Menschen aufschreckt. Warum immer noch so viele die Windenergie als alleinigen Retter unseres Klimas ansehen.

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Ein Gedanke von Botho Strauß (aus: „Der Untenstehende auf Zehenspitzen“, zitiert in „Geopferte Landschaften“), konnte es mir zumindest erklären:

„Eine brutalere Zerstörung der Landschaft, als sie mit Windkrafträdern zu spicken und zu verriegeln, hat zuvor keine Phase der Industrialisierung verursacht. Es ist die Auslöschung aller Dichter-Blicke der deutschen Literatur von Hölderlin bis Bobrowski.

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Eine schonungslosere Ausbeute der Natur lässt sich kaum denken, sie vernichtet nicht nur Lebens-, sondern auch tiefreichende Erinnerungsräume.

Dem geht allerdings voraus, dass für die kulturelle Landschaft allgemein kaum noch ein Empfinden lebendig ist. So verbindet sich das sinnliche Barbarentum der Energieökologen dem des Massentourismus.“

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Massentourismus – Bettenburgen, wo sich einst einsame Sandstrände fanden, ja, ganze Küstenstreifen wurden für immer durch riesigen Hotelanlagen zerstört. Und auch diese Entwicklung wurde von grossen Teilen der Bevölkerung hingenommen.

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Ist Euch schon mal aufgefallen, dass auf Eiderstedt so gut wie keine Windkraftanlage steht? Wie intensiv man dort noch Landschaft empfindet? Wie ruhig und entspannt man wird, wenn das Auge über die grüne Weite und den hohen Himmel schweift?

Auf Eiderstedt wurde schon vor Jahren ein EU-Vogelschutzgebiet eingerichtet, dass u.a. keine neuen Windkraftanlagen und das Verbot, Grün- in Ackerland umzuwandeln, vorsieht.

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Aber wir können ja nicht alle auf Eiderstedt leben.

Ach ja, bevor es Missverständnisse gibt: der AKW-Ausstieg ist alternativlos, der planlose Wildwuchs des WKA Ausbaues aber nicht. An alternativen Lösungskonzepten wird nur leider so gut wie nicht gearbeitet.

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Enoch zu Guttenberg, einer der Gründungsväter des BUND schreibt in „Geopferte Landschaften“:

Diese Energiewende spottet ihres Namens. … Wir brauchen die Wende des Systems, das hinter allem Unglück steht. Wir brauchen das Ende des grenzenlosen Wachstums. Dafür haben sich einmal die Gründungsväter des BUND zusammengefunden und nicht für das „Weiter-So“ unserer Verbrauchergesellschaft, die sich mit jedem neuen Windrad ein neues Denkmal setzt.“

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Solche Denkmäler haben wir in Dithmarschen mehr als genug. Um genau zu sein sind es mittlerweile 829.

Buchempfehlung: „Geopferte Landschaften“ von Georg Etscheit (Herausgeber) mit  Beiträgen von Wissenschaftlern, Energieexperten, Umweltschützern, auch Künstlern und u.a. Enoch zu Guttenberg.

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16 Gedanken zu “Land der verlorenen Horizonte

  1. Botho Strauß war wohl nie im rheinischen Braunkohlerevier, wo Landschaft großflächig abgebaggert, nicht nur die Natur, sondern auch ganze Dörfer zerstört werden. Schlicht alles was dem Bagger im Weg steht.
    Ja, der Ausstieg aus der Atomenergie ist alternativlos, aber noch niemand hat herausgefunden, wie man Energie erzeugen kann, ohne auf irgendeine Art die Natur zu zerstören. Das Grundproblem ist die hemmungslose Vermehrung der Menschen. Immer mehr Menschen brauchen immer mehr Energie, immer mehr Wohnraum, immer mehr Massentourismus, produzieren immer mehr Müll. Das Mittel der Wahl wäre gesundschrumpfen. Anstatt Menschen zu bestrafen, die sich nicht reproduziert haben, sollte man sie belohnen. Da wird nur geschaut, ob die Rente sicher ist (sie ist es so oder so nicht) aber nicht: Wo sollen die zahlreichen Nachkommen wohnen? Was sollen sie essen? Woher bekommen sie ihre Energieversorgung?

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  2. Ja, und es werden noch mehr. Weitere 57 sind vor Inbetriebnahme und 76 im Genehmigungsverfahren. Nordfriesland ist übrigens noch auf Platz 2 in Schleswig-Holstein. Da drehen sich jetzt 750 aber es können bis zu 1150 werden…

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  3. Liebe Ulrike, ich stimme Dir zu 150 % zu. Als ich bei meiner Stiefschwiegeromi in Kronprinzenkoog war, habe ich erleben müssen wie laut diese Dinger sind und welche Schatten die werfen und wie störend das ist – für Menschen und Tiere – für die ganze Natur. Mittlerweile sind die en gros auch bei uns hier in Lübeck und Umgebung angekommen und ich empfinde sie auch hier als sehr störend – gerade auch für den Weitblick, den man manchmal so sehr als Erholung benötigt. Es ist sehr traurig. Ich weiß nicht, was die Alternative sein kann, aber wenn jeder so energiesparsam leben würde wie einige von uns, dann wäre das Problem bereits gelöst. Dann bräuchten wir nicht ganze Landschaften zerstören mit Windkrafträder oder Höchstspannungsleitungen verlegen. Dann wäre die Welt noch in Ordnung. Deswegen stimme ich auch Bodo59 zu ❤

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  4. Oh ja, im Kronprinzenkoog war man auch nicht sparsam beim Aufstellen. Und ja, der Schattenschlag, der kann auch nerven. Da freut man sich auf Tage ohne Sonne – das kann es doch auch nicht sein… LG Ulrike

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  5. Ja, liebe Ulrike, das ist so schwierig alles. Wir sind einfach ein viel zu viele in Deutschland. Man kann die Dinger auch als Mahnmale sehen, finde ich. Und vielleicht ist es ja auch gar nicht so schlecht auf die Dauer, dass sie die Menschen stören. Dann arbeitet man möglicherweise doch irgendwann an Alternativen?! Obwohl … naja, … ich weiß auch nicht…. LG, Stefanie

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  6. Ja, es gibt zu viele Menschen auf Mutter Erde, aber wer kann wie was dagegen tun? Und wir brauchen alternative Energien, und jede, die sich der Lage bewußt ist, sollte versuchen zu sparen. Aber leider haben wir es weder mit idealen Personen, noch mit idealen Technologien zu tun. Vielleicht sind diese Turbinen nur eine Phase, durch die wir durch müssen, bis wir etwas idealeres finden?

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