Wenn Große gehen…


Die Trauer um einen Menschen, den man nicht persönlich kennt, habe ich das erste Mal in der Schulzeit erlebt. 1980, als John Lennon ermordet worden war. Unser Deutschlehrer kam an jenem Morgen in die Klasse und war sichtlich erschüttert. Er hatte die Nachricht im Autoradio gehört.

Für Ihn war John Lennon mit seiner Musik, aber vor allem wegen seines Einsatzes für den Weltfrieden, das Vorbild der eigenen Generation. Ich war wohl noch zu jung um das nachzuempfinden, aber beeindruckt hatte es mich sehr.


Später ging es mir ähnlich, 1992, als Willy Brand stab. Willy Brand, der Visionär und Begründer der Ost-Annäherung, der Grundsteinleger der Wiedervereinigung.

Da hatte ich das erste Mal selbst das Gefühl, dass ein Großer gegangen ist. Empfand das erste Mal selbst diese Trauer, durfte mich in sein Kondolenzbuch eintragen.

Einem Buch, in Leder gebunden, mit sehr wertigen Papierseiten, ausgelegt in der Deutschen Botschaft in Colombo, Sri Lanka. Noch heute bin ich froh darüber, Ihm diese letzte Ehre erteilt zu haben.


Dann 1995 der Tod von Jitzchak Rabin, ermordet nach einer Friedenskundgebung im Tel Aviv. Ich glaube, die Region stand nie wieder so nah vor der Chance einer Befriedung.

Die Eilmeldung kam im Radio, kurz vor Mitternacht. Eine Musiksendung wurde unterbrochen, die fröhliche Sprecherin las die Meldung vor und moderierte in unmittelbarem Anschluss fröhlich das nächste Musikstück an.

Ich war damals so geschockt, über die Nachricht, aber auch über diese respektlose Art. Ich habe tatsächlich bei dem Radiosender angerufen und mich darüber beschwert.


Gestern habe ich nun wieder in ein Kondolenzbuch geschrieben, denn es ist wieder ein ganz Großer gegangen. In ein Kondolenzbuch, diesmal online, bei der ZEIT, für Helmut Schmidt.

Für so viele war Helmut Schmidt wie eine Vaterfigur, der Lotse, der aufrichtige, unerschrockene Politiker, Europäer, Weltbürger. Ein Macher, Vordenker, Erklärer…Weltweit.

Einer, der fehlen wird. Einer, den es so nicht mehr gibt, wohl auch nicht mehr geben wird. Und wie so viele frage ich mich auch: „Wer wird uns jetzt die Welt erklären?“.

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